Heute in den Feuilletons

O frischer Duft, o neuer Klang!

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
31.05.2008. In der NZZ beschreibt der indische Anglist Makarand Paranjape, wie aus etwas richtig Falschem etwas Richtiges wird. Die FR sieht das deutsche Fernsehen als Globalisierungsgewinnler. In der Berliner Zeitung erinnert sich die Schauspielerin Jasmin Tabatabai an ihre Kindheit im Iran. Medienlese traut sich, Ich zu sagen. In der FAZ kritisiert Alice Schwarzer die westlichen Wirtschaftssanktionen gegen Burma. Alle sind bestürzt über die Insolvenz des Aufbau-Verlags.

NZZ, 31.05.2008

Literatur und Kunst widmet sich heute in einer üppigen Beilage der Weltsprache Englisch. Jedes Land geht damit anders um: In Indien ist nicht das Englische auf dem Vormarsch, sondern Hinglish, eine Mischung aus Englisch und Hindi, erzählt der indische Anglist Makarand Paranjape. Lange Zeit galt es einfach als falsches Englisch, "wie Pidgin- und Kreolsprachen im Allgemeinen genoss diese Variante des Englischen keinerlei Prestige und nur wenig Akzeptanz". Das das ändert sich gerade. "Unbestreitbar ist aber, dass das Englische in Indien tiefe und weit ausgreifende Wurzeln geschlagen hat. Und noch bedeutungsvoller ist die Tatsache, dass die große Zahl von 'nichtmuttersprachlichen' indischen Nutzern mittelfristig auch auf die Auffassung von Falsch und Richtig Einfluss nehmen wird; denn wenn tatsächlich einmal eine Milliarde Sprecher beschließen, ein Wort auf eine bestimmte Weise auszusprechen, dann schert es sie kaum mehr, dass anderswo dreißig Millionen an der 'korrekten' Aussprache festhalten. Am Ende wird sich die größte Faktion durchsetzen."

Ganz anders natürlich in Frankreich. Franglais ist ganz großes Pfui, man setzt lieber auf den eigenen Erfindungsreichtum, berichtet Marc Zitzmann mit großer Sympathie. Und "so schmieden ... seit 1996 Spezialkommissionen neue Begriffe für Fremdwörter, namentlich solche aus dem Wirtschafts- und Wissenschaftsbereich. Das mag nach Sprachpolitik aus der Retorte klingen, zeitigt aber Wirkung. Im Gegensatz zu Deutschsprachigen sagen Franzosen nicht 'Computer', 'Handy', 'Software' und 'SMS', sondern 'ordinateur', '(telephone) portable', 'logiciel' und 'texto'. (Die Quebecois, die in einem Meer von rund 300 Millionen Anglofonen unterzugehen drohen, sind übrigens noch weit erfindungsreicher - und auch protektionistischer - als die Franzosen.)"

Weitere Artikel: In Japan wird Englisch gern benutzt, um die komplizierten japanischen Anredeformen zu umgehen, schreibt der Japanologe Florian Coulmas. Der Anglist Werner von Koppenfels würde auch nach 40 Jahren anglistischer Praxis nicht von sich behaupten, er könne Englisch. Uwe Justus Wenzel resümiert Nutzen und Nachteil der Einsprachigkeit in den Wissenschaften. Der Historiker Robert Schneebeli erklärt die Ausbreitung des englischen Sprachraums mit der Kolonialgeschichte. Roger Nunn, Mitarbeiter der Kommission für Sprachpolitik bei der EU, erklärt im Interview das Konzept der Vielsprachigkeit der EU. Der Sprachwissenschaftler Theo Vennemann erinnert daran, dass auch das Englische eine Mischsprache ist: "Außer Sprachhistorikern ist kaum jemandem bewusst, dass das Englische seiner Abstammung nach ein deutscher Dialekt ist." (Könnte man den bitte bitte auch noch online stellen?) (Nachtrag vom 2. Juni: hier ist auch der Link zum Artikel von Theo Vennemann.)

Im Feuilleton fragt sich Joachim Güntner angesichts der drohenden Insolvenz des Aufbau-Verlags: Wie insolvent ist insolvent? In der Reihe "Was ist schweizerisch" erinnert sich Peter Nadas an das erste Wort, dass ihm einen Begriff von der Schweiz gab: der Schutzbrief, den ein mutiger Budapester Vizekonsul im Zweiten Weltkrieg ausstellte.

