Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
18.03.2004. In der Zeit erklärt Bernard Lewis, warum er an die Demokratiefähigkeit der Araber glaubt, und Richard Rorty findet den Krieg gegen den Terror gefährlicher als diesen selbst. In  der Welt plädiert Wolfgang Sofsky für einen deutschen Laizismus. Die NZZ fürchtet einen Reimport des Antisemitismus aus den islamischen Ländern. Die Berliner Zeitung beklagt den Verrat an den Berliner Symphonikern.

Zeit, 18.03.2004

Der Islamwissenschaftler Bernard Lewis wischt die Wahabiten kurz als "völlig marginale Strömung aus Saudi Arabien" vom Tisch und liefert den Christen im Interview ein paar gute Gründe, an die Moslems zu glauben: Viele Amerikaner und Europäer, sagt er, sind inzwischen überzeugt, dass "unsere Demokratie und unsere Freiheit rein westliche Institutionen seien, die man nicht exportieren könne. Und sie behaupten: Die Araber sind nun einmal, wie sie sind, die Verhältnisse nicht zu ändern. Aber die Araber sind eben nicht so. Nehmen Sie die Diktatur Saddam Husseins und seiner Baath-Partei. Diese Diktatur hat in der arabischen Geschichte überhaupt keinen Vorläufer. Sie ist ein Export aus Europa. Die Einparteienherrschaft ist ein europäisches Modell - der beste Exportartikel des Westens in der islamischen Welt. Die Vorgängerin der Baath-Partei stammt von den Nazis." Die arabische Kultur habe besseres zu bieten, zum Beispiel "den Begriff der 'vertragsmäßigen Regierung', der Regierung auf der Basis von Konsens, in der der größte Herrscher ebenso dem Gesetz unterworfen ist wie der bescheidenste Sklave. Das ist die islamische Tradition, und das ist ein hoffnungsvolles Element."

Weitere Artikel: Im Aufmacher erklärt Richard Rorty, warum er den Krieg gegen den Terror für "potenziell gefährlicher" hält als den Terrorismus selbst: Die Demokratie könnte mithilfe diverser "Sicherheitsgesetzte" peu a peu ersetzt werden durch "einen aufgeklärten Absolutismus, der von einer Nomenklatura erzwungen würde". In der Leitglosse wundert sich Achatz von Müller nicht, dass Spanien das Opfer des ersten Anschlags islamistischer Terroristen in Europa war: Immerhin gelte den Arabern die Reconquista als Beginn der christlichen Aggressionen gegen den Islam. Und der Theologe Klaus Berger erklärt, wie das Christentum die Auseinandersetzung mit dem Islam führen muss: "Es wird nichts helfen, die drei 'K' werden für Christen in dieser weltgeschichtlichen Auseinandersetzung notwendig werden: Katechismus, Kultur und Kinderfreundlichkeit".

Gunter Hofmann nimmt uns mit auf einen Parforce-Ritt durch die Vorlesungen in Harvard: Michael Sandel, Richard Dawkins, Robert Jay Lifton, Norman Mailer, Steven Pinker, Louis Menand, Nancy RosenblumLionel Jospin und Bronislaw Geremek hat er gehört. Gisela Dachs schreibt über neueste Tendenzen im israelischen Kino - die jüngeren Regisseure haben genug vom Krieg und wenden sich dem Privaten zu. Anke Leweke porträtiert den koreanischen Filmregisseur Kim Ki-Duk (mehr), der selbst im Buddhismus "seine Arithmetik der Gewalt" entdeckt. Thomas E. Schmidt porträtiert Hamburgs neue Kultursenatorin Karin von Welck. Der bayerische Kabarettist Georg Ringswandl versteht nicht, warum sich alle Welt über den Korruptionsskandal beim Bau des Münchner Stadions aufregt: "Was jetzt an Empörung zu hören ist, ist auch der Aufschrei derer, die nicht kassiert haben. Dass sie schreien, heißt nicht, dass sie unbestechlich wären. Sie haben nur den Arsch so weit unten, dass sie für Korruption in nennenswertem Ausmaße gar nicht infrage kämen. Sie sind gar nicht bestechungswürdig." Und Claudia Herstatt erklärt, warum niemand bei ebay für einen van Gogh bieten will.

