Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
08.10.2004. "jetzt geht es erst los!" - "Na so was! Super! Unglaublich! Gewaltig!" - "dunkle Königin" - "bedeutender Spaß der Literatur" - "Ikone der Provokation" - die Feuilletons sind von Kopf bis Fuß auf die neue Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek eingestellt.

Standard, 08.10.2004

Elfriede Jelinek "hat den Nobelpreis just zu einem Zeitpunkt bekommen, da sich im deutschen Feuilleton erste Anzeichen der Enervierung angesichts ihres Oeuvres bemerkbar machten und auch hierzulande über die internationale Bedeutung einer so auf nationale Schmerzen fixierten Autorin laut nachgedacht wurde. Nun wird das so schwierige Geschäft der Jelinek-Übersetzung neue Impulse bekommen. 'Aber nun rastet eine Weile!', heißt es am Ende der atemlosen Anstrengung von 'Lust'. O nein, jetzt geht es erst los", prophezeit Daniela Strigl.

In einem kurzen Interview erzählt Elfriede Jelinek (homepage), woran sie gerade arbeitet: "Ich übersetze nach 'Bunbury' mit Karin Rausch zusammen gerade Oscar Wildes 'Idealen Gatten' - aber so, dass es eher ein Jelinekscher Idealer Gatte wird." Lesenswert auch der Kommentar zur Berichterstattung der Kronenzeitung (die hält sich im Internet bedeckt) und die Leserbriefe. Hier der Link zum kompletten Jelinek-Dossier.

FAZ, 08.10.2004

Rose-Maria Gropp würdigt die "in jedem Sinn phantastische Entscheidung der Stockholmer Akademie", Elfriede Jelinek mit dem Literaturnobelpreis auszuzeichnen: Hier hat eine "der sprachmächtigsten Figuren der deutschsprachigen Literatur die Ehrung erfahren, die ihr gebührt". Und weiter: "Elfriede Jelinek ist Feministin geheißen worden, und sie hat doch den Frauen so ins eigene Fleisch geschnitten wie keine andere. Sie war bis Anfang der neunziger Jahre Mitglied der Kommunistischen Partei Österreichs; ihre politische Stoßkraft richtet sie auf das Prinzip der Territorialisierung: Machtausübung schlimmster Form ist für sie Besetzung von Raum, Durchdringung und Verletzung von Grenzen, des Leibes, des anderen, des Volkes. Dennoch, und ganz besonders, ist es so: Wer bei Elfriede Jelinek nicht immer wieder lachen kann, nein: lachen muss, dem ist ein bedeutender Spaß der Literatur entgangen. Darin tritt sie tatsächlich neben ihren k.u.k.-monarchischen Landsmann Franz Kafka: Wenn sie in 'Gier' ihre Protagonistin Gerti, die nur noch lächerlich-sperrangelweites Einfallstor für den feschen Gendarmen Kurt ist, zu 'Palmers' nach Dessous rennen lässt, dann möchte man am liebsten gleich Kafkas 'Landarzt' hinterherschicken, um das brüllende Desaster komplett zu machen."

In einem weiteren Artikel schreibt Gerhard Stadelmaier: "Elfriede Jelinek ist eine Dramatikerin, die, wenn sie die Welt anschaut, nie dazulernen möchte. Sondern in immer neuen Bildern und Bereichen und Medien nach der Bestätigung dessen sucht, was sie immer schon wusste und fühlte. So bekamen ihre Wut und ihr Hass mit den Jahren die Qualität einer Extra-Cuvee, beeindruckend gereift." - Also, beschreibt das nicht ganz wunderbar vor allem Herrn Stadelmaiers Theaterkritiken?

