Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
13.03.2004. In der FAZ schildert Javier Marias das Schweigen in Madrid. In der NZZ beklagt Hans Haacke das  dubiose Mäzenatentum von Sponsoren. Die FR sieht im Terrorismus von Eta und Al Qaida ein voneinander lernendes System. Die taz vermisst die Autobahn in der deutschen Nachkriegsliteratur. Die SZ ruft angesichts der Bombenanschläge den Tod Alteuropas aus. In der Welt meditiert Viktor Jerofejew über Wladimir Putins magnetische Leere.

FAZ, 13.03.2004

Wenn Stille in der Stadt ist, so erzählt der Schriftsteller Javier Marias, weiß er, es hat einen Anschlag gegeben. Denn dann treten in den spanischen Städten die Angestellten auf die Straße und verharren ein oder zwei Minuten in Schweigen. "Ihnen schließen sich all die Menschen an, die es möchten, in der Regel alle Passanten in der Nähe. Es ist eindrucksvoll, dieses Schweigen, das zugleich Trauer und Verdammung ist, ein kollektives Schweigen von Menschen, die ihre Tätigkeiten oder ihren Weg unterbrechen und still mitten auf der Straße stehen bleiben."

Dietmar Dath stellt einen "klugen und beeindruckenden" Dokumentarfilm über Selbstmordattentäter vor, der am Sonntag im Spiegel TV Magazin gezeigt wird: "In Gottes Namen - Die Rekruten des Heiligen Krieges" von dem israelischen Filmautor Dan Setton und seinen deutschen Kollegen Helmar Büchel und Kerstin Mommsen. "Dass todgeweihte Regimes wenigstens einen guten Platz im Himmel ergattern wollen, leuchtet ein. Dass man das aber auch den schönen, empfindsamen jungen Menschen verkaufen kann, die dieser Film zeigt, wie anderswo ihresgleichen den Imperativ, gefälligst ein Superstar oder eine Eliteschülerin zu sein, ist unheimlich. Der Westen im Zerrspiegel: So etwas macht Angst. Und das sollte es auch."

Weitere Artikel: Die spanische Regierung wäre erleichtert, wenn die Anschläge in Madrid tatsächlich von der Eta und nicht von Al Qaida verübt worden wären, schreibt Paul Ingendaay: Wäre Eta der Urheber, ließe die Tat in eine "inständigen Bitte um die absolute Mehrheit bei den Wahlen am Sonntag" ummünzen. Kämen die Täter jedoch aus den Reihen der Al Qaida, "dann könnte es heißen, Aznar habe Spanien gegen den Willen der Bevölkerungsmehrheit an die Seite der Vereinigten Staaten" in den Irakkrieg gezwungen. Jürgen Kaube meldet, dass das Berliner Antiquariat J. A. Stargardt auf seiner nächsten Auktion am 23. und 24. März im Berliner Opernpalais eine Sammlung von mehr als neunzig Autographen aus dem Nachlass des Kunsthistorikers Kurt Bauch anbietet. Der größte Teil dieses Konvoluts besteht aus Briefen Martin Heideggers aus den dreißiger und vierziger Jahren. Wolfgang Eckart erinnert an den vor 150 Jahren verstorbenen Mediziner Paul Ehrlich.

In den Resten von Bilder und Zeiten erinnert Claus Pias an den Ingenieur Stafford Beer, der Anfang der siebziger Jahre Chile in einen kybernetischen Staat umwandeln wollte. Mit Hilfe von elektronischen Medien sollten "Lektüre und Intervention in ein zeitkritisches Verhältnis zueinander treten". Ein Beispiel: "Beers Vorschlag, der sich auf Brecht berufen könnte, aber von der Demoskopie Paul Lazarsfelds herkommt, verwandelt Verantwortung zu Antwort in Echtzeit. Noch während die Leute den Parlamentsreden am heimischen Fernseher folgen, drehen sie an einem Zufriedenheitsknopf - beschriftet mit 'happy'/'unhappy'. Über das Telefonnetz werden die Spannungen übertragen, gemittelt und sofort als Balkendiagramm auf dem Monitor des Redners eingeblendet ... Gute Politik ist die, die dem Volk ein gutes Gefühl gibt - ein Gefühl im grünen Bereich, falls es schon Farbfernseher hat. Regieren und 'instant market research' fallen in dieser neuen Öffentlichkeit schlicht zusammen." Abgedruckt ist außerdem ein Auszug aus Ivan Nagels Buch "Das Falschwörterbuch - Krieg und Lüge am Jahrhundertbeginn". In dem Auszug vergleich Nagel Jacques-Louis Davids Gemälde "Schwur der Horatier" mit Goyas Kupferstich "Und keine Rettung".

