Magazinrundschau

Fünf Jahre Abwechslung

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.
04.08.2009. Im Merkur streitet Reiner Paris gegen immer mehr Gleichheit. Im Espresso fragt sich Soli Özel, ob der Prozess gegen die Ergenekon-Verschwörer die Demokratie in der Türkei stärken wird. In der Liberation warnt Jamil Sayah davor, ein Verbot der Burka auf die Scharia zu stützen. Alles in allem lief es für Danton ganz gut, findet die London Review of Books. Auch Antisemiten können den polnisch-jüdischen Dialog fördern, meint der Philosoph Jan Hartmann in Tygodnik Powszechny. Warum hat es kein Araber auf den Mond geschafft?, fragt Abdel-Moneim Said in Al Ahram.

Espresso (Italien), 31.07.2009

Die Staatsanwaltschaft in der türkischen Stadt Istanbul hat Anklage gegen 52 Verdächtige erhoben, die dem kemalistischen Verschwörer-Netzwerk Ergenekon angehören und einen Staatsstreich geplant haben sollen. In der Nähe von Istanbul begann in der gleichen Affäre ein Prozess gegen 56 Angeklagte, ein erster Prozess läuft bereits seit Herbst. Der türkische Journalist Soli Özel begrüßt es, dass diese Affäre jetzt vor Gericht verhandelt wird und der politische Einfluss des türkischen Militärs, das auch Ergenekon geprägt hat, zu schwinden scheint. Aber wird die Türkei deshalb demokratischer? "Man kann sich schon fragen, ob so ein Fortschritt in Sachen Zivilgesellschaft eine hinreichende Voraussetzung für eine Demokratisierung ist. In der Vergangenheit haben sich die türkischen Politiker nicht gerade als Demokraten hervorgetan, sondern als Vertreter von Partikularinteressen. Im Falle der Menschenrechte sind sie selten über Worte hinausgekommen und allzu oft haben sie sich bei Unstimmigkeiten intolerant verhalten. Was gerade passiert, hilft jedoch enorm dabei, die Befürchtungen zu vertreiben, der Prozess sei nichts anderes als ein weiterer Machtkampf und habe nur ganz am Rande etwas mit der Verwurzelung der Demokratie im Lande zu tun. Andererseits könnten sich auch die Beobachtungen der Journalistin Sezin Öney als prophetisch erweisen, die in einem Artikel Italien und die Türkei verglich: 'Der Politiker mit militaristischem Denken und die Militärs, die sich in der politischen Sphäre herumtreiben, sind endemische Charakteristika der Flora und Fauna der türkischen Politik. Ich bezweifle, dass der Hang unserer Weltanschauung zum Faschismus und unserer Politik zum Autoritarismus aufhört, wenn sich das Militär aus der Politik zurückzieht.'"
Archiv: Espresso

Liberation (Frankreich), 31.07.2009

Die französische Regierung erwägt eine Gesetz gegen die Burka und andere Formen der Ganzkörperverschleierung, sieht sich aber durch eine Studie verunsichert, die ergeben hat, dass in Frankreich überhaupt nur 367 Frauen in derartigen Kostümen herumlaufen. Die Sozialisten plädieren nun gegen das Gesetz. Liberation hat ein ganzes Online-Dossier zusammengestellt, in dem man die Diskussion verfolgen kann. Zuletzt warnte die Rechtsprofessorin Jamil Sayah aus Grenoble davor, bei der Diskussion über Burka und Schleier in die "religiöse Falle" zu tappen: "Eine solche Positionierung der Debatte würde uns zwingen, endlose Mäander der Scharia nachzuvollziehen um Aussagen zu finden, die das Tragen solcher Kleidungsstücke verbieten oder erlauben. Nichts ist zerstörerischer für die Laizität. Gleichheit, Freiheit, die öffentliche Ordnung und die Vernunft verurteilen das Tragen solcher Uniformen mit allem Nachdruck. Es ist unnütz, sich auf solche Erklärungen zu stützen."
Archiv: Liberation
Stichwörter: Burka, Scharia, Schleier, Laizität

