Magazinrundschau
Erben, heiraten oder stehlen
Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag
17.09.2024. Wired trauert um die Einstellung von Google Everyday Robots: Wer wird in der Zukunft in Fabriken, Krankenhäusern und Restaurants arbeiten? In der London Review fragt sich John Lanchester, warum etwas so nutzloses wie Finanzspekulationen unsere Gesellschaft prägen darf. The Insider veröffentlicht die letzten Worte Alexej Nawalnys vor Gericht. Bei tvar erzählt die tschechische Roma-Schriftstellerin Ilona Ferková, warum Sex bei den Roma tabu ist. Und der New Yorker möchte mit seinem Fahrrad lieber cruisen als rasen.
Wired (USA), 10.09.2024
Hans Peter Brondmo plaudert aus dem Nähkästchen, was die Entwicklung von AI-angetriebenen Robotern bei Google betrifft, woran er mehrere Jahre tätig mitgeforscht hat - bis Google das Projekt 2023 aus heiterem Himmel für beendet erklärte. Sehr eindrücklich und interessant sind dabei die Problemstellungen, in die Brondmo einen Einblick gewährt: Roboter zu entwickeln, die tatsächlich in der Lage sind, mit ihrer Umwelt zu agieren, ohne dabei Katastrophen kleineren und größeren Ausmaßes herbeizuführen, ist alles andere als trivial. Es erfordert langen Atem und grenzt ans schier Unmögliche, wie Brondmo selber gerne einräumt. Und doch ist er enttäuscht, dass Google die Reißleine zog - denn wenn es dumm läuft, sind künstlich-intelligente Roboter genau das, was wir in Zukunft brauchen: "1970 kamen weltweit auf jede Person über 64 zehn Leute im arbeitsfähigen Alter. 2050 werden es wahrscheinlich weniger als vier sein. Uns gehen die Arbeiter aus. Wer kümmert sich um die Alten? Wer wird in Fabriken, Krankenhäusern, Restaurants arbeiten? Wer fährt die Trucks und Taxis? Länder wie Japan, China und Südkorea verstehen, wie sehr dieses Problem drängt. Dort sind Roboter nichts Optionales. Diese Nationen haben es zur nationalen Aufgabe erklärt, in Robotik zu investieren. Künstlicher Intelligenz in der echten Welt einen Körper zu verleihen ist sowohl ein Thema für die nationale Sicherheit als auch eine enorme wirtschaftliche Möglichkeit. Wenn eine Tech-Firma wie Google sich dazu entschließt, in einen solchen Versuch eines 'Griffs nach den Sternen' nicht mehr zu investieren - wer tut es dann? Wird Silicon Valley oder ein anderes Startup-Ökosystem auf den Plan treten und falls ja, wird es Zugriff auf geduldiges, langfristig angelegtes Kapital geben? Ich habe Zweifel. Der Grund warum wir 'Everyday Robots' einen 'Griff nach den Sternen' nannten, hatten damit zu tun, dass es deutlich jenseits dessen liegt, was von Venture-Kapital gestützte Startups an Geduld aufbringen können, wenn man hochkomplexe Systeme von solchen Ausmaßen bauen möchte. Die USA hat bei KI zwar die Nase vorn, aber um deren physische Manifestation - Roboter - zu bauen, braucht es Kompetenzen und Infrastruktur, bei denen bereits andere Nationen führend sind - und zwar ganz besonders China."iTvar (Tschechien), 16.09.2024
Meduza (Lettland), 13.09.2024
In Russland jährt sich zum zwangisten Mal die Geiselnahme in Beslan: Ein pro-tschetschnisches Kommando hatte 2004 eine Schule besetzt, die Tage später von russischen Soldaten gestürmt wurde. 332 Menschen starben dabei, darunter 186 Schulkinder, der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte urteilte 13 Jahre später, dass Russland mitverantwortlich für die Toten sei. Meduza übernimmt eine Reportage des unabhängigen, russischen Onlinemediums Bereg, um in Beslan zu fragen, wie es um die Aufarbeitung bestellt ist. "Das ohrenbetäubende Schluchzen einer Frau drinnen unterbricht die düstere Musik, die auf dem Schulhof spielt. 