Magazinrundschau

Eigelb auf der Krawatte

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.
12.01.2010. Der Spectator sagt leise Servus zum Shabby Chic. In Le Monde lehnt Bernard-Henri Levy jede staatlich verordnete Debatte ab. Qantara ahnt, wer an der Misere in den arabischen Ländern schuld ist: der Vater. Im Espresso findet Umberto Eco heutige Tageszeitungen viel zu aufgebläht. The Nation will den Journalismus mit jährlich 30 Milliarden Dollar Subventionen retten. In Tygodnik Powszechny erklärt der Schriftsteller Wojciech Albinski, warum Polen exotisch ist. Der New Yorker entdeckt arabisches Leben in der Literatur.

Spectator (UK), 09.01.2010

Eine Träne rollt, als Harry Mount zu einem englischen Nationalheiligtum leise Servus sagen muss. "Nach mehr als 200 Jahren dürfen wir uns von einem typisch britischen Stil verabschieden. Der Shabby Chic ist weggesaugt, ausgebleicht und chemisch weggereinigt worden. Ausgefranste Hemdkragen, Eigelb auf der Krawatte, Soßenflecken im Schritt, wild über die brüchigen Terrassenfliesen wuchernde Rosenbüsche, Wände vollgepflastert mit Bildern, Tische bedeckt mit schwankenden Buchstapeln. Das so britische Gefühl eines verfallenen Adelsstandes wurde von einer Kombination aus Minimalismus, Modernismus und Nihilismus hinweggefegt. Wir leben zum ersten Mal in der Geschichte in einer Zivilisation, in der man immer weniger besitzt, je reicher man ist, die Dinge dafür aber immer neuer, sauberer und reduzierter sein müssen. Shabby Chic bedeutete das Gegenteil. Die Idee war, dass man bei steigendem Vermögen nicht nur immer mehr Dinge hatte, sondern diese auch älter und heruntergekommener zu sein hatten. 'Ich habe so viel Zeug, natürlich wird es staubig und angeschlagen', so war das Mantra, 'aber es ist so stilvoll, dass es nie aus der Mode kommen wird.'"
Archiv: Spectator
Stichwörter: Minimalismus, Zivilisation

Point (Frankreich), 06.01.2010

In seinen Bloc-notes erklärt Bernard-Henri Levy, weshalb die Debatte über nationale Identität unverzüglich beendet werden müsse: weil sie auf die Initiative eines Staatspräsidenten zurückgehe. "Sie wurde staatlich verordnet. Erzwungen. Eine gesteuerte, angeleitete, von allen Seiten verbrämte, kontrollierte Debatte. Gerade weil man die Debatte liebt, weil man daran glaubt, dass es keinen Gedanken, keine Meinungen, keine Gewissheiten gibt, die es nicht verdienten, in einer wirklich freien Debatte mit feinem Stachel erschüttert zu werden, muss man diese falsche Debatte ablehnen, diese Karikatur einer Debatte."

In einem lesenswerten Interview spricht der Künstler Christian Boltanski über sein Kunstverständnis ("Das Leben ist berührender als die Kunst") und seine jüngste Arbeit: Er hat sein Leben einem australischen Kunstsammler verkauft.
Archiv: Point

Qantara (Deutschland), 11.01.2010

Was ist los mit den arabischen Gesellschaften? Warum gelingt es ihnen nicht, demokratische Regierungen zu installieren? Diese Frage hat der britische Journalist Brian Whitaker in seinem Buch "What's Really Wrong with the Middle East" untersucht. Seine Antwort, so Rezensent James M. Dorsey: Nicht nur die Regierungen, die Gesellschaften selbst sind repressiv. "Um dieses Phänomen zu beschreiben, bedient sich Whitaker der Theorie des 'Neo-Patriarchismus' des aus Palästina stammenden US-Historikers Hisham Sharabi. In einem kontrovers diskutierten, in vielen arabischen Ländern bis heute verbotenen Buch aus den 1980er Jahren, konstatiert Sharabi, dass die arabische Gesellschaft um die 'Dominanz des Vaters (Patriarchen)' aufgebaut sei: Dieser bildet 'das Zentrum der nationalen wie der natürlichen Familie. So existieren zwischen dem Herrscher und den Beherrschten, zwischen Vater und Sohn einzig vertikale Beziehungen: in beiden Verhältnissen ist der väterliche Wille absolut'."
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Archiv: Qantara
Stichwörter: Arabische Länder

