Mirko Bonné

Der eiskalte Himmel

Roman
Cover: Der eiskalte Himmel
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2006
ISBN 9783895614019
Gebunden, 427 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

August 1914. Während über Europa der "große Krieg" aufzieht, beginnt Sir Ernest Shackleton eine gewagte Expedition. Als Erster will er den antarktischen Kontinent zu Fuß durchqueren. Mit an Bord seines Schiffes ENDURANCE: 69 Schlittenhunde, ein Grammophon, ein Fahrrad - und ein blinder Passagier. Zwischen Ölzeug und Gummistiefeln versteckt nimmt der 17jährige Merce Blackboro Kurs auf den Südpol. Über das subantarktische Südgeorgien geht die Fahrt ins Eis. Doch der antarktische Sommer ist kurz, die Durchfahrt bleibt verschlossen. Im Weddellmeer wird die ENDURANCE über Monate vom Packeis eingeschlossen; von da an driftet sie einem ungewissen Schicksal entgegen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.07.2006

Zweifellos biete die Geschichte von Sir Ernest Shackleton und der "Endurance", die zu Zeiten des Ersten Weltkrieges zu einer Expedition in die Antarktis aufbrach, eine formidable Grundlage für einen spannenden Abenteuerroman, stellt Lothar Müller fest. Allerdings sei der Versuch von Mirko Bonnee, die realen Ereignisse auf bisher ungewohnte Weise zu vermitteln, nicht besonders geglückt. Wie in diesem Genre üblich, schildert auch Bonnee die Geschichte aus der Sicht eines Ich-Erzählers, des siebzehnjährigen Matrosen Merce Blackboro. Aber anders als bei den vielen vorangegangenen Abenteurerromanen wird "Der eiskalte Himmel" nicht im Imperfekt, sondern im "allwissenden Präsens" erzählt. Doch wie kann ein junger Matrose das Geschehen so umfassend reflektieren, besonders wenn Erzählzeit und erzählte Zeit deckungsgleich sind, fragt sich Müller. Auf ihn wirkt dieser Kunstgriff oftmals "altklug", so als ob der Autor auf Teufel komm raus sein angesammeltes Wissen über jene berühmte Expedition mit dem Leser teilen wolle. Trotzdem bleibt diese Geschichte der "Imperial Trans-Antarctic Expedition" für Müller eine spannende Angelegenheit, besonders für alle Liebhaber von abenteuerlichen Schifffahrtsromanen.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 03.06.2006

Missglückt findet Rezensent Stefan Kister diesen Roman über eine gescheiterte Antarktisexpedition am Vorabend des Ersten Weltkrieges. Zwar erscheint Kister der Stoff selbst durchaus romanfähig. Doch noch bevor die Reise losgeht, sieht er den Autor "auf der Datenbank gestrandet": Viel Recherche, zu wenig Fantasie und literarische Gestaltung, kann man den Hauptvorwurf der Rezension auf den Punkt bringen. So richtig erwacht die Geschichte, deren Protagonist aus Sicht des Rezensenten immerhin einiges Potential für einen "Don Quichotte des Eises" hätte, nicht zum Leben. Deshalb wünscht der Rezensent sich selbst aber auch dem Autor, der hätte weniger nautisch-korrekt das Takelgeschnür beschrieben, und dafür mehr Seemannsgarn gesponnen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.05.2006

Mit dem tragisch gescheiterten irischen Polarforscher Ernest Shackleton habe sich Mirko Bonne einen schwierigen Helden für seinen dritten Roman gewählt, so Michael Braun. Berge er doch das Dilemma, dass die Umstände der unheimlichen Antarktis-Expedition von 1914 nicht nur wissenschaftlich gut erforscht, sondern auch in Form von zahlreichen Abenteuerromanen bereits ausgiebig literarisch verarbeitet worden sind. Daher sei es erfreulich, dass Bonne die Reise, die aus der Sicht des bibliophilen jungen Ich-Erzählers Merce Blackboro erzählt wird, nicht ausschließlich als Abenteuer- und Entwicklungsroman angelegt hat, auch wenn in diesem Zusammenhang die feinsinnige Schilderung der Gruppendynamik unter den Expeditionsmitgliedern besonders hervor sticht. Gelungen sei Bonne nämlich darüber hinaus eine "diskrete Geopoetik des Scheiterns".
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