Magazinrundschau - Archiv

Magyar Narancs

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Magazinrundschau vom 31.10.2017 - Magyar Narancs

András Lovasi gilt als einer der wichtigsten Vertreter der progressiven Rockmusik in Ungarn. Früher nahm Lovasi, der gerade fünfzig wird, zu öffentlichen Streitthemen häufig Stellung, heute schweigt er eher. Mit dem Musiker sprach Máté Pálos über die Gründe. An Ungarn nervt ihn, dass es mit dem Balkan und mit Preußen die jeweils schlimmsten Seiten teile: "Auf dem Balkan ist wenigstens das Klima gut, man kann draußen essen, in Preußen gibt es Berechenbarkeit, die Illusion von Sicherheit. (...) Ich nehme kaum noch an Debatten teil, weil ich sie verflucht langweilig finde. Was sollte ich noch sagen? Ich kann in Magyar Narancs erzählen, 'wie sehr ich die Fidesz hasse', doch weshalb, wenn ich nur zu jenen spreche, die genauso empfinden wie ich? Wir sollten mit jenen argumentieren, die dieses Regime unterstützen."

Magazinrundschau vom 24.10.2017 - Magyar Narancs

Der Dirigent Iván Fischer erzählt im Gespräch mit József Kling, wie er die Ungarn im Ausland zu erklären versucht: "Ich werde im Ausland oft gefragt: Was läuft bei euch? Wie konnte das alles passieren? Besorgt werde ich gefragt, voller Zuneigung und Neugier. (...) Die Wurzeln der Ausländerfeindlichkeit versuche ich damit zu erklären, dass die ungarische Sprache eine vollkommen eigenartige ist und dadurch das Erlernen einer Zweitsprache lästig ist. Dass die Ungarn sich viel wohler fühlen, wenn sie sich miteinander unterhalten können und nicht in einer anderen Sprache sprechen müssen. Oder die ständige Suche nach einem Sündenbock, die Unzufriedenheit und die schlechte Meinung gegenüber anderen - ich versuche verständlich zu machen, dass es in einem so kleinen, verschlossenen Land sehr schwer ist Erfolge zu erzielen und wettbewerbsfähig zu sein. Es ist viel einfacher jemanden für die eigene Ergebnislosigkeit verantwortlich zu machen."
Stichwörter: Ivan Fischer, Ungarn

Magazinrundschau vom 15.08.2017 - Magyar Narancs

Nach einigen Jahren Abwesenheit und einem Essayband meldete sich der Schriftsteller, Dichter und Literaturwissenschaftler Gábor Schein mit einem Gedichtband zurück, in dem er auch seine Krebserkrankung thematisiert, mit der er in den letzten zwei Jahren zu kämpfen hatte. In einem langen Interview spricht er über seine Krankheit, über die Rolle der Kritiker und über die Rolle der Literatur in der ungarischen Gesellschaft nach der Wende: "Die Gesellschaft dachte in den 90er Jahren zu wenig über ihre Erwartungen an die Literatur nach. Sie interessierte sich nicht für die emanzipatorische Rolle der Literatur. Gleichzeitig waren die Schriftsteller und die Redakteure nicht wirklich neugierig, was im Lande passierte, vom Ausland gar nicht zu reden. Eine seltsame Tatsache ist, dass die Nachwendezeit überhaupt kein Interesse an ausländischen, regionalen oder entfernteren Literaturen mit sich brachte. Die ungarische Literatur wurde noch isolierter und die schädlichen Auswirkungen werden ebenfalls erst heute spürbar. Anfang der 90er war die Übersetzung noch ein elementarer Bestandteil einer beginnenden Dichterlaufbahn, heute ist das überhaupt nicht mehr so."

Magazinrundschau vom 08.08.2017 - Magyar Narancs

Im Interview erklärt der Schriftsteller György Konrád, warum Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu die ungarische Regierung nicht wegen ihrer umstrittenen, antisemitischen Kampagne gegen George Soros kritisiert. Das hat damit zu tun, meint er, dass Netanjahu - wie Orban - einer rechten Partei angehört, aber auch mit der Israelkritik von Soros: "In den USA und in West-Europa grenzen sich viele linke und liberale jüdische Intellektuelle gerne vom Staate Israel, vom Zionismus und von der israelischen Regierung ab. Dies ist kein neues Phänomen, bereits Hannah Arendt tat so. Ich halte dies nicht für sympathisch, denn oft waren diese Menschen nie in Israel und ihre Informationen aus der Region sind oberflächlich. Ich habe auch persönliche Gründe, dass ich mich dem Staat Israel gegenüber empathisch verhalte. (...) Ich verherrliche Netanjahu nicht, aber ich halte ihn für einen Realisten. Und ich bedauere, wenn Soros einseitig israelfeindliche Gesten macht."