Auf der Medienseite schildert Lisbeth Rausing antisemitische Serien der Hisbollah, die via Satellit auch in Europa empfangen werden können. "... zumindest wird man sagen müssen, es ist besorgniserregend, dass die arabischen Gemeinschaften in Europa über Satellit und Internet die Möglichkeit haben, sich gegen die Aufklärungstraditionen jener Länder abzuschotten, in denen sie leben. Es muss Grenzen geben für Europas Toleranz gegenüber dem bösartigen antisemitischen Unsinn, mit dem manche arabischen Gemeinschaften auf ihre eigenen Minderwertigkeitsgefühle reagieren und der manchen arabischen Herrschern gelegen kommt, weil sie damit von ihrer Unfähigkeit ablenken möchten." Paul Ingendaay beschreibt angewidert die Fotos von Opfern der Bombenanschläge in Madrid, die die spanischen Zeitungen abgedruckt haben. Und Jürg Altwegg berichtet, dass der Flugzeugbauer Serge Dassault den Pariser Figaro kauft. Dassault lasse keinen Zweifel daran, dass er in der Zeitung künftig "seine Ideen" verbreiten will. "Und wieder verschwindet eine Pressegruppe. Bereits Frankreichs größter Medienkonzern Hachette gehört einem Waffenhersteller und Flugzeugbauer. Eigentümer des führenden Privatsenders TF1 ist ein Bauunternehmer. Mehrere Wirtschaftstitel werden von Großindustriellen kontrolliert, über die nicht mehr kritisch berichtet werden kann", beschreibt Altwegg die Situation.

Besprochen werden die Uraufführung von Martin Heckmanns Stück "Kränk" im Frankfurter Kammerspiel, Carl Franklins Film "Out of Time" mit Denzel Washington, Schlöndorffs Inszenierung von Eric-Emmanuel Schmitts "Enigma" im Berliner Renaissance-Theater, ein "Othello" an der Opera Bastille und Bücher, darunter Jan Wagners zweiter Gedichtband "Guerickes Sperling" (siehe auch unsere Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Auf der Schallplatten- und Phono-Seite geht's um CDs von The 4 Of Us und Sophie Zelmani, eine Aufnahme von Alban Bergs Violinkonzert mit Daniel Hope, Oxfords New College Chor mit Lasso und Palestrina sowie den Mitschnitt einer Aufführung des "Fidelio" vom 24. Februar 1961, dirigiert hatte Otto Klemperer.

In der Frankfurter Anthologie stellt Ludwig Harig ein Gedicht von Hans Arp vor:

"Schneethlehem

Das Schnee- und Hagelwittchen fällt
wie Fallsucht und von Fall zu Fall.
Es fällt weil es gefällig ist
und jedesmal mit lautem Knall.

Es fällt in seinen Todesfall
das Haar mit Fallobst dekoriert.
Den Fallschirm hat es aufgespannt.
Die Todesclaque applaudiert.

..."

NZZ, 13.03.2004

In Literatur und Kunst spricht der Künstler Hans Haacke in einem Interview über Macht und Einfluss von Kuratoren und Mäzenen in der Kunst. "Wenn wir über Kassenschlager sprechen, sollten wir nicht das dubiose Mäzenatentum von Sponsoren übersehen. Aus einsichtigen Gründen suchen sie sich für ihre steuerbegünstigte Werbung mit anderen Mitteln Ausstellungsprojekte aus, die große Besucherzahlen und ein positives Echo versprechen. Darin sind sie sich mit den Bedürfnissen der politischen Klasse, die sich durch Besucherzahlen und Ruhe im Land gerne bestätigt sehen möchte, einig. 'Gesicherte Werte' der Vergangenheit und aus exotischen Ländern versprechen das eher als Gegenwartskunst. Selten werden Klassiker und ihre Umwelt in einer historisch kritischen Weise präsentiert, die es erlauben würde, Geschichte in die Gegenwart zu verfolgen und Parallelen in Verhaltensmustern von heute zu entdecken. Aufklärung im Sinne emanzipatorischer Erkenntnis könnte den Investitionszielen schaden. So wäscht die öffentliche Hand häufig die private Hand, ohne dass ihr das Händchenhalten immer bewusst ist."

