Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag

Im Fremdsein zu Hause

24.01.2023. Der Guardian sucht den Schlüssel zum Verständnis des heutigen Chinas in der Kulturrevolution. Tablet erklärt am Beispiel von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, was ein Zionologe ist. In Granta unterhalten sich Pico Iyer und Caryl Phillips über Migration und Heimat. Der New Yorker porträtiert Luis Lula da Silva. In Elet es Irodalom trauert Péter György um den Philosophen Gáspár Miklós Tamás.

Radikale in Festanstellung

17.01.2023. Der New Yorker empfiehlt wärmstens John Guillorys Essayband "Professing Criticism", eine wahre Soziologie der Literaturkritik. In Novinky fragt die Schriftstellerin Zuzana Kultánová, wie die Tschechen die 90er erlebt haben - jenseits von Disko und Havel. Elet es Irodalom und HVG trauern um den Philosophen Gáspár Miklós Tamás und den Verleger Géza Morcsányi. La vie des idees betrachtet den Niedergang der israelischen Arbeiterpartei. Die New York Times begutachtet von KI-Art metabolisierte Filmstills, die den Glanz des Neuartigen verbreiten.

Hochgeladener Geist

10.01.2023. Auch nach Lektüre des Kongress-Berichts zum Sturm aufs Kapitol versteht der New Yorker die Amerikaner nicht mehr. A2 und Novinki denken über den Zerfall der Tschechoslowakei vor 30 Jahren nach. Atlantic versucht sich als Konnektom in eine transhumanistische Welt zu denken. Ist Georgien noch eine Demokratie, fragt Osteuropa. Die LRB lernt, welche Rolle die Bingtuan bei der Unterdrückung der Uiguren spielen. In Words without Borders erzählt Jaroslav Kalfař wie er als Teenager in Florida Englisch lernte. Esquire sieht die Zukunft des Journalismus.

Ein kritisches Maß an Komplexität

20.12.2022. New Criterion sucht nach dem Einfluss Spaniens in den Gemälden von John Singer Sargent. Im New Statesman verabschiedet John Gray den Glauben an die Utopie einer demokratischen Weltordnung. Die New York Times rekonstruiert die russischen Entscheidungsprozesse im Ukrainekrieg. In Novinki erklärt die Politologin Eszter Kovátsová, wie AfD und Fidesz die Genderdebatte für ihre rechte Agenda nutzen. Poesie von Computern? Niemals, erklärt im MIT Press Reader der Psychologe und Dichter Keith J. Holyoak.

Fliegende Autos, Roboter-Mädchen, Hologramm-Lehrer

13.12.2022. Der Guardian glaubt nicht an den Erfolg der iranischen Protestbewegung - solange sie nicht weiß, was nach den Mullahs kommen soll. Der New Yorker macht uns mit der Quantenverschränkung bekannt. In Le Monde diplomatique besingt die Schauspielerin Fatym Layachi die Nächte in Casablanca. Die LRB wirft in Saudi-Arabien einen Blick auf die Welt, wie Consultingfirmen sie erträumen. Atlantic bewundert den Schnitt in T.S. Eliots "The Waste Land".

Jeden Morgen um 2 Uhr

06.12.2022. Der Kampf um Frauenrechte im Iran hat eine Vorgeschichte, die bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts zurückreicht, erzählt Dissent. Wie nachhaltig der Sektionalismus scheitern kann, beschreibt Africa is a Country am Beispiel Sudans. In Respekt erklärt Ivan Krastev den Unterschied zwischen einer Gesellschaft, die bangt, und einer, die Angst hat. Das New York Magazine porträtiert die Sci-Fi-Autorin Octavia Butler. Im Merkur denkt Christoph Möllers über den Begriff der Werte nach. Die Boston Review zeigt den Kapitalismus auf seinem Peak - in China. Wired lässt sich von Journalisten in Simbabwe erklären, warum Twitter trotz allem unersetzlich ist.

Gesundheit, Geld und Sex

29.11.2022. En attendant Nadeau stellt den jungen Dichter Hai Zi vor, eine Art Rimbaud oder auch Hölderlin Chinas, der mit 25 Jahren den Freitod wählte. Africa is a Country lernt erstaunt, dass es afrikanische Sklaven im Iran gab. Die LRB annonciert den Niedergang der USA. Eurozine erinnert an die erstaunliche Langlebigkeit von Semtex. In Sight and Sound erklärt Regisseur Michael Mann, warum er das digitale Kino liebt. Der New Yorker schildert das Geschäft mit Hospizen in den USA.

Was zum Teufel machen wir alle hier?

22.11.2022. Die LRB liest zwei Bücher zur Fußball-WM und Katar: 250 Milliarden Dollar hat Katar seit Vergabe des Turniers ausgegeben. Einen Entschädigungsfonds für ums Leben gekommene Wanderarbeiter möchte man aber lieber nicht einrichten, berichtet Prospect. Wie gut die Golfstaaten insgesamt im Sportswashing sind (und wie gern europäische Fußballclubs davon profitieren), erzählt Vanity Fair. In El Cultural rät die Schriftstellerin Cristina Morales von Dating Apps ab: Damit ist schlechter Sex garantiert. Harper's blickt auf den Wanderzirkus internationaler Organisationen, der in Niger floureszierende Cocktails schlürft. Der New Yorker reist ins antarktische Nichts.

Es tut mir wirklich leid, Pat

15.11.2022. Der Säkularismus hilft Indien nicht, wenn er benutzt wird, um das Kastenwesen zu übertünchen, meint Outlook India. Die London Review beobachtet beklommen, wie Tunesien zum Autoritarismus zurückkehrt. Der New Yorker versucht herauszufinden, was Taiwan im Fall eines chinesischen Angriffs von den USA erwarten kann. Die Taliban lernen gerade, wie man sich als Opfer religiösen Extremismus' fühlt, notiert Himal. Der Filmdienst entdeckt das tellurische Kino.

Der bürgerliche Charakter in uns

08.11.2022. In HVG sucht der ungarische Autor Laszlo Darvasi die Realität hinter den Wahnbildern der Ungarn. In The Atlantic spießt Adam Hochschild das Vorbild Putins für den Überfall auf die Ukraine auf: den weißrussischen General Anton Denikin. Im Merkur erinnert den Historiker Benedikt Sepp die Pose der Kritik bei den Querdenkern stark an die der Achtundsechziger. Das Hufeisen existiert, meint mit Blick auf Frankreich auch Desk Russie. Der New Yorker lernt von dem Historiker Pekka Hämäläinen, dass die Ureinwohner Amerikas ihre