Heute in den Feuilletons

Des Nachts streift er im Verborgenen umher

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
04.06.2009. In der Welt sieht der Schriftsteller Yu Hua neue Unruhen auf China zukommen: das Kapitel Tiananmen ist noch nicht abgeschlossen. Ähnlich sieht es Li Dawei in der SZ. Der Freitag, FR und die Blogs kommentieren die chinesischen Interenetsperren aus Anlass des Jubiläums. In der FAZ kommentiert Rafael Chirbes die spanische Immobilienkrise. Die Zeit baut ein Haus aus den Knochen von Rosa L.

SZ, 04.06.2009

Der chinesische Schriftsteller Li Dawei, der heute in Los Angeles lebt und auf Englisch schreibt, hält den Himmlischen Frieden zwanzig Jahre nach dem Tiananmen-Massaker in China für durchaus trügerisch: "Unsere damalige Krise hätte durch eine Reihe weiser Reformmaßnahmen gelöst werden können, hätten die Entscheidungsträger diese Gelegenheit nicht versäumt. Die heutige Krise ist vielfach komplizierter. Immer mehr Menschen stellen fest, dass eine schmarotzende Minderheit auf Kosten der hart arbeitenden Mehrheit in Saus und Braus lebt. Diese Mehrheit wird sich vermutlich nicht wie die Studenten 1989 mit Straßendemonstrationen zufriedengeben, um ihrem Unmut Luft zu machen. Maos Geist ist in diesem Land noch lebendig, des Nachts streift er im Verborgenen umher."

Weitere Artikel: Im neu eröffneten Magritte-Museum (Website) in Brüssel hat sich Johannes Willms umgesehen. Gustav Seibt denkt noch einmal über Karl-Heinz Kurras und die Achtundsechziger nach. Henning Klüver erklärt, warum das Opernhaus in Bari nach seiner Renovierung noch immer nicht wieder eröffnet ist. Petra Steinberger porträtiert den umstrittenen Islamwissenschaftler Juan Cole, der in seinen Büchern und in seinem Blog stark polarisiert. Auf der Kinoseite blickt Tobias Kniebe voraus auf den Disney-Film "Küss den Frosch" ("The Princess and the Frog"), in dem die erste afroamerikanische Animationsprinzessin die Hauptrolle spielen wird.

Besprochen werden die Ausstellung "Verwandelte Götter" in Dresden, ein Abend im Münchner Marstall, bei dem Franziska Walser und Edgar Selge Rilkes "Duineser Elegien" vortrugen, neue Filme, darunter Marie Miyayamas Kulturbegegnungsfilm "Der rote Punkt" und Jan Krügers zweiter Spielfilm "Rückenwind" und Bücher, darunter Peter Esterhazys "Roman" mit dem Titel "Keine Kunst" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Welt, 04.06.2009

Der Schriftsteller Yu Hua bezweifelt im Gespräch mit Wieland Feund, dass die Demonstrationen am Platz des Himmlischen Friedens das letzte Kapitel im politischen Aufbruch Chinas waren: "Der rasante wirtschaftliche Aufschwung hat viele soziale Probleme verdeckt, die ihre Ursache in der mangelnden Transparenz unseres politischen Systems haben. Der Aufschwung aber wird sich nicht unendlich fortsetzen. Die sozialen Probleme werden in den nächsten zwei, drei Jahren aufbrechen. Davon bin ich fest überzeugt."

Weitere Artikel: Helga Hirsch erinnert an einen anderen 20. Jahrestag: die ersten ansatzweise freien Wahlen im Polen am 4. Juni 1989. Der Schriftsteller Rolf Schneider erzählt, wie man den 2. Juni 1967 in Ostberlin wahrnahm ("Was erfuhren wir? Bei einem politischen Tumult war ein Mensch ums Leben gekommen. Bloß ein paar Kilometer von dem Tatort entfernt, an der Mauer, wurde ständig geschossen und gestorben.") Im Aufmacher stellt Thomas Lindemann das neue Videospiel "Sims 3" vor. Michael Pilz glossiert eine traurige Wiederauferstehung der Beatles mittels digitaler Avatare.

