
Immer wieder kursieren in westafrikanischen Ländern Gerüchte, dass Männern
ihr Penis gestohlen worden sei. Der Anthropologe
Julien Bonhomme hat zu diesem Thema im Jahr 2009 ein Buch vorgelegt und greift das Thema hier wieder auf, denn nun zeigt sich zum ersten Mal, wie aus dieser Art Gerücht, das den Hexereigerüchten verwandt ist, auch
Fake News modelliert werden können, gefördert von Russen und gezielt gegen die Franzosen gerichtet und ganz besonders gegen
Emmanuel Macron, der eine ganz besondere Projektionsfigur zu sein scheint. Das malische
Internetmedium Bamada.net behauptete, dass Männern der Zentralafrikanischen Republik auf Geheiß Macrons systematisch die Penisse geraubt wurden. "Im weiteren gibt der Artikel die Gründe für die Verschwörung an: 'Es gibt sogar Gerüchte, dass der französische Geheimdienst, der von neokolonialem Hass und Eifersucht gegenüber Afrikanern erfüllt ist,
geheime Nanotechnologien einsetzt, um die männlichen Attribute afrikanischer Männer zu stehlen und so den
Bevölkerungsrückgang der Europäer auszugleichen.' Die rückläufige Bevölkerungsentwicklung des alten Kontinents sei auf eine sinkende Männlichkeit zurückzuführen, wie verschiedene angeblich maßgebliche, aber nicht referenzierte Quellen belegten: eine wissenschaftliche Studie in einer großen internationalen Fachzeitschrift, eine Umfrage über die abnehmende Häufigkeit von Geschlechtsverkehr oder auch 'medizinische Experten', die behaupten, das Phänomen treffe besonders '
weiße Franzosen'. Um der Bedrohung entgegenzuwirken, die diese Entmännlichung für die gesamte Gesellschaft darstelle, wurde ein wissenschaftliches Projekt von den 'französischen Sicherheitskräften' ins Leben gerufen. Diese hätten entdeckt, dass das männliche Sexualhormon 'aus den Geschlechtsteilen eines anderen Mannes gewonnen werden kann'. Die
höchsten Testosteronwerte würden jedoch bei 'afrikanischen Männern' gefunden, insbesondere in der Zentralafrikanischen Republik." Solche Geschichten werden systematisch in die Welt gesetzt, so Bonhomme. Es gehe dabei, wie stets bei Fake News nicht unbedingt darum, dass die Menschen
daran glaubten. Auf Facebook habe es viele Gegenstimmen gegeben, auch haben afrikanische Medien mit
Factchecking reagiert, bis die Geschichte zurückgezogen worden sei - das Gift solcher Fakenews kann aber dennoch wirken, indem sie zu Polarisierung und Destabilisierung von Gesellschaften beitragen, schließt Bonhomme.
Die Soziologin
Marie Mathieu legt im
Gespräch mit Marie Le Clainche-Piel und mit sehr vielen genauen Zahlen dar, wie sich
Abtreibung in den USA nach den immer restiktiveren Gesetzen und Praktiken in einigen Bundesstaaten verändert hat. Die Frauen haben inzwischen einige
funktionierende Auswege gefunden. Vor allem wird viel stärker auf die Abtreibungspille
RU 486 zurückgegriffen, die in den USA längst nicht so verbreitet war wie in Europa. "Auch ein neuer Dienstleisterstyp - 'virtuelle' oder
reine Online-Kliniken - hat die Behandlungsmöglichkeiten erweitert, indem er über Telemedizin Abtreibungsdienste anbietet. Obwohl Abtreibungen in den USA nach wie vor überwiegend in physischen Einrichtungen durchgeführt werden, wurde von Oktober bis Dezember 2023 jeder fünfte Abbruch (18 Prozent) über
Telemedizin durchgeführt. Darüberhinaus wird in Studien darauf hingewiesen, dass Personen, die einen Schwangerschaftsabbruch wünschen, die internationale Telemedizin (zum Beispiel
'Women on Web' nutzen, um medizinische Abtreibungspillen zu erhalten und ihre Schwangerschaftsabbrüche außerhalb des klinischen Rahmens selbst durchzuführen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation stellt diese Praxis
kein Gesundheitsrisiko für Frauen dar."