Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
27.04.2006. Die Zeit stellt die neue Klasse des Prekariats vor. In der SZ prophezeit Elfriede Jelinek unser aller Tod in der Unterhaltung. In der taz versucht Burkhard Spinnen aus seiner leidvollen Dauerreserve gegenüber der Fußball-Nationalmannschaft herauszukommen. Die Welt erklärt Polens neue Geschichtspolitik. Der FR graut vor Ursula von der Leyens christlichem Bündnis für Erziehung. Und die FAZ sieht in Paul Greengrass' Film "United 93" das wahre Mahnmal zum 11. September.

Zeit, 27.04.2006

Thomas Groß überlegt, wer eigentlich zur neuen gesellschaftlichen Klasse des Prekariats gehört. Migranten, Praktikanten oder doch Freiberufler? Prekär wird es für diejenigen, die folgende Fragen bejahen können: "Woher kommt morgen mein Geld? Wie sicher ist mein Arbeitsplatz? Reicht das Geld für den Kita-Platz? Welche Jobs gehen ohne Pass? Was ist, wenn ich krank werde? Wie will ich wohnen? Wie finanziere ich mein Studium, was mache ich danach? Warum denke ich ständig an Arbeit? Weshalb macht der Kerl nicht den Haushalt? Wie will ich leben?"

Erwin Wagenhofers "We Feed The World" und Michael Glawoggers "Workingman's Death" inspirieren Christiane Grefe dazu, die Wiedergeburt des politischen Dokumentarfilms mit professionellen Mitteln auszurufen. "In den Achtzigern transportierten Dokumentarfilm-'Verleihgenossen' ihre 'Filme im Rucksack' und schufen 'Gegenöffentlichkeit'. Heute beauftragt Erwin Wagenhofer eine Media-Agentur, die allein in Österreich 59 Organisationen als Kooperationspartner gewonnen hat, und auch in Deutschland trommeln Organisationen von der Zukunftsstiftung Landwirtschaft über Bioland bis Greenpeace schon seit Wochen für seinen Film."

Weiteres: Phänomene wie Ursula von der Leyens christliches "Bündnis für Erziehung" scheinen Gunter Hofmann Ausdruck einer politisch-gesellschaftlichen Rückentwicklung bis weit hinter Kohl zu sein. Peter Roos trifft eine 88-Jährige, die 1936 einen Termin bei Sigmund Freud hatte. Jens Jessen wünscht sich mehr Ruhe im Medienwald und weniger unnütze Diskussionen wie die Popetown-Debatte. Evelyn Finger empfand den Berliner Tanzkongress als erfrischend widersprüchliches Antidot zur "Konsenskultur". Im neuen Museum des französischen Wirtschaftsmagnaten und "Imponeurs" Francois Pinault im Palazzo Grassi in Venedig waltet Beliebigkeit (und auf der Website noch Betriebsamkeit), bemerkt Hanno Rauterberg pikiert. Peter Kümmel widmet sich dem Schauspieler und Autor Wallace Shawn, der die Dreigroschenoper für die "eisig perfekte" Inszenierung, die derzeit erfolgreich am Broadway läuft, ins Englische übertragen hat. Thomas E. Schmidt schreibt über die noch mindestens bis zum Wochenende präsidentenlose und vermutlich noch lange darüber hinaus ziellose Akademie der Künste.

Für den Literaturteil reist Ulrich Greiner nach Indien, das kommende Gastland der Frankfurter Buchmesse, und besucht die Organisatorin Nuzhat Hassan. "Sie dürfte Mitte 30 sein und macht nicht den Eindruck, als fürchte sie sich vor der Aufgabe, Indien in Frankfurt zu präsentieren. Sie hat schon andere Aufgaben gelöst. Früher arbeitete sie bei der indischen Polizei... Sie sagt: 'Jedes Jahr erscheinen 77.000 Titel, rund 40 Prozent davon auf Englisch, der Rest in indischen Sprachen. Für uns ist übrigens auch Englisch eine indische Sprache.'"

Im Dossier porträtiert Reiner Luyken sechs Bewohner Jerusalems und ihren "heillosen Alltag". Für das Leben-Ressort besucht Stephan Lebert den Eventkünstler Andre Heller in Wien. Und der Pianist wie Komponist Vladimir Ashkenazy beschreibt sein eigenes Leben als Traum.