Besprochen werden Niccolo Jommellis Oper "Demofoontes" unter Riccardo Muti in Salzburg und Pablo Traperos Film "Löwenkäfig" (mehr hier).

Freitag, 04.06.2009

Sabine Pamperrien bezweifelt, dass sich das chinesische Regime seit dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Fridens wirklich demokratisiert hat: "Die Maßnahmen, die die chinesischen Behörden zur Unterdrückung des öffentlichen Gedenkens an 6/4, wie der Tag in China bezeichnet wird, ergriffen haben, beweisen einmal mehr, wie weit das Regime von einer Demokratisierung entfernt ist. Die Erinnerung an die brutale Niederschlagung der Reformbewegung wird rigoros unterdrückt. Am Dienstag wurden sämtliche Web-2.0-Services wie Twitter, Flickr, Live.com, Hotmail.com, YouTube, Blogger und Bing sowie zahlreiche andere Seiten gesperrt."

Im Interview mit Michael Angele erklärt Juri Andruchowytsch, warum Sankt Petersburg trotz europäischer Architektur für ihn keine europäische Stadt ist: "Weil in ihrem Zentrum kein Rathaus steht, und kein Marktplatz, um den die Straßen mit den Zünften gelegen haben. Das aber ist die klassische europäische Stadt. In Leningrad gibt es das nicht, was soll da überhaupt ein Rathaus? Das ist etwas für die lokale Verwaltung. Und die lokale Verwaltung hat nur im europäischen Modell Sinn. In Russland gibt es nur die vertikale Macht."
Anzeige

Aus den Blogs, 04.06.2009

Terry Sweeney schreibt im Blog Internet Evolution zu den Internetsperren in China zum zwanzigsten Jahrestag der Pekinger Massaker: "A little taste of capitalism hasn't softened up the Chinese stance much where human rights are concerned. Hosting an international sporting event didn't offer much leverage on the freedom front, and despite the plentiful ways to circumvent Chinese firewalls, the Internet hasn't ushered in a new era of freedom for 1.3 billion people."

Nerdcore hat eine Menge interessanter Links zu dem Mann gefunden, der versuchte, die Panzer aufzuhalten. Hier das Video:


Stichwörter: China, Internet

Tagesspiegel, 04.06.2009

David Harnasch wundert sich sehr über den "Heidelberger Appell" und seine Folgen: "Dass ausgerechnet ein Literaturwissenschaftler sich mit einem derart schlampigen Text exponiert, ist bizarr. Wer den 'Heidelberger Appell' unterzeichnet, hat ihn offenkundig nicht verstanden. Dass hunderte habilitierte Akademiker ihn unterstützen, zeigt das volle Ausmaß eines vernachlässigten Problems: Während die intellektuelle Elite des Landes die Diskurshoheit über den gesetzlichen Umgang mit Zukunftstechnologien behalten will, ist sie offensichtlich unwillig, sich mit den technischen Grundbegriffen vertraut zu machen."

NZZ, 04.06.2009

Franz Haas berichtet von Aufruhr in Italien, wo der Verlag Einaudi eine Blog-Sammlung Jose Saramagos abgelehnt hat, in der dieser Berlusconi eine Reihe von Seitenhieben versetzt. Der einstmals linke Turiner Verlag gehört seit 1994 zu dessen Imperium Mediaset. "Der Verlag rechtfertigt seine Ablehnung damit, dass bei Einaudi bisher nur erzählerische und keine essayistischen Werke von Saramago erschienen seien. Die Wochenzeitschrift L'Espresso glaubt nicht ganz an diese Version, vermutet eher 'Zensur' und berichtet von dem Fall unter dem Titel 'Saramago auf dem Scheiterhaufen'. Der Corriere della Sera hat dem Autor ein E-Mail-Interview abgeluchst, in dem dieser das schneidende Urteil über Berlusconi und seine Gefolgschaft kaum zurücknimmt. Er bleibt bedauernd bei seiner Ansicht über das Land, 'dessen Premierminister ein Delinquent ist'."