Magazinrundschau vom 27.06.2017 - Magyar Narancs

Im Gespräch mit Péter Urfi beschreibt der Dichter und Schriftsteller István Kemény die Veränderungen in der ungarischen Literatur: "Anfang der Zweitausender störte mich die verkrampfte Ironie, die in der Literatur zu Pflicht geworden war wie das leere Pathos in der späten Kádár-Ära. Jetzt scheint es sich zu ändern, es gibt unzählige Richtungen. Die 'hohe Literatur' ist nur eine davon. Die Blogs, die Amateurschriftsteller finden ihr eigenes Publikum, und sie können nicht außer Acht gelassen werden. Das hat gute und schlechte Seiten, es begünstigt die großen Worte und diskreditiert sie erneut. Es kann nicht mehr - wie noch vor zehn Jahren - gesagt werden, dass Literatur so oder so ist, dass die ungarische Literatur zweigeteilt ist, in völkische und urbane, konservative und progressive usw.. Das geht nicht mehr, weil es nicht zwei Kanons und zwei parallele Öffentlichkeiten gibt, sondern viele. Und sie sind an den anderen nicht interessiert. Ihnen geht es ohne die anderen, mit ihren Wahrheiten und ihren großen Worten immer besser."

Magazinrundschau vom 11.07.2017 - Magyar Narancs

Die Historikerin und Antisemitismusforscherin Éva Standeisky erklärt im Gespräch mit Zoltán Barotány Formen des Antisemitismus der ungarischen Nachkriegszeit: "Seit 1946 verbündete sich - erneut - gesellschaftlicher mit dem politischen Antisemitismus. Bei der Betrachtung des ungarischen Antisemitismus der Nachkriegszeit ist das bestimmende Jahr nicht 1945 sondern das darauf folgende, als die Judenfeindlichkeit in Atrozitäten - Ritualmordklagen, Lynchjustiz und Massenhysterie mit Todesopfern - mündete. Darüber wissen wir noch weniger als über die 'sanften' Konflikte zwischen den rückkehrenden Juden und den 'Heimischen'. Der Film '1945' zum Beispiel beschreibt die Konfrontation mit unseren eigenen Taten, was nach dem Weltkrieg überhaupt nicht typisch war. So steht der Film für unsere gegenwärtigen Verpflichtungen und nicht für Ereignisse in der Vergangenheit. (…) Die Polen sind in der Vergangenheitsaufdeckung ein Stück weiter als wir, und auch wenn sie keinen Konsens erzielen konnten, streiten sie wenigstens über die unleugbare und nicht übertragbare Verantwortung."

Magazinrundschau vom 30.05.2017 - Magyar Narancs

Seit Monaten wird nicht nur in Budapest regelmäßig gegen diverse Vorhaben der ungarischen Regierung demonstriert. Péter Urfi überlegt, warum gerade die Jüngeren so viel Präsenz zeigen, denen so oft ihre "Politikverdrossenheit" nachgesagt wird: "Die jungen Intellektuellen sehen, dass die Regierung lächerlich, aber auch gefährlich ist. Gegen sie zu kämpfen, ist sinnvoll, in politischen Parteien, aber nicht nur dort: In den tapferen NGOs, durch Spenden, auf der Straße laut prtestierend oder im Internet kommentierend... Politik ist trendy, die Demo ist das neue Tinder. Das System ist hinreichend autoritär, so dass Widerstand sinnvoll, aber auch anziehend ist. Und es ist nicht so repressiv, dass dabei nur die Helden zu Wort kommen würden ... Beim Protest, beim Zusammenschluss, bei der Aussage des Gedachten winken wohl keine fetten Posten im 'System der nationalen Kooperation' und in extremen Fällen steht da die Entlassung, ein Angriff bezahlter Glatzen oder der Besuch von der Polizei nach den Demonstrationen. Doch das eigene Leben ist nicht in Gefahr, es droht auch kein Gefängnis. In Österreich ist es langweilig, oppositionell zu sein, in der Türkei ist es lebensgefährlich. Bei uns gibt es Konzept, Ziel und Möglichkeiten. Und so gibt es auch Hoffnung."