Ein Artikel versammelt Stimmen zum Nobelpreis: Reich-Ranicki: "Meine Bewunderung dieser Autorin und ihrer künstlerischen Leistung hält sich in Grenzen. Jedoch gilt mein Respekt und meine Sympathie ihrer ungewöhnlichen Haltung in der Öffentlichkeit, ihrem Mut, ihrer Entschiedenheit, ihrer Radikalität." Inge Feltrinelli: "Die Nachricht kam wie eine Bombe, denn wir hatten alle einen asiatischen oder südamerikanischen oder ganz exotischen unbekannten Autor erwartet." Claus Peymann: "Als ich die Nachricht vom Nobelpreis für die Jelinek erhielt, war ich zu Tränen gerührt. Das ist eine der besten Entscheidungen des Nobelpreiskomitees. Jeder irrt sich, wenn er meint, das war die Frauenquote. Die Elfriede Jelinek ist ja doch die Kassandra der zeitgenössischen Literatur und des deutschsprachigen Theaters". Außerdem äußern sich Christoph Schlingensief, Alice Schwarzer und Antje Ravic Strubel. Weiter wurden Reaktionen aus Österreich auf Jelineks Preis gesammelt, und schließlich beschreibt Eva Menasse sehr schön Österreichs Hassliebe zu Elfriede Jelinek

Auf der Medienseite porträtiert Alfons Kaiser eine "fröhliche Grenzgängerin" mit "dominanter Brille", nämlich die libanesische Reporterin Rosy Abdo, die für Al-Dschazira über die Pret-a-Porter-Schauen berichtet. In der halbstündigen Magazinsendung Zeena (Schmuck) bringt sie jeden Donnerstag 18.30 Uhr europäische Mode "nach Indonesien und Marokko, in den Libanon und nach Zentralasien, in die Vereinigten Staaten und in den Sudan. Letzte Untersuchungen haben gezeigt, dass sich in ihrer Sendung allein neun Millionen Frauen über die neuen Trends in Mode, Frisuren, Accessoires und Kosmetik informieren. 'Über diesen gigantischen Zuspruch war ich wirklich schockiert', sagt Rosy Abdo zu dem Erfolg bei einem Sender, der für politische Berichterstattung bekannt ist. Ihr eigener Einfluss auf das Geschmacksempfinden der arabischen Welt ... ist ihr geradezu unheimlich. 'Und nun wird auch noch die Schar der modebegeisterten Männer im Maghreb und im Nahen Osten immer größer!'"

Weitere Artikel: Aus den Buchmessenskizzen lacht uns vor allem eine Meldung an: Der glänzende Auftritt von Hamasa Mosaad, ein arabisches Pferd von schönster Gestalt im Lesezelt: "Mit geblähten Nüstern und zitternden Flanken verharrte der Hengst vor seinem neuen Besitzer, Scheich Sultan Bin Mohammed Al Qassimi, Emir von Sharjah. Mit dem geschmückten und gestriegelten Prachtexemplar aus eigener Zucht bedankte sich Verleger Dietrich Olms fotogen für die großzügige Unterstützung des Scheichs bei der Herausgabe der 'Documenta Arabica'." Ulrich Beck fragt, ob es so etwas wie eine europäische Gesellschaft überhaupt geben kann. Wolfgang Sandner berichtet über die zehnte Saison des Dirigenten Michael Tilson Thomas als Chefdirigent beim San Francisco Symphony Orchestra. Richard Friebe schreibt den Nachruf auf den Mediziner Thure von Uexküll.

Auf der Medienseite stellt Rainer Hermann die "lesenswerte" Orient-Zeitschrift Zenith vor, die größtenteils von Hamburger Studenten produziert wird. Auf der letzten Seite berichtet Christian Geyer ergriffen über den Auftritt des italienischen Philosophen Giorgio Agamben in der Villa Unselds: "Agamben berauschte seine Zuhörer mit einer Theorie des Genius" (schade, dass Jelinek nicht dabei war!). Wiebke Hüster berichtet über einen Rechtsstreit um den Potsdamer Rubens (Tarquinius und Lukretia), der "seit 1967 offiziell weltweit" als Beutekunst gesucht wird, und dennoch angeblich "guten Glaubens" von dem russischen Immobilienhändler Vladimir Alekseevitch Logvinenko erworben wurde (mehr in der St. Petersburg Times). Und Dirk Schümer resümiert Venedigs Theaterbiennale.