Times Literary Supplement (UK), 08.01.2010

Fasziniert stellt Wendy Doniger "Nine Lives" vor, William Dalrymples neuen Reportageband aus Indien, der mit sehr viel Sympathie von Menschen erzählt, die ihr Heil in der Spiritualität suchen - und den Subkontinent in eine "große Irrenanstalt für die göttlichen Verrückten" verwandeln. "Aber die hässliche Seite der Religion, die eher Wunden schlägt als Balsam bietet, wird auch sichtbar. Hindus verfolgen sowohl die Tantriker als auch arme, verwitwete und sozial marginalisierte Frauen, denen - besonders wenn Unheil über die Gemeinde gekommen ist - vorgeworfen wird, Hexerei zu betreiben und von Dorfbewohnern 'die Leber zu essen'; gelegentlich werden sie tatsächlich noch getötet, wie die Hexen zur Zeit der Reformation in Europa und den USA. Mataji (die als Digambara im Himmelskleid durch Westbengalen wandert) musste zwei religiöse Zeremonien über sich ergehen lassen, bei denen ihr die Haare einzeln aus dem Kopf gerissen wurden, eins nach dem anderen, sie hat sich diese Prozedur ausgesucht, anstatt sich Kopf rasieren zu lassen. 'Das ganze Ritual dauerte fast vier Stunden, und war sehr schmerzvoll. Ich versuchte, nicht zu weinen, aber ich schaffte es nicht.'"

Espresso (Italien), 08.01.2010

In Italien führt die Attacke auf Ministerpräsident Silvio Berlusconi zu tiefgreifenden Feuilletondebatten über die Rolle der Medien als Unruhestifter und Aufpeitscher der Massen. Das Interesse an den Niederungen des Menschlichen ist nichts Neues, meint Umberto Eco, allerdings seien die Zeitungen heute viel zu aufgebläht. Ein Thema werde im Blatt auf zehn verschiedene Arten abgefeiert, Unwichtiges weit über das Maß aufgeblasen. "Der Sieg der Tageszeitungen über die wöchentlichen Magazine, die sogenannte 'Verwöchentlichung' (ebenfalls ein Problem des Zuviel, das daher rührt, dass das Fernsehen den Tageszeitungen das Privileg der puren Berichterstattung weggenommen hat), hat einerseits die wöchentlichen Magazine in eine Krise gebracht, andererseits die Tageszeitungen unlesbar gemacht."
Archiv: Espresso

HVG (Ungarn), 06.01.2010

Angesichts der tiefen Spaltung der ungarischen Gesellschaft stellt der Schriftsteller Istvan Kemeny fest, dass man keine parteipolitischen Gründe suchen muss, um diese Spaltung zu erklären - der allgemeine Hass reicht bei weitem aus: "Man muss den Hass stets in Betracht ziehen, ihn als natürliches, normales Phänomen betrachten. Man darf den Hass nicht hassen, man muss ihn vielmehr in alles einkalkulieren und versuchen, sich nicht vor ihm zu fürchten. Der Hass ist der Ausgangspunkt. Er ist die Grundlage, die das gesamte, komplizierte System der Emotionen der ungarischen Gesellschaft heute bestimmt. In besseren Zeiten könnte das durchaus auch etwas anderes sein (Verständnis, Achtung, Korrektheit oder Gutmütigkeit), doch nicht jetzt, jetzt ist es der Hass."
Archiv: HVG

The Nation (USA), 25.01.2010

Wie kann man den Journalismus retten? Mit Subventionen, meinen John Nichols und Robert W. McChesney. Sie denken an etwa 30 Milliarden Dollar im Jahr. Denn dann wären die USA - im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt - auf dem Stand der Pressesubventionen von 1840. Man könne überlegen, ob dieses Geld zum Teil auch ums Überleben kämpfenden kommerziellen Medien zugute kommen soll. "Aber der Löwenanteil der Subventionen muss jetzt und in der Zukunft in die Entwicklung und Ausweitung des nicht-kommerziellen Sektors gesteckt werden. Journalismus benötigt eine institutionelle Struktur, die sich mit seinem Status als öffentliches Gut verträgt. Worüber sprechen wir? Für den Anfang sollten die Ausgaben für den öffentlichen Rundfunk dramatisch erhöht werden, wobei das Geld in erster Linie Journalismus, vor allem Lokaljournalismus finanzieren sollte. ... Wir sollten auch Gesetze entwerfen, um den Übergang niedergehender Tageszeitungen in solvente Nonprofit- oder low-profit-Rechtsgebilde zu beschleunigen."