Weiteres: Andrea Köhler berichtet, dass J.D. Salinger gerichtlich Einspruch gegen einen Aufguss seines Romans "Fänger im Roggen" erhoben hat. Der schwedisch-amerikanische Autor mit dem Künstlernamen John David California wollte Holden Caulfield mit 76 Jahren noch einmal durch New York treiben. Besprochen werden eine Retrospektive zu Katharina Fritsch im Kunsthaus Zürich, Gernot Wolfgrubers neuaufgelegten Roman "Auf freiem Fuß" und auf der Filmseite die vierte Folge der "Terminator"-Serie (den Jürg Zbinden für eine "humorlose Gewaltorgie" hält) sowie Wayne Kramers Migranten-Drama "Crossing Over".

FR, 04.06.2009

Harry Kupfer erklärt im Interview, warum er Schostakowitsch im Kopf hat, während er in Frankfurter Pfitzners Oper "Palestrina" inszeniert: "Für mich ist das ein sehr politisches Stück. Man kann ja die Dogmatik der katholischen Kirche gleichsetzen mit der doktrinären Haltung in autoritären oder despotischen Staaten. Denken Sie an die Sowjetunion: Wie ist man dort mit Künstlern umgegangen! Wie hat man sie zu manipulieren versucht! Wenn sie bedient haben, wurden sie mit Stalinpreisen versehen, wie es Schostakowitsch passiert ist. Dann wieder wurden sie bedroht, sahen sich in Lebensgefahr. Auch bei Palestrina geht es im Konflikt mit seinen kirchlichen Vorgesetzten bis zur Folter. In dem von Pfitzner selbst verfassten Text reden die Kardinäle ja manchmal wie Goebbels, es friert einem das Blut in den Adern."

Auf der Medienseite spricht der Medienwissenschaftler Wolfgang Kleinwächter über China und das Internet: "Quantitativ steht die Suche nach politischen Informationen nur an fünfter Stelle. Aber dort geht das Problem los. Die 'Große Firewall' filtert drakonisch alle Websites, die nach Ansicht der Regierung 'kriminelle und rechtswidrige Inhalte' verbreiten. Internet Cafes stehen unter staatlicher Kontrolle. Jeder Besucher dort muss sich ausweisen und seine persönlichen Daten hinterlegen. Privatsphäre und Datenschutz sind Fremdworte. Freie Meinungsäußerung findet schnell Grenzen an den häufig sehr schwammig formulierten Gesetzen."

Außerdem: Stefan Keim war bei der öffentlichen Diskussion über den Mühlheimer Dramatikerpreis (ausgezeichnet wurde am Ende, zum dritten Mal, Elfriede Jelinek.

Besprochen werden der neue Terminator-Film ("einfallsloser Aufguss" heißt es schon in der Unterzeile von Daniel Kothenschultes Kritik), Pablo Traperos Gefängnisfilm "Löwenkäfig", Peter Chelsoms Film "Hannah Montana", eine Ausstellung zu Prousts Korrespondenz im Literaturhaus München ("Er schreibt seiner 'lieben kleinen Mama', er habe 'heute Abend beim Ankleiden die zweite Unterhose weggelassen und heute Nacht und heute Vormittag habe ich, was mir noch schwerer fiel, im Bett die zweite Strickjacke aus Pyrenäenwolle nicht angezogen'", schreibt beglückt Ina Hartwig)

Zeit, 04.06.2009

Zeitungsredakteure wettern gern gegen die Rechtsbrecher im Internet (Heinrich Wefing zum Beispiel, in der letzten Zeit). Dass ihre eigenen Verlage die Kreativen enteignen, ist dagegen nie Gegenstand der Berichterstattung. 3000 Fotografen haben jetzt in der Zeit eine ganzseitige Anzeige geschaltet, in der sie gegen ihre Enteignung durch den Jahreszeiten Verlag protestieren: "Mit einem neuen Rahmenvertrag sollen wir Fotografen die Nutzungsrechte an unserem geistigen Eigentum dauerhaft abtreten. Dieser Vertrag entzieht uns nicht nur die Grundlage unserer Existenz, er entwertet auch unsere kreative Leistung. Der Jahreszeiten Verlag und die Ganske-Gruppe hingegen profitieren doppelt."