Besprochen werden DVDs mit Filmen von Roberto Rossellini, der vor hundert Jahren geboren wurde, und Bücher wie Haruki Murakamis nun übersetzter Roman "Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt" und Ute Scheubs Vaterbuch "Das falsche Leben" (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

SZ, 27.04.2006

"Das ist der Tod. Nicht der Tod der Unterhaltung, sondern der Tod in der Unterhaltung. Und wir alle zahlen den Unterhalt dafür, ob wir wollen oder nicht. Wir werden versorgt werden im Sinn von: Fürsorge. Und das ist dann die ultimative Entmündigung", schreibt Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek auf der Medienseite in einem Solidaritätsbeitrag zur Rettung des renommierten br-Jugendmagazins "Zündfunk", das jetzt zerschlagen werden soll (mehr hier). "Unterhaltung ist oft Körperverletzung. Es ist in Ordnung, wenn die Leute in den Medien singen und sägen und mit der Säge singen oder beim Singen oder beim Schlafen sägen. Solang sie nur wach bleiben dabei. Aber der Spaß, der ja ununterbrochen erzeugt werden soll, als wären die öffentlich-rechtlichen Medien ein einziger Spaßgenerator - was unrecht ist und aus der Öffentlichkeit verbannt werden sollte, denn dieser Generator treibt nichts an und ersetzt auch nichts, das noch selbst etwas erzeugen könnte."

"Jetzt mal ganz langsam zum Mitdenken", schreibt Willi Winkler ebenfalls auf der Medienseite, da MTV einknickt und die Cartoon-Comedy Popetown nach einmaligem Senden einstellen will. "Es ist keine Gotteslästerung, wenn ein Zeichentrick-Papst auf einem Joystick durch den Vatikan juckelt - und den öffentlichen Frieden gefährden jene, die sich so demonstrativ um ihn sorgen. Es ist schon richtig, in manchen arabischen Ländern wird man wegen weniger geköpft, und selbst in einigen der besonders gottgefälligen Vereinigten Staaten wandelte manchen Rechtgläubigen bei derlei Frivolitäten die Lust auf ein bisschen Lynchjustiz an. Man schämt sich ja, solche Plattheiten zu schreiben: der Westen und seine Werte werden durch Klamauk wie Popetown nicht geschwächt. Es ist vielmehr ein Zeichen seiner Stärke, dass er auch Infantiles verkraftet und nicht gleich fundamentalistisch reagiert wie die Ayatollahs Khomeini und Söder."

Andere Themen: Alex Rühle rauft sich die Haare über die Debatte um die deutsche Mutter. Heribert Prantl versucht, die geplante Reichensteuer aus der christlichen Ethik zu begründen. Von Andrian Kreye erfahren wir, dass Larry Silverstein als Pächter auch auf Druck des New Yorker Bürgermeisters die Kontrolle über einen Großteil von Ground Zero aufgegeben hat. Harald Eggebrecht befragt den russisch-jüdischen Pianisten Jascha Nemtsov zur von ihm wiederentdeckten "Neuen Jüdischen Schule" in der Musik der zwanziger Jahre. Anke Sterneborg unterhält sich mit Horrorregisseur Eli Roth, dessen neuer Film "Hostel" in einem Folterclub in Bratislava spielt. Es gibt Eindrücke vom New Yorker Tribeca Filmfest, das mit dem ersten 9/11 Film, "United 93" eröffnet wurde. Petra Steinberger schreibt zum Tod der amerikanischen Stadt-Theoretikerin Jane Jacobs und Michael Krüger lobt im Redaktionsauftrag Band 33 der SZ-Kinderbuchklassikeredition, David Grossmans "Zickzackkind".