Magazinrundschau vom 16.05.2017 - Magyar Narancs

Spätestens seit der Verabschiedung des sg. Lex-CEU und des Gesetzes über die Kennzeichnung der NGOs durch das ungarische Parlament ist der Verbleib von Fidesz, der Partei des ungarischen Ministerpräsidenten, in der Europäischen Volkspartei (EVP) erneut ein Gesprächsthema. Der luxemburgische EP-Abgeordnete aus der Fraktion der EVP, Frank Engel, spricht sich in der Wochenzeitschrift Magyar Narancs für einen Ausschluss der Fidesz aus der EVP aus - vorausgesetzt, die deutschen Parlamentarier in der EVP-Fraktion ziehen ihre "schützende Hand" von Orbán und seiner Fidesz zurück: "Ich denke dass immer mehr Abgeordnete nunmehr sich selbst eingestehen: Orbáns Absichten wurden falsch eingeschätzt und es kann ihm nicht mehr geglaubt werden. Dieser Mensch hielt uns lange für dumm und jetzt reicht es. (...) Lassen Sie mich es so formulieren: wenn die deutschen Kollegen nicht mehr bereit sind, ihn weiterhin zu verteidigen, dann muss Orbán gehen."

Magazinrundschau vom 06.06.2017 - Magyar Narancs

Fünfzig Jahre nach dem Tod des Komponisten Zoltán Kodály erfolgt eine Neuvermessung und vielleicht auch Neubewertung des Lebenswerks. Über die Verschiebung von Linien im Kodály-Kanon sowohl in ungarischer als auch internationaler Dimension sprach Ferenc László mit Sándor Kovács von der Franz-Liszt-Akademie in Budapest. "Mit dem Tod von Kodály verblasste sein Kult ziemlich schnell. Und es wird wohl auch nicht mehr erstrahlen. Anders ist es mit der sogenannten Kodály-Konzeption. Auch die ist nicht mehr so populär wie früher, doch bis heute eine marktfähige Exportware. Übrigens ist die schulische Musikausbildung tragisch verkommen. Als hätte Kodály nie gelebt. Es gibt kaum noch gute Chöre - ausgenommen in Nyíregyháza, Pécs, Kecskemét... doch lange könnte ich die Liste nicht fortsetzen. Was das Spielen von Kodály-Werken anbelangt sind die 'Tänze aus Galanta' weltweit populär, der 'Psalmus Hungaricus' ist es eher in Ungarn und hier wird er auch oft aufgeführt. Auch das 'Te Deum' hat nichts an Glanz eingebüßt. Die großen Chorwerke sind dagegen heutzutage seltener zu hören, was wirklich schade ist. 'Háry' wird nie ein Welterfolg werden, obwohl die Musik ohne Text als Suite ziemlich gut ist - siehe die jüngere Aufnahme von Ádám Fischer. Die 'Szekler Spinnstube' ist trotz ihrer Schönheit ein hoffnungsloser Fall ... Die frühen Kammerstücke sind dagegen wirkliche Schätze, und es scheint als würden die Musikkünstler dies begreifen."

Magazinrundschau vom 02.05.2017 - Magyar Narancs

Nach fünfzehn Jahren Stille erschien zur ungarischen Buchmesse der neue Gedichtsband von Krisztián Peer (42). Peer galt einst als talentierter, vielversprechender Dichter, bis Alkoholismus, Spielsucht und schließlich der Tod seiner Lebensgefährtin die Einlösung jenes Versprechens verhinderten. Und er selbst natürlich auch, wie er im Gespräch mit Máté Pálos erklärt: "Auf dem Gymnasium war ich ein talentierter Ornithologe, (...) das wollte ich werden, und ich wusste, wenn ich nicht fünfundzwanzig Vogellexika, ein Fernglas, ein professionelles Photoapparat und Sammelgläser bei mir habe, dann will ich auch nicht in den Wald gehen. Ich bin ja kein Amateur. Ich blieb stattdessen in den Budapester Biergärten. Dasselbe galt für das Schreiben: Wenn ich nicht Rilke werden kann, dann will ich lieber gar nichts werden. Über das nicht geschriebene Gedicht kann einfacher perfekt nachgedacht werden und es ist einfacher die Rolle des talentierten Dichters zu spielen, wenn das Papier dich nie mit der eigenen Talentlosigkeit konfrontiert. (...) Leicht wird daraus eine Ideologie, denn Wittgenstein strengte sich auch nicht besonders an. Oder Jesus, der wirklich gar nichts schrieb, sondern zuließ, dass die Apostel seine Story erzählten. (...) Staatliche Preise gibt es nicht mehr, genauer gesagt würde ich so etwas nie annehmen, denn mit Schleim will ich nicht in Berührung kommen. Ein solides Einkommen kann ich mit dem wöchentlichen Pokerspiel erzielen. Ich habe kein Ensemble, kein Kind. Ich werde schreiben, das kann ich. Wenn überhaupt."
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