Weitere Artikel: Am 17. März 2004 jährt sich die Weimarer Uraufführung von Friedrich Schillers "Wilhelm Tell" zum 200. Mal. Aus diesem Anlass hat die Wochenendbeilage dem Stück einen Schwerpunkt gewidmet. Hermann Beil, der 1989 die Dramaturgie für Peymans "Tell-Inszenierung am Wiener Burgtheater übernommen hatte, schreibt über Fragen aus theaterpraktischer Perspektive. Anselm Gerhard schreibt über den Tell als Opernstoff. Peter Utz untersucht die "aktuelle Befremdlichkeit" des Stücks. Ursula Perucchi-Petri schreibt über Pierre Bonnard und seine Modelle.

Im Feuilleton beschreibt Markus Jakob sehr nachdrücklich die Reaktionen in Spanien auf die Bombenanschläge. Martin Meyer erkennt Parallelen zwischen der "Tugenddiktatur" der Französischen Revolution und dem "Ideenterrorismus der Eta und Al Qaidas.

Besprochen werden die Ausstellung "Il Nudo" in der Kunsthalle Bologna, eine Ausstellung zu Ludwig Hohl im Literaturarchiv in Bern, die Uraufführung der Choreografie "Kassandra speaking in twelve voices" von Anne Teresa De Keersmaeker und Jolente De Keersmaeker im Kaaitheater in Brüssel und Bücher, darunter Klaus Merz' "Löwen Löwen" und Alan Tschertschessows Roman "Ein Kranz für das Grab des Windes" (siehe auch unsere Bücherschau heute ab 14 Uhr).

FR, 13.03.2004

Im Feuilleton-Leitartikel macht sich Harry Nutt Gedanken darüber, was sich mit dem Anschlag von Madrid verändert hat: "Im Moment, da eine Zuordnung der Attentate zur baskischen Terrororganisation ETA oder zu islamistischen Gruppen des Al Qaida-Netzes noch nicht mit Gewissheit möglich ist, zeigt sich der Terrorismus bereits als ein wucherndes, in seiner Schreckens- und Todesproduktion eben auch voneinander lernendes System, das nicht einmal mehr auf Identität und Identifikation aus ist. Noch ehe die Urheber ausgemacht sind, wird klar, dass die Anschlagskette auf die drei Bahnhöfe von Madrid nicht auf ein Problem spanischer Innenpolitik zu reduzieren ist."

In sehr viel lokalpolitischerer Angelegenheit informiert Frank Keil über den neuesten Stand in Sachen des frei werdenden Postens der Hamburger Kultursenatorin: Armgard Seegers, Journalistin und Ehefrau von Hellmuth Karasek, soll es jedenfalls schon mal nicht werden. In Baden-Baden erkundet eine Ausstellung (Website) den Begriff der "Seele" und fragt danach, wie sich Konstruktionen von Innerlichkeit in den öffentlichen Raum projizieren lassen. "Rudimentärkommunikation" der überzeugenden Art hat Peter Michalzik bei der Frankfurter Uraufführung von Martin Heckmanns' (mehr über ihn) Stück "Kränk" erlebt. Gescheitert dagegen, findet jedenfalls Marion Ammicht, ist die Münchner Inszenierung von Dea Lohers Stück "Klare Verhältnisse".

