Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
14.06.2003. Die Biennale von Venedig kommt allgemein schlecht weg: Die SZ rettet sich in die "Zone of Urgency". Die FAZ diagnostiziert Hysterie. Die NZZ findet nur noch Rinnsale, wo eines der Canale Grande war. Die taz löst in einem sehr lesenswerten Dossier die Rätsel des 17. Juni. Die FR findet, dass Hillary Clinton mit den Jahren immer schöner wird.

FAZ, 14.06.2003

Thomas Wagner ist auf der Biennale Venedig durch die Nationenpavillons geschlendert und äußert sich gelinde enttäuscht: "Woran es der Biennale mangelt, sind kraftvolle Statements, die nicht nur eine Gesinnung ausstellen, sondern auch in der künstlerischen Form überzeugen. Kurz: Es fehlt an Persönlichkeiten, deren Werke nicht nur Bausteine im neuesten Spiel ambitionierter Kuratoren sind."

Auch Niklas Maak, der sich das Arsenal vorgenommen hat, ist nicht unbedingt begeistert. In Christoph Schlingensiefs "Church of Fear" aber fand er eine bündige Formulierung der heutigen Problematik: "In Venedig hat Schlingensief seinen Angstgottesstaat errichtet; er besteht aus der weißen Kapelle im Arsenal und, am Eingang der Giardini, sieben Pfahlsitzern, die in einem neurotischen Abstand zum Boden unter Sonnenschirmen auf abgesägten Baumstämmen hocken, die Schlingensief im Boden einbetonieren ließ. Der einzementierte Baumstamm mit den fliegengleich daraufhockenden 'Terrorgeschädigten' ist das zwingendste, absurdeste und schönste Bild für die Hysterie und die Orientierungslosigkeit, die sich als Thema durch die gesamte Biennale zieht; auch die Kunst hängt hier auf seltsamen Bäumen."

Weitere Artikel: Andreas Rossmann kommentiert die Ernennung Jürgen Flimms als Nachfolger Gerard Mortiers in der Leitung der Ruhrtriennale. Gemeldet wird, dass die verloren geglaubte Warka-Vase, einer der bedeutendsten Kunstschätze Bagdads, zurückgebracht wurde. Andreas Kilb schreibt zum Tod von Gregory Peck ("Einen Captain wie ihn wird es so bald nicht mehr geben"). Heinrich Wefing weist auf zwei politische Neuerscheinungen in den USA hin: die neue Kennedy-Biografie "An Unfinished Life", ein "glänzendes Werk" des Bostoner Historikers Robert Dallek, und natürlich Hillary Clintons Memoiren (hier die Kritik aus der NY Times zu Dallek, eine lange Leseprobe und ein Interview mit dem Historiker aus Atlantic Monthly). Anne von Münchhausen gratuliert Judith Kerr, Tochter des Kritikers und Autorin von "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl", zum Achtzigsten. Michael Gassmann resümiert einen Bonner Vortrag des Kardinals Lehmann zum Thema "Ethik am Lebensbeginn". Gerhard R. Koch gratuliert dem Bergman-Schauspieler Erland Josephson zum achtzigsten Geburtstag. Dietmar Polaczek meldet, dass die italienische Polizei eine gestohlene "Anbetung" von Parmigianino sichergestellt hat. Joseph Croitoru blickt in osteuropäische Zeitschriften, die sich mit dem Thema Religion in Europa auseinandersetzen. Hanno Rauterberg stellt die Frage, ob Tom Stromberg seinen Vertrag als Intendant des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg wird verlängern können, obwohl Kultursenatorin Horakova ihn nicht mag ("ein Drama").

Die FAZ-Online meldet, dass Susan Sontag im laufenden Sommersemester Poetik in Tübingen lehren wird.

Auf der Medienseite erzählt Josef Oerhlein über das gefährliche Leben der Journalisten in Brasilien. Michael Hanfeld weist auf die Veranstaltung "Jugend debattiert" hin, die im Schloss Bellevue in Berlin stattfinden soll. Frank Kaspar hat Sendungen über den 17. Juni im Radio gehört.