Außerdem: Ben Ehrenreich stellt den neuen Roman des Kolumbianers Evelio Rosero vor, "The Armies": Trotz aller Grausamkeit ist es "kein realistischer Roman, noch weniger ein journalistischer. Er hat eine stärkere Verwandtschaft mit Kafka und Juan Rulfos 'Pedro Paramo' als mit Roseros Zeitgenossen". David Caroll Simon porträtiert die britische Schriftstellerin Sylvia Townsend Warner (1893-1978).
Archiv: The Nation
Stichwörter: Geld, Lokaljournalismus

Literaturen (Deutschland), 01.01.2010

Die Autorin und Wissenschaftlerin Anett Gröschner lebt seit 1983 im Prenzlauer Berg. Inzwischen ist ihr das allerdings etwas peinlich, wie sie in ihrem Porträt des Bezirks (das zur Titelgeschichte "Über Berlin" gehört) zugibt. Der nämlich gleicht sich ihrer Erfahrung nach tatsächlich dem Bionade-Biedermeier-Klischee an: "Die öffentliche Wahrnehmung des Prenzlauer Berg ist inzwischen besetzt durch eine Mittelstandsgesellschaft, die eine perfekte Fassade aufgebaut hat, die derjenigen der sanierten Häuser ähnelt (den Keller sieht ja niemand). Man gibt sich aufgeklärt, wählt grün, bekommt im fortgeschrittenen Alter noch die gesellschaftlich geforderten und geförderten zwei Kinder, engagiert sich in privaten Kindergärten und Schulen und bildet Baugruppen, um sich den Traum vom Eigenheim gemeinsam zu erfüllen. Dabei werden jahrhundertealte Bäume abgeholzt, die Trinker von ihren Plätzen vertrieben, den Hinterhofwohnungen vergeht das Licht. Ja, es gibt sie noch, die Indianer in ihren Reservaten, die den Touristen Kunststückchen vorführen, in der Kittelschürze über die Straße in die Kaufhalle huschen oder sich dem Trunk hingeben. Die Reservate aber werden knapp."

Weitere Artikel: In seiner Kolumne "schreiben: Stoff" ist Sascha Stanisic realiter und virtuell unterwegs. Jochen Schmidt sieht Deutschland auf dem Weg zum Literaturzwergentum. Aram Lintzel findet Popliteraturseiten im Netz.

Besprochen werden unter anderem Margaret Atwoods Roman "Das Jahr der Flut", Rainald Goetz' neues Buch "Loslabern", Alexander Kluges "Chronik der Gefühle" als Hörbuch, Alex Ross' Geschichte der Musik des 20. Jahrhunderts "The Rest is Noise", Hans Blumenbergs posthum versammelte Aufsätze zur "Geistesgeschichte der Technik", neue Krimis, Spike Jonzes Kinderbuchverfilmung "Wo die wilden Kerle wohnen" und ein Bildband mit Fotografien von Dennis Hopper.
Archiv: Literaturen

Rue89 (Frankreich), 08.01.2010

Louis Mesple ist sehr angetan von dem kleinen Buch "A cercle. Histoire veridique d'un symbole". Schriftsteller, Musiker und Semiologen schreiben darin über Herkunft und Geschichte eines Symbols, das die politischen Kämpfe der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts prägte: das Anarchisten-A, also ein eingekreistes großes A - die Autoren widerlegen dabei nebenbei die Wikipedia-Artikel zur Geschichte des Symbols, die von einem viel älteren Ursprung ausgehen. "Tatsächlich ist dieses Zeichen eine sehr junge ikonografische Kreation... Nun weiß man, dass sich das erste eingekreiste A ins Jahr 1964 zurückverfolgen lässt. Im April tauchte es im Bulletin des Jeunes Libertaires auf, wo es im Rahmen eines Projekts als Zeichen 'für die gesamte anarchistische Bewegung' vorgeschlagen wurde. Laut Text, der diese Idee lancierte, handelte es sich darum, 'ein praktischeres und schnelleres Mittel zu finden, um die Länge von Unterschriften unter Texten und Slogans sowie den Zeitaufwand dafür auf ein Minimum zu beschränken'."
Archiv: Rue89
Stichwörter: Rue89, Wikipedia

