Magazinrundschau - Archiv

The Nation

149 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 15

Magazinrundschau vom 24.11.2020 - The Nation

Im Interview mit Daniel Steinmetz-Jenkins bürstet Pankaj Mishra linksliberale Intellektuelle als generell rechts und vom großen Geld abhängig ab. Interessanter ist sein Blick auf die schwarzen Intellektuellen in den USA. Die BLM-Bewegung und Autoren wie Ta-Nehisi Coates finden zwar seine Zustimmung, aber es gibt auch Kritik am Provinzialismus vieler afroamerikanischer Intellektueller und Künstler: "Selbst ein sensibler und intelligenter Schriftsteller wie Coates bringt die afroamerikanische Erfahrung nicht mit der Geschichte Asiens und Afrikas in Verbindung. In der Vergangenheit waren afroamerikanische Führer und Künstler - W.E.B. Du Bois, Nina Simone, Richard Wright, der nach Bandung reiste und über Bandung schrieb, und viele andere - sehr daran interessiert, solidarische Beziehungen zu Völkern aufzubauen, die anderswo gegen ethnischen Rassismus kämpften. Viele Nichtamerikaner erwarten natürlich, dass die BLM-Bewegung, die in mancher Hinsicht wunderbar effektiv ist, eine solide internationalistische Ausrichtung hat, zumal sich die USA in den letzten Jahrzehnten noch tiefer und katastrophaler in die Angelegenheiten anderer Länder verstrickt haben. Ich frage mich, ob es hier einen Graben zwischen den Generationen gibt. Muhammad Ali hat sich geweigert, in Vietnam zu kämpfen, aber Spike Lees neuer Film über afroamerikanische Soldaten in Vietnam zum Beispiel enthält einige der schrecklichsten amerikanischen Klischees über die Vietnamesen und nicht-weiße Ausländer im Allgemeinen. Der Leiter des '1619 Project' der New York Times behauptete kürzlich in einem Tweet, dass Afroamerikaner 'im Ausland für Demokratie kämpfen'. Ein solch naiver Amerikanismus ist auffällig, nicht zuletzt wegen der außerordentlichen internationalen Solidarität für BLM, die leider nicht erwidert wird."

Magazinrundschau vom 06.10.2020 - The Nation

Wenn Bill Gates kritisiert wird, ist mindestens ebenso viel Vorsicht angesagt, wie wenn George Soros kritisiert wird. Tim Schwab macht aber deutlich, dass Gates' Rolle als der Zar der Corona-Impfstoffforschung zumindest kritisch begleitet werden muss. Denn Gates steckt zwar unbestritten über seine Stiftung Hunderte von Millionen Dollar in die Suche nach Impfstoffen, aber die Stiftung agiert dabei laut Schwab alles andere als transparent und reagiert nicht auf Fragen. Außerdem kritisiert Schwab Gates' industriefreundliche Politik. Er habe "eine Schlüsselrolle gespielt, um in der Pandemie die Pharmaindustrie nach vorne zu bringen, zum Beispiel indem er die Universität von Oxford dazu brachte, ihre führende Covid-19-Impfplattform in die Hände von Big Pharma zu geben. Die daraus resultierende Partnerschaft mit AstraZeneca hatte einen weiteren Effekt, wie Bloomberg und Kaiser Health News neulich berichteten, nämlich die Umwandlung des Vertriebsmodells der Universität von einem Open-License-Modell, das den Impfstoff für jeden Hersteller verfügbar machen sollte, zu einem Exklusivmodell, das von AstraZeneca kontrolliert wird." Auch hier wird gelobt, den Impfstoff universell zur Verfügung zu stellen, konzediert Schwab - allerdings eben unter anderen Vorzeichen.