Besprochen werden eine Ausstellung im Museum Neuhaus in Biel über Karl Walsers Japan-Reise von 1908, Stephan Kimmigs Inszenierung von Shakespeares "Rosenkriegen" in Wien und Bücher, darunter Katharina Zimmermanns Roman "Die Carmen vom Weissenstein".

Welt, 31.05.2008

Arno Lustiger, Autor eines "Rotbuchs" über Stalin und die Juden, erinnert in der Literarischen Welt an Stalins festen Glauben an Hitler und den Pakt, den er mit ihm geschlossen hatte und der ihn zu seiner katastrophalen Kriegsführung brachte: "Stalins strategische Fehlurteile führten zur Katastrophe von 1941 und zu unglaublichen Verlusten. Selbst bei jeder der späteren siegreichen Schlachten, von Kursk bis Berlin, sind dreimal soviel sowjetische als deutsche Soldaten gefallen. Bevor Stalin sein Reich rettete, hätte er es fast zerstört."

Aufmacher der Literaturbeilage sind drei kleine Texte von Autoren, die aus den Ländern der Gruppengegner der deutschen Mannschaft bei der unvermeidlichen Fußball-EM kommen. Eva Menasse beginnt ihre Vignette mit dem bedenklichen Satz: "Für Fußball habe ich das falsche Geschlecht", den sie dann aber gleich erklärt. Es schreiben außerdem Igor Striks aus Kroatien und Pavel Huelle aus Polen. Außerdem erinnert Tilman Krause in der Literarischen Welt an den Thomas-Mann-Biografen Peter de Mendelssohn. Besprochen wird unter anderem Joachim Ehlers' Biografie Heinrichs des Löwen (mehr hier).

Im Feuilleton dröselt Uwe Wittstock einigermaßen nachvollziehbar das komplizierte Desaster um den Aufbau-Verlag auf, der dem Verleger Bernd Lunkewitz von der Treuhand verkauft worden war, ohne dass er ihr gehörte und dessen Insolvenz nun unabsehbare Folgen hat. Hanns-Georg Rodek vergleicht das Hollywood-Kino mit der Telekom-Affäre und findet diese banaler als die Konstruktionen der Drehbuchautoren. Eckhard Fuhr verfolgte ein hochkarätig besetztes Gespräch über die Jahre 1968 und 89 in der Berliner Akademie der Künste. Jörg -Dieter Kogel hat einem von Günter Grass mit initiierten deutsch-russischen Autorengespräch in Petersburg zugehört. Rainer Haubrich unterhält sich mit dem konservativen Architekten Christoph Mäckler über sein Dortmunder Institut für Stadtbaukunst (mehr hier).

Besprochen werden das Musical "Kiss me Kate" in Berlin und eine neue CD von Paul Weller.

FR, 31.05.2008

Wie deutsches Fernsehen zur globalen Marke wird und was dabei funktioniert und was nicht, erklärt Jan Freitag: "Am besten, sagt ihr Vermarkter Oliver Schündler von der Bavaria, 'verkauft sich, was nicht so deutsch aussieht'. Vorbei die Zeiten, da der preußische Exportweltmeister 'Derrick' unser Bild im Ausland prägte. Heute bedienen Produzenten von teamworx bis Degeto den globalen Massengeschmack. Mal werden Showkonzepte zur lokalen Adaption verkauft, mal Serien zur Übersetzung, mal Filmlizenzen zur fristgerechten Ausstrahlung... Comedy a la 'Schillerstraße' funktioniert in 21 Ländern."

Weitere Artikel: Arno Widmann hat beim LiteraTurm-Fest der Stadt Frankfurt Florian Havemann (mehr) lesen hören. In ihrer Kolumne schildert Marcia Pally die Sorte Soldaten, der man in den USA einfach nicht widerstehen kann. Wie der sich verabschiedende Frankfurter Generalmusikdirektor Paolo Carignani einmal vor laufender Kamera nicht aufpasste, was er sagte, erfahren wir von Hans-Jürgen Linke. In einer Times Mager fasst Christian Schlüter die Probleme der SPD so zusammen: "Kurt Beck ist müde und Andrea Nahles rockt die Partei."

Besprochen wird Stephan Kimmigs Zürcher Shakespeare-Siebeneinhalbstünder "Rosenkriege" - Peter Michalzik kommentiert etwas erschöpft: "Schlacht, Schlacht, Schlacht, Blut, Blut, Blut".