Außerdem: Die Country-Sängerin Eleni Mandell (mehr), behauptet Adam Olschewski in seiner Liebeserklärung, versöhnt einen mit allen Schwächen Amerikas, obwohl oder weil ihre Qualitäten von der eher unspektakulären Sorte sind. Renee Zucker berichtet nach wie vor aus Indien, diesmal von ihrer Reisegefährtin Michelle, die sich auf dem Weg "from here to Nirvana" befindet.
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TAZ, 13.03.2004

Schmerzlich, findet Jan Brandt, fehlt der deutschen Nachkriegsliteratur die Autobahn: "Es ist, als gäbe es Berührungsängste zwischen Autoren und Autobahn. Das längste Bauwerk des Landes hat in der deutschen Literatur seit 1945 kaum Spuren hinterlassen. Im Dritten Reich wurde im Gegensatz zur Nachkriegszeit eine Fülle von belletristischen Werken publiziert, in denen die Autobahn eine Rolle spielt - zu einer Zeit, als erst wenige Abschnitte fertig gestellt waren und sich kaum jemand ein Auto leisten konnte." Ein paar Texte hat Brandt dann übrigens doch gefunden.

Weitere Artikel: Gerrit Bartels berichtet vom Saisonauftakt im Literarischen Colloquium Berlin - junge Autorinnen und Autoren stellten sich und ihre jüngsten Werke vor. Nicht weniger als 166 Zeilen verliert Tobias Rapp über eine Band, die "dumm ist wie Brot" und doch signifikant, weil sie das "Ende der Poplinken" anzeigt: Mia (mehr hier). Eine große Ausstellung widmet das Museum Ludwig in Köln dem zuletzt weniger als Maler denn als Skandalon sehr prominenten Jörg Immendorf. An der Berliner Volksbühne inszeniert Sebastian Hartmann Majakowski, aber ein bisschen hektisch, bedauert Jan Engelmann. Gar keine Freude hatte auch Anke Leweke mit Jan Schuettes Film "Supertex".

In der tazzwei informiert uns Jörg Schallenberg über alles, was wir zum Thema 1860 München und Karl-Heinz Wildmoser schon immer nicht wissen wollten und stellt dabei lapidar fest: "Der TSV 1860 ist heute, nach zwölf Jahren Wildmoser-Diktatur, nur noch ein, den Vereinsfarben gemäß, babyblaues Nichts. Es gibt interessantere Vereine. Den VfL Wolfsburg zum Beispiel. Oder, bayerisch betrachtet, die Spielvereinigung Unterhaching."

Über die Geschichte Haitis in Literatur und Wirklichkeit erfahren wir im tazmag alles Nötige von Toni Keppeler: "Haiti hatte erst einen schwarzen Kaiser, dann einen schwarzen König. Beide lebten in Saus und Braus und versuchten, das von den Franzosen geerbte Ausbeutungssystem bis zur Perfektion zu steigern. Für beide stehen noch heute Denkmale in Port-au-Prince. Sie waren und sind die Vorbilder all der folgenden Autokraten, bis hin zu Papa Doc und Jean-Bertrand Aristide."

Außerdem: Der Jurist Horst Meier denkt noch einmal über den Fall Deschner und schlechte Gründe für Polizeifolter nach. Zu Michel Friedmans Comebackversuch macht sich Silke Burmester Gedanken. Von einer Mutter, die Depressionen hat, und einer Tochter, die deshalb die Welt nicht versteht, erzählt in einem autobiografischen Text Hanna Bacher. Michael Rutschkys Freund, der Hund, ist tot: ein nüchterner, aber bewegender Bericht vom Ende eines Spaniels.

Besprochen werden unter anderem Bücher über die Autobahn im Dritten Reich und in der DDR und Paula Fox' Erstling "Pech für George" (mehr in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Und Tom.

Welt, 13.03.2004

Viktor Jerofejew meditiert im Essay der Literarischen Welt über die Figur des morgen wiedergewählten Wladimir Putin und seine magnetische Leere: "Woher kommt diese unterbewusst wirkende Anziehungskraft von Putin? Kommt das nicht vielleicht daher, dass er leer ist wie ein Schauspieler, der jede Rolle spielen kann und dabei ihrem Inhalt gegenüber absolut gleichgültig bleibt?"

Empfehlenswert auch Ruth Klügers lange Rezension von John le Carres neuem Roman "Absolute Freunde".

SZ, 13.03.2004

Falls das E-Paper funktioniert, kann man die Artikel hier nachschlagen.