Magazinrundschau vom 07.04.2020 - The Nation

Nicht nur in Deutschland, auch in den USA hat die Katholische Kirche ein eigenes Arbeitsrecht, was oft genug bedeutet, dass ihre Mitarbeiter schlechter behandelt werden als Leute in gleichwertigen Jobs bei anderen Arbeitgebern und damit gegen die eigene Soziallehre verstoßen wird, berichtet Amy Littlefield. Das betrifft zum Beispiel studentische Hilfskräfte am Boston College: "Während die Universität mit Gewerkschaften verhandelt hat, die die Polizei und die Angestellten der Einrichtungen vertreten, bestehen die Verwaltungsbeamten darauf, dass Pingree und ihre Kollegen Studenten und keine Arbeiter sind. Und indem sie sich deren Recht auf die Gründung einer Gewerkschaft widersetzt, hat sich die Schule auf ein juristisches Argument berufen, das bei den Bundesbehörden und Gerichten zunehmend Anklang findet: Die katholische Mission des Boston College stelle die Arbeiter außerhalb des Schutzes des Gesetzes - in diesem Fall außerhalb der Zuständigkeit der Nationalen Arbeitsbeziehungsbehörde (NLRB), die das Recht der Arbeiter im Privatsektor auf gewerkschaftliche Organisierung durchsetzt."

Die Behandlung von Woody Allens Memoiren - Verleger Hachette ließ sie fallen wie eine heiße Kartoffel nach ein bisschen öffentlich Druck - in den USA lässt sich nicht schön reden, schreibt JoAnn Wypijewski: Es ist Zensur. "Die bei Redaktionsschluss angekündigte Wiederauferstehung des Buches durch den Skyhorse-Verlag ändert daran nichts. Es sind absurde Zeiten, in denen sich die Zensoren als Gerechtigkeitskrieger verkleiden. Für sie ist der degenerierte Mann, wie Allen genannt wurde, das eigentliche Objekt der Auslöschung. ... Man muss sich keine Illusionen über die Gesellschaftsordnung oder den 'freien Marktplatz der Ideen' machen um zu verstehen, dass die Sackgasse immer dann erreicht ist, wenn jemand einem anderen befiehlt, den Mund zu halten. Das Problem der privaten Zensur unterscheidet sich nicht so sehr von dem Problem der Geheimhaltungsvereinbarung."
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Magazinrundschau vom 10.03.2020 - The Nation

Colin Jones liest Nick Kapurs Geschichte Japans seit dem Krieg ("Japan at the Crossroads") und kommt auf die große Zeit der Anpo-Proteste in Japan um 1960 zurück. Sie richteten sich gegen die amerikanischen Militärbasen und gegen die Kooperation der neuen konservativen Regierung mit den Amerikanern im allgemeinen (die unter der japanischen Abkürzung "Anpo" lief). Zu Hochzeiten war ein Drittel der japanischen Bevölkerung mobilisiert! Allerdings gehörten die Protestierenden den unterschiedlichsten politischen Richtungen an - von ganz rechts bis ganz links. Gemeinsam war ihnen nur der Antiamerikanismus. Dennoch entstand so auch die japanische Zivilgesellschaft, und für Colin Jones waren die Proteste auch verständlich, denn "skandalöser Weise gestattete das Abkommen den Amerikanern sogar, ihre Truppen gegen Japaner einzusetzen, um 'interne Aufstände oder Störungen' zu bekämpfen, eine Konzession an die amerikanische Angst vor einer Revolution von links. Kritiker des gesamten politischen Spektrums prangerten diese Vereinbarung an. Links gab es eine gar nicht kleine Fraktion, die eine Allianz mit China oder der Sowjetunion vorgezogen hätte. Aber sehr viel mehr - nach Umfragen etwa die Hälfte des Landes - zogen eine offizielle Politik der Neutralität vor. Die einzige wirkliche Unterstützung für den Anpo-Vertrag kam von einem Teil der regierenden Liberaldemokraten, die einen Vorteil darin sahen, dass Amerika die japanischen Verteidigungsausgaben übernahm. Zufällig war diese Fraktion an der Macht."
Stichwörter: Japan