'Das ist wahrscheinlich die Mutter dieser Lehrerin', flüstert ein Besucher einem anderen zu. Natalia Dzutseva hat bei dem Angriff ihre Tochter Aljona, eine ossetische Sprachlehrerin, verloren und muss nun Aljonas einjährige Tochter großziehen. Während sie weint, schreit Natalia wütend auf Ossetisch. 'In den ersten Jahren nach dem Angriff war es jeden Tag so - nicht nur am Jahrestag', sagt eine andere Frau, die ihre Kinder bei dem Angriff verloren hat, gegenüber Bereg. 'Ich habe mir schon die Augen ausgeweint.' (...) In einem neuen Verwaltungsgebäude, das an der Stelle errichtet wurde, an der früher der Südflügel der Schule stand, hält die Interessengruppe 'Mütter von Beslan' anlässlich des Jahrestages eine Pressekonferenz ab. Es war dieser Teil der Schule, den russische Spezialeinheiten mit Panzern, Flammenwerfern und Granaten beschossen, als sie die Schule stürmten. In der Nacht vom 3. auf den 4. September wurde dieser Gebäudeteil gesprengt, und mit ihm verschwanden auch wichtige Beweise für die Reaktion der Behörden auf den Angriff. (...) Während der fast zweistündigen Pressekonferenz fordern Mütter, die ihre Kinder bei der Belagerung von Beslan verloren haben, wiederholt, dass die Behörden ihre Ermittlungen, die offiziell noch nicht abgeschlossen sind, endlich beenden. Aneta Gadieva, die ihre Tochter Alana bei der Belagerung verloren hat, ruft zu einer Schweigeminute auf, um all derer zu gedenken, die 'in diesem Jahr bei Terroranschlägen und auf dem Schlachtfeld gestorben sind'. Die Mütter berichten auch über das Treffen, das drei von ihnen Mitte August mit Wladimir Putin hatten. 'Wieder einmal fanden wir uns als 'bequeme Statisten' wieder', sagt Gadieva. 'Die Leute, die uns benutzen, sind völlig unverantwortlich und verstehen nicht, dass sie mit ihrem Handeln die kleinen Keime der Zivilgesellschaft, die wir repräsentieren, zerstören.'"London Review of Books (UK), 17.09.2024
John Lanchester liest zwei neue Bücher über den Finanzmarkt. Dabei stellt sich ihm, der seit Jahrzehnten selbst darüber berichtet, immer noch dieselbe alte Frage (die auch keins der neuen Bücher beantworten kann). Ausgangspunkt ist ein Beispiel, bei dem jemand Mangos verkauft. Während des Verkaufs spekulieren mehrere Leute über die Entwicklung des Mangopreises, so dass es mehrere Transaktionen gibt, aber nur eine, bei der es einen echten Austausch gibt - Ware gegen Geld. Die anderen Transaktionen "liefen auf ein Nullsummenspiel hinaus. Einige Leute haben Geld verdient, andere haben es verloren, und all das hat sich aufgehoben. Dabei wurde kein Wert geschaffen. Das ist Finanzwirtschaft. Der Gesamtwert aller wirtschaftlichen Aktivitäten auf der Welt wird auf 105 Billionen Dollar geschätzt. Das sind die Mangos. Der Wert der Finanzderivate, die sich aus dieser Tätigkeit ergeben - das ist der anschließende Handel - beträgt 667 Billionen Dollar. Damit ist es das größte Geschäft der Welt. Und gemessen an den Dingen, die es produziert, ist dieses Geschäft nutzlos. Es leistet nichts und schafft keinen Wert. Es ist nur ein Spekulant, der gegen einen anderen wettet, und für jeden Gewinner gibt es bei jeder einzelnen Transaktion einen genau gleich großen Verlierer. Dieser Punkt muss wiederholt werden. Es gibt andere Wege, um reich zu werden, und in unserer Gesellschaft gelten immer noch die klassischen drei Wege, um ein Vermögen zu machen: erben, heiraten oder stehlen. Aber für einen normalen Bürger, der durch eine angestellte Tätigkeit reich werden will, ist das Finanzwesen mit großem Abstand der wahrscheinlichste Weg. Und doch ist das, was sie im Finanzwesen tun, nutzlos. Ich meine das in einem starken Sinne: Diese Tätigkeit produziert nichts und schafft keinen Nutzen für die Gesellschaft insgesamt, denn jedem Gewinn steht ein identischer Verlust gegenüber. Die Summe ist gleich Null. Der einzige Nutzen für die