Magazinrundschau - Archiv

Magyar Narancs

271 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 28

Magazinrundschau vom 07.09.2021 - Magyar Narancs

Der Schriftsteller und Humorist Zoltán Kőhalmi spricht im Interview mit Orsolya Karafiáth über gute und schlechte Witze sowie über Witze in Not. "Ich fordere bei jedem Witz das Niveau ein. Internetkunst, wie jede Volkskunst spült nicht zwangsläufig das Beste an die Oberfläche, aber es ist trotzdem ein Grundprinzip von mir, dass man in jeder Situation lachen muss. Selbst im größten Weltbrand sind Witze entstanden und sehr oft waren die Witze das Einzige, was den Geist der Menschen vor der Zerrüttung bewahrte. Offensichtlich ist es keine Kämpfereinstellung, keine Revolutionsanführer-Attitüde, doch eine Überlebenstechnik. Es ist nicht die Verantwortung des Humoristen, wer den durch ihn kreierten Witz wie und wofür verwendet. (...) In jedem guten Witz steckt Schmerz und mir waren stets jene Witze wertvoll, die in Notsituationen entstanden sind."

Magazinrundschau vom 03.08.2021 - Magyar Narancs

Im Interview mit dem Dichter, Schriftsteller und Literaturhistoriker Dénes Krusovszky spricht die Literaturhistorikerin Eszter Pálfy über die Literaturgeschichtsschreibung, die sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert habe: "Als die Wissenschaftsgattung Literaturgeschichtsschreibung im 19. Jahrhundert entstand, war es selbstverständlich, dass sie jeweils von einer Person geschrieben wurde, denn es sollte oder musste von der Vergangenheit bis zur Gegenwart ein einheitliches Narrative erschaffen werden (...) Später wurde es zum Grundgedanke, dass es keine einzig gültige Geschichte gibt, sondern lediglich durch verschiedene Aspekte vermittelte brüchige Geschichten. (...) Ein weiterer Unterschied ist, dass wir uns heute die literaturhistorischen und schriftstellerischen Blasen offenbar wesentlich geschlossener vorstellen. Der Literaturhistoriker schreibt nur seriöse Abhandlungen, der Schriftsteller nur Literatur, die Gattung des literaturhistorischen Essays existiert kaum noch. Oder wenn sie existiert, dann ist sie grundsätzlich verdächtig: wenn der Literaturhistoriker so etwas schreibt, dann ist es Boulevardisierung und wenn der Schriftsteller das tut, dann ist es Dilettantismus. Sicherlich gibt es auch heute Überlappungen zwischen den zwei Positionen, denn es gibt unter den heutigen Dichtern und Schriftstellern viele, die ebenfalls literaturhistorisch aktiv sind. Doch die Trennung wird dadurch erhärtet, dass auch sie die unterschiedlichen Rollen gut voneinander abgegrenzt halten. Dem Metier entsprechend ziehen sie die Jacke des Schriftstellers oder des Literaturhistorikers an."

Magazinrundschau vom 27.07.2021 - Magyar Narancs

Vergangene Woche wurde durch Amnesty International und die Non-Profit-Redaktion Forbidden Stories aufgedeckt, dass mit der Spionagesoftware "Pegasus" in Ungarn um die 300 Personen überwacht wurden. Nach der Zuordnung der Telefonnummer sind die überwachten Personen zumeist Journalisten, Oppositionelle sowie Eigentümer von regierungskritischen Medienunternehmen. Die Regierung bestätigt den Erwerb der Software nicht, leugnet aber ebenso wenig die Überwachungen. Der Innenminister verweist auf rechtliche Regelungen, die bei einer eventuellen Überwachung stets beachtet wurden, aber genau diese Regelung bezeichnete das Europäische Gericht für Menschenrechte im Jahre 2016 als unvereinbar mit der Grundrechtecharta der EU. Geändert wurde das Gesetz aber nicht. Die Wochenzeitschrift Magyar Narancs kommentiert den Abhörskandal: "Die Liste der Zielpersonen sagt das Wesentliche: Der milliardenschwere Geschäftsmann, der aufgrund seines Mutes, seines Medienunternehmens sowie seines Geldes seit langer Zeit auf der Liste der gefährlichsten Gegner der Regierung geführt wird, ebenso die Journalisten des Investigativportals Direkt36 (...), die bei Orbán in auch international bedeutenden Angelegenheiten den kompromittierendste Zusammenhänge aufdeckten, die an politischen Alternativen arbeitenden Bürgermeister oder einige noch nicht benannte, doch auf Wirtschaftsrecht spezialisierte Anwälte - all diese Personen stellen keine Gefahr für die nationale Sicherheit  dar. Sie sind lediglich eine Bedrohung für die persönliche Macht von Viktor Orbán, für seine tagespolitischen Kalküle, für seine verzweigte Wirtschaftsinteressen, für die internationalen Erscheinungen seines Narzissmus sowie für die Abrechnungen innerhalb seines Lagers."
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Magazinrundschau vom 13.07.2021 - Magyar Narancs

