Magazinrundschau
Ach, Dorka, denk bloß nicht nach
Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag
30.03.2026. Die New York Times friert in Kiew. Le Grand Continent befürchtet islamistische Attentate in Europa. Der Philosoph Mihály Szilágyi-Gál meditiert in Elet es Irodalom über die Sprache der Politik in Ungarn. Der New Yorker beobachtet, wie Iran- und Gazakrieg auch in den USA die jüdische Gemeinde spalten. The Atlantic schildert die "höflichen Pogrome" gegen Juden in Kanada. Die London Review mischt sich unter die Studenten in Serbien. Harper's lernt bei einer Konferenz, wie konservativer Klimaschutz aussieht.
New York Times (USA), 30.03.2026
C.J. Chivers erzählt in einer langen Reportage, wie die Einwohner Kiews den härtesten Kriegswinter seit dem Zweiten Weltkrieg überstanden haben. Es sind einfache Geschichten. Immer wieder sagen die Leute, dass es das Beibehalten täglicher Routinen war, das sie rettete. So etwa Olena, die in einer Plattenbauwohnung in der fünften Etage wohnt - mit ihrer Tochter Vladyslava (13) und ihrem zweiten Ehemann Vadym Yudytskyi, der in einer Brauerei arbeitet. Auch sie konnten im Januar und Februar oft nicht heizen. "Als Bankangestellte hat Olena eine verantwortungsvollen Job. Außerdem stand sie vor einer besonderen Herausforderung: Sie musste für einen Teenager ein Gefühl der Stabilität schaffen. 'Damit sich ein Kind sicher und geborgen fühlt', sagt sie, 'sollten die Eltern emotional ausgeglichen sein.' Stabilität war eine Entscheidung, die Taten erforderte. In Erwartung eines harten Winters kaufte Olena im vergangenen Herbst eine Powerbank, stellte einen Butan-Campingkocher in der Küche auf und meldete sich und ihre Tochter für eine Mitgliedschaft in einem beheizten Schwimmbad an, das sie jedes Wochenende besuchten. Nachdem die Innentemperaturen des Gebäudes im Januar gesunken waren, zog sie aus ihrem Schlafzimmer, das an einer Außenwand lag, aus und mit Vladyslava in den Eingangsbereich um. Dort schliefen sie gemeinsam in den Nächten, in denen Vadym arbeitete; Shusha, ihre Katze, und Ivi, ihr englischer Spaniel, rollten sich neben ihnen zusammen." Die Ukraine hat nicht nachgegeben, resümiert Chivers. "Sie kämpft weiter und hält Russlands weitaus größere Armee weiterhin in Schach, während sie die Front mit den Leichen der Invasoren übersät. Ein Volk, das ins Visier genommen wird, ist in seinem Groll und seiner Abscheu nur noch entschlossener geworden."Le Grand Continent (Frankreich), 25.03.2026
London Review of Books (UK), 02.04.2026
Vincent Bevins beschäftigt sich mit der serbischen Studentenbewegung, die das Land seit 2024 in Atem hält und inzwischen eine reale Machtperspektive hat - derzeit ist sie dabei, Wählerlisten aufzustellen. Ideologisch ist die Bewegung schwer greifbar, es eint sie lediglich eine Ablehnung der zunehmend autoritären Vučić-Regierung, die von den Studenten teils von links, teils von rechts attackiert wird. Wie kommt es, dass Studenten eine so wichtige Rolle spielen im Land? "Es ist schwer, sich andere Länder vorzustellen, in denen 'die Studenten' stellvertretend für die gesamte politische Opposition stehen könnten. In den USA werden Universitätsstudenten heute eher als eine Eliteklasse wahrgenommen, die sich einer bestimmten Form radikaler Politik verschrieben hat. Wenn Serbien eine Ausnahme darstellt, lässt sich das teilweise durch die Geschichte Jugoslawiens erklären. Die Sozialistische Föderative Republik erlebte 1968 ihren eigenen Studentenaufstand, bei dem die Protestierenden die Regierung aufforderten, Ungleichheit zu bekämpfen und mehr Arbeitsplätze für Absolventen zu schaffen. Tito erklärte schließlich, dass 'die Studenten recht haben', und kam einigen ihrer Forderungen nach. Er versprach ein erneuertes Bekenntnis zur