Wär es nicht so ernst, so könnte man sagen: Es hat ja auch seine komischen Seiten, wenn sich die Feuilletons am Tag nach solchen Ereignissen zu ihren erhabenen Assoziationsketten aufschwingen. Ulrich Raulff ruft heute zum Beispiel das "Ende der symbolischen Politik" aus und stöhnt ohne weitere Worte zu den 199 Toten, die ja eigentlich keine Opfer der Innenminister sind, über eine nun zu erwartende Verschärfung der Sicherheitsgesetze in Europa: "Unwillentlich werden wir zu Zeugen eines unbürgerlichen Trauerspiels. Sein Titel lautet 'Der Tod Alteuropas'. Aber nicht Donald Rumsfeld ist der Mörder; Alteuropa stirbt von eigener Hand. Der Kontinent, der die freie Stadt und den öffentlichen Raum hervorgebracht hat, ist dabei, sich im Netz des verallgemeinerten Ausnahmezustands zu verlieren. Der Ausnahmezustand, schreibt der italienische Philosoph Giorgio Agamben in seinem gleichnamigen Buch (demnächst bei Suhrkamp), ist heute dabei, zum herrschenden Paradigma des Regierens zu werden."

Aber so wichtig sind die Attentate von Madrid schließlich gar nicht: Auf der berühmten Seite 3 stellt eine souverän disponierende Chefredaktion die Krise von 1860 München über die Ereignisse in Madrid.

Weitere Artikel im Feuilleton: Fritz Göttler glossiert die Tatsache, dass Martha Stewart mit ihren zu erwartenden Memoiren Profit aus ihrem Verbrechen schlagen würde. Die russische Publizistin Ekaterina Degot beklagt am Tag vor der Wahl in Russland die "Sowjetnostalgie der Intelligenzija". Jeanne Rubner kommentiert, dass "wer Bildungsausgaben kürzt, von Elite-Unis nicht träumen darf". Dirk Peitz berichtet, dass in Los Angeles Rapper von der Polizei beobachtet werden. Bob Purkiss, Vorsitzender des EU Monitoring Centre against Racism beobachtet in einem interessanten Artikel subtile Differenzen in der Integration (und Ausgrenzung) von Migranten in Deutschland und in Großbritannien. Gustav Seibt begleitete Bundestagsabgeordnete der CDU zu einer Vorführung von Mel Gibsons "Passion"-Film. Alexander Kissler berichtet über eine Klage von Reformjuden gegen die Bundesregierung, die den orthodoxen Zentralrat der Juden als einzigen Repräsentanten der Juden anerkennt. Stefan Koldehoff schildert einen Fälschungsskandal um den New Yorker Kunsthändler Ely Sakhai.

Besprochen werden Eric-Emmanuel Schmitts Stück "Enigma" mit Mario Adorf am Renaissance-Theater Berlin, Aelrun Goettes Film "Die Kinder sind tot", die Ausstellung "Multiple Räume" über "Konstruktionen des Innerlichen in der Kunst" in der Kunsthalle Baden-Baden, Haflidi Hallgrimssons Oper "Die Welt der Zwischenfälle" in Lübeck, Deha Lohers Stück "Klaras Verhältnisse" in Stefan Rottkamps Inszenierung an den Münchner Kammerspielen und natürlich Bücher, darunter in seiner sehr großen und schönen Besprechung von Burkhard Müller die Werkausgabe der Dichterin Gertrud Kolmar. (Siehe unsere Bücherschau ab 14 Uhr).

Auf der Medienseite findet sich ein von Chefredakteur Hans Werner Kilz höchstpersönlich sowie Hans-Jürgen Jakobs geführtes Interview mit dem Springer-Chef Mathias Döpfner, der der Welt - sofern Springer Gewinn macht - 30 Jahre sichere Existenz verspricht (die Drohung einer Aufgabe der Zeitung bei einer Fusion von Berliner Zeitung und Tagesspiegel scheint also vom Tisch).

In der SZ am Wochenende bedauert Benjamin Henrichs, dass die Werbung im Geiz-ist-geil-Zeitalter an Charme verliere. Evelyn Roll erinnert an eine Begegnung zwischen Johannes Rau und Rudi Dutschke im schönen Jahr 1968. Der Schriftsteller Alex Capus erzählt die Geschichte des "Schweizer Soldaten Max Waibel, der auf eigene Faust den Zweiten Weltkrieg um zwei Monate verkürzte". Und Gabriela Herpell unterhält sich mit David Byrne (ehemals Talking Heads) über Schüchternheit.