Tygodnik Powszechny (Polen), 10.01.2010

Fast 40 Jahre hat der Schriftsteller Wojciech Albinski in Afrika gelebt, und seine Erfahrungen literarisch verarbeitet hat, jetzt kehrt er im letzten Buch zu seiner Kindheit in Warschau während des Aufstands 1944 zurück. Im Gespräch mit der Wochenzeitung sagt er, was beide Welten verbindet: "Ich beschrieb ein mystisches Land, an dessen Existenz ich selbst manchmal kaum glaube. Afrika war dabei etwas ganz anderes. Das war ein Leben! Und das hier ist nur Erinnerung. Wenn ich aber nicht von hier weggegangen wäre, würde ich vielleicht nicht zu diesen Geschichten zurückkehren. Wenn man vor Ort ist, scheint alles so wie immer zu sein. Nur nach der Rückkehr von einer Reise sehen wir, dass alles anders ist. Als ich hierher kam, entdeckte ich, dass in Polen die wahre Exotik ist. Und erst hier und jetzt, nach Afrika, entdecke ich die Welt so, wie sie ist."

Zbigniew Liberas berühmtestes Kunstwerk ist wohl das "Lego Konzentrationslager". Eine Warschauer Ausstellung präsentiert nun eine Art Gesamtschau des Künstlers, was Piotr Kosiewski sehr freut: "Immer deutlicher wird, wie viel die Künstler, die nach 1989 schufen, ihren Vorgängern verdanken. Libera scheint ein wichtiges Verbindungsglied zwischen den Generationen zu sein. Umso wichtiger ist die Ausstellung in der Zacheta-Galerie."
Stichwörter: Konzentrationslager

Monde (Frankreich), 09.01.2010

Der Philosoph Edgar Morin singt in einem Essay ein Loblied auf die Kraft der Metamorphose, die immer dann notwendig werde, wenn ein System unfähig wird, mit seinen Problemen fertig zu werden und auf die Selbstzerstörung zusteuert. "Die Idee der Metamorphose ist, was ihre transformatorische Radikalität angeht, viel gehaltvoller als die Idee der Revolution, knüpft jedoch an den Erhalt (des Lebens, des Kulturerbes) an. Doch wie ändert man die Richtung, um eine Metamorphose zu erreichen? Denn so machbar es erscheint, bestimmte Übel zu korrigieren, so unmöglich scheint es, zugleich die technisch-wissenschaftlich-ökonomisch-zivilisatorische Entfesselung auszubremsen, die den Planeten in die Katastrophe führt. Und doch hat die Menschheitsgeschichte schon häufig die Richtung gewechselt. Alles beginnt stets mit einer Neuerung, einer neuen, abweichenden, marginalen, bescheidenen Botschaft, die für die Zeitgenossen häufig unsichtbar ist. So jedenfalls begannen die großen Religionen, Buddhismus, Christentum, Islam. Der Kapitalismus hat sich als ein Parasit der feudalistischen Gesellschaften entwickelt und mithilfe der Königtümer seinen Aufschwung genommen, um sie am Ende zu zerstören."

Außerdem schreibt Wassyla Tamzali, Autorin, Anwältin und Frauenrechtsbeauftragte der Unesco, über die gespaltene, oftmals verklärende Beziehung von Albert Camus zu seinem Geburtsland Algerien und analysiert die politische Haltung des "glücklichen Sisyphos".
Archiv: Monde