In den Ruinen von Bilder und Zeiten hält Gerhard R. Koch eine Laudatio auf den Barockmusiker und ersten Empfänger der Leipziger Bach-Medaille Gustav Leonhardt. Marcel Reich-Ranicki schreibt über die Zusammenarbeit zwischen Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss.

Besprochen werden ein Spektakel nach Ovids "Metamorphosen" des Musikers Franz Wittenbrink in den Münchner Kammerspielen, die Filmkomödie "Bruce Almighty" mit Jim Carrey (folgende Episode fand Patrick Bahners hier verfilmt: "Don Martin hat in 'Mad' einen Tag aus dem Leben des jungen Moses gezeichnet. Er will seine Suppe nicht essen. Da kommt ihm die Erleuchtung, er breitet die Hände aus, und die Brühe tritt in zwei halbe Portionen auseinander"), ein "Tristan" und ein "Idomeneo" in Glyndebourne, eine Ausstellung über den "Bauhausstil" im Bauhaus Dessau und natürlich Bücher, darunter Gedichte von Michael Lentz ("Aller Ding") und eine Reportage von Wolfgang Büscher ("Berlin-Moskau"). (Siehe unsere Bücherschau ab 14 Uhr.)

Auf der Schallplatten-und-Phonoseite gratuliert Joseph Hanimann Johnny Hallyday zum Sechzigsten. Und sonst geht"s um das neue Album der "Stereophonics", um eine CD des Pianisten Alexei Lubimov mit Werken von Valentin Silvestrov und um Kammermusik-CDs mit Martha Argerich.

In der Frankfurter Anthologie stellt Renate Schostak ein Gedicht von Conrad Ferdinand Meyer vor - "Stapfen":

"In jungen Jahren war's. Ich brachte dich
Zurück ins Nachbarhaus, wo du zu Gast,
Durch das Gehölz. Der Nebel rieselte,
Du zogst des Reisekleids Kapuze vor
Und blicktest traulich mit verhüllter Stirn..."

NZZ, 14.06.2003

In den anderen Zeitungen scheint die von Habermas lancierte "Kerneuropa"-Debatte schon der verdienten Vergessenheit anheimgefallen. In der NZZ erklärt Aldo Keel, wie sich 'Kerneuropa' von Skandinavien aus darstellt: "Als kleine EU-Staaten sind die skandinavischen Länder in diesen Wochen und Monaten, wo um eine EU-Verfassung gerungen wird, darauf bedacht, möglichst wenig von ihrem Einfluss abzugeben. Dieser Kampf, und nicht die Debatte um 'Kerneuropa', ist das große Europa-Thema der dänischen Presse. 'Kerneuropa' und europäische Aussenpolitik vermitteln den Blick von oben, die Perspektive des Großen, während im Norden eher der Blick von unten, der Wunsch nach einer Demokratisierung der EU vorherrscht."

Samuel Herzog besucht die Biennale in Venedig und vergleicht die Arbeit des Kurators Francesco Bonami mit der des Urvaters aller Kuratoren, Harald Szeemann: "Gab es bei Szeemann noch so etwas wie einen Canal Grande zu erkennen, um den herum die Nebenkanäle angelegt waren, so haben wir es nun mit einem hierarchielosen System aus Grachten und Rinnsalen zu tun. Und schritt uns Szeemann noch aufrecht mit einem Fähnchen voran, so müssen wir uns nun ganz alleine einen Weg durch das Dickicht des Angebots suchen." Und das bei dieser Hitze!

Weitere Artikel: Rolf Niederer schreibt zum Tod von Gregory Peck. Uwe Justus Wenzel fragt anhand einer einschlägigen Neuerscheinung, was "Medienphilosophie" sei. Besprochen werden ein "Zauberflöten"-Ballett des Bejart Ballet Lausanne und Reinhard Jirgls Roman "Die Unvollendeten" (mehr hier).

Literatur und Kunst schafft es wie jede Woche, Gelehrsamkeit interessant zu präsentieren: Axel Christoph Gampp schreibt über "Die Beschleunigung als kunsthistorisches Phänomen seit dem 15. Jahrhundert". Sebastian Goeppert und Herma Goeppert-Frank stellen Pablo Picassos wenig bekannte Illustrationen zu einer Ode von Pindar vor, die demnächst auch in einem Buch der Insel-Bücherei veröffentlicht werden. Thomas David porträtiert den französischen Autor Patrick Modiano als "einen der diskretesten" unter den großen europäischen Schriftstellern. Barbara Villiger Heilig bespricht zugleich Modianos letzten Roman "Die kleine Bijou". Marc Zitzmann stellt den hierzulande gänzlich unbekannten französischen Autor Olivier Cadiot vor. Und Alexandra Stäheli meditiert über den "undarstellbare Feind im amerikanischen Film".