New Yorker (USA), 17.08.2009

Alex Ross stellt die Webseite Pristine Classical vor, auf der man klassische Musik herunterladen kann. Zum Beispiel Toscaninis Aufnahme der "Meistersinger" als Orchesterwerk aus dem Jahr 1943. Die Sache ist nicht ohne, denn der Gründer von Pristine Classical, Andrew Rose, bearbeitet die Aufnahmen digital: "Crackle and hiss drop away; the bass grows richer, the treble less shrill. You get a sense of air around the music, of a concert-hall ambience. Rose admits that the process, which he developed two and a half years ago, is a tricky one. 'It’s a powerful, potentially dangerous way of approaching a recording,' he told me. Some purists insist that the imperfections of the original should be left intact; others say that Rose applies his method indiscriminately. Yet the gain is substantial. In the case of the Toscanini broadcast, Rose has pushed the old tape past the border at which an artifact becomes a living document. Hooked on the sensation, I spent days browsing Pristine's archives, relishing the newly robust sound of such classic recordings as Bruno Walter's 1952 'Das Lied von der Erde,' with Kathleen Ferrier; Willem Mengelberg's 1939 version of Mahler's Fourth, probably as close as we can get to Mahler himself conducting; and Mengelberg's swaggering 1941 take on Strauss's 'Ein Heldenleben'."
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Archiv: New Yorker

New Republic (USA), 03.08.2009

Andrew Rice rollt in einer ellenlangen Reportage den sehr verwickelten Fall des in den USA lehrenden Ruanders Leopold Munyakazi auf, dem vorgeworfen wird, am Völkermord gegen die Tutsi beteiligt gewesen zu sein. Der Fall scheint nicht ganz eindeutig, die neue NBC-Produktion "The Wanted" führt die Anklage. Auch Rice hat den mit einer Tutsi verheirateten Munyakazi getroffen: "Munyakazi sagt, er sei mit seiner Familie vor den Angreifern geflohen, die sein Haus plünderten. Die Familie versteckte sich für einige Tage in einer Kirche, bis Munyakazi Hilfe von einem Freund organisieren konnte, der General Augustin Ndindiliyimana, einen höheren Militär, kannte. Der General arrangierte einen sicheren Konvoi, der Munyakazis Familie in seinem Heimatdorf nahe Gitarama absetzte. Die ruandische Anklage gegen Munyakazi sieht die Ereignisse in einem anderen Licht. Sie behauptet, dass Ndindiliyimana, gegen den gerade das UN-Kriegsverbrecher-Tribunal verhandelt, Munyakazi nach Gitarama geschickt hat, um dort die Bewohner zu mobilisieren. In den verschiedenen Dokumenten, die die Anklage vorgelegt hat, wurden die Anschuldigungen gegen Munyakazi immer schwerwiegender und ausgefeilter - was seinen Verteidigern suspekt ist -, aber der Kern der Geschichte ist, dass der Professor zusammen mit dem Bürgermeister die anderen zum Völkermord aufstachelte."
Archiv: New Republic
Stichwörter: Kriegsverbrechen

London Review of Books (UK), 06.08.2009

Hilary Mantel liest eine neue Danton-Biografie von David Lawday und entwirft in ihrer essayistischen Rezension das Porträt eines ungewöhnlichen Revolutionärs: "Danton war durchaus ein erfolgreicher Mann vor der Revolution; er gehörte nicht zu jenen, die nichts zu verlieren hatte. Er hatte eine Frau, ein komfortables Zuhause und eine gut gehende Anwaltskanzlei; viele seiner zukünftigen Mitstreiter dagegen hatten nichts als Bündel von unveröffentlichten Gedichten, ungesungenen Opern und von Stücken, denen nie jemand applaudiert hatte. Er war jedoch ruhelos und vielleicht, so Büchners Deutung in 'Danton's Tod', schnell gelangweilt. Die Revolution bot ihm fünf Jahre Abwechslung und öffentliche Beachtung und verschaffte ihm in ganz Europa Gehör. In ruhigeren Zeiten hätten ihn dreißig Jahre fleißiger Arbeit, verbunden mit Kratzfüßen und Buckeln vor ihm intellektuell Unterlegenen bestenfalls in die niederen Ränge des Establishments geführt."

Weitere Artikel in einer sehr interessanten Ausgabe: Jenny Diski liest und scherzt sich durch die von Catalin Avramescu verfasste "Ideengeschichte des Kannibalismus" (Verlagswebsite). Der Shakespeare-Forscher Michael Dobson denkt über die besondere Beziehung der Deutschen zu Hamlet (und "Hamlet") nach. Der südafrikanische Autor R.W. Johnson schildert eindrucksvoll, wie er durch eine Infektion mit fleischfressenden Bakterien ein Bein verlor und nur ums Haar mit dem Leben davonkam. Von keinem Geringeren als Eric Hobsbawm stammt die Rezension eines Buchs von Richard Overy über "Großbritannien zwischen den Kriegen". Michael Wood hat Tony Scotts Remake von "The Taking of Pelham 1-2-3" gesehen.