Zitiert sei ferner noch folgende kleine Reflexion aus Arno Widmanns Leitartikel im politischen Teil: "Der Innenminister hat den Telekom-Chef vorgeladen. Man säße gern dabei, um zu erfahren, ob Schäuble für ein staatliches Spitzelmonopol plädieren oder über Kooperation reden will."
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Berliner Zeitung, 31.05.2008

Wiebke Hollersen und Sabine Rennefanz führen ein schönes langes Interview mit der Schauspielerin Jasmin Tabatabai, die noch als Kind die Revolution im Iran miterlebt hat: "Im Nachhinein finde ich es naiv, wie viele Leute, auch Intellektuelle, sehenden Auges in die Hände der Mullahs gerannt sind. Quasi in ihr eigenes Verderben. Ich habe mich später gefragt, ob ich auch von dieser Begeisterung mitgerissen worden wäre. Ich bin froh, dass ich noch einen anderen Iran kennen gelernt habe."
Stichwörter: Iran, Jasmin Tabatabai

TAZ, 31.05.2008

In einem an Zitaten von amerikanischen Politkennern reichen Text erläutert Sebastian Moll, warum in den USA das republikanische Zeitalter vorbei ist: "Wenn zu Beginn des kommenden Jahres Barack Obama also den Amtseid als 44. Präsident der USA spricht - und dafür spricht Einiges - dann wird das mehr sein, als nur ein simpler Regierungswechsel. Es wird einen Mitte-links-Ruck des gesamten Landes markieren, das sich lange Zeit von der konservativen Reaktion auf die Sechzigerjahre hatte nach rechts ziehen lassen."

Weitere Artikel: Hintergründe zur Insolvenz des Aufbau-Verlags gibt es von Wiebke Porombka und Dirk Knipphals. Ronald Berg hat das neue Cottbuser Kunstmuseum Dieselkraftwerk besucht. Auf der Tagesthemen-Seite porträtiert Astrid Geisler den einzigen jüdischen Sportverein Berlins TuS Makkabi, der zunehmend unter antisemitischen Attacken zu leiden hat. In der diesmal aus Zürich kommenden EM-Kolumne fordert Tobi Müller ein "Alternativmoratorium".

Besprochen werden Steve Buscemis Theo-van-Gogh-Remake "Interview" und Bücher, darunter ein Sammelband, in dem Negri/Hardts "Empire" diskutiert wird und Mary Ann Shaffers Briefroman "Deine Juliet" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

In der zweiten taz wundert sich Heide Oestreich nicht über den raschen Abschied von Lisa Ortgies als Emma-Chefredakteurin: "Zu unterschiedlich schienen das Pathos Schwarzers und das spielerische Herangehen von Ortgies, die unumwunden schrieb: 'Das Image des Feminismus ist ziemlich abschreckend. Was ihm fehlt, sorry, ist Humor und Sexappeal.' Ortgies und Schwarzer haben sich in Rekordzeit an diesem Konflikt aufgerieben." Hanna Gersmann hat sich mit dem Finnen Matti Makkonen unterhalten, der sich für den Erfinder der SMS hält. Daniel Schulz erklärt, dass wir die digitale Überwachung unterschätzen, weil sie eine "Wolke" ist. Miriam Janke weiß, wie das Fotografieren eines unbekannten Regenwald-Stammes aus dem Flugzeug dessen Überleben sichern soll.

Im taz mag wird ein Kapitel aus Martin Reicherts Buch "Wenn ich mal groß bin - Das Lebensabschnittsbuch für die Generation Umhängetasche" vorabgedruckt. Mareike Barmeyer beschäftigt sich mit dem gerne "Schwenkfutter" genannten Publikum in Talkshows.

Und Tom.

Aus den Blogs, 31.05.2008

In einem - wie ich finde - sehr hübschen Text für Medienlese.com erzählt Klaus Jarchow, wie er als deutscher Journalist gelernt hatte, niemals "Ich" zu sagen und wie ihn der amerikanische Journalismus eines besseren belehrte: "Wo ich auch hinschaute im 'New Journalism', den sich doch angeblich hierzulande jeder aufgeweckte Journalist zum Vorbild nimmt, überall hieß es fast schon monoton: Ich, ich, ich! Bei Lester Bangs und bei Joe Esterhas, bei Norman Mailer und bei George Plimpton - bei Hunter S. Thompson und Truman Capote sowieso. Gute Schreiber schreiben ‘ich’ - und lange Sätze... Hierzulande aber? Schauen wir nach bei einem unseren Alphatiere, bei Heribert Prantl. So beginnt die derzeit aktuelle Kolumne von ihm: "Sicher wäre es besser gewesen, die SPD hätte rechtzeitig, also früher, erklärt, dass sie eine eigene Bewerberin..." Naja, und so weiter.

