Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag

Wischi-Waschi-Liberale wie ich

11.01.2011. Vanity Fair schildert die konfliktuelle Komplizenschaft zwischen Julian Assange und Alan Rusbridger vom Guardian. In Le Point beklagt BHL die kulturelle Verarmung der arabischen Länder durch den Exodus der Christen. Im Merkur erklärt der israelische Philosoph Yoram Hazony, warum die Europäer Israel fallen lassen. Wired erklärt, wie Künstliche Intelligenz entsteht: einfach Datenhaufen zu Code verdauen. Literaturen feiert den Journalisten Heinrich von Kleist. Himal feiert den Dichter Faiz Ahmed Faiz. The Atlantic beobachtet die neue Nation der Superreichen.

Das obszöne Glück

04.01.2011. Die LRB liest George W. Bushs Memoiren und stellt fest: Reine Postmoderne. Spiked fragt mit Gabriel Josipovici die Nachkriegsautoren: Wo ist der Urschmerz der Modernität? In Elet es Irodalom erklärt der Autor György Spiro seinen Lesern: Der "Herr Schriftsteller" weiß auch keinen Rat. Eurozine fühlt der westlichen Presse den Puls. In NZZ-Folio schreibt Wilhelm Genazino über Melancholie. In der NYT denken fünf Kritiker über die Rolle der Kritik heute nach.

Verflochtene Körper

21.12.2010. Der Chronicle meint: Wenn Wagner den Kontrapunkt umkehrt, dann ist das auch eine Stellung. Polityka überlegt, wie der polnischen Filmindustrie zu helfen ist. Segregation gab es schon vor dem Multikulturalismus, erinnert uns Nepszabadsag. The New Republic erklärt, warum Französisch das neue Altgriechisch ist. Wikileaks ist diktatorisch, behauptet La Regle du Jeu. Das Buch wird zum Koop, meint der Guardian. Science Fiction lebt!, meldet Salon.

Schöpferische Zerstörung

14.12.2010. The Nation erinnert daran, dass nur die Whistleblower gehasst werden, die richtig liegen. El Espectador wundert sich, dass Gringo-Diplomaten sympathischer sind als Alvaro Uribe. Salon.com bespricht eine Geschichte der Informationsindustrien. In der LRB erklärt John Lanchester den Zeitungen, was und wie er im Internet lesen möchte. Europa wird mestizisch, verkündet der französische Philosoph Sami Nair in der Lettre. In Open Democracy erklärt der Schriftsteller Uladzimier Arlou, wovor die Weißrussen Angst haben. Und in Salon.eu.sk erwartet Andrei Dynko Lukaschenko 4.0.

Schwerkraft-Wellen

07.12.2010. In Eurozine suchen Tomas Kavaliauskas und Ivaylo Ditchev nach der litauischen und bulgarischen Identität. Der Economist betrachtet die Big Bangs von Roger Penrose. Elet es Irodalom erklärt, warum es letzte Woche mit leerer Titelseite erschien. OpenDemocracy erzählt, wie in Russland Persönlichkeitsrechte benutzt werden, um Geschichtsforschung zu verhindern.

Das Leben ist fröhlicher

30.11.2010. Keine Informationen, Staats-PR liefert das russische Fernsehen, ruft der Journalist Leonid Parfjonow bei einem Auftritt im russischen Fernsehen (und auf Open Democracy). Im ungarischen HVG ruft Agnes Heller die bürgerlichen Kräfte Ungarns auf die Barrikaden. Der Guardian liest Wassili Grossman. In Rue89 fürchtet sich Emanuel Todd vor der Senildemokratie in Europa. In Literaturen verkündet der Theologe Gerd Lüdemann: Christus war ein Exorzist. Der New Yorker kennt das ultimative Statussymbol.

Das harte Teil einer Sonnenuhr

23.11.2010. Wie schreibt man gut über Sex? fragt der Independent. Al Ahram erkennt sich in Michael Hanekes Film "Das weiße Band". Die New York Review of Books fragt: Würde Ihre Großmutter im Netz Wegwerfwindeln kaufen? In Clarin erklärt Horacio Bilbao, wie die Lieder von Mercedes Sosa rückwirkend wieder privatisiert wurden. Newsweek lauscht mit der Sängerin Zhu Zheqin chinesischen Liebesliedern. Polityka teilt Polen auf. Rue 89 staunt nicht einmal: In Marseille geht es zu wie in The Wire.

Alle reden nur noch über Salvador

16.11.2010. In Walrus erzählt Dave Cameron von den Zeitreisen seines krebskranken Vaters. The Nation liest Gal Beckermans fesselnde Geschichte der Juden in der Sowjetunion. Tehelka erklärt, warum arme Alte in Indien ihre Kinder fürchten müssen. Was erhofft man sich eigentlich von einer Übersetzung, fragt Julian Barnes in der LRB. Prospect findet heraus, wie Rupert Murdoch die Iraner mit Fernsehschmonzetten von der Revolution ablenkt. In Guernica erklärt John Updike, wie man klaut.

Wir verlieren unsere Körper

09.11.2010. Wired erzählt, wie die chinesische Internetpolizei ausgetrickst wird. In El Pais Semanal erklärt Felipe Gonzalez, wie Macht funktioniert - außer im Vatikan. In Outlook India ruft Amartya Sen zu Sanktionen gegen Burma auf. Der Economist empfiehlt Anteile an der Piraten-Börse. Elet es Irodalom fragt, in welche europäische Kultur sich Einwanderer eigentlich integrieren sollen. Darf man die nackten Brüste seiner halbwüchsigen Tochter filmen, fragt Vanity Fair. In der New York Review of Books blickt Zadie Smith auf Facebook und schrumpft.

Süßer Klang der Epiduralsonette

02.11.2010. Tehelka und Outlook verteidigen Arundhati Roy gegen den Vorwurf der Volksverhetzung. In der Paris Review erklärt Michel Houellebecq, was noch skandalöser als Sex ist. La vie des idees überlegt, ob Noam Chomsky wirklich ein manichäischer Linker ist. The Nation wittert in Lewis Hyde einen verkappten Romantiker. NZZ Folio weiß, warum große Hirne so oft pleite gehen. Der Guardian feiert Jenny Erpenbeck.