Besprochen werden Peter Konwitschnys Inszenierung der "Zauberflöte" an der Stuttgarter Staatsoper und die Ausstellung "Botticelli und Filippino" im Florentiner Palazzo Strozzi.

Im Aufmacher des Literaturteils gratuliert Benedikt Erenz dem Dichter Michael Hamburger zum achtzigsten, und Evelyn Finger gratuliert Christa Wolf zum fünfundsiebzigsten Geburtstag. Das Dossier untersucht den Zustand der SPD vor dem Sonderparteitag in Berlin. Im Politikteil werden drei Politikerinnen porträtiert: Monika Hohlmeyer und Ursula von der Leyen (hier) und Marine Le Pen (hier). Auf der Suche nach dem "Echten" reist Robin Detje im Leben nach Oberammergau und besucht den Herrgottsschnitzer Tobias Haseidl. Erwin Koch erfährt bei der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, was man für eine Atombombe braucht.

FR, 18.03.2004

Christa Wolfs literarisches Projekt ist für Frauke Meyer-Gosau mit dem jüngsten Buch 'Ein Tag im Jahr' nun unvermutet auch an sein erzählerisches Ziel gelangt, "mit den unaufwendigsten Mitteln, dem (ausführlichen, auch assoziativ umherschweifenden) Tagesbericht, der ohne Verschraubung mit höheren Bedeutungsträgern auskommt", wie sie schreibt. "Dass das Nicht-Erfundene sich so am Ende als die Basis-Erzählung der Schriftstellerin Christa Wolf - ihr persönliches Geschichtsbuch der DDR - herausstellt, kommt einem allerdings nur auf den ersten Blick überraschend vor. Und ohne die obsessive Lust, dem Ich in der Geschichte eine Hoffnung, einen Sinn zu sichern, wäre das gewiss auch nicht zu machen gewesen."

Weiteres: Thomas Medicus hat zwei Vorführungen von Uta Baduras Dokumentation deutscher und polnischer Vertreibungsschicksale "Schlesiens Wilder Westen" in Polen erlebt und an den Reaktionen erfahren, wie dünn das Eis der deutsch-polnischen Versöhnung ist. Und Hilal Sezgin spottet über neuere biologische Thesen zum Ursprung des aufrechten Ganges. Die Beilage FRplus macht auf mit einem Porträt der Sängerin und Autorin Francoise Cactus.

Auf der Medienseite beklagt Tilmann P. Gangloff den Tod des klassischen Dokumentarfilms im Fernsehen: "Kritischer Regionalismus etwa war gestern; heute dominieren Heimattümelei, Kochtopfjournalismus, Infotainment und Boulevardisierung. Die Formatierung des Fernsehens gerade in den dritten Programmen frisst jede Flexibilität. Themen werden je nach Bedarf wie im Bett des Prokrustes zeitlich gestreckt oder gestaucht, ohne Rücksicht auf den Inhalt."

In einer einsamen Buchbesprechung widmet sich der Historiker Hans Mommsen dem ersten Band von Richard J. Evans Gesamtdarstellung des Dritten Reichs (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).

Welt, 18.03.2004

"Der letzte Schritt der Säkularisierung steht dem deutschen Staat noch bevor", meint der Soziologe Wolfgang Sofsky in einem Plädoyer für den Laizismus. "Der Neutralität des Staates widerspricht die populäre Forderung nach Toleranz keineswegs. Die Trennung von Staat und Kirche ist die institutionelle Voraussetzung für die soziale Duldung religiöser Einfalt und Vielfalt. Sie bewahrt die Minderheiten vor der Hegemonie der Mehrheit, und sie weist den Fanatismus in seine Schranken."

Die Forumsseiten präsentieren einen Vorabdruck aus Kardinal Ratzingers neuem Buch "Verwundet vom Pfeil des Schönen". Hier denkt der Kardinal über das Wesen der Schönheit nach: "Wer an Gott glaubt - an den Gott, der sich gerade in der entstellten Gestalt des Gekreuzigten als Liebe 'bis zum Letzten' (Joh. 13,1) geoffenbart hat -, der weiß, dass die Schönheit Wahrheit und dass die Wahrheit Schönheit ist. Aber am leidenden Christus lernt er auch, dass die Schönheit der Wahrheit Verwundung, Schmerz, ja das dunkle Geheimnis des Todes einschließt und nur in der Annahme des Schmerzes gefunden werden kann."