sozialistischen 'Selbstverwaltung' sowie bessere Lebensbedingungen für Studenten - auch wenn sich letztlich wenig änderte. Die meisten serbischen Universitäten sind staatlich, und fast die Hälfte der Studenten studiert kostenlos. Bildungseinrichtungen werden als Eigentum des ganzen Landes betrachtet, und viele Serben sehen Studenten als die Kinder der Nation." Wie es mit der Bewegung weitergeht, ist gleichwohl unklar: "In den letzten Monaten hat der Unterricht an den Universitätsfakultäten wieder begonnen. Die Versammlungen treffen sich weiterhin und treffen Entscheidungen, sehen sich jedoch mit den bekannten Problemen horizontaler Strukturen und 'direkter Demokratie' konfrontiert. Nur noch eine kleine Zahl von Studenten nimmt daran teil. Momentan handelt es sich bei den sogenannten 'Studenten' tatsächlich um einen kleinen, engagierten Kern von Individuen - gewissermaßen eine Avantgarde -, der derzeit damit betraut ist, wichtige Entscheidungen zu treffen. Doch die serbischen Studenten wollen keine ideologische Avantgarde sein - sie möchten vielmehr alle Strömungen des gesellschaftlichen Denkens repräsentieren. Sie versuchen weiterhin, 'Politik' und ideologische Spaltungen zu vermeiden, selbst während ihre Kandidaten sich darauf vorbereiten, bei Wahlen anzutreten."Elet es Irodalom (Ungarn), 27.03.2026
Der Philosoph Mihály Szilágyi-Gál untersucht die von der Regierungspartei Fidesz verwendeten Begriffe für die Bevölkerung des Landes: "Die sprachliche Natur der Politik ist sowohl im Ungarischen als auch in anderen Sprachen ein viel erforschtes Phänomen. Eine besonders tiefgreifende Ausprägung dieses Zusammenhangs liegt vor, wenn eine Regierung und die ihr zugrunde liegende politische Kultur einen Wortschatz schafft, den ihre Gegner, Feinde oder jeder andere übernimmt, und dies unbemerkt geschieht. Ein Beispiel hierfür ist der Begriff 'ungarische Menschen'. (…) Die Fidesz, die nach 2002 in die Opposition geriet, verzichtete mit gutem Gespür auf das Wort 'Bürger' und ersetzte es durch 'arbeitende Menschen', was die messbare soziale und materielle Enttäuschung der breiten Masse und damit das sich als falsch erweisende Versprechen des bürgerlichen Daseins durch einen im Wesentlichen sozialistischen Slogan zu ersetzen. (…) Auf die 'arbeitenden Menschen' folgten die 'Ungarn' und schließlich die 'ungarischen Menschen'. Die beiden letzteren dienten bereits der zunehmenden Konfrontation mit dem Ausland und insbesondere mit der EU", so der Philosoph, der feststellt, dass der Begriff "ungarische Menschen" schließlich "von der ganzen Gesellschaft übernommen wurde. Diese selbstverständliche Übernahme deutet darauf hin, dass es der Fidesz in sechzehn Jahren gelungen ist, ein sprachliches Klischee zu schaffen, das über ihre eigene politische Kommunikation hinausgeht. Der Ausdruck hat sich nach 2010 in den Sprachgebrauch eingeschlichen und ist heute, unabhängig von der politischen Zugehörigkeit, ein Zeugnis für die integrierende Kraft der Regierung. (...) Das Problem liegt darin, wie sich dieses Etikett durchsetzt und damit ungewollt ständig auf die Quelle verweist. Durch diesen Ausdruck spricht immer das Orbán-Regime selbst."New Yorker (USA), 30.03.2026
Auch in jüdischen Gemeinden in den USA verhärten sich die Fronten zwischen pro-israelischen und pro-palästinensischen Gruppen immer mehr, wozu auch die tödlichen Anschläge auf Juden nach dem 7. Oktober in Amerika beitrugen, berichtet Eyal Press. Bei einer Diskussionsrunde in der New Yorker B'nai Jeshurun-Synagoge gab der Rabbi Elliot Cosgrove zu verstehen, "seine größte Sorge sei, dass das jüdische Volk in einer Zeit, in der es ihm nicht an äußeren Feinden mangele, 'sich selbst Feinde schafft'. Er rief dazu auf, 'Großzügigkeit des Geistes' zu zeigen. Es war eine von