
Der 1998 geborene Dramatiker und Drehbuchautor
Zsombor Aurél Bíró spricht im
Interview mit Julianna Zeck über die Themen, die ihn bisher beschäftigten: "Im Herbst 2022, auf einem Flug von Billund nach Budapest, beschloss ich, die
Geschichte meines Mannwerdens aufzuschreiben. Damals wusste ich nicht, was dabei herauskommen würde, ich war mir nur sicher, dass ich schon so lange, wie ich mich erinnern kann, ein Problem mit meiner eigenen Männlichkeit hatte und dem auf den Grund gehen wollte. Mein Vater ist ein Sportler, eine traditionell männliche Figur, der
coolste Kerl, den man sich vorstellen kann. Aber eigentlich sind alle männlichen Figuren in meinem Leben wie er, ich bin von diesen behaarten Figuren umgeben. Einer von ihnen, mein literarischer Mentor László Potozky, machte mich beim Lesen der Kurzgeschichte, an der ich gerade arbeitete, darauf aufmerksam und sagte mir, ich solle mir klar machen, dass es
ein Roman werden würde (...) Meine früheren Werke, die Theaterstücke und auch mein Roman, befassen sich mit dem Thema (der Auflösung von notwendig weitergetragenen Familienmustern), aber jetzt befinde ich mich
im Übergang, ich befasse mich mit neuen Dingen. Dem öffentlichen Leben. Wir leben seit fast fünfzehn Jahren in einem System, für das die zeitgenössische Kunst kaum eine Sprache gefunden hat, um darüber zu sprechen. Ich sehe Experimente mit Umschreibungen und Metaphern im Theater und in der Literatur, Sprechweisen, die für die
Regeln der Kádár-
Ära erfunden wurden, aber in Orbán-Zeiten einfach nicht mehr passen."