Besprochen werden Steven Spielbergs Film "The Terminal" und Bücher, darunter Susanne Reinkers "Job-Lexikon" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Tagesspiegel, 08.10.2004

Im Tagesspiegel beschreibt Peter von Becker die Jelinek als "fragilen, blasshäutigen, überaus zarten Menschen. Der mit sanfter Stimme spricht, klug, bedacht, mit selbstbewusster Uneitelkeit. Massen und öffentliches Aufsehen entsetzen sie, auch wenn sie in ihrem Schreiben - das wie bei allen sorgsamen Stilisten ein kaltköpfiges ist - die Reibung mit einer gebrechlichen oder bisweilen gar verbrecherischen Mitwelt sucht. Dem notorischen Nobeltrubel will sie nun entgehen. Sie wird im Dezember nicht zur Preisverleihung nach Stockholm kommen und ihren Dank, der sich bei ihr mit der Scham darüber mischt, welche Schriftsteller diese Auszeichnung nie bekommen haben, verlesen lassen. Wie Sartre den Preis aber abzulehnen, käme ihr vermutlich zu undankbar, zu sehr 'männlich' gespreizt und ein bisschen größenwahnsinnig vor."

Und hier eine Stimme zum Nobelpreis: "Jelineks Landsmann, der Schriftsteller Peter Handke, äußerte sich begeistert. 'Na so was! Super! Unglaublich! Gewaltig! Da muss ich mich erst einmal setzen.' Jelinek sei 'eine Schriftstellerin von heute - wie sonst fast niemand. Sie bringt alles auf den Punkt.'"
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NZZ, 08.10.2004

Paul Jandl würdigt die Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek: "Rührt sich was? Da tauchen sie auf, die Gespenster aus dem Unterholz der Vergangenheit. Die österreichischen Naturkatastrophen sind von den Menschenkatastrophen nicht leicht zu unterscheiden, das weiß man aus dem Werk der neuen Nobelpreisträgerin. Möglicherweise muss man, wie Elfriede Jelinek, in einem Ort namens Mürzzuschlag zur Welt gekommen sein, um die finstere Tragik der österreichischen Natur zu kennen."

Weitere Artikel: Joachim Güntner berichtet von der Frankfurter Buchmesse. Besprochen werden der vierte Printemps de Septembre in Toulouse, arabische Ausstellungen in Frankfurt und Johann Strauss' "Fledermaus" in Basel.

Auf der Filmseite plädiert die Filmwissenschafterin Marcy Goldberg an die Schweizer Filmbranche, ihre Tradition "selbstkritischer und eigenwilliger Filme" nicht aufzugeben. Besprochen werden Walter Salles' Film "Diarios de motocicleta" und das Making-of sowie "Monte Grande", Franz Reichles Dokumentarfilm über den chilenischen Neurobiologen und Systemtheoretiker Francisco Varela.

Auf der Medien- und Informatikseite stellt Heribert Seifert Lutz Hachmeisters Film "Das Goebbels-Experiment" vor. "Als biografische Recherche folgt der Film dem Interesse Hachmeisters an den NS-Führungsfiguren, die nicht zu den brutalen Landsknechtstypen gehörten, sondern zu jenem eigentümlichen Milieu einer nationalsozialistischen Intelligenz zählen. Dieses Milieu, das erst seit wenigen Jahren gründlicher erforscht wird, verstand sich als 'Laboratorium des Äußersten' (Hachmeister), in dem eine nationalsozialistische Moderne konzipiert werden sollte. Das wahrzunehmen, löst immer noch Unbehagen aus, zwingt es doch zur Einsicht, dass es durchaus eine Berührung von Nationalsozialismus und Intelligenz gab, die nicht nur mit Opportunismus und feiger Anpassung zu erklären ist."