Standpoint (UK), 01.01.2010

Fisun Güner besucht die van-Gogh-Ausstellung in der Royal Academy, mit 65 Gemälden, 30 Zeichnungen und 40 Originalbriefen von Vincent van Gogh, und stellt fest, dass der niederländische Maler nicht nur ein Irrer mit kindlich-unschuldigem Gemüt, sondern auch ein aufmerksamer Zeitgenosse war: "Van Gogh war ein gieriger Leser - in Holländisch, Französisch und Englisch. Er las alles von Dickens auf Englisch ('Harte Zeiten' war sein Lieblingswerk), Shakespeares historische Dramen bewegten ihn, und er liebte Flaubert und Maupassant. Tatsächlich wusste er ausgezeichnet Bescheid über die zeitgenössische französische Literatur. Außerdem lernte er eine Menge über Japan aus den Werken Pierre Lotis, vor allem aus dessen Bestseller 'Madame Chrysantheme', der Vorlage von Puccinis 'Madame Butterfly'. Van Gogh identifizierte sich besonders mit den naturalistischen Schriftstellern. Er war inspiriert von Zolas Beschreibung des Pariser Lebens und las alle zwanzig Bände von Zolas Rougon-Macquart-Zyklus. '[Sie] malen das Leben, wie wir es selbst fühlen und befriedigen so unser Bedürfnis, dass Menschen die Warheit sagen', schrieb er 1887 [seiner Schwester] Wil."
Archiv: Standpoint

Frontline (Indien), 15.01.2010

Frontline feiert seinen 25. Geburtstag und hat aus diesem Anlass neue Essays mit Texten aus älteren Heften flankiert (mehr dazu im Editorial), so dass man einen guten Eindruck von indischem Qualitätsjournalismus bekommt. Wer mit indischen Themen nicht vertraut ist, muss sich in manches erst reinfriemeln, aber die Mühe lohnt sich fast immer.

S. Viswanathan nimmt - mit wenig Respekt für das Ergebnis - die halbherzig ausgeführten staatlichen Versuche aufs Korn, den niederen Kasten in Indien mittels "positiver Diskriminierung" bessere Ausbildung und Jobs zu verschaffen. "Im Fall der Dalits wurde die Situation eher schlimmer, vor allem wegen der, wie Dalit-Führer es beschreiben, 'trägen' Umsetzung von Quoten. Dalit-Aktivisten beschweren sich über Diskriminierung im Rahmen der 'positiven Diskriminierung'. Bürokraten aus den 'unterdrückenden Kasten' zeigen kein besonderes Interesse daran, Quoten umzusetzen. Eine große Anzahl reservierter Posten bleiben unbesetzt, und Beamte aus den höheren Kasten zeigen kaum Interesse daran, Rückstände zu beseitigen. Das beweist nur, dass Quoten bei Arbeitsplätzen und in der Erziehung nicht ausreichen, den sozialen Status der Dalits wirksam zu verbessern. Dalits, die für private Arbeitgeber arbeiten, erleiden vermutlich noch viel schlimmere Formen der Diskriminierung."
Archiv: Frontline

New Yorker (USA), 18.01.2010

In einem ausführlichen Überblicksartikel widmet sich Claudia Roth Pierpont unter dem Titel "Found in Translation" dem arabischen Gegenwartsroman und bespricht Bücher unter anderem von Alaa Al Aswany, Elias Khoury, Nagib Mahfus, Rajaa Alsanea und Mahmoud Saeed. Eingangs schreibt sie: "Was wissen Sie über Menschen, die in Kairo, Beirut oder Riad leben? Welche Bedeutung haben solche Informationen für Ihr Leben? Es gibt natürlich Zeitungen, die verantwortungsbewusste Amerikaner auf dem Laufenden halten, wenn sich Ärger zusammenbraut, und das öffentliche Fernsehen oder History Channel, die uns über einzelne historische Schlachten oder archäologische Entdeckungen oder Bürgerkriege informieren. Was brauchen wir mehr? Die Art, wie Menschen denken, arbeiten, leiden, sich verlieben, sich Feinde machen und manchmal auch Revolution ist der Stoff von Romanen, und arabische Romane, wenn sie sich auch nicht in den Regalen der Buchhandlungen stapeln, sind zunehmend in englischer Übersetzung zugänglich. Sie bieten ein phantastisches Spektrum an Antworten auf Fragen, von denen wir nicht wussten, dass wir sie stellen wollten."

Margret Talbot informiert über den aktuellen Stand der gesetzlichen Festschreibung von Homoehen in den USA. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "A Death in Kitchawank" von T.C. Boyle und Lyrik von Mary Karr und Galway Kinnell.
Archiv: New Yorker