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TAZ, 18.03.2004

"Politiker, die die imperialen Forderungen der USA über das nationale Interesse stellen, haben weniger Zukunft als solche, die auf Wünsche und öffentliche Meinung in ihrem Land eingehen", warnt der Historiker Gabriel Kolko auf der Meinungsseite (zur Person). Aus diesem Grund kann er Bushs ungeschickter Behandlung der Verbündeten einiges abgewinnen. Diese zwinge nämlich die Europäer zu einer unabhängigen Außenpolitik. "Frankreich und Deutschland waren wegen der US-Begründung für den Krieg im Irak veranlasst, früher unabhängig zu werden, als sie es beabsichtigt hatten. Die zukünftige Rolle der Nato wird nun in einer Weise in Frage gestellt, die noch vor zwei Jahren undenkbar gewesen wäre. Es ist heute eine offene Frage, wie Europa zukünftig seine Verteidigung gestalten wird. Aber es wird eine europäische Streitmacht geben müssen, die von der Kontrolle der Nato oder der USA unabhängig ist."

Im Feuilleton übermittelt Reiner Wandler Reaktionen spanischer Künstler auf den Regierungswechsel in Madrid. Besprochen werden der neue Film des koreanischen Regisseurs Kim Ki-Duk "Frühling, Sommer, Herbst, Winter" und vier neue Bücher über Heiner Müller und seiner (Theater)arbeit. Auf der Medienseite teilt uns Bernhard Hübner mit, was am neuen Männermagazin Matador anders ist - nämlich Sandra, das Covermodel, das riecht, wenn man an ihr rubbelt.

Schließlich TOM.

NZZ, 18.03.2004

Der Publizist Richard Herzinger (mehr hier) befürchtet, dass sich in Europa ein neuer, aus dem Islamismus gespeister Antisemitismus einschleicht, der unser "Immunsystem" gegen solche Strömungen unterlaufen könnte. Denn im Gegensatz zum "hausgemachten" Judenhass neonazistischer Prägung keime er in der "Grauzone" des Nahostkonflikts: "Der neue Antisemitismus kehrt die Prämissen um und postuliert, bei Israel handele es sich per se um einen 'rassistischen', 'kolonialistischen' Staat. Juden in aller Welt, die sich von ihm nicht distanzieren wollen, werden so unversehens selbst zu 'Rassisten' gestempelt und zur potenziellen Zielscheibe für aggressive Akte. 'Antiimperialistische' Strömungen auf der extremen Linken, die sich auch innerhalb globalisierungskritischer Bewegungen wie 'Attac' artikulieren, geraten in diesem Punkt in eine unheimliche Übereinstimmung mit Rechtsextremisten, die ihrerseits alte Kampfparolen der Linken adaptieren und mit Palästinensertüchern für die 'Solidarität der Völker' und gegen die USA und Israel als 'internationale Völkermordzentrale' demonstrieren."

Weiteres: Ilma Rakusa erinnert an den slowenischen Avantgarde-Dichter Sreko Kosovel, der heute vor hundert Jahre geboren wurde. Besprochen werden eine Ausstellung im Wiener Architekturzentrum über die österreichische Baukunst des 20. und 21. Jahrhunderts, sechs neue Alben aus der Szene der italienischen Cantautori (Ruedi Ankli sieht darin eine Erneuerung des Autorenlieds), CDs mit spanischem Nufolk ("Frank Zappa hätte so geklungen, wäre er Katalane gewesen", meint Christian Kortmann) und Ludger Heidbrinks Buch "Kritik der Verantwortung" (mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr).

