Florian Havemann

Havemann

Eine Behauptung
Cover: Havemann
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2007
ISBN 9783518419175
Gebunden, 1099 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Heftig, wie ein Wintergewitter kommt Havemann über Berlin, über Deutschland, Ost- wie West. So vieles ist umzudrehen und anzuzweifeln, zu enthüllen und aufzudecken, zu ergänzen und geradezurücken, so vieles zum ersten Mal zu erzählen, wenn die Geschichte der Familie Havemann über drei Generationen bis hinein in die unmittelbare Gegenwart ihres Autors dargestellt oder wie Havemann sagt: behauptet - werden soll.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.12.2007

Der Mann braucht eine Therapie, seufzt die Rezensentin Sabine Brandt und verflucht insgeheim wohl den Suhrkamp-Verlag, der nun ausgerechnet ihr diese nicht enden wollenden Analysestunden mit Florian Havemann beschert hat. Florian ist Robert Havemanns Sohn, und zwar das, nach der mehr als einmal in diesem Band gegebenen Selbstauskunft, ungeliebte "Sandwich-Kind". Und nun gilt es abzurechnen mit dem Vater und mit der DDR und mit Wolf Biermann und noch einmal und immer wieder mit dem Vater. Brandt scheint einigermaßen fassungslos ob des auch sprachlich extrem danebengegangenen Redeschwalls, dem sie sich da auf mehr als tausend Seiten ausgesetzt sieht. Wann immer es mal interessant zu werden droht - mit Einblicken ins Innenleben der DDR zum Beispiel -, da drängt sich, stöhnt sie, das narzisstische Havemann-Ich wieder in den Vordergrund und kann und will zwischen Fakten und Legende überhaupt nicht unterscheiden. Nein, Sabine Brandt legt dieses Buch niemandem ans Herz.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.12.2007

Als "unmögliches" Buch bezeichnet Christoph Dieckmann in seiner lesenswerten Besprechung diese Erinnerungen Florian Havemanns an seinen Vater, den DDR-Dissidenten Robert Havemann. Unmöglich, weil es vor "Narzissmus, Hybris, Selbstgerechtigkeit" nur so strotze. Von Recherche sei Havemanns "Behauptung" auch nicht untermauert, und wenn das Buch je einen Lektor hatte, so spottet Dieckmann, sei der bestimmt bezeiten in dieser 1100-Seiten-Suada ertrunken. Aber dann schimmert auch immer wieder durch Dieckmanns Besprechung durch, dass er schon wissen wollte, was Florian Havemann über seinen Vater zu erzählen hat oder über die Stalinallee-Aristokratie, zu der die Familie des überzeugten Kommunisten anfänglich gehörte. Oder über Wolf Biermann, Jürgen Fuchs, Thomas Brasch und Nina Hagen, deren Kreis Robert Havemann in seiner Grünheider Hausarrest vorsaß. Nicht nur, weil ihn die Personen interessieren, sondern auch, weil Havemann, wie Dieckmann einräumt, ein "Talent zum anekdotischen Porträt" besitze. Auch wenn Dieckmann es nicht gänzlich an einer gewissen Sympathie für den traumatisierten Sohn fehlen lässt, angenehm ist ihm das nicht, was Florian Havemann hier alles von sich gibt: "Florian Havemann pinkelt nicht nur ans väterliche Denkmal, sondern erlegt den Vater mit der Mistforke."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.12.2007

Viel ist bereits gegen dieses Dokument des "Größenwahns" von Florian Havemann gesagt worden und manches sagt auch Lothar Müller in seiner Besprechung dieses autobiografisch-literarischen Monstrums. Ja, natürlich sei diesem Florian Havemann nicht zu trauen, ja, gewiss sei das alles einseitig und so selbst- wie ungerecht. Und schlecht geschrieben sei es auch. Aber nachdem er diese auch seiner Meinung nach berechtigten Einwände beiseite geräumt hat, denkt Müller nicht daran, seine Faszination zu leugnen. Es handle sich nämlich bei aller "Unzuverlässigkeit" doch um ein "großes Dokument zur Geschichte der politischen Opposition in der DDR". Was da brodelte und fortlebte, sei nämlich, und darum ist auch der "expressionistische" Stil des ganzen der angemessene Ausdruck des Inhalts, die "ästhetisch Moderne" gewesen, beziehungsweise genauer gesagt eben der "Expressionismus". Was dabei bei Havemann herauskommt, ist vor allem "Wortschwall" und "Rücksichtslosigkeit". Alles andere als sympathisch also, aber eben sehr, sehr bezeichnend, wie Müller findet.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 26.11.2007

Kein gutes Haar lässt Yaak Karsunke an Florian Havemanns Autobiografie. Er sieht in dem Buch im wesentlichen eine wortreiche Wiederauflage des "Vatermords", den der 1971 aus der DDR in die BRD geflohene Autor, Sohn des 1982 verstorbenen DDR-Regimekritikers Robert Havemann, in einem Spiegel-Artikel an seinem prominenten Vater begangen hat. Der Name des Vaters scheint  Karsunke dabei das einzige "Betriebskapital" zu sein, über das der Sohn verfügt. Dessen Buch trieft für ihn nur so vor Eitelkeit, Tratschsucht, Indiskretionen, Unterstellungen und Verdächtigungen. Neben Vater Havemann macht er vor allem Wolf Biermann als Hassobjekt des Autors ausfindig. Bitter ist für ihn die völlige Abwesenheit von Humor. Unfreiwillig komisch mutet ihn allenfalls das Herumreiten des Autors auf seinen Titel als Verfassungsrichter in Brandenburg an, zu dem er auf Vorschlag der PDS gewählt wurde. Mit dem behaupteten Künstlertum scheint es Karsunke nicht weit her. Die Sprache des Werks kritisiert er als "geschraubt und gestelzt" und das, was der Autor als Produktivität ausgibt, ist in seinen Augen lediglich "Geschwätzigkeit". Karsunkes Fazit: eine "monströs aufgeschwemmte Klatschkolumne".