Herzen kommende Botschaft, aber eine etwas überraschende von einem Rabbiner, der erst kürzlich selbst die Spannungen unter den Juden angeheizt hatte. Einige Monate zuvor hatte Cosgrove eine Predigt über Mamdani gehalten und darauf bestanden, dass der Kandidat aufgrund seiner Ablehnung des Zionismus 'eine Gefahr für die Sicherheit der jüdischen Gemeinde in New York' darstelle. Cosgroves Predigt inspirierte einen Brief von Rabbinern, in dem Mamdani angeprangert wurde. Darin wurden die Amerikaner aufgefordert, 'sich für Kandidaten einzusetzen, die antisemitische und antizionistische Rhetorik ablehnen und Israels Existenzrecht bekräftigen'. Obwohl der Brief mehr als tausend Unterschriften sammelte, war er umstritten. Viele Rabbiner weigerten sich, ihn zu unterzeichnen, weil sie der Ansicht waren, dass religiöse Führer sich nicht in eine Wahl einmischen sollten. Andere befürchteten, dass die gezielte Kritik an Mamdani Islamfeindlichkeit schüren könnte. Wieder andere sorgten sich, dass der Brief mit dem Titel 'Ein Aufruf der Rabbiner zum Handeln: Verteidigung der jüdischen Zukunft' die 'jüdische Zukunft' tatsächlich sabotieren würde, indem er junge Juden, die von Mamdani begeistert waren, vor den Kopf stoße." Es sei "'unmöglich geworden, über Antisemitismus zu sprechen, ohne dass dabei der Israel-Palästina-Konflikt zur Sprache kommt', stellt Dov Waxman, Politikwissenschaftler und Professor für Israelstudien an der U.C.L.A, fest. ... Die Auseinandersetzung um Mamdani ist 'ein Mikrokosmos der größeren Debatte', meint er. 'Sollten wir uns Sorgen machen über antizionistische Äußerungen und Slogans wie 'Globalisiert die Intifada', oder sollten wir Mamdani als Verbündeten betrachten, weil angesichts des zunehmenden christlichen Nationalismus und einer rassistischen extremen Rechten vor allem ein Bündnis gebraucht wird?'"Eurozine (Österreich), 30.03.2026
Der Politologe Hamit Bozarslan beleuchtet die komplexen geopolitischen Verschiebungen, die der Krieg der USA und Iran gegen den Iran zur Folge haben. Vor allem die israelischen Interessen stehen im Kontext einer langen Vorgeschichte, meint er: "Anders als viele andere Konflikte, darunter jener, der 2003 zum Einmarsch anglo-amerikanischer Streitkräfte in den Irak führte, weist dieser neue Krieg einen klaren historischen Zusammenhang auf und ist Teil zweier Ereignisketten: einer langen, die bis zur Islamischen Revolution von 1979 zurückreicht und die Zerstörung Israels als oberstes Ziel festlegte; und einer deutlich kürzeren, die mit den Anschlägen vom 7. Oktober 2023 begann. Während der gesamten ersten Ereigniskette forderte Israel die Zerstörung der iranischen Militärkapazitäten, um sein eigenes Überleben zu sichern. Seit dem 7. Oktober macht Israel jedoch keinen Hehl mehr aus seinem Bestreben, bis in die 2030er-Jahre zum Machtzentrum des Nahen Ostens zu werden und die Region nach seinen eigenen Vorstellungen umzugestalten. Ein Beweis dafür ist der herzliche Empfang, der Narendra Modi im Februar 2026 zuteil wurde. Er schwärmte ausführlich von dem Bündnis zwischen den beiden 'Demokratien' und 'Zivilisationen'. Netanjahu strebt zudem danach, sein Land in internationale Bündnisse einzubinden, die weit über den Nahen Osten hinausreichen. Das mit Zypern und Griechenland geschlossene Militärbündnis hat Israel außerdem zu einer bedeutenden Seemacht im Mittelmeer gemacht. Schließlich hat sich die Koalition der nationalistischen Parteien unter Führung des israelischen Ministerpräsidenten, die den Krieg zur Marginalisierung jeglicher Opposition genutzt hat, zu einem echten Hegemonialblock entwickelt und dürfte bei den für Herbst 2026 geplanten Wahlen erneut an die Macht kommen."Rolling Stone (USA), 29.03.2026