Besprochen werden Isabel Coixets Film "Das geheime Leben der Worte", Raja Gosnells Mutterkomödie "Deine, meine und unsere", Chen Kaiges Martial-Arts-Fantasy-Film "Wu Ji - Die Reiter der Winde" ("eigentlich nur ein opulenter Superheldenfilm, der in märchenhaften Welten der Vergangenheit spielt," informiert Susan Vahabzadeh), die Architekturfilmtage im Münchner Filmmuseum, die Jonathan-Meese-Schau in den Hamburger Deichtorhallen (dessen Werk Kia Vahland "trotz aller Provokationen weder ästhetisch noch politisch besonders radikal" findet), Jürgen Goschs Gorki-Abend "Unten" im Deutschen Schauspielhaus Hamburg, (an dem Till Briegleb lediglich überraschend fand, "wie kurz der Weg vom Geniestreich zum Klischee ist")und William Forsythes Tanzperformance "City of Abstracts" in der Münchner Pinakothek der Moderne.

Und Bücher, darunter Annemarie von der Groebens Buch über junge Türken der zweiten Generation "Yildiz und Aytekin", das der Pädagoge Hartmut von Hentig als ein Buch "über die Welt hinter dem Wissen" feiert (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).

TAZ, 27.04.2006

"Mir graut also nicht schlecht vor der WM", bekennt Burkhard Spinnen in der tazzwei. "In meinen schlaflosen Vor-WM-Nächten entwerfe ich deshalb Pläne einer besseren Zukunft. Meine momentane Lieblingsutopie ist ein Parallelentwurf zum 'Verfassungspatriotismus', jener Konstruktion, die eine emphatische Hinwendung nicht zu Land und Leuten oder Heimat und Nation, sondern zum abstrakten Entwurf einer Lebensordnung empfiehlt. In Analogie dazu soll mein Herz künftig für die Liga schlagen! Und das geht so: Nach drei Jahren in der Bundesliga erwerben Fußballer aus aller Welt das Recht, für die deutsche Nationalmannschaft zu spielen. Die erst ungeliebten, aber erfolgreichen, und dann, schlimmer noch, aussterbenden 'Tugenden' werden wegglobalisiert. Die Nationalmannschaft repräsentierte dann die Qualität der Liga. Das Nationale als das immer schon Bedenkliche würde von ihr abfallen, sie wäre gleichermaßen multikulturell wie rein deutsch - und sie wäre die erste Fußballmannschaft, der gegenüber ich die leidvolle Dauerreserve aufgeben könnte!"

Weiteres: Adrienne Woltersdorf schreibt über Paul Greengrass' Tribeca-Eröffnungsfilm "United 93", und einen etwas bizarren Angehörigenstreit hinter den Kulissen: wer von den umgekommenen Passagieren die größten Helden waren. Jan-Hendrik Wulf blättert durch aktuelle politische Zeitschriften und hat in einer sogar noch "gute alte Ideologiekritik" entdeckt.

Besprochen werden Erwin Wagenhofers Dokumentarfilm über die Produktion von Nahrungsmitteln "We Feed the World - Essen global", Chen Kaiges Film "Wu Ji - Die Reiter der Winde", Biljana Srbljanovic' neues Stück "Heuschrecken", die Uraufführung von Meike Haucks "Hund frisst Gras" (beide am Staatschauspiel Stuttgart) und Jonathan Caouettes Film "Tarnation", der aus Sicht von Cristina Nord reichlich Anschauungsmaterial dafür bietet, "dass die Familie nicht zwingend jener Fels in der Brandung ist, als den sie sich Ursula von der Leyen imaginiert. Im Gegenteil."

Und Tom.
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FR, 27.04.2006

Der Philosoph Herbert Schnädelbach kommentiert wütend die Erziehungsoffensive, die Familienministerin Ursula von der Leyen im Verbund mit einem Kardinal und einer Bischöfin vor der Bundespressekonferenz eingeleitet hat: "Mit ihrer Herablassung gegenüber allen anderen Erziehungsinstanzen, von den Erziehungs- und Sozialwissenschaften gar nicht zu reden, macht dieser Dreibund klar, dass er das Heft fest in der Hand zu behalten gedenkt; der ideenpolitische Machtanspruch eines christlichen Wertekonservatismus ist unverkennbar." Aber, meint Schnädelbach: "Die christliche Erbschaft in unserer Kultur taugt also nicht zur Selbstermächtigung christlicher Funktionsträger in Erziehungsfragen. Wir leben hier in Europa in einer pluralen Welt, in der die Religion längst aus dem Zentrum an den kulturellen Rand gedrängt wurde. Seitdem steht auch die Moral auf eigenen Füßen, aber genau vor dieser trockenen Wahrheit schrecken viele Besorgte zurück."