Gesellschaft besteht in den von den Gewinnern gezahlten Steuern, wobei zu bedenken ist, dass die Verluste der Verlierer mit den Steuern verrechnet werden, so dass der steuerliche Nettonutzen nicht so eindeutig ist, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Dies ist historisch gesehen ein einzigartiger Sachverhalt. Bisher beruhte der meiste Reichtum auf realen Vermögenswerten in Form von Grund und Boden oder Handel - oft geerbt und nicht neu geschaffen, aber deswegen nicht weniger real. Diese neue Form des Reichtums basiert auf Glücksspielen. Was sagt es über uns aus, dass wir diese Arbeit, die so wenig einbringt, so großzügig belohnen? Was für eine Gesellschaft sind wir eigentlich? Und was bedeutet es, dass wir so wenig darüber nachdenken?"Elet es Irodalom (Ungarn), 13.09.2024
Auch literarische Werke und ihre Verfasser sind zunehmend Gegenstand identitätspolitischer Auseinandersetzungen geworden, stellt der Schriftsteller und Literaturhistoriker Gábor Schein in der Wochenzeitschrift Élet és Irodalom fest und reflektiert die Diskussionen 2021 um die Preisvergabe der Leipziger Buchmesse sowie den Artikel von Juliane Liebert und Ronya Othmann in der Zeit vom Mai dieses Jahres. Schein wirft unter anderem die Frage auf, wie Schriftsteller zum gegenseitigen Verstehen beitragen können: "Es stellt sich die Frage, ob es in der Tradition des ästhetischen Denkens konzeptionelle Reserven gibt, die von den Künsten und der Kunstkritik erschlossen werden können, um Alternativen zu bieten, um den Begriff des Gemeinsamen neu zu begründen, indem die Erkenntnisse und Erfahrungen, die zur Skepsis geführt haben, überdacht werden. Die Offenheit von Kunstwerken bedeutet eben auch, dass sie trotz der Vielfalt der soziokulturellen Hintergründe alle ein Bedeutungspotenzial in sich tragen und die potenziellen Bedeutungen miteinander in Kontakt stehen. Um ein Gedicht eines schwarzen Dichters zu übersetzen, muss man nicht schwarz sein, aber man muss über das entsprechende Wissen und die Sensibilität für andere Erfahrungen als die eigenen verfügen. Vor allem muss man aber ein guter Übersetzer sein, denn Übersetzen ist in erster Linie ein Beruf und keine Identität. Ebenso muss Ophelia nicht von einer weißen Schauspielerin gespielt werden, und es ist sogar gut, wenn sie es nicht ist, denn das zeigt uns unsere Gemeinsamkeiten ebenso wie unsere Verletzlichkeit."The Insider (Russland), 13.09.2024
Guardian (UK), 17.09.2024
Seán Columb berichtet über seine Recherchen zu transnationalem Organhandel, einem - selbstverständlich illegalen - Geschäft, das vor allem im Mittleren Osten und in Nordafrika boomt. Columb unterhält sich mit den Opfern, aber auch mit anderen Beteiligten: "Die Organmakler, die ich interviewte, sahen ihr Handeln nicht unbedingt als falsch an. Wenn jemand schuld ist, sagen sie, dann sind es die Ärzte, die wissentlich illegale Transplantationen durchführen. Sie sehen sich größtenteils als Dienstleister, als Teil einer Lieferkette in einem ohnehin schon korrupten Gesundheitssystem. Für sie war es einfach ein Geschäft. Ich traf Hakim im Februar 2020 in Ägypten. Er war in das Maklergeschäft eingeführt worden, nachdem er in finanzielle Schwierigkeiten geraten war. 'Mein Onkel nahm mich unter seine Fittiche', erzählte er. Seine Familie stammte aus Khartum, und sein Onkel war ein etablierter Organmakler mit Verbindungen zu Ärzten und Transplantationseinheiten in Ägypten und im Ausland, hauptsächlich in Saudi-Arabien, Oman und den VAE. Hakim sagte, sein Onkel habe ihn 'allen wichtigen Leuten vorgestellt, den Ärzten und anderen Vermittlern, die mit den Kunden arbeiten'. Die Kunden sind Transplantationspatienten, einige aus Ägypten, andere aus Europa, dem Nahen Osten und Nordamerika."