Magazinrundschau vom 21.01.2020 - The Nation

Für einem Beitrag des Magazins reist Amy Wilentz ins korruptionsgeplagte Haiti: "Wem gehört das Land? Dem Volk, der Regierung oder den Geschäftsleuten? 'Wo ist das Geld von PetroCaribe?' lautet der Slogan der Demonstranten mit Bezug auf das Hilfsprogramm von Hugo Chavez, dessen Gelder Regierungsbeamte und Haitis Präsident Jovenel Moïse veruntreut haben. Die Gelder waren für dringend benötigte Wohnungen, sanitäre Anlagen, Straßen und das Gesundheitswesen gedacht, aber das meiste davon ist in dunklen Kanälen verschwunden. Letzten Herbst legte die Opposition immer wieder das Land lahm. Die Leute konnten nichts zu Essen kaufen und hungerten, sie konnten keine Ärzte aufsuchen, nicht arbeiten, zur Schule gehen oder auch nur begraben werden. In dieser Zeit rief die Opposition verschiedene Berufsgruppen zu Protesten auf, aber unterdessen machten bewaffnete Gangs die Straßen unsicher. Dennoch will Moïse bis 2022 weiterregieren. Letzten Monat ging er von virtuellem Schweigen in einen Neo-Duvalier-Modus über, indem er sagte, Köpfe würden rollen, wenn jemand sich ihm in den Weg stellte. Die massiven Proteste ignorierend, konzentriert Moïse  seine Wut auf einen Energieversorger, den er schon lange gern kontrollieren würde, weil die Korruptionsmöglichkeiten riesig wären … Haiti bewegt sich gerade von der oppositionellen Blockade, die mit echtem Druck auf einen Regierungswechsel zielte, in einen Zustand politischer Paralyse, die keinen Ausweg erkennen lässt. Moïses Position bleibt prekär. Ein wütendes, militantes Volk versucht ihn aus dem Amt zu drängen, während seine Freunde alles daran setzen, ihn im Amt zu halten, so dass die Plünderung des Landes weitergehen kann. Moïse sorgt sich um das Volk und um seine Freunde gleichermaßen. Auf Französisch würde man seine Lage als coincé bezeichnen, in die Ecke getrieben."
Stichwörter: Haiti, Moise, Jovenel

Magazinrundschau vom 14.01.2020 - The Nation

In einer nicht endenden Anklage geißelt Arundhati Roy die Regierung Narendra Modis, der Indien zu einem nationalistischen Hindu-Staat umkremple, die Wirtschaft zum Erliegen bringe, die muslimische Bevölkerung ebenso um ihre Rechte bringe wie die Bewohner Assams. Und dann ist da natürlich noch die Annexion Kashmirs, in deren Folge die Region seit Monaten mit Tod und Folter überzogen wird: "Stellen Sie sich vor, ganz New York City stünde unter einer Informations- und Ausgangssperre, kontrolliert von mehreren hunderttausend Soldaten. Stellen Sie sich vor, die Straßen Ihrer Stadt würden von Stacheldraht und Folterzentren neu kartiert werden, kleine Abu Ghreibs entstünden in Ihrer Nachbarschaft, Tausende würden verhaftet, ohne dass ihre Familien wüssten, wohin sie verschleppt wurden. Stellen Sie sich vor, Sie könnten über Wochen mit niemandem kommunizieren - nicht ihrem Nachbarn, nicht Ihren Verwandten außerhalb der Stadt. Stellen Sie sich vor, Schulen und Banken wären geschlossen. Ihre Eltern, Geschwistern, Partner oder Kinder stürben, ohne dass sie davon wüssten. Stellen Sie sich den Mangel an medizinischer Versorgung, Medikamenten, Lebensmitteln, Benzin und Geld vor. Stellen Sie sich Tagelöhner vor, die seit Wochen kein Einkommen haben. Und dann stellen Sie sich vor, dass Ihnen jemand sagt, alles geschähe nur zu Ihrem eigenen Besten."