TAZ, 14.06.2003

Der 17. Juni 1953 dominiert die taz auf den vorderen Seiten: Wie der Aufstand überhaupt zustande kam und wie wir uns an ihn erinnern, darüber spricht der Historiker Lutz Niethammer (Kurzportrait): "Seine wirklichen Rätsel sind nicht gelöst. Wie entsteht ein solcher Funke, der in nur einem Tag auf den Großteil eines Landes überspringt? Wie ist das möglich bei den Deutschen, die ja wirklich kein revolutionserprobtes Volk sind?"

Weitere Artikel im Schwerpunkt: Waltraud Schwab hat im sächsischen Zodel recherchiert, dem östlichsten Dorf Deutschlands, wo der Widerstand sehr hartnäckig war. Arno Frank beschreibt die Rolle des Westberliner Rundfunksenders Rias während des Aufstandes. Dazu gibt es Ausschnitte aus der Berichterstattung. Klaus-Helge Donath weiß, dass vor dem 17. Juni die Wiedervereinigung Deutschlands schon beschlossene Sache war. Wolfgang Kraushaar schildert Rudi Dutschkes Bemühungen um die deutsche Frage und seine angestrebte "Wiedervereinigung von links". Christian Semler entdeckt Parallelen zwischen 1953 und 1989. Außerdem gibt es eine Chronologie der Ereignisse vor, kurz vor, während, kurz nach und nach dem 17. Juni.

Im Feuilleton schreibt Thomas Winkler zum Tod des "schönsten aller Hollywoodschauspieler" Gregory Peck. Harald Fricke meldet sich von der Biennale in Venedig und beschreibt Christoph Schlingensiefs "Church of Fear", Candida Höfers menschenleere Fotografien und Martin Kippenbergers verfeinerten Humor. Sebastian Handke bespricht "Das magische Labyrinth", Max Aubs monumentales, sechsbändiges Epos über den spanischen Bürgerkrieg.

Auf der Medienseite unterstellt Arno Frank Presse und Gesellschaft eine merkwürdige Kokainhysterie. Dörte Franke prangert die Amerikanisierung des Unbewussten durch Kabel 1 an. Ausserdem gibt es einen Überblick zum dokumentarischen Wochenendprogramm über den 17. Juni.

Im tazmag spricht der Fotograf, Kunstwissenschaftler und Medientheoretiker Rolff Sachsse (zur Person) über unterschätzte deutsche Fotografen, schwule Pornografie und Adolf Hitler als weltersten Popstar. "Als Designsystem konstruierte dieses Starsystem tatsächlich Realitäten, die nicht mehr auf ihren Wirklichkeitscharakter befragt werden müssen. Das ist absolut neu in der Zeit. Das ist auch der Unterschied zum New Deal unter Roosevelt. Da hat man diese Stars nicht konstruieren können. Das kommt in Amerika erst in den Vierzigerjahren. Das kommt erst mit der Kriegspropaganda und deren Nachfolger, Frankieboy und so weiter."

Außerdem sinniert der Publizist Robert Misik über die Militärrhetorik der Linken. Susanne Knaul porträtiert den ehemaligen Mossad-Spion Judke Taggar, der für Israel in Bagdad spionierte und neun Jahre Gefängnis überstand (Hintergrund israelisch-irakische Beziehungen). Last but not least druckt die taz "Geschlechtstiere", eine bisher unveröffentlichte Liebesgeschichte von Cornelia Kurth.