SZ, 31.05.2008

Jens Bisky schreibt einen Nachruf auf den großen Aufbau-Verlag, der nun Insolvenz anmeldet, weil ihm - auf durchaus komplizierte Weise - übel mitgespielt wurde. Bisky bilanziert, was verloren geht: "Wenn eine Institution wie diese untergeht, geschieht dies nicht folgenlos... Das humanistische, europäische Erbe der deutschen Sozialisten wird im Ganzen so rasch keine neue Heimat finden. Die Geringschätzung dieser Tradition hat schon bisher der Diktatur-Verklärung wie der Stasi-Entschuldigung Platz geschaffen. "

In Istanbul war Alex Rühle unterwegs, hat sich mit bedeutenden Autoren getroffen und doch ging es nie einfach nur um Kunst und Kultur: "Eigentlich soll die ganze Reise zu Istanbuler Schriftstellern und ihren Büchern führen, die Türkei ist Gastland auf der diesjährigen Buchmesse. Aber jedes Gespräch wird sofort von dieser Unterströmung erfasst, es geht nach wenigen Minuten um Nationalisten, Islamisten und den drohenden Putsch von oben: Am 14. März wurde von der Generalstaatsanwaltschaft ein Verbotsverfahren gegen die AKP beantragt."

Weitere Artikel: Gar nicht witzig findet Lothar Müller die dreizehn Hitler-Aquaralle, die die Künstler Jake und Dinos Chapman gekauft, übermalt und nun unter dem Titel "If Hitler Had Been a Hippy How Happy Would We Be" in London ausgestellt haben. Vom immer und auch gerade wieder aktuellen Streit in Spanien darüber, ob der Stierkampf nun Kunst ist oder die reine Barbarei, berichtet Annika Müller. Kaspar Renner war bei der Eröffnung des neuen Berliner Exzellenzclusters (quel joli mot!) "Languages Of Emotion", bei dem man sich unter anderem Hölderlin, genauer gesagt denen, die ihn lesen, mit dem Magnetresonanztomographen nähern will. Peter Burghardt informiert, dass Daniel Barenboim zu dessen hundertjährigem Jubiläum nicht im legendären Teatro Colon von Buenos Aires spielen kann - der Bau ist, anders als eigentlich vorgesehen, noch "nicht annähernd" fertigsaniert. Paul-Philipp Hanske deutet den auf YouTube groß und berühmt gewordenen Techno-Schlagermusiker Alexander Marcus als Verkörperung der ewig jungen Pop-Frage: "Wie zum Teufel ist es gemeint?" Johannes Willms gratuliert dem Historiker John Röhl zum Siebzigsten.

Auf der Literaturseite gibt es Rezensionen unter anderem zu Christophe Blains Comicroman "Das Getriebe" und zu Hans-Ulrich Treichels Roman "Antatolin" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Besprochen werden Stephan Kimmigs siebenstündige "Rosenkriege"-Inszenierung am Wiener Burgtheater und Tina Laniks Version von "Romeo und Julia" im Münchner Residenztheater.

Im Aufmacher der SZ am Wochenende bereitet sich Holger Gertz auf die Fußball-EM vor. Eva Karcher erklärt, was Olafur Eliasson zum populärsten Künstler der Gegenwart macht. Wie Luxus-Modelabels mit Internetvideos erfolgreich Werbung machen, verrät uns Julia Werner. Auf der Literaturseite schreibt der Autor und Drucker Martin Z. Schröder über die jetzt erfolgte Erstbegegnung mit seinen Stasiakten. Die französische Historikerin und Publizistin Mona Ozouf spricht im Interview über "Revolution" und stellt erst einmal fest: "Sie sprechen mit mir über ein Wort, dessen Bedeutung verrückt geworden ist."

