Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag

Bücherduft

23.07.2013. Der Rolling Stone sucht den Riss in der Golden-Boy-Fassade des Boston-Attentäters Dschochar Zarnajew. Die NYT liest überwältigt eine Biografie des Ökonomen Albert O. Hirschman, der ans Scheitern glaubte, nicht an große Theorien. In HVG findet Laszlo Martin ungarische Literatur auf Deutsch manchmal interessanter als im Original. Foreign Affair beleuchtet die segensreiche Auswirkung der Frankfurter Schule auf das Deutschenbild der Amerikaner. The New Republic freundet sich mit dem Übermenschen Peter Sloterdijks an. Im TLS erinnert Timothy Snyder daran, dass Katyn nicht nur in Polen liegt, sondern auch in Weißrussland. Wired beobachtet Syrer beim Granatenschleudern.

Gesten der Freiheit

16.07.2013. In le Monde sieht Olivier Roy die Muslimbrüder in der Sackgasse. Inzwischen lassen sich die Libyer vom Sturz Mursis inspirieren, berichtet Al Ahram. In The New Republic hat Adam Kirsch beim Freispruch George Zimmermans ein grässliches Déjà vu. Im Espresso bewundert Roberto Saviano Zigarette und Buch der tunesischen Aktivistin Amina. In El Pais Semanal fühlt sich Bernardo Bertolucci ein wenig antiquiert. Der New Yorker jagt Eierdiebe.

Gedanken sind Sprache

09.07.2013. Der Guardian erinnert sich an die Zeiten, als der Engländer Spionage noch als unethisch und "französisch" empfand. Slate.fr schildert den Kulturkampf der amerikanischen Food and Drug Administration gegen den Mimolette-Käse. In HVG empfiehlt Peter Eötvös, nicht in der Vergangenheit zu leben. Little White Lies beleuchtet die Veröffentlichungsstrategie des Films "A Field in England". In Le Monde sieht Gilles Kepel schwarz für Ägypten. In der Paris Review denkt Karl Ove Knausgaard über Welt und Sprache nach. Für die New York Times befinden wir uns gerade in einem klassischen Zustand der Ironie.

Unsere eigene Größe

02.07.2013. Die London Review zieht den Hut vor Edward Snowden. Rue 89 erklärt, warum Stefan Zweig so beliebt in Frankreich ist. Micromega sieht die Bürgerrechte in Italien zerfallen. Der Believer erinnert an die Village People. Das TLS hält Genderfragen absolut nicht für Bildungsfragen. Die New York Review of Books versinkt in Laszlo Krasznahorkais Roman "Satantango".

Oh wow, oh wow, oh wow

25.06.2013. Für Letras Libras legt Enrique Krauze sein Ohr an das Grab Simon Bolivars. The Atlantic beschreibt den Kampf tunesischer Unis gegen die drohende Islamisierung. Im Corriere fragt Beppe Grillos Berater Gianroberto Casaleggio: Bringt das Netz Freiheit oder Diktatur? HVG sucht den Elefanten in Péter Esterházys neuem Roman. New Republic wirft Licht auf die neueste Phase des Putinismus: 13 Jahre Gefängnis. Wired erzählt, wie wir mit Skybox bald auch noch per Satellit lückenlos überwacht werden. Die New York Times macht wenig Hoffnung für Syrien.

Köstliches Tabu

18.06.2013. Bloomberg besucht das nordkoreanische Kunststudio Mansudae. Ungarn zählt zu den unreligiösesten Ländern Europas, meldet Elet es Irodalom. Eurozine schmeckt eine kräftige Dosis Guy Debord in den Reden der heutigen russischen Opposition. Pitchfork lernt von Pussy Riot den größten Unterschied zwischen den USA und Russland. Granta erliegt den Verlockungen indischer Eis-Lollies. Der New Statesman feiert die Dichterin Charlotte Mew, die London Review den Fotografen Garry Winogrand, Hazlitt den Comickünstler Gengoroh Tagame und die New York Times den Maler James Turrell.

Das Konzept eines Gottes

11.06.2013. Jawohl, es ging am Taksim auch um Alkohol und zwar zurecht, meint Atlantic. In Eurozine bezweifelt Timothy Snyder, dass Antisemitismus der Grund für den Holocaust war. GQ erzählt die Geschichte von Kim Jong-ils Sushi-Meister. Elet es Irodolam ahnt, warum wütende Antikommunisten in Ungarn an der Aufarbeitung des Kommunismus nur mäßig interessiert sind. The Believer lässt den Comic-Hexenmeister Alan Moore zu Wort kommen.

Die Reichen und die Diebe

04.06.2013. Manchmal sind sogar Zeitungen dafür, das Urheberrecht zu vereinfachen, lernt der Economist. Nur die Medien glauben, die Aufständischen hätten den Bürgerkrieg in Syrien schon gewonnen, meint die London Review of Books. In Osteuropa überlegt Olga Radetzkaja, warum der nationalbolschewistische Autor Zakhar Prilepin im deutschen Literaturbetrieb so wohlige Schauer auslöst. In Nepszabadsag sieht Laszlo Vegel eine Befriedung der serbischen Nationalisten aufschimmern. In Le Monde sieht Boualem Sansal schwarz für Algerien. Die Financial Times sieht gar nicht schwarz für Somalia. Die New York Review of Books möchte keine Kreuzfahrt nach Venedig machen, danke.

Orgien der Untreue

28.05.2013. Im New Yorker spielt David Sedaris Gästezimmer-Gambit. In El Pais Semanal hat Javier Cercas andere Sorgen als die Monarchie. Der Rolling Stone besucht Daft Punk. Verehrung für den ältesten Sohn kann tödlich sein, stellt die NYRB mit Blick auf Mutter und Vater Tsarnaev fest. In National Geographic träumt Phyllis Batumbil vom traditionellen Aboriginesleben, aber mit Webseite. MicroMega findet in Italien keinen Arzt für eine Abtreibung. Der Economist verschlüsselt jetzt auf Photonenbasis. Wieviel sexuelle Lust darf eine Frau haben, bevor die Gesellschaft zerspringt, fragt die NYT.

Affenspiel des Teufels

21.05.2013. In El Pais Semanal joggt Martín Caparrós mit dem Ex-General, Ex-Präsidenten, Ex-Retter des Vaterlands, Ex-Sträfling und Ex-Mörder Jorge Rafael Videla. Wired sucht im Labor von Henry Markram nach einem Minimum von Gehirn. In le Monde fordert Liao Yiwu mehr Courage von westlichen Sinologen. Im Espresso fordert Marco Travaglio mehr Courage gegen Berlusconi. In der LRB betrachtet John Lanchester durch Google Glasses das große Schweigen. HVG erinnert an die Samisdat-Zeitschrift Neues Symposion. Rue 89 warnt vor dem reaktionären japanischen Premier Shinzo Abe. Der Dallas Observer umarmt einen kleinen Roboter. Vanity Fair erzählt die verzwickte Geschichte des Blockbusters "World War Z".