S. B. berichtet über den neuesten Beitrag des Cern zur Weiterentwicklung der Informatik: das Grid.

Welt, 08.10.2004

Warum wird plötzlich Putin kritisiert, obwohl doch die USA einem "unerbittlichen Expansionsdrang" frönen, fragt John Laughland vom Sanders Research Institute. Er erinnert daran, dass seit dem Jahr 2000 drei frühere Sowjetrepubliken, die baltischen Staaten, Mitglieder der Nato sind. "Dadurch steht das westliche Militärarsenal gerade einmal 60 Kilometer - oder ein paar Sekunden - von St. Petersburg entfernt." Der eigentliche Grund "für die plötzliche Aggressivität gegenüber Putin ist das Öl", glaubt Laughland. "Die Aufstände im Irak bedeuten, dass der Plan der Neocons, den Preis des Rohstoffs durch eine Steigerung der irakischen Produktion nach unten zu treiben, in Trümmern liegt. Nun muss die Strategie Amerikas folglich darin bestehen, Kontrolle über die russische Ölförderung zu erlangen. Selbst in dieser Hinsicht hat sich Putin als nachgiebig erwiesen, indem er dem US-Konzern Conoco Phillips erlaubte, einen Anteil an dem russischen Unternehmen Lukoil zu erwerben. Putins Problem besteht nicht darin, dass er dem Westen getrotzt hätte, sondern dass der Appetit des Westens auf Unterwürfigkeit desto größer wird, je mehr man ihn damit füttert."

Das Feuilleton hat ein Dossier zu Elfriede Jelinek zusammengestellt.

TAZ, 08.10.2004

Elfriede Jelinek dominiert die Themen des Tages. Jörg Sundermeier versucht eine Einschätzung der Autorin - und sieht in "Lust" das Schlüsselwerk: "Aus diesem auf sie projizierten Geschlechtergefängnis befreite sie sich erst mit ihrem Roman 'Lust', der ja gerade versuchte, eine weibliche Sprache der Pornografie zu erfinden, und daran scheiterte. Was von diesem Projekt übrig blieb war das Gegenteil, ein Trivialromanplot - unglückliche Unternehmerfrau sehnt sich nach Liebe - den Jelinek vermittels ihrer Sprache und ihrer präzisen Beschreibung gesellschaftlicher Prozesse in ein einziges Horrordrama verwandelte, in der Konsequenz, mit der sie dies tut, einzig mit der ihr vorausgehenden Gisela Elsner und der ihr nachfolgenden Marlene Streeruwitz vergleichbar."

Aus Österreich berichtet Ralf Leonhard: "Nur aus dem Lager der FPÖ blieben Stellungnahmen zunächst aus." Rundum Überraschung konstatiert Gerrit Bartels auf der Buchmesse in Frankfurt. Und Reaktionen.

Der Alltag: Im Interview sprechen Simon Le Bon und Nick Rhodes von "Duran Duran" über Vergangenes und Gegenwärtiges: "Wir haben von Warhol siegen gelernt." Gerrit Bartels buchmessert: "Die Suhrkamp-Party findet dieses Jahr in der alten Polizeiwache statt." Jörg Sundermeier bespricht das neue Album von Tom Waits ("ein Meisterwerk des weißen Blues"). Karin Kruse schwärmt in ihrer Pret-a-Porter-Berichterstattung von der neuen Kollektion Dries van Notens.

Und Tom.

FR, 08.10.2004

Von Kopf bis Fuß ist das FR-Feuilleton heute auf Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek eingestellt. Und nicht nur das Feuilleton: Auf Seite 3 ein Porträt von Verena Mayer: "Bei aller Deutlichkeit zeichnet sich das Werk Elfriede Jelineks dadurch aus, dass sich die Sprache erst einmal selbst genügt. Bei ihr erschlagen sich die Bilder vorsätzlich und mit einer seltenen Vernichtungswut. Ihr Spott richtet sich nie gegen eine bestimmte Gruppe, sondern immer gegen die, die sich selbst auch angesprochen fühlen. Und angesprochen gefühlt haben sich bei Elfriede Jelinek immer sehr viele, und das hat sie schon zu einer öffentlichen wie auch umstrittenen Figur gemacht, bevor sie noch ihren großen Durchbruch als Autorin erlebte."