Weiteres: Oliver Herwig schreibt zum Tod der amerikanischen Autorin und Urbanistin Jane Jacobs. In der Kolumne Times Mager sinnt Ina Hartwig über die Frage nach, warum jetzt Benns Zeit und nicht Brechts Zeit ist, obwohl doch beide ziemlich genau vor fünfzig Jahren gestorben sind. Stefan Keim informiert über Bonner Theaterschließungspläne. "ith" meldet, dass die Oper Frankfurt mit 13 Premieren an den Start geht.

Auf den Kinoseiten werden Isabel Coixets "schmerzlich bewegender" Film "Das geheime Leben der Worte" ("Der Krieg um das zerrüttete Ex-Jugoslawien liegt zehn Jahre zurück," schreibt Heike Kühn, "doch das Leiden erreicht uns nicht über Nachrichtenbilder. Es braucht diesen Film."), Erwin Wagenhofers Dokumentarfilm "We Feed the World - Essen Global" und Brian Pimentals Zeichentrickfilm "Bambi 2 - Herr der Wälder" vorgestellt.

Welt, 27.04.2006

Dass immer mehr polnische Medien (allen voran die Zeitung "Rzeczpospolita" in ihrer jüngsten Wochenend-Ausgabe) intervenieren, wenn im Ausland die Rede irrtümlich auf polnische, statt auf deutsche Konzentrationslager kommt, findet Gerhard Gnauck durchaus verständlich. Die Debatte ist zugleich auch Symptom einer nationalkonservativen Wende: "Doch unverkennbar ist auch der Zusammenhang der Aktion mit einer neuen 'Geschichtspolitik' - dieser Begriff macht derzeit in Polen seit dem Wahlsieg der National-Konservativen im Herbst Karriere. Neuestes Element der Debatte ist der Antrag Warschaus, die Bezeichnung auf der Unesco-Liste des Weltkulturerbes - 'Konzentrationslager Auschwitz' - um die Adjektive 'ehemaliges nazistisches deutsches' zu erweitern. Dieses Bestreben sorgte beim Jüdischen Weltkongress kurzfristig für Irritation, das Auswärtige Amt in Berlin dagegen äußerte Verständnis."

Weiteres: Michael Pilz bespricht Bruce Springsteens DVD-Collection "We Shall Overcome - The Pete Seeger Sessions", auf dem der "Boss" zum amerikanischen Folk zurückkehrt ("Springsteen dampft dabei das patriotisch Volksverbundene aus allen Baumwollnähten"). Sibylle Peine widmet sich einer Ausstellung in der Stuttgarter Staatsgalerie anlässlich des hundertsten Geburtstags des Designers Anton Stankowski. Eckhard Fuhr zeigt sich erfreut, dass der Quirinalspalast, Amtssitz des italienischen Präsidenten, wieder im barocken Glanz erstrahlt.

Besprochen werden "Das geheime Leben der Worte" der spanischen Regisseurin Isabel Coixet, das chinesische Blockbuster-Spektakel "Wu Ji - Die Reiter der Winde", Ute Wielands "Wohlfühl-Sportfilm" "FC Venus" und Erwin Wagenhofers Dokumentarfilm "We feed the world - Essen global".

NZZ, 27.04.2006

Der Religionswissenschaftler Michael von Brück empfiehlt in der Reihe "Was ist eine gute Religion?" mehr Mystik, um in der globalisierten Welt Gelassenheit gegenüber dem Fremden zu lernen.