Tygodnik Powszechny (Polen), 02.08.2009

In Polen wird über Antisemitismus diskutiert. Der polnisch-jüdische Philosoph Jan Hartmann plädiert dafür, auch die radikalen Stimmen zuzulassen: "Wahre Antisemiten interessieren sich wirklich für uns Juden, und wissen viel über uns. Wir sind für sie wichtig, und das ist doch schon etwas." Deshalb ist Hartmann für schonungslose Offenheit im polnisch-jüdischen Dialog: "Wenn wir das Recht jedes Menschen respektieren, Juden oder den Judaismus, beziehungsweise Polen oder den Katholizismus nicht zu mögen, finden wir den Weg aus dem Labyrinth der komplizierten und weiterhin schlechten Beziehungen zwischen unseren Nationen."

Auch dieses Jahr wurde der Jahrestag des Warschauer Aufstands von August-Oktober 1944 feierlich begangen. Jacek Zygmunt Sawicki erinnert aus diesem Anlass an die schwierige Entstehungsgeschichte des Denkmals im Zentrum Warschaus, das erst 1989 eingeweiht werden konnte. Und Patrycja Bukalska feiert fünf Jahre Museum des Warschauer Aufstands. "Es wurde im letzten möglichen Moment errichtet - so, dass die Aufständischen nicht nur geehrt, sondern auch verstanden werden konnten."

Im Gespräch mit dem Dokumentarfilmer Jacek Blawut, dessen erster Spielfilm gerade in die Kinos kam, wird das Verhältnis des Künstlers zu seinem Thema diskutiert. "Der Mensch ist außergewöhnlich durch seine Schwächen. Dann erst sieht man seine Größe. Mich fasziniert die Situation des Falls, die jeden betreffen kann. Niemand wird als Bahnhofsbettler geboren, man muss erst fallen, manchmal von ganz weit oben. Filme sind für mich ein Schlüssel, um zu begreifen, warum wir hier sind, warum wir so gemacht wurden, was am Ende des Weges ist. Mit meinem Helden durchschreite ich langsam diesen Weg". Blawuts Spielfilmdebüt wurde jetzt beim Filmfestival "Era Nowe Horyzonty" in Wroclaw gezeigt, für das sich Anita Piotrowska im separaten Artikel begeistert.

Und Przemyslaw Wilczynski beschreibt eine neue Geschäftsidee aus dem Dunstkreis des "Web 2.0". Auf zostawslad.pl (etwa: eine Spur hinterlassen) kann jeder registrierte Nutzer eine Art "virtuelles Testament" hinterlegen, das bestimmte Personen nach seinem Tod einsehen dürfen: Tagebuchnotizen, Fotos, Audiodateien etc. Noch verdienen die beiden Gründer, zwei Studenten, damit kaum Geld. Auch eine Werbestrategie ist schwierig. Andererseits fehlt es nicht an jungen Patienten von Hospizien u.ä., die fast bis zum Schluss das Netz nutzen.
Stichwörter: Geld, Labyrinth, Testament

Merkur (Deutschland), 01.08.2009

Der Soziologe Rainer Paris streitet in einem Essay gegen die Gleichheit, die nicht nur zu Lasten der Freiheit gehe, sondern auch die Gesellschaft vergifte. Der Zwang, ständig zu messen und zu vergleichen, erweise sich als "untergründige Mechanik von Aggressionssteigerung und Bösartigkeit". "Sie prägt die gesamte Atmosphäre und polt die Menschen auf eine Art des Vergleichens, die in ihnen permanent Argwohn und Misstrauen sät, und dies umso mehr, als sie ihr Ziel letztlich immer verfehlen müssen. Ich denke, dass viele das insgeheim wissen oder zumindest ahnen, gleichzeitig aber in ihren Prinzipien verheddert bleiben. Daher die letztendliche Schalheit des Lebensgefühls, eine abgründige Verbitterung, die sich mal nach außen, verstärkt aber immer wieder nach innen richtet. Es ist das schleichende, nie stillzustellende Gefühl, sein Leben im Grunde verfehlt zu haben, weil das Ziel, dem man sich mit Haut und Haaren verschrieben hat, diesen Preis am Ende nicht wert war."