Schließlich Tom.
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FR, 14.06.2003

Ursula März fragt sich, wie es Hillary Clinton gelingt, so unaufhaltsam immer weiter nach oben zu steigen. "Denn die Senatorin des Staates New York und frühere First Lady wurde im Lauf von 57 Jahren Zug um Zug attraktiver, schöner, gelöster und sieht heute besser aus denn je." Ihre Autobiografie, schreibt März, hat den Zweck, "das Bild eines modernen Zoon politikon weiblichen Geschlechts zu entwerfen. Und bevor man das Buch zur Seite schiebt, stöhnend über seine Schönrednerei, seine sterile, auch phrasenhafte Diktion, seine Unbildlichkeit, seine monotone Dramaturgie, seine Moralgetränktheit, seine jede Erfahrung, jeden Gedanken der Vernünftelei zutreibende Glätte, kann man sich fragen, ob es als Projekt Hannah Arendt gefallen hätte. Einiges spricht dafür."

Weitere Artikel: Angela Schmitt-Gläser verabschiedet den von ihr bewunderten Gregory Peck, von dem sie weiß: "Männer wie er brauchen lange, um richtig küssen zu können." Christina Schlüter schreibt zum Tod des scharfsinnigen, dabei charmanten und eleganten britischen Philosophen Bernard Williams, des "großen Vermittlers" zwischen den verschiedenen Denktraditionen. Stefan Keim ist zuversichtlich, dass der Theaterdiplomat Jürgen Flimm ab 2005 als Intendant der Ruhrtriennale die richtige Wahl ist. Renee Zucker überlegt in "Zimt", ob Möllemann und Friedmann nicht doch vieles gemeinsam hatten, den ausgeprägten Hang zum Halbseidenen etwa. Frank Keil kommentiert Dana Horakovas überfallartige Neubesetzungen in den Aufsichtsräten von vier Kulturhäusern Hamburgs. Gemeldet wird die Verleihung des Herbert-von-Karajan-Musikpreises an die Geigerin Anne-Sophie Mutter.

Auf der Medienseite berichtet Oliver Gehrs vom Buhlen der ARD um Sandra Maischberger.

Besprochen werden heute Bücher, darunter zwei Romane des serbischen Erzählers David Albahari, Peter Burkes Angriff auf die bilderlose Geschichtswissenschaft sowie der erste Werkkatalog des Fotografen Wolfgang Tillmans (mehr hier) "If One Thing Matters, Everything Matters" (mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr).

Das Magazin ist diesmal den Endlos-Rockern der Rolling Stones gewidmet: Ulla Schickling sucht Spuren im englischen Dartford und erntet nur Desinteresse. "'Wen interessieren denn noch die Stones?' sagt der Junge, der auf Inlinern die Spitalstreet hinuntersaust und kaum stoppen kann. Jetzt aber mal langsam: It's all over now - nie gehört? Wurde 1964 der erste Hit. Da wohnte Mick doch fast noch in Dartford, in der Denver Road. Der Junge zuckt mit den Schultern und deutet den Berg hinauf: Shepherds Lane, da müsste die Straße sein. Nirgendwo ein Wegweiser, nirgendwo ein Schild. Endlos scheint die Sheperds Lane, und menschenleer."

Bassist und Ex-Stone Bill Wyman redet von seinem Martyrium als Rocklegende: "Ich hätte so gerne mal in einem stinknormalen Restaurant ohne jeden Schnickschnack gegessen. Das war leider nie möglich. Es gibt Menschen, die starren dir eine Stunde lang auf den Teller und beobachten jede Geste von dir. Da vergeht dir der Appetit."

Desweiteren stellt Mareen Linnartz den Cilento vor, das Italien mit Zukunft. Und Klaus Betz bedauert, dass die Ökosteuer auf Mallorca schon wieder abgeschafftt wurde.

SZ, 14.06.2003

Auf der Biennale in Venedig hat Holger Liebs viel miserable Kunst gesehen, die Zone of Urgency allerdings hat ihn beeindruckt. "Diese Ausstellung ist eine Architektur gewordene Krise und arbeitet mit vorsätzlichen Frechheiten: Der Ausstellungsarchitekt Yung Ho Chang zwängt das schwitzende Previewpersonal durch enge Holzfluchten, lässt sie steile Rampen hochwandern und in winzigen Containern verschwinden. Sogleich stellt sich das beabsichtigte Gefühl der Hektik ein: Willkommen im Staate Paranoia. Von Bagdad nach Hongkong und wieder zurück: Krisengebiete gibt es ja genug. Yang Jiechang (ein kurzes Interview) hat potenzielle Terrorziele (Westminster Abbey, BASF, das Pentagon, den Drei-Schluchten-Damm) im weltweit geläufigen Postkartenstil gemalt: eine Orientierungshilfe?" Jörg Heiser tourt dagegen durch die nationalen Pavillons und fühlt sich ein wenig wie im Zauberland von Oz.