Ansonsten regieren die Rezensionen, über eine Ausstellung mit Bildern des französischen Malers und Avantgarde-Idols Henri Rousseau alias "Douanier" im Pariser Grand Palais, und zu Büchern, darunter der Band "Das Malträtieren unvollkommener Automaten" mit Comics von Katz und Goldt (deren Anteil an "charmanten, bisweilen geradezu obszön verbrämten Anzüglichkeiten" Christian Grasser insbesondere schätzt) und Yitzhak Laors Roman "Ecce homo" (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
Stichwörter: Comics, Henri Rousseau

FAZ, 27.04.2006

Zur Eröffnung des New Yorker Tribeca-Filmfestivals hat Jordan Mejias den Spielfilm "United 93" von Paul Greengrass gesehen, der vom Geschehen in jenem Flugzeug erzählt, das am 11. September von Passagieren zum Absturz gebracht wurde. Meijias zeigt sich überaus beeindruckt: "Der Blick aufs Kollektiv lässt die Heldenfrage unbeantwortet. Dennoch gewinnt der Film von Greengrass allmählich an emotionaler Intensität und steigert sich in ein Delirium... Greengrass hat mit 'United 93' ein filmisches Mahnmal geschaffen. Wie das offzielle für Ground Zero geplante fordert es Streit heraus. Wozu der Film mahnt, ist nämlich alles andere als klar. Im Grunde darf sich jeder seinen eigenen Mahnentwurf zusammenbasteln. Greengrass bietet leere Projektionsflächen. Er ist der Peter Eisenman des Films." Passend dazu wird gemeldet, dass der Investor Larry Silverstein jetzt einem Kompromiss für den Ground-Zero-Entwurf zugestimmt hat - was aber nicht heißt, dass alle Fragen geklärt sind.

Von merkwürdigen Vorgängen im Berliner "Museum der Gegenwart" im Hamburger Bahnhof berichtet Niklas Maak: Zuerst plauderte der neue Kulturstaatsminister Neumann etwas aus, das von den staatlichen Museen offenbar nicht an die große Glocke gehängt werden sollte - dass nämlich soeben für viel Geld ein Hauptwerk von Andy Warhol erworben wurde. Die Freude über die Mitteilung wurde bald von der Tatsache getrübt, dass dieses Hauptwerk sich als der 'Big Electric Chair' entpuppte - ein Werk, das bereits seit Jahren im Hamburger Bahnhof hängt. Das für einen - immer noch nicht offiziell bestätigten - Kaufpreis von mehr als fünf Millionen Euro erworbene Werk ist Bestandteil jener Kollektion, die der Sammler Erich Marx 1996 als Dauerleihgabe nach Berlin gegeben hat."

Weitere Artikel: Wenig Freude hatte Richard Kämmerlings an den Prüfungen, die seine Tochter über sich ergehen lassen musste, um aufs Gymnasium wechseln zu dürfen. Elenore Büning hat sich von der Austellung "Mozart - Experiment Aufklärung" in der Wiener Albertina offenbar gerne eines Besseren über das Rokoko belehren lassen. Martin Lhotzky hat eine Holocaust-Konferenz in Wien besucht. Die Glosse widmet sich einer Polarfahrt mit dem einschlägig vorbelasteten Vorleser Mirko Bonne.

Im Interview erklärt die Sängerin Jessye Norman, dass sich Reden und Singen überhaupt nicht vertragen: "Am Tag eines Konzerts oder einer Opernvorstellung rede ich gar nicht." Christian Saehrendt erzählt die Geschichte von "hundert Jahren Abwanderung aus dem deutschen Osten". Entzückt zeigt sich Wiebke Hüster von der Gala der Münchner Ballettwochen. Von einer Moskauer Tagung, die vor dem Verlust russischer Baudenkmäler warnte, berichtet Kerstin Holm. Julia Bähr porträtiert die Wortmusikantin Nora-Eugenie Gomringer. Werner Spies gratuliert dem Sammler Frieder Burda, Tilmann Lahme dem Historiker Hartmut Lehmann zum 70. Geburtstag. Außerdem findet sich ein kurzer Nachruf auf die amerikanische Urbanistin Jane Jacobs.

Für die Filmseite nimmt Michael Althen den Tod der Schauspielerin Alida Valli zum Anlass, an den großen Skandal um eine Tote am Strand zu erinnern, an dem am Rande auch Valli beteiligt war.

Besprochen werden Friedrich Voits Biografie des Dichters Karl Wolfskehl und - auf der Filmseite - der Band "'Experiment Mainstream?' Differenz und Uniformierung im populären Kino" (mehr in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).