Im Interview mit Zsófia Fülöp spricht die Soziologin Judit Takács von der Ungarischen Akademie der Wissenschaften MTA unter anderem über die mögliche gesellschaftliche Akzeptanz des umstrittenen neuen Gesetzes, das Homosexualität mit der strafrechtlichen Kategorie der Pädophilie gleichsetzt. "Es ist sehr wichtig, wie wir diese Angelegenheiten benennen und problematisieren. Gegenwärtig passiert genau dasselbe wie bei der Migration: auch da wurden die negative Botschaften ständig wiederholt, womit die Xenophobie gesellschaftlich angeheizt wurde - mit erstaunlich großem Erfolg. Es ist ungefähr so, wie wenn wir im Radio eine schreckliche Melodie sehr oft hören und nach einer Weile selbst anfangen, sie zu summen. Es besteht die Gefahr, dass dies im Falle dieses homophoben Gesetzes ebenfalls passiert. Obwohl diese Art Gesetz uns an die dunkelsten Zeiten unserer Geschichte erinnert."

Magazinrundschau vom 29.06.2021 - Magyar Narancs

Die Wochenzeitschrift Magyar Narancs kommentiert das skandalöse "Gesetz gegen Pädophile", das unter dem Vorwand des Kinderschutzes homo- und transsexuelle Menschen stigmatisiert und kriminalisiert, und die Reaktionen darauf: "Denn während die für die Dauer des Fußballspiels Ungarn gegen Deutschland auf das Münchener Rathaus gehängte Regenbogenfahne über die primäre Bedeutung hinaus lediglich soviel sagt, dass man mit der Diskriminierung von Homosexuellen in Ungarn nicht einverstanden ist, oder vielleicht 'Orbán ist ein Idiot', bedeutet die Unterstützung der Regenbogengemeinschaft durch Markus Söder, dass Viktor Orbán für ihn kein Partner ist - und dies kann in der Tat wehtun. Genau so wie die Wahrheit wehtun kann: nämlich, dass in Ungarn der Staat - sich auf den Schutz der Kinder berufend und Pädagogen mit Sanktionen bedrohend - die sexuelle Aufklärung in den Schulen beschnitten, einen bedeutenden Teil der Weltliteratur auf den Index verbannt und wiederholt eine Menschengruppe lediglich aufgrund ihrer sexuellen Identität stigmatisiert und kriminalisiert hat. (...) Die Schande kann nicht größer sein. (...) Doch der Protest erreichte, was so ein Protest erreichen kann, und eigentlich sogar mehr."
Stichwörter: Ungarn

Magazinrundschau vom 15.06.2021 - Magyar Narancs

Im Interview mit Orsolya Karafiáth spricht der Schriftsteller und Fotograf Péter Nádas unter anderem über Andersartigkeit als Essenz seiner Freundschaft zum verstorbenen Péter Esterházy. "Für mich ist das Anderssein wichtiger. Die Mehrheit erträgt das nur schwer, erhebt ihre Stimme dagegen, verfolgt und bestraft es. Ich genieße es. (...) Die Wortführerin der Freundschaft mit Esterházy war die Andersartigkeit. Wir haben es beide schrecklich genossen, dass wir beide in fast allen Angelegenheiten über fast alles anders dachten. Und darin ähnelten wir uns sehr. (...) Jeder ist ein Rassist, ein Nationalist, verachtet den anderen, das andere Geschlecht oder das eigene, die eigene Mutter, den Vater. Leider muss ich sagen, dass dies zu den menschlichen Konstanten gehört. Die Frage ist nur, was ich damit anfange, was ich dagegen tue. Natürlich hätte ich es gerne, wenn jeder so denkt, wie ich. (...) Doch bei uns war der Anschluss genau anders. Und wenn ich die Andersartigkeit nicht genießen kann, dann gibt es ein großes Problem, dann genieße ich die Andersartigkeit und auch die Alleinexistenz des anderen Wesens nicht. Übrigens ist dies die Grundlage jeder Kunst und jeglicher Literatur."