FAZ, 31.05.2008

Alice Schwarzer ärgert sich über die Ungleichbehandlung von Burma und China. Beide Länder lehnten nach den Katastrophen ausländische Hilfe ab und ließen zunächst nur asiatische Nachbarn ins Land, aber China wird mit Takt behandelt, während Burma als böser Bube dasteht: "Und die internationale Gemeinschaft? Die gibt sich mitfühlend - und verschärft gleichzeitig die Sanktionen. Präsident Bush ließ prompt nach der Katastrophe wissen, Amerika verlängere die wirtschaftlichen Sanktionen gegen Burma um ein weiteres Jahr - worunter seit Jahren vor allem die Bevölkerung schwer leidet. Worum geht es also wirklich? Um Hilfe für die Bevölkerung oder um Destabilisierung der Machthaber?"

Weitere Artikel: Der Aufbau Verlag soll in den nächsten Tagen Insolvenz anmelden. Hat Eigentümer Bernd F. Lunkewitz die Nase voll, oder ist das "juristische Finesse"? Hubert Spiegel weiß es auch nicht. Jürgen Dollase speist bei Alain Ducasse. Aro meldet, dass die Central-Krankenversicherung nach sechs Jahren nicht mehr den Central-Kunstpreis sponsorn will, sondern die Mountainbikerin Sabine Spitz. Dirk Schümer berichtet von Diskussionen um den geplanten Damm, der Venedig vor Hochwasser schützen soll. Auf der Medienseite berichtet Erna Lackner von Diskussionen in Österreich, nach der zum Teil äußerst miesen Berichterstattung über Natascha Kampusch und den Fall Amstetten den abgeschafften Presserat wieder einzuführen, bevor die Politiker die Pressefreiheit beschneiden. Hannes Hintermeier war bei einem Treffen der Gruppe "Journalisten helfen Journalisten" in München.

Besprochen werden ein Konzert der Sängerin Susan Graham mit den Berliner Philharmonikern und Simon Rattle im Berliner Flughafen Tempelhof, Tina Laniks "Romeo und Julia"-Inszenierung in München, eine Ausstellung mit "Arbeiten auf Papier" der städtischen Kunsthalle von Waiblingen, der Galerie Stihl, und Bücher, darunter Hans Magnus Enzensbergers "Hammerstein" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Auf der Schallplatten- und Phonoseite gehts um den Lautenisten Joachim Held, Jazz von Gilad Atzmon, Myriam Alters Komposition "Where is There" (die Alessandro Topa zum beglückten "Günstling eines hermetischen Stroms platonischer Deja-vus" macht) und eine neue CD von Jason Collett ("Ein cooles Ennui zieht sich durch seine Lieder, eine in die Sonne zwinkernde Dösigkeit, die man sich freilich nur leisten kann, wenn man wie Collett ein Händchen für hochdosierte Eingängigkeiten hat", lobt Eric Pfeil).

Für Bilder und Zeiten traf Andreas Platthaus die Journalistin Carolin Emcke um einige Irritationen zu bereinigen, die Emckes mit dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichneter Artikel "Stumme Gewalt" und ihr darauffolgendes Buch ausgelöst haben: Zum Beispiel die Behauptung, Alfred Herrhausen sei ihr Patenonkel gewesen: "Er war es nicht, das haben die Rezensenten einfach überlesen, aber der Sprecher der Deutschen Bank war jemand, der die junge Frau beeindruckt hat." (Dass Herrhausen ihr Patenonkel war, hat Emcke in ihrem Artikel selbst geschrieben, und erst sehr viele Absätze später eingeschränkt. Im Klappentext ihres Buchs steht es übrigens auch.)

Weiteres: Freddy Langer schreibt über Robert Franks vor 50 Jahren erstmals erschienene Fotoreportage "Les Americains" (Bilder). Hannes Hintermeier las die Autobiografie von Mark E. Smith und stellt fest: "ein Wertkonservativer reinsten Wassers". Der Bollywood-Star Shah Rukh Khan erklärt in einem gutgelaunten Interview, warum er nie über die Folgen des Ruhms klagen würde: "Jedes Mal, wenn der Rummel anfängt, mich zu nerven, stelle ich mir einfach den Tag vor, an dem mich auf der Straße niemand mehr erkennt - denn diese Perspektive finde ich wirklich beängstigend! (lacht)"

In der Frankfurter Anthologie stellt Wolfgang Schneider ein Gedicht von Ludwig Uhland vor:

"Frühlingsglaube

Die linden Lüfte sind erwacht,
Sie säuseln und weben Tag und Nacht,
Sie schaffen an allen Enden.
O frischer Duft, o neuer Klang!
..."