"In den 150 Jahren seit der Industriellen Revolution hatten die US-Amerikaner darauf vertraut, dass Wissenschaft und Technologie die Nation einen würde, wie zuvor die Eisenbahnstrecken und der Telegraf die kontinentalen Distanzen überbrückt haben", schreibt Jonathan Taplin mit Blick auf die digitale Oligarchie, die sich in den USA gerade herausbildet. Weniger als zwanzig Familien, so sein Befund, haben Politik und Wirtschaft fest im Griff. Die Voraussetzungen dafür schufen Bill Clinton und Al Gore in den Neunzigern, im besten Glauben und Vertrauen auf amerikanische Werte, als sie damals den digitalen Markt auf eine Weise liberalisiert haben, die Wettbewerb ermöglichen sollte, de facto aber zu Monopolstellungen geführt hat, denen legislativ kaum mehr beizukommen ist. War die größe amerikanische Firma 1994 noch 34 Milliarden Dollar wert, liegt Google etwa heute bei 3,7 Billionen Dollar. "Als Donald Trump - flankiert von eben jener technokratischen Elite mit ihrem Wohlstand, der in der Geschichte seinesgleichen sucht - im Januar 2025 seine Präsidentschaft antrat, kristallisierte sich immer plausibler heraus, dass sich die zehn vorausgegangenen Jahre auf einen Nenner bringen lassen: Techno-Faschismus, eine autoritäre, von Konzernen bestimmte Ordnung, in der eine kleine Kaste technokratischer Eliten eine digitale Infrastruktur und eine künstliche Intelligenz bereitstellen, die die Staatsführung automatisiert, die Überwachung ausdehnt und demokratische Rechenschaft untergräbt, während sie zugleich ihre Herrschaft als bloße Anwendung von Expertenwissen verkauft. ... Kommentatoren sprechen bereits von einer 'KI-Job-Apokalypse' nicht als Metapher sondern als demografische Tatsache - eine gebildete Schicht, die in die Prekarität abrutscht, während ihre einstigen Ambitionen kollabieren. Die Geschichte warnt: Steht eine Übermenge an gut Ausgebildeten kaum vorhandenen Aufstiegsmöglichkeiten gegenüber, folgen Turbulenzen und Unruhen. Die Angestellten und Praktikanten der Wissensökonomie könnten die Dissidenten eines neuen Zeitalters werden. Viele der Technokraten spüren bereits, was auf sie zukommt, ziehen es aber vor, ihre Flucht vorzubereiten. Sie kaufen Grundstücke in Neuseeland, sichern sich Flugzeug-Zugänge in abgelegenen Tälern und rüsten auf entfernten Inseln gelegene Grundstücke zu Festungen auf, die einer Belagerung standhalten. Die Geste verrät alles: Auch sie rechnen mit einem Sturm. Nur dass sie ihn einfach gerne von einer sicheren Entfernung aus beobachten wollen."The Atlantic (USA), 24.03.2026
Kanada ist in einem an Beispielen nicht armen Kontext nach dem 7. Oktober zu einem der antisemitischsten Länder des westlichen Welt geworden. Was dort stattfindet, nennt Jesse Brown einen "höflichen Pogrom". Wieviele jüdische Angestellte haben ihre Jobs aufgegeben? Darüber gibt es keine Statistik. Aber da ist etwa der Fall des Geriatrieprofessors Ted Rosenberg, der sich an der University of British Columbia Anfeindungen ausgesetzt sah. "Er trat jedoch nicht wegen dieser Posts in den sozialen Medien zurück; er trat zurück, weil die Universität nichts dagegen unternahm. 'Ich habe versucht, mich mit dem Dekan zu treffen', sagt Rosenberg, 'und er sagte: 'Wenn Sie sich diskriminiert fühlen, wenden Sie sich an das DEI-Programm.' Also traf ich mich mit der Leiterin des Programms für Diversity, Equity and Inclusion innerhalb der Fakultät. Sie weigerte sich anzuerkennen, dass Antisemitismus ein Problem sei. In ihrem DEI-Rahmenwerk betrachten sie Juden als weiß.' Der damalige Dekan der medizinischen Fakultät, Dermot Kelleher, verwies Rosenberg auf die Website für Gerechtigkeit und Inklusion der UBC. Rosenberg suchte auf der Seite nach den Begriffen Antisemitismus und Jude. Keiner von beiden tauchte auf. In seinem Rücktrittsschreiben schrieb er: 'Ich habe kein Vertrauen in ein ordnungsgemäßes Verfahren an einer Fakultät, die nicht einmal die Existenz oder das Vorhandensein von Antisemitismus anerkennt.' Nachdem Rosenbergs Rücktritt in den Fokus der Medien gerückt war, fügte der Gleichstellungsausschuss der medizinischen Fakultät der UBC einen Hinweis auf seiner Website hinzu: 'Antisemitismus und Islamfeindlichkeit werden nicht toleriert.'"HVG (Ungarn), 26.03.2026