Jens Bisky bricht in seiner Architekturkolumne eine Lanze für das Ornament, das einen unaufhaltsamen Tod gestorben ist, seit Leon Battista Alberti es als einen 'die Schönheit unterstützenden Schimmer' bezeichnet hat, also als einen äußeren Zusatz, wie Bisky schreibt: "Besser, in schönerem Deutsch hat vor Adolf Loos keiner über Ornamente geschrieben als Karl Philipp Moritz. Blättert man in seinen Vorbegriffen, werden Momente des Verlustes schlagartig deutlich. Da ist zunächst der Verzicht auf Ansprache des Vorübergehenden. Nicht umsonst kam ja mit den Verzierungen auch die gute Gewohnheit außer Mode, die Fassade als Gesicht des Hauses zu gestalten. Das Angesicht ('acies') verkam zur Außenhaut. Da muss sich keiner wundern, wenn der Zeitgenosse beim Anblick der Kisten, Kästen, Würfel vor sich hin flüstert: 'Du mich auch!'"
Archiv: Merkur

Nepszabadsag (Ungarn), 01.08.2009

Gyula Varsanyi sprach mit dem Soziologen (und zeitweiligen Medienfachmann des ungarischen Parlaments) Andras Szekfü über die Spannung, die aus dem Widerspruch zwischen den Illusionen der 70er und 80er Jahre und der Realität von heute wächst, und fragte ihn, wo die medienpolitischen Fehler der Wende (und der Zeit danach) gelegen haben mögen: "Aus heutiger Sicht ist klar: Die Spaltung innerhalb der Gesellschaft ist so tief, die Hassrede so weitverbreitet, die Politiker schlagen einen solch derben Ton an und die Zeitungen schreiben in solch einem Stil über die jeweils andere Seite, dass eine zivilisierte Annäherung nicht mehr möglich ist – sie gilt scheinbar keiner Seite mehr als natürlicher moralischer Anspruch. Es stellte sich auch heraus, dass die Medienpolitik keine selbständige, unabhängige Fachpolitik ist, deren Akteure sich miteinander hinsetzen und irgendeine optimale Lösung finden. Vielmehr ist es ein Feld, in dem politisch-ideologische Feinde aufeinandertreffen und wo die Interessen der Parteiklientele schonungslos in Erscheinung treten. Vor der Wende hatten wir die Bruchlinien der Gesellschaft, die später in den Vordergrund rückten und entlang derer die Politik heute stattfindet, nicht erkannt. In der Diktatur sind diese schwer zu erkennen, weil der gemeinsame 'Feind' uns miteinander verbindet: Die Guten sind auf der einen Seite, die Bösen auf der anderen. Wir hatten nicht geglaubt, dass 'unsere Leute', diese netten Menschen sich gegenseitig derart angiften werden. In dieser Hinsicht waren wir wirklich naiv.“
Archiv: Nepszabadsag
Stichwörter: 70er, 80er, Hassrede, Medienpolitik

ADN cultura (Argentinien), 01.08.2009

Gerardo Garcia unterhält sich mit Javier Cercas über dessen neues Buch "Anatomia de un instante". Es behandelt das Cercas zufolge "wichtigste Ereignis der spanischen Geschichte der letzten fünfzig Jahre", den Putschversuch gegen die junge Demokratie vom 23. Februar 1981: "Beim Schreiben dieses Buches habe ich viel gelernt, zum Beispiel, dass die Gewalt nicht die 'Hebamme' der Geschichte ist, wie Marx glaubte, sondern ihr Steinbruch: das Material, aus dem die Geschichte besteht. Auch mein Blick auf die Politik und die Politiker hat sich geändert: Früher hielt ich den spanischen Übergang von der Diktatur zur Demokratie für mehr oder weniger katastrophal gescheitert, heute erscheint er mir geradezu als Erfolgsgeschichte. Früher fand ich Politiker vor allem seltsam, eigentlich aber uninteressant, manchmal verachtenswert; beim Schreiben an dem Buch dagegen fand ich sie sehr, sehr interessant und jetzt finde ich sie immer noch seltsam, vor allem aber tun sie mir Leid."
Archiv: ADN cultura
Stichwörter: Javier Cercas

Al Ahram Weekly (Ägypten), 30.07.2009

"Kein Araber hat es je auf den Mond geschafft oder überhaupt nur das kleinste Interesse daran gezeigt." Warum, fragt sich Abdel-Moneim Said und entwickelt eine Theorie: "Ich würde sagen, dass die Araber den Mond nicht betreten haben und es auch nie tun werden, weil ihre Gedanken von einem verzweifelten Verlangen nach Gewissheit getrieben werden, während wissenschaftliche Versuche ein Produkt des Zweifels sind, ein Ergebnis der Erkenntnis, dass es eine Lücke in unserem Verständnis des Lebens gibt. Diese Lücke zu füllen, indem man über die Grenzen des Vertrauten hinausgeht und Ungewohntes ausprobiert, ist der Kern wissenschaftlicher Versuche. Die Araber suchen das Absolute. Andere, die, die den Mond erreichen wollen, greifen nach dem Relativen. Für die Araber ist Wahrheit unveränderbar, für andere ist sie dynamisch und im Fluss."

