
In einem Beitrag der Literaturzeitschrift Tvar
erzählt die tschechische Roma-Schriftstellerin
Ilona Ferková, die in der Regel auf Romanes schreibt, von ihrem Aufwachsen und ihrer Begegnung mit der Literatur. Die Autorin, die thematisch heiße Eisen wie Zwangssterilisationen oder Heimeinweisungen von Roma-Kindern in der kommunistischen Vergangenheit aufgreift, hat zuletzt einen Mädchenroman geschrieben, in dem auch
erotische Liebesszenen vorkommen, "obwohl ich damit gegen ein ungeschriebenes Roma-Gesetz verstoße", wie Ferková sagt. Nichts sei ferner von der Realität als das stereotype Bild der sexuell entfesselten Roma, wie es gerne in Liedern, Büchern und Filmen transportiert werde. "Für die
Roma-
Gesellschaft ist Sex ein Tabu, sie tut, als gäbe es ihn nicht. Sich in der Öffentlichkeit, aber auch im privaten Kreis über irgendetwas in dieser Richtung zu äußern, gilt als inakzeptabel. Unsere Jugendlichen kommen also ohne Sexualerziehung ins Erwachsenenalter, und so sieht das dann auch aus. Als ich jung war, hatten die Jungen keinen sehr romantischen, zärtlichen Zugang zum Liebesakt, das hat ihnen niemand beigebracht, und heute beziehen sie ihre Kenntnisse leider aus Pornos. Ich möchte den jungen Leuten eine Art Anleitung geben, nett zueinander zu sein." Ein weiteres Tabu sei die
Homosexualität, was damit zu tun habe, "dass die Roma religiös und in ihren Ansichten konservativ sind. Für viele von ihnen ist es
unvorstellbar, einen Homosexuellen in der Familie zu haben, geschweige denn, dies öffentlich zuzugeben." Auch diesem Thema wolle sie sich demnächst in einem Buch widmen. "Ich mag Herausforderungen, ich mag keine Heuchelei, also schreibe ich darüber, wie die Dinge sind, auch wenn es einigen Leuten nicht gefällt", so Ferková.