New Lines Magazine (USA), 16.09.2024
Warum hassen Islamisten Fröhlichkeit, fragt der iranische Journalist Kourosh Ziabari und blickt dabei auf die Bevölkerung des Iran, die mittlerweile zu den unglücklichsten der Welt gehört: Im "World Happiness Report 2024" belegt der Iran den 100. Platz von 143 Ländern, hinter Venezuela, der Republik Kongo und dem Irak. Sicherlich, hält Ziabari fest, die tiefe Traurigkeit ist eine klare Folge der Unterdrückung und der wirtschaftlichen Stagnation im Land. Doch das ist nicht alles. Seit 1979 lasse sich ein Phänomen feststellen, dass bis heute immer nur stärker geworden sei. Das Mullah Regime begann, einen Trauerkult zu forcieren, der weit über die im Iran üblichen religiösen Trauerrituale hinausging: "Ein Mangel an festlichen Anlässen im Kalender und aktives Eingreifen des Staates und seiner Bürgerwehren, um Hochzeitszeremonien, Konzerte und sogar eine Wasserpistolenschlacht unter einer Gruppe von Teenagern in einem Park zu unterdrücken, sind einige Beispiele für den anhaltenden Widerstand gegen Freude." Das führt zu psychischen Störungen, die im Iran verbreitet sind, so Ziabari. Die Mullahs kümmert das nicht. Denn die Unterdrückung der Freude ist nicht nur eine Grundeigenschaft der islamistischen Ideologie, erklärt er, sie dient auch dem Machterhalt: "In seinem im September 2007 erschienenen Essay 'Islamismus und die Politik des Spaßes' für die Zeitschrift Public Culture argumentierte der iranische Wissenschaftler Asef Bayat, dass Spaß sich rigider Disziplin und etablierter Verhaltensnormen widersetzt, die oft von Autoritäten aufgestellt werden. Bayat stellte die Hypothese auf, dass 'Angst vor Spaß' eine Angst vor der Schwächung der Macht ist, die viele religiöse Traditionen gemeinsam haben. Indem sie die Manifestation der Identität von Menschen durch Mode unterdrücken, die Vermischung zweier Geschlechter kriminalisieren und harmlose Handlungen wie das Rasieren des Bartes durch Männer oder das Tragen von Make-up durch Frauen verbieten, verfolgen Theokratien in Afghanistan und im Iran grundlegendere Ziele als die Popularisierung ihrer moralischen Stilbücher.' Es ist keine bloße doktrinäre Frage, sondern eine historische Angelegenheit, die maßgeblich mit der Erhaltung der Macht zu tun hat', schrieb er."Le Grand Continent (Frankreich), 05.09.2024
Es mag dem schwindenden Einfluss der Kirchen geschuldet sein, dass die Reise des Papstes nach Südostasien in den deutschen Medien kaum Interesse erregte. Stationen waren Indonesien, Singapur, Ost-Timor. Besonders interessant aber finden Jean-Benoît Poulle und Clément de la Vaissière Franziskus' Etappe in Papua-Neuguinea, einem Land mit riesiger Fläche und einer Bevölkerung von gerade mal 10 Millionen Einwohnern, die aber 839 Sprachen sprechen. Englisch hat sich noch nicht als allgemeines Pidgin darübergelegt, obwohl sein Einfluss stärker wird. Mit das Erstaunlichste an dem Land ist, dass es zu 98 Prozent christlich ist, zu zwei Dritteln evangelisch oder evangelikal, zu 26 Prozent katholisch. Angesichts der Armut sorgen die Kirchen zuverlässiger als der Staat für Infrastrukturen, Bildung und Gesundheitsversorgung. Präsident James Marape will das Land sogar in der Verfassung als christlich deklarieren, aber er ist ein fundamentalistischer Evangelikaler, und die katholische Kirche