Nehad Selaiha erzählt, warum die Theaterregisseurin Laila Soliman Probleme mit der Zensur hatte. Es ging um ihr neues Stück, das offenbar eine Mischung aus Franca Rames "Eine Mutter" und Harold Pinters "Pressekonferenz" ist. Hauptperson bei Pinter ist ein Kulturminister, der früher Chef der Geheimpolizei war und keinen großen Unterschied zwischen beiden Jobs sieht. Für die ägyptische Produktion musste jeder Hinweis auf die neue Position dieses Mannes getilgt werden. "Es scheint, dass die Darstellung eines Kulturministers auf ägyptischen Bühnen inzwischen ein ebenso großes Tabu ist wie die Darstellung des Propheten oder anderer religiöser Figuren", spottet Selaiha.

Weitere Artikel: Statt die Zahlen zu bezweifeln, die ein amerikanischer Report über Menschenhandel - auch - in Ägypten veröffentlicht hat, sollten die Ägypter vielleicht mal damit anfangen, selbst korrekte Daten zu erheben, schlägt Nehal Fahmi vor. Gihan Shahine hatte eine Auseinandersetzung mit ihrem Mann über die Frage, ob man den 2-jährigen Sohn schlagen sollte, wenn er nicht hört, und findet ihre ablehnende Haltung auf der Webseite babycentre.com bestätigt.
Stichwörter: Mutter

Elet es Irodalom (Ungarn), 24.07.2009

Die Oppositionspartei Fidesz hatte Ende Juni den Gesetzesvorschlag der Regierung zur Sanktionierung der Holocaust-Leugnung abgelehnt und statt dessen einen eigenen Vorschlag eingebracht, in dem NS- und kommunistische Verbrechen betont zusammen behandelt werden. "Die Erinnerung an den Holocaust, die so manches über die politische Kultur eines Landes verrät und von den zivilisierten politischen Kräften der westlichen Länder einhellig beurteilt wird, steht in Ungarn im Brennpunkt der ideologischen Konfrontation beider politischer Lager", stellt der Soziologe Janos Gado fest und steht einer baldigen Lösung dieser Frage skeptisch gegenüber: "Lohnt es sich, die Leugnung des Holocausts zu bestrafen? Was können wir damit erreichen? Bringt es etwas, die Verbreiter vergleichbarer Mythen über die jüdische Weltverschwörung oder den Christusmord zu bestrafen? Wie kann man gegen einen Mythos kämpfen? ... Ängste und Projektionen können weder mit nüchternen Argumenten, noch mit Verboten zerstreut werden."

New York Times (USA), 02.08.2009

Sehr positiv bespricht der Politologe Fouad Ajami Christopher Caldwells Buch "Reflections on the Revolution in Europe" (Auszug) über den wachsenden Einfluss des Islams in Europa, den Caldwell als durchaus beunruhigend ansieht. Paradoxerweise, so Ajami in der Erinnerung an seine eigene Auswanderung in die USA vor einigen Jahrzehnten, funktionierte Integration früher besser: "Ich war damals ein Teenager und akzeptierte die 'Andersheit' des neuen Landes. Nachrichten aus dem Libanon drangen selten bis zu mir durch, Flüge waren selten und teuer. Ich verlor Jahre meines Familienlebens, aber ich vermisste die Erzählungen aus der alten Heimat auch nicht. Heutzutage sind Flugreisen banaler Alltag, Satellitenstationen aus Dubai und Qatar erreichen die Einwanderer in ihren neuen Ländern, Priester und Imame sind unterwegs und haben eine tragbare Version ihres Glaubens im Gepäck... Man nennt es Globalisierung."

Das Buch ist überhaupt gleich nach Erscheinen auf eine Riesenresonanz in den USA und Großbritannien gestoßen und wurde in der New York Times bereits vor Ajami besprochen (hier). Außerdem gab es Besprechungen im Observer (hier), im Guardian (hier) und von Kenan Malik im New Humanist (hier).