Im Keller der Berliner Charite ist eine weibliche Leiche entdeckt worden, bei der es sich um die Überreste Rosa Luxemburgs handeln könnte. Die Leiche stammt von einer vor neunzig Jahren ermordeten Frau, weist einen Hüftschaden auf und zwei ungleich lange Beine. Der Historiker Jörn Schütrumpf erklärt, warum in Luxemburgs Grab tatsächlich ein falscher Leichnam liegt: "Gustav Noske, der Minister für Heer und Marine, befürchtete neuerliche Unruhen und hatte deshalb angeordnet, im Oberkommando des Heeres in Zossen die Identität der Leiche feststellen und sie dann verschwinden zu lassen. Zweierlei ging schief. Die Nachricht vom Leichenfund verbreitete sich in der Stadt wie ein Lauffeuer. Und: Es war die falsche Leiche. Die Situation wurde gefährlich, allen Beteiligten war klar, dass die als eine weitere Perfidie der Regierung ausgelegt und die Situation abermals eskalieren würde..."

Dazu abgedruckt wird die pathosreiche Grabrede von Luxemburgs Geliebten Paul Levi ("Hier ist heute die Welt!"). Und Elisabeth von Thadden sieht den Staat in der Aufklärungspflicht.

Weiteres: Der Schriftsteller Feridun Zaimoglu gibt dem Ressentiment eine Stimme, wie es sich in der Türkei oder in Tschechien gegen Europa äußern könnte. Oder in Norddeutschland: "Nach dem Aufbau Ost kommt Aufbau Ostblock. Nach dem Fall der Mauer strömt die geschlagene Armee ins Reich der Sieger, in unser Land." Jochen Hung setzt dagegen die von 50 Lyrikern ins Werk gesetzte Verfassung in Versen, deren fünfter Artikel lautet: "No chaos, no evolution."

Weitere Artikel: Nach den Funden von Karl-Heinz Kurras Stasi-Akten fordert Joachim Gauck im Interview etwas mehr Selbstkritik der westdeutschen Linken: "Die westdeutsche Diskursgesellschaft erwartete nach der Wende ein hohes Maß an selbstkritischer Offenheit von den ostdeutschen Eliten.. Ich habe mich manchmal gefragt, ob wir nur die Irrtümer der DDR-Kommunisten besprechen sollten." Stefan Koldehoff protokolliert das Werden der Biennale aus Sicht ihres Kurators Daniel Birnbaum. Tobias Timm meldet, dass sechs Berliner Wohnsiedlungen Weltkulturerbe werden. Ira Mazzoni kündigt neue Kulturerbe-Verwerfungen um eine Rheinbrücke bei St. Goar an. Im Streit um den Welfenschatz erhebt der Erben-Anwalt Markus Stoetzel schwere Vorwürfe gegen die Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Jens Jessen ist immer noch erschüttert, dass die Zeit-Leser im Internet antworten und verteidigt seinen amtlich bestallten Intellektuellen Adam Soboczynski gegen die Möglichkeit anderer Meinungen.

Besprochen werden auf den Literaturseiten unter anderem Cass Sunsteins "Infotopia" und Kathrin Schmidts Roman "Du stirbst nicht". Das Dossier detailliert die Nacht nach, wie Opel in russische Hand kam.

TAZ, 04.06.2009

Cristina Nord unterhält sich im Vorfeld der Arnoldshainer Filmgespräche mit dem Filmwissenschaftler Rembert Hüser über den wirtschaftlichen Zustand des Filmmarkts im Zeitalter der DVD-Auswertung, den Sinn von Filmförderung und die Finanzkrisen im Kino einst und jetzt. Über Filme, die die gegenwärtige Krise erhellen können, meint er: "Es ist kruder Realismus zu glauben, dass nur die Filme aus dem Jahr 2009 adäquat die momentane Situation wiedergeben können. Es gibt inzwischen ganz andere Möglichkeiten des Zugriffs auf den Kino-Bilder-Pool. Aktuell wichtige Filme sind nicht nur die, die gerade produziert werden, sondern die, die aktuell gesehen werden."

Katrin Bettina Müller kommentiert die neuerliche Auszeichnung von Elfriede Jelinek und Rene Pollesch bei den Theatertagen in Mülheim an der Ruhr: Die österreichische Autorin wurde für ihr Stück "Rechnitz" zum dritten Mal zur Dramatikerin des Jahres gewählt, Rene Pollesch, auch schon zweifacher Preisträger, bekam den Publikumspreis für "Fantasma".