Magazinrundschau vom 05.11.2019 - The Nation

Seyla Benhabibs Rezension der intellektuellen Rawls-Biografie "John Rawls - The Path to a Theory of Justice" von Andrius Gališanka liest sich so professionell und klug, wie sich solche Kritiken in amerikanischen Zeitschriften lesen. Interessant ist dabei, wie genau Benhabib Rawls' noch universalistischen Ansatz im Denken über Demokratie, Rechte und Gerechtigkeit abserviert - im Namen heutiger Identitäts- und Differenzdiskurse (auch wenn sie in einer späteren Passage nicht so weit geht, Rawls' Erbe völlig zur Disposition zu stellen): "Rawls schränkte die Ungleichheit nicht auf Einkommen und materielle Güter ein. Aber wie Iris Young in 'Justice and the Politics of Difference', einer frühen feministischen Kritik an seinem Werk, feststellte, können der mangelnde Respekt und die Marginalisierung, die bestimmte Gruppen erleiden, in den Begriffen der Rawlsschen Theorie nicht formuliert werden, denn solche Differenzen, die einen Unterschied machen, werden bei Rawls ignoriert. Rawlssche Gleichheit zwischen Menschen läuft auf Gleichmacherei hinaus, eine Homogenisierung der Andersheit, statt ihrer Anerkennung."

Magazinrundschau vom 20.08.2019 - The Nation

Jonathan Levi und Marta Orrantia beobachten, wie Kolumbiens neuer Präsident Ivan Duque daran arbeitet, den Friedensprozess mit der FARC auszuhebeln. Duque und seine konservativen Unterstützer stören sich vor allem an den Zugeständnissen gegenüber der einstigen Guerilla. Jetzt sollen Kriegsverbrechen der Militärs nicht länger geahndet werden und vor allem den einstigen Rebellen das Land genommen, das sie seit 2016 in Schutzzonen bewirtschaften durften: "Mit der Auflösung der Schutzzonen verlieren die Ex-Kombattanten auch die Abschirmung, die ihnen bisher die Armee gewährte - vor Zivilisten, die Vergeltung suchen, oder vor anderen Guerillagruppen, die noch immer mit dem kolumbianischen Staat im Krieg leben, wie die die ELN und die EPL, die nur zu erpicht darauf sind, frühere FARC-Kämpfer auszulöschen oder für die eigenen Reihen zu rekrutieren. Zudem sind viele Anführer der rechten Paramilitärs, die sich der Vernichtung der FARC verschrieben haben, aus dem Gefängnis entlassen worden. Die Vereinten Nationen schätzten 2008, dass diese paramilitärischen Einheiten für achtzig Prozent aller Morde in Kolumbien verantwortlich sind, seit die Drogenhändler in den siebziger Jahren begonnen hatten, Milizen zu bilden, um die linke Guerilla zu bekämpfen - gegenüber zwölf Prozent, die der Farc und anderen linken Aufständischen zuzuschreiben sind, und acht Prozent, die auf das Konto der Militärs gehen. Die Angst hat viele jüngere Ex-Kombattanten aus den Schutzzonen zurück zu ihren Familien getrieben, zumindest jene, die noch eine haben, die anderen flüchteten sich in die Anonymität Bogotás. Andere, die das Vertrauen in das Versprechen von Amnestie und Wiedereingliederung verloren haben, griffen wieder zu den Waffen. Nicht länger durch den Friedensprozess geschützt, werden diese Dissidenten nun als normale Kriminelle betrachtet und dürften von den Sicherheitskräften mit maximalen Vorurteilen gejagt werden."