Berliner Zeitung, 18.03.2004

"Wer in Berlin will eigentlich die Berliner Symphoniker nicht, die hier so beliebt sind, dass sich 80.000 Menschen mit Rettungsbriefen an den Kultursenator wandten? Die für so unverzichtbar gehalten werden, dass die Musiker anderer Orchester zu ihrer Rettung Gehaltsverzicht anboten? Und die jetzt doch abgewickelt werden sollen, wie es das Parlament am heutigen Donnerstag wohl beschließen wird", so Birgit Walter in einem wütenden Kommentar. "Dem Kultursenator ist jede andere Kultureinrichtung wichtiger; für alle reicht der sträflich niedrige Kulturetat nicht. Und die Sozialdemokraten mit Klaus Wowereit wollen, wenn sie schon keine Oper schließen konnten, wenigstens ein Orchester sterben sehen."

Im Tagesspiegel kommentiert Christine Lemke-Matwey die drohende Abwicklung der Symphoniker: "Die Affäre bringt also vor allem eines an den Tag: das Desinteresse der SPD-Kulturpolitik an einer substanziellen Lösung."

FAZ, 18.03.2004

Im Feuilleton ist Mel Gibsons "Jesus"-Film im wesentlichen abgefeiert. Aber auf Seite 1 der Zeitung war noch Platz für einen Leitartikel. Lorenz Jäger, der den Film schon vor seinem Start sublim fand, hält ästhetische Einwände gegen den Film nach wie vor für unmöglich: "Für manche wird die eigentliche Überraschung darin liegen, dass ein kompromisslos christlicher Film beim heutigen Publikum ankommt. Das ist es, was die zumeist säkular-liberalen Kritiker irritiert, irritieren muss."

Weitere Artikel im Feuilleton: Rainer Hermann berichtet, dass 4.000 geraubte Objekte in die irakischen Museen zurückgekehrt seien, dass aber gleichzeitig weiter geplündert werde. Christian Geyer fürchtet, dass ein Bundespräsident Horst Köhler alle Probleme des Landes nur aus wirtschaftlicher Perspektive beurteilen könnte. Andreas Rossmann hat einem Kolloquium über den vergessenen Kanzler Kurt Georg Kiesinger zugehört. Gerhard Koch besucht für die Leitglosse die Ausstellung "Flims - eine Gefühlskulisse", die an die großen Zeiten des Nobeltourismus in der Schweiz erinnert. Jordan Mejias schlendert über die Whitney-Biennale, nennt Werke von Elizabeth Peyton, Chloe Piene, Sam Durant und vielen anderen, kann aber außer der weiterein Atomisierung des Kunstmarktes keine klare Tendenz ausmachen. Der Architekt Wilhelm Kücker wendet sich gegen Hochhaus-Projekte in München , die die harmonische Silhouette der Stadt zerstören würden. Anton Thuswaldner schreibt zum Tod der österreichischen Autorin Jeannie Ebner. Joseph Croitoru schreibt zum Tod des israelischen Architekten Al Mansfeld. Julia Spinola berichtet von den Römerbad Musiktagen, in deren Zentrum Arnold Schönberg stand.

Auf der Filmseite lässt die Filmkritikerschaft der FAZ alle Jesus-Filme Revue passieren, die vor Mel Gibson gedreht worden sind.

Auf der Medienseite berichtet Jörg Thomann, dass die Yellow Press ihre Fantasie durch immer mehr Gerichtsklagen von Prominenten eingeschränkt sieht. Außerdem stellt Franz Solms-Laubach das Computerspiel "Gütertrennung" vor.

Für eine Reportage auf der letzten Seite ließ sich Christian Schwägerl im Berliner Fraunhofer-Institut für Rechnerarchitektur und Softwaretechnik eine Neurokappe aufsetzen, um den Cursor eines Computers per Hirnstrom nach rechts und nach links zu bewegen - mit solchen Mensch-Maschine-Schnittstellen will man später Behinderten helfen. Dieter Bartetzko meldet, dass der Bund die klassisch moderne Stuttgarter Weißenhof-Siedlung an die bisherigen Mieter verkaufen will. Und Katja Gelinsky porträtiert die republikanische Politikerin Marilyn Musgrave, die die Lobbyarbeit der National Rifle Association allzu zaghaft findet und im übrigen gegen die Homoehe kämpft.