Besprochen werden eine Werkschau des Frühwerks der Fotografin Candida Höfer im Museum Morsbroich in Leverkusen, der Spielfilm "Leonera - Löwenkäfig" des Argentiniers Pablo Trapero über eine mordverdächtige Frau, die im Gefängnis ein Kind zur Welt bringt, und Jan Krügers Roadmovie "Rückenwind", in dessen Mittelpunkt eine schwule Beziehung und eine Radeltour in der Uckermark stehen.

In tazzwei porträtiert Matthias Lohre den inzwischen 79-jährigen Szeto Wah, der in Hongkong seit 20 Jahren die jährlichen Demonstrationen zur Erinnerung an das Tiananmen-Massaker am 4. Juni 1989 organisiert.

Hier Tom.

FAZ, 04.06.2009

Paul Ingendaay hat den spanischen Schriftsteller Rafael Chirbes getroffen, der in seinem jüngsten Roman "Krematorium" einerseits die Vorgeschichte der großen Immobilienkatastrophe des Landes beschreibt. Und andererseits noch viel mehr: "Dies ist der Roman über das, was nach Francos Tod falsch gelaufen ist. Wie die Demokratie ihren experimentierfreudigen Kindern gestattete, hochfliegende Pläne zu entwerfen; wie man davon träumte, die Armut der Eltern vergessen zu machen und befreit in die Moderne aufzubrechen; und wie sich alles in politische Machtspiele und einen großen Selbstbedienungswettbewerb verwandelte, ohne Kontrolle, ohne Ziviltugenden und erst recht ohne Umweltbewusstsein, das in Spanien noch nie politischen Einfluss genommen hat."

Weitere Artikel: Mark Siemons staunt (und dann auch wieder nicht), dass in der neu gegründeten englischsprachigen Zeitung der kommunistischen Partei Chinas mit Namen "Global Times" das Massaker am Platz des Himmlischen Friedens, wenngleich nur als "Zwischenfall", erwähnt wird. Außerdem berichtet er über Schikanen gegen den Künstler Ai Weiwei. Dirk Schümer berichtet, dass bei der Europawahl die neue Partei "Italia dei valori" von den Kommunisten und der "Partito Democratico" enttäuschte Linksintellektuelle anzieht - der Star-Philosoph Gianni Vatimo tritt sogar als Kandidat an. Julia Encke hat die Philosophin Helene Cixous bei den Berliner Mosse Lectures erlebt, wo sie einen Vortrag über Jacques Derrida hielt. In der Glosse erinnert Jürgen Kaube an die von Sylvester Stallone eingestandene eigenhändige Reparatur eines Anselm-Kiefer-Gemäldes - und zwar anlässlich der Verurteilung einer Frau, die auf einem weißen Cy-Twombly-Gemälde Lippenstift-Kussspuren hinterlassen hatte. Hannes Hintermeier schildert den Rechtsstreit um einen Buchtitel, in dem der Random-House-Justitiar Rainer Dresen wegen "gewerbsmäßiger Werktitelverletzung" angeklagt wurde. Alexandra Kemmerer schreibt zum Tod des Völkerrechtlers Thomas Franck. Auf der Kinoseite berichtet Hans-Jörg Rother vom Jewish Film Festival in Berlin. Andreas Kilb teilt mit, dass Ingmar Bergmans Haus zum Verkauf steht. Auf der Medienseite erfährt Lena Bopp bei einem Redaktionsbesuch, wie die französischen Internet-Zeitungsprojekte Rue89 und Mediapart.fr funktionieren.

Besprochen werden die Dresdener Inszenierung von Hans Werner Henzes Oper "L'Upupa und der Triumph der Sohnesliebe", die Ausstellung "Hast Du meine Alpen gesehen?" im Jüdischen Museum in Hohenems, die Arte-Sendung "Durch die Nacht" mit Liza Minelli und Fritz Wepper, und Bücher, darunter Jeff Jarvis' Buch "Was würde Google tun?" (Thomas Thiel schaudert's: "aus der Fanperspektive geschriebene Erweckungsprosa") und Mirco Bonnes Roman "Wie wir verschwinden" und (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).