Magazinrundschau vom 17.06.2019 - The Nation

Kaum ein Begriff ist derart schwer zu fassen wie der "Liberalismus", schreibt der Historiker David A. Bell und greift zu Adam Gopniks "A Thousand Small Sanities", das ihm unter all dem "lexikalischen und politischen Morast" eine Definition bieten soll. Leider belasse es Gopnik ebenfalls bei einer äußerst vagen Definition: Liberalismus versteht er als "Temperament", als den Versuch, mit gewaltfreien Mitteln "egalitäre soziale Reformen und eine immer größere (wenn nicht absolute) Toleranz gegenüber menschlichen Unterschieden zu erreichen". Diese schwammige Analyse aber veranschauliche laut Bell gut das Grundproblem des amerikanischen Liberalismus: "Die meisten Varianten des amerikanischen Liberalismus haben heute ihre Spezifikation, Klarheit und historische Grundlage verloren. Während Progressive und Sozialisten gern die Banner des New Deal und der Great Society aufgreifen, sind selbsternannte Liberale im Allgemeinen vorsichtiger und aufmerksamer gegenüber Bill Clintons Erklärung der Niederlage gegenüber dem Reaganismus: 'Die Ära der großen Regierung ist vorbei'. Wenn es um Sozialprogramme geht, ist ihr Modell nicht die Art von umfassender öffentlicher Hilfe, die von Franklin Roosevelt oder Lyndon Johnson vorgeschlagen wurde, mit der damit notwendigerweise einhergehenden Regierungserweiterung, sondern Obamacare: vorsichtige, schrittweise Verbesserung. Liberale stehen im Allgemeinen der Linken in Bürgerrechtsfragen, einschließlich der Rechte von Frauen und sexuellen Minderheiten nahe, aber in Fragen der Verteilung und Regulierung kommen sie den Republikanern häufig näher. Sie sorgen sich lautstark um die spaltenden Auswirkungen der Identitätspolitik und warnen vor den Exzessen auf dem verlassenen Campus. In dieser Bandbreite von Positionen ist es schwierig, eine tief greifende soziale Analyse zu liefern, geschweige denn eine kohärente politische Antwort."

Magazinrundschau vom 21.05.2019 - The Nation

In einer zweiteiligen Reportage über Abtreibung in Ecuador beschreibt Zoë Carpenter (hier und hier) die oft grauenvollen Zustände in dem Land, das eins der drakonischsten Abtreibungsgesetze der Welt hat. "Einige Frauen, die wegen Abtreibung oder Mordes nach Fehlgeburten verfolgt wurden, wussten nicht einmal, dass sie schwanger waren. In einem Fall wurde eine Frau im Alter von 18 Jahren vergewaltigt. Es war ihre erste sexuelle Erfahrung, und sie sagte es niemandem. Einige Monate später, während sie Hausarbeiten machte, begann sie zu bluten, und am nächsten Morgen brachte sie einen tot geborenen Fötus zur Welt. Sanitäter, die von ihrer Familie gerufen wurden, fanden die Leiche im Badezimmer. Sie wurde wegen fahrlässiger Tötung angeklagt - weil sie sich nicht um eine Schwangerschaft gekümmert hatte, von der sie nichts wusste. In diesem und anderen Fällen verließen sich die Staatsanwälte auf eine diskreditierte forensische Methode, um eine Mordanklage zu unterstützen: den hydrostatischen oder Lung-float-Test (Docimasia pulmonum hydrostatica), ein Verfahren aus dem 17. Jahrhundert, bei dem Lungengewebe des Fötus in Wasser gelegt wurde. Schweben gilt als Beweis dafür, dass das Baby lebend geboren wurde und nach der Geburt gestorben sein muss - oder getötet wurde. Aber eine Reihe von Faktoren können dazu führen, dass die Lunge schwimmt, und der Test kann nicht zwischen einer Tötung und einem Tod aufgrund anderer Ursachen unterscheiden. Bereits in den 1660er Jahren, so der Historiker G.K. Behlmer, 'kamen die Europäer zu dem Schluss, dass es unmöglich sei, eine Lebendgeburt aus der schwebenden Lunge abzuleiten'. Ein neueres forensisches Lehrbuch nennt solche Tests 'schwarze Magie', die 'ein falsches Gefühl der wissenschaftlichen Gültigkeit simulieren und sogar zu einem möglichen Justizirrtum führen können'. Dennoch wird der Test immer noch zur Verfolgung von Kindesmord in Ländern mit strengen Antiabtreibungsgesetzen verwendet, darunter El Salvador und Mexiko. Es wurde auch in den Vereinigten Staaten verwendet, um eine Indianerin namens Purvi Patel wegen Vernachlässigung und Fetizid im Jahr 2015 zu verurteilen."