Besprochen werden Kim Ki-Duks Film "Frühling, Sommer, Herbst, Winter... und Frühling" (ein Film, der "Grausamkeit und Meditation" verbindet, schreibt Andreas Kilb), eine Ausstellung über Dalis Buchillustrationen im Bruchsaler Schloss und Disneys neuer Zeichentrickfilm "Bärenbrüder".

SZ, 18.03.2004

Johannes Willms fragt sich, warum die französische Linke den Ex-Terroristen Battisti verteidigt: "Dass nicht nur ultralinke Splittergruppen, die hermetischen Ideologien verhaftet sind, und einzelne Don Quijotes, die in Frankreich für Intellektuelle gelten, für Battisti eintreten, ist um so unverständlicher, als dieser stets abgelehnt hat, den Auflagen, die Mitterrand mit jenem Gnadenerweis verband, auch nur mit wohlfeilem Lippenbekenntnis zu genügen. Unbeirrt weigert er sich, seine Taten zu bereuen, ja, bekennt lauthals: 'Ich bin stolz darauf, was ich getan habe'."

"Im Gegensatz zu Michael Ballhaus finde ich, dass die Integrität der Bilder nicht geschützt, sondern zerstört werden sollte - durch die Erfahrung des Auges", sagt der Kameramann Christopher Doyle, der sich anläßlich einer Berliner Ausstellung seiner Fotografien mit Anke Sterneborg unterhalten hat. "Das tun die Kinder heutzutage: Sie schauen zwei Stunden Musikvideos und verbringen den Rest des Tages im Internet. Dadurch erarbeiten sie sich ein Verhältnis zu Bildern, von dem wir nur träumen können."

Weitere Artikel: Dirk Peitz beschreibt hingebungsvoll die Pannen bei der Einrichtung der Download-Datenbank Phonoline: "Zu spät, zu kompliziert, zu teuer: Phonoline, die lang angekündigte gemeinsame Internet-Offensive der fünf großen deutschen Plattenfirmen und einiger kleiner dazu, die erstmals ein umfassendes Musikangebot zum legalen Herunterladen aus dem Netz schaffen soll, war bislang vor allem eines - ein PR-Debakel." Anke Sterneborg porträtiert den koreanischen Filmregisseur Kim Ki-duk. Siggi Weidemann informiert über die Rückführung einiger Gemälder der ehemaligen Sammlung Koenig aus Moskau in die Niederlande. G.K. berichtet von der unzüchtigen Anfrage des Bundesvermögensamtes an die Mieter der berühmten Stuttgarter Weißenhofsiedlung, das Kulturdenkmal, in dem sie leben, zu kaufen. Jens Schneider berichtet aus Dresden über eine achtundvierzigstündige Mahnwache von Musikern, Sängern und Schauspieler gegen die massiven und als bestandsbedrohend empfundenen Kürzungen des Kulturetats. Susanne Simor war auf dem 11. Buchfestival in Budapest, und "jcm" meldet, dass die Schweizer Monatshefte die Rechtschreibreform sabotieren wollen.

Besprochen werden Kim Ki-duks Film "Frühling, Sommer, Herbst, Winter ... und Frühling" ("Hintergründiger hat kein anderer je von einem Paradiesgarten und seinen wie Jahreszeiten wiederkehrenden Gefährdungen erzählt", findet H.G. Pflaum), Roland Emmerichs neuer Katastrophenfilm "The Day After Tomorrow" (dessen kühle Klarheit Fritz Göttler angesichts der blutigen, grauenvollen Szenen von den Kriegs- und Terrorschauplätzen zwischen Irak und Madrid richtig tröstlich fand: "Ein Sturm geht durch die Welt und wirbelt alles Überflüssige hinweg"), zwei Ausstellungen in den Uffizien: "Botticelli e Filippino" und "Bindo Altoviti tra Raffaello e Cellini", die Dietmar Polaczek das Janusgesicht dieser Epoche zwischen Kunstsinn, Blutrunst und Geldgier zeigten, die holländische Designausstellung "Simply Droog" im Münchner Haus der Kunst, die Musical-Adaption von Jean-Claude Forests "Barbarella" im Wiener Raimund-Theater. Thomas Kling schließlich schreibt zum Abschluss der Gunnar-Ekelöf-Gesamtausgabe.