Im Feuilleton schreibt Ina Hartwig: "Geehrt wird nicht nur eine der radikalsten, konsequentesten Schriftstellerinnen, die je in deutscher Sprache schrieben, sondern geehrt wird zudem - und dies zum ersten Mal in der Geschichte des Literaturnobelpreises - das Prinzip Avantgarde." Die Dramatikerin Jelinek stellt Peter Michalzik vor. Harry Nutt kommentiert: "Ein Paukenschlag. Die Stockholmer Runde kürte die Österreicherin Elfriede Jelinek, eine Protagonistin, ja eher schon eine Ikone der Provokation." Eine kurze Würdigung gibt es auch von Elisabeth Schweeger, Intendantin des Frankfurter Schauspiels.

Weitere Medien, 08.10.2004

Das ist so verblüffend wie überraschend, kommentiert Isabelle Huppert in Liberation den Nobelpreis für Elfriede Jelinek. Sie ist "sehr glücklich" über die Wahl der Akademie, die sie ausdrücklich lobt: Man könne Jelinek würdigen für ihren Mut, aber die Wahl der Akademie sei mehr als mutig gewesen.

Im Guardian erinnert sich der Philosoph Bob Corbett (Professor emeritus der Webster University, St Louis, Missouri): "Ich entdeckte die Bücher von Elfriede Jelinek 1998, als ich in Wien lehrte. Sie forderte mich stark heraus mit ihrem bitteren und kompromisslosen Pessimismus. Ihr Zorn, ja ihre Raserei gegenüber der Welt machte betäubte mich, aber die Kraft ihrer Sprache ließ mich hochfahren und aufmerksam werden."

Ein längeres Porträt der Autorin zeichnet Alan Riding in der New York Times.

SZ, 08.10.2004

Die Nobelpreisartikel zu Elfriede Jelinek teilen sich auf in eine Würdigung der der Prosaschriftstellerin und der Dramatikerin. Thomas Steinfeld (Prosa) ist, er will es nicht verhehlen, von Jelinek eher genervt: "Virtuos kann man auch mit Ressentiments umgehen, mit unbegründeten Vorwürfen und verfehlten Urteilen. Zur Musikalität von Elfriede Jelinek gehört der freihändige Umgang mit der Nervensäge, dem Nebelhorn und der Matschpauke. Zusammen bilden sie ein kakophones Meisterorchester, an dessen Mitte eine dunkle Königin steht, la belle dame sans merci, und schwarze Kolloraturen singt." Auch C. Bernd Sucher (Drama) ist nicht ganz unambivalent, sieht im Nicht-mehr-Dramatischen ihrer Texte dann aber doch etwas Großes: "Elfriede Jelinek, die Dramatikerin, hat sich -- stärker noch als Samuel Beckett in seinen späten Texten für das Theater -- vom Theater verabschiedet. Und ihm zugleich einige der stärksten Vorlagen geschenkt."

Außerdem eine Sammlung von Reaktionen. Eigentlich sind alle, von Christina Weiss bis Christoph Schlingensief, von Marlene Streeruwitz bis Claus Peymann, ganz aus dem Häuschen, nur Jelinek nicht: "Ich verspüre eigentlich mehr Verzweiflung als Freude." Und natürlich sind die Rechten in Österreich entsetzt, die Linken erfreut, davon berichten Joachim Riedl und Michael Frank. Die Reaktionen auf der Buchmesse hat in einer kurzen Notiz "lmue" eingefangen.

Weiter mit normalem Feuilleton: Ralf Berhorst berichtet nicht ohne Skepsis von einem Auftritt Antonio Negris in Berlin. Gerhard Persche informiert über die Gründung eines dritten Opernhauses in Wien. Christina Berndt schreibt den Nachruf auf Maurice Wilkins, Mitentdecker der DNS-Struktur. 

Besprochen werden ein Konzert des neugegründeten "American Music Club", eine Inszenierung von Sarah Kanes "Phaidras Liebe" im Münchner Staatsschauspiel, eine "Salome" in Frankfurter, die Ausstellung "Utopia Station" im Münchner Haus der Kunst und Bücher, darunter Antje Ravic Strubels "Tupolew 134" und die Ethik des Philosophen Otfried Höffe (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).