Magazinrundschau vom 01.06.2021 - Magyar Narancs

Im Interview mit Dorka Czenkli spricht die Kunsthistorikerin, Galeristin und Kunsthändlerin Judit Virág über die Entwicklung der Sammlerszene für ungarische Malerei vor und nach der Wende. "Um die Wende entstanden beinahe sofort Galerien und Auktionshäuser. Ich denke, dass der ungarische Markt genauso funktioniert wie überall auf der Welt. Bei den Sammlern gab es jedoch große Veränderungen. Vor der Wende konnte man genau sagen, aus welchen gesellschaftlichen Schichten und Berufen die Käufer kamen. Eine große Rolle spielten Intellektuelle, Ärzte, Rechtanwälte, Theaterschaffende und Kleinunternehmer. Heute könnte ich überhaupt nicht mehr eingrenzen, wer sammelt. Man kann nicht eindeutig sagen, dass es die Nachkommen früherer Sammler seien. Nach der Wende tauchten ungarischstämmige, im Ausland lebende, wohlhabende Menschen auf. Gleichzeitig begannen Banken zu sammeln und Ausländer  erschienen auf der Bildfläche, die keinerlei Beziehung zu Ungarn hatten, jedoch beträchtliches Kapital."
Stichwörter: Ungarische Malerei

Magazinrundschau vom 11.05.2021 - Magyar Narancs

Die junge Regisseurin Zsófia Geréb inszeniert gerade an der Oper Dortmund die Uraufführung der Oper "Persona" des kanadischen Komponisten Thierry Tidrow. Im Gespräch mit Leonóra Mörk spricht sie auch über die Rückkehr der Barockoper: "In der Tat scheint es so, dass Regisseure immer mehr den Barock entdecken. Wahrscheinlich aus dem Grunde, weil die Musik außerordentlich frei und variabel ist, im Gegensatz zum Beispiel zu einer Puccini-Oper, bei der der Komponist wesentlich strenger bestimmte, wann was passieren soll. Barockwerke beschäftigen sich oft mit mythologischen Geschichten, die bei Regisseuren sehr beliebt sind, denn sie können sowohl symbolisch als auch wortwörtlich aufgefasst werden. Die Barockoper kann somit wesentlich einfacher in das Autorentheater integriert werden, während klassische Opern wesentlich exakter erscheinen, oder wenn die Inszenierung extrem ist, dann entfernte sich die Interpretation oft so weit vom eigentlichen Gehalt der Oper, dass sie kaum noch funktionierte." (Hintergrund:  )

Magazinrundschau vom 13.04.2021 - Magyar Narancs

Der Regisseur und Kritiker Attila Janisch wartet derweil gespannt darauf, wie sich die Schauspieluni (SZFE) unter den neuen Herren schlagen wird: "Ungefähr in 2024 werden die Ergebnisse messbar sein, denn die Abschlussarbeiten der Studenten der ab September startenden neuen Klassen werden dann veröffentlicht. (...) Die mit politischem Rückenwind kreierte neue SZFA hat noch nichts bewiesen, während die autonome SZFE in den letzten Jahrzehnten mehrfach unter Beweis gestellt hat, dass sie ihren Studenten eine Ausbildung auf Weltniveau bieten konnte. Die neue Führung der SZFA soll dies nun aus eigener Kraft ebenfalls beweisen."

Magazinrundschau vom 30.03.2021 - Magyar Narancs

Der bildendee Künstler Márk Fridvalszki studierte in Wien und Leipzig und lebt gegenwärtig in Berlin. Seine aktuellen Ausstellungen "Future Perfect - Vollendete Zukunft" und "Forward and Up!" kann man an der ICA-D in Dunaújváros in Ungarn oder dem Kunstverein am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin besichtigen. Mit Sirbik Attila sprach Fridvalszki unter adnerem über die Zukunft in der Vergangenheit als Konzept für seine Kunst. "Es geht in erster Linie weniger um ästhetische Fragen, darum ist es mir wichtig von Geist, Geistern und geistiger Natur zu sprechen. Es ist wichtig zu betonen, dass sich mein Interesse nicht auf zombiehafte Formalismen richtet, ich möchte nicht die Oberfläche der Vergangenheit kopieren. Diese Zombieformen kennen wir, es reicht wenn wir uns im Netz, in Filmen, in der Mode oder auch in verschiedenen Künsten umschauen. Wir erkennen überall die Skelette der Vergangenheit. Was mich beschäftigt, könnte man vielleicht Nostalgie gegenüber einer nicht verwirklichten Zukunft nennen."