Weiteres: Nikolaus Piper windet sich bei Emmanuel Todds Nachruf auf die Weltmacht USA, denn "wenn ich Feuer unterm Dach habe, hilft es mir wenig zu wissen, dass beim Nachbarn der Keller unter Wasser steht." Fritz Göttler schreibt einen Nachruf auf Gregory Peck und bewundert dessen Distinguiertheit, Schönheit und Draufgängertum. Gustav Seibt langweilt sich eloquent und erfrischend boshaft über Michel Friedman und dessen kokaingestütztes "dreifaches Strebertum". Till Briegleb klagt über die neue Willkür in der Kulturpolitik wie etwa Dana Horakovas "Jubelperser". Willi Winkler erinnert sich an die braungebrannte Uschi Glas, die in den Medien umgekommen ist. Roswitha Budeus-Budde gratuliert der Schriftstellerin Judith Kerr zum Achtzigsten. Alexander Klose kommentiert Lion Feuchtwangers Brief aus einem kleinen schäbigen Hotel in Lissabon an Lola Humm-Sernau im Jahre 1940. " Wenn Sie Ihr amerikanisches Visum haben, zögern Sie nicht. Die Schwierigkeiten der Ausreise: das ist alles nur halb so schlimm."

Auf der Medienseite berichtet Christopher Keil von erschütternden Schräglagen beim Casting zur SAT1-Talentshow "Star Search". Cathrin Kahlweit informiert uns über Michel Friedmans Flucht nach Südeuropa und die Sorgen um seine Zukunft.

Besprochen werden Ute Rauwalds Inszenierung von Laurens "Drei Vögeln" in Darmstadt, Franz Wittenbrinks Liederabend "Metamorphosen" in München, ein Konzert mit Stücken von Wolfgang Rihm und Beethoven in Neuhardenberg, Michael Cuestas Debütfilm "L. I. E.", und Bücher, darunter Anne Atiks Reflexionen "Wie es war. Erinnerungen an Samuel Beckett", Antonio Lobo Antunes Frühwerk "Einblick in die Hölle" sowie Mirjana Stancics Biografie von "Manes Sperber" (mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr).

In der SZ am Wochenende lesen wir Jochen Missfeldts (Bücher) Erinnerungen an seine Heimat Schleswig-Holstein. " Heide und Sand, Flachsernte und Leinsamen, das Auto vom Beifahrersitz aus steuern und eine Staubwolke hinter sich herziehen, das war doch das Schönste, was ein schöner Sommertag im August zu bieten hatte. Das war die Geest, die größer als das östliche Hügelland war und viel größer als die Marsch an der Westküste."

Hayao Miyazaki hat mit "Chihiros Reise ins Zauberland" (mehr) den erfolgreichsten Film Asiens produziert, ist steinreich damit geworden und sagt "Unsere Kinder sind krank, die ganze Welt ist krank. Wir haben sie krank gemacht." Ingo Mocek hat die neue Regie-Ikone Japans besucht, das vergnügungskranke Japan erlebt und Chihiro, die Ausstiegsdroge, gesehen. "Der Film löscht die Grenzen zwischen Realität und Traum, Leben und Tod, Wachen und Schlaf. Und, eben: Er taucht tief ein in das Bewusstsein der Japaner, die uns in ihrer traurigen Buntheit womöglich furchtbar voraus sind!"

Ausserdem plädiert Monika Maron (mehr hier) mit dem Mut der Verzweiflung für mehr Gemeinsinn unter den Berlinern. Martin Urban sucht die Mitte aller Mitten und lernt von den alten Griechen: sie ist in uns. Der Chef des Oriental Hotel in Bangkok, Kurt Wachtveitl, spricht über die mechanische Verankerung des Deutschen, natürliche und gespielte Gastlichkeit und die Unfreundlichkeit von Günter Grass.