Im Interview mit Zsuzsa Mátraházi spricht die Schauspielerin Dorka Gryllus u.a. über ihre Erfahrungen als Regisseurin und ihr Leben in Budapest und in Berlin. "Ich glaube nicht, dass das Regieführen eine Flucht nach vorne ist. Wäre ich mutiger gewesen, hätte ich mit neunzehn, als ich am Set von 'Sátántangó' beschloss, Schauspielerin zu werden, gesagt, dass ich Filmregisseurin werden will. Aber damals wurden wir darauf trainiert, hübsch und niedlich zu sein und keine eigenen Ideen einzubringen. Als ich einmal zu einem Regisseur sagte: 'Hör mal, ich habe darüber nachgedacht…', unterbrach er mich: 'Ach, Dorka, denk bloß nicht nach.' Es hat lange gedauert, bis ich anfing das, was ich mir ausdachte, als wertvoll zu empfinden. (…) Ich habe viel an Béla Tarr gedacht, als er starb, und mir erneut Interviews mit ihm angesehen. Diese Art von künstlerischer Hartnäckigkeit, Selbstbewusstsein und Kompromisslosigkeit, die er ausstrahlte, war mitreißend und wunderbar. Bei diesen Dreharbeiten, als ich neunzehn war, verspürte ich Euphorie. Das Gefühl, dass dort im Schlamm, im Dreck etwas ganz Großes geschieht, dass das das Leben ist. (…) In Ungarn sind meine Wurzeln stark, ich bin Teil des Netzwerks, viele kennen meine Eltern, ich kenne auch ihre Familien. Hier bin ich zu Hause, aber diese Art des freien Denkens, die ich in Berlin erlebe, ist ein notwendiger Teil meines Lebens. (...) Die Kommunikation ist dort direkt, während die Ungarn immer um den heißen Brei herumreden und ihre Meinung hinter den Sätzen verstecken."Guardian (UK), 31.03.2026
Harper's Magazine (USA), 30.03.2026
Wie konservativer Klimaschutz aussieht, zumindest in den USA, kann Gaby Del Valle in einem Sommercamp der American Conservation Coalition (ACC) in Tennessee beobachten. 2017 vom konservativen Politiker Benji Backer gegründet, ist die ACC "zu einem nationalen Netzwerk mit fast einhundert Ortsgruppen herangewachsen, inklusive Lobbyabteilung, mehreren Dutzend festangestellten Mitarbeitern, einem Budget von fünf Millionen Dollar und engen Verbindungen zum Weißen Haus." Besonders viel für den Umweltschutz hat die Gruppe seit Trumps Präsidentschaft allerdings nicht bewirkt, meint Del Valle, das könnte mit einer etwas eigenen Idee von Klimaschutz zu tun haben: "Sie vermittelt ihren Mitgliedern die Vision eines amerikanischen Überflusses aus eigener Kraft. 'Ein konservativer Ansatz beim Energiesparen' ist nur die eine Hälfte ihres Programms; die andere Hälfte widmet sich der Förderung der US-amerikanischen 'Energiedominanz' durch beschleunigte Genehmigungsverfahren für neue Energieinfrastruktur und einer umfassenden Strategie, die fossile Brennstoffe nicht benachteiligt. Führungskräfte von Öl-, Atom- und Geothermieunternehmen hielten drei der neun Hauptvorträge auf dem ACC-Gipfel (...) Was das Projekt der ACC auszeichnet, ist eine Art romantischer Nationalismus, der die Pracht der amerikanischen Landschaft und die von ihr symbolisierten moralischen Werte hervorhebt." Das "Zukunftsbild des ACC scheint stark von der Vergangenheit geprägt: traditionelle amerikanische Familien genießen die Natur, jagen, fischen und campen wie ihre Vorfahren - auf einem Land, das so schön ist wie eh und je."Außerdem: Daniel Brook schildert in einer Reportage 38 Tage ICE in New Orleans als Geschichte einer Besatzung.
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