macht da nicht mit. Für Franziskus ist hier etwas ganz anderes interessant, erklären die Autoren: Einerseits will die katholische Kirche nach der Doktrin mit lokalen Traditionen (wenn auch vielleicht nicht mit der Anthropophagie) verschmelzen: "Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil und vor allem seit den Pontifikaten von Paul VI. und Johannes Paul II. legt die Kirche Wert auf Inkulturation, also auf das Bemühen, die Botschaft des Evangeliums an die kulturellen und zivilisatorischen Gegebenheiten der Länder anzupassen, in denen sie Fuß fasst. … So versucht die Kirche, die oberflächliche, wenn auch oft zutreffende Gleichsetzung von Evangelisierung und Kolonisierung aufzubrechen. Schon Papst Pius XII. (1939-1958) hatte darauf hingewiesen, dass die katholische Kirche nicht nur mit der westlichen Kultur identifiziert werden könne." Noch mehr aber zähle für Franziskus, dass die Peripherie ein Laboratorium für einen möglichen neuen Katholizismus sein könnte: "In Papua, wo es keinen für die pastoralen Bedürfnisse ausreichenden Klerus gibt, sind es oft die einheimischen Katecheten - verheiratete Männer und keine Priester -, die die Schrift lesen, nicht-sakramentale Feiern leiten und die Kommunion austeilen. Auf diese Weise könnten einige lokale Lösungen Vorbildcharakter für die Weltkirche haben, da das Problem des Klerikermangels im Westen immer akuter wird." Und vielleicht auch das des Zölibats?New Yorker (USA), 23.09.2024
Grant Petersen ist der Gründer der Fahrradfirma Rivendell, die Fahrräder baut, mit denen man cruisen kann, nicht rasen. Riverdell stellt 'schöne Fahrräder her, es nutzt Materialien und Komponenten, die von der Fahrradindustrie größtenteils aufgegeben wurden und hat eine Idee vom Radfahren als unaufgeregt, Anti-Auto und Anti-Unternehmer", erklärt Anna Wiener im New Yorker. Die Rückbesinnung auf das Rad als Fortbewegungsmittel und weniger als Selbstoptimierungs-Statussymbol treibt ihn an: "Petersen glaubt, dass der Fokus der Fahrradindustrie auf das Rennen - zusammen mit 'Wettbewerb und einer allgegenwärtigen Sucht nach Technologie' - einen giftigen Einfluss auf die Radkultur hatte. Er lehnt die breit angelegte Werbung von Spandex-Trikots, Energiegels und Workout-Apps wie Strava für Freizeitradler ab. Er findet, dass niedrige, gebogene Lenker Radler in unnatürliche Positionen zwängen, dass Fahrräder aus Carbon und Aluminium Sicherheitsrisiken aufweisen, und dass dehnbare Synthetikstoffe nichts sind gegenüber Seersucker und Wolle. 'Der ganze Sinn des professionellen Fahrens ist heutzutage, eine Nachfrage auf dem Markt für wirklich teure Räder herzustellen', erklärt er. Er sieht die Glorifizierung von Schnelligkeit - persönliche Bestleistungen, konstantes Quantifizieren, Metriken, Bestenlisten - als Demotivation für Einsteiger an, die ansonsten Spaß am Radfahren haben würden. 'Ich würde gerne eine Tour de France sehen, bei der die Fahrer über die ganze Tour nur ein Rad fahren dürfen', meint er. 'Sie müssen ihre Wartungsarbeiten selbst durchführen, ihren Platten selber wechseln, genau wie normale Leute auch. Anders als jetzt hätte Radrennen dann einen positiven Trickle-Down-Effekt. Fahrräder wären besser, sie wären sicherer und sie würden länger halten. Und die Rennen wären kein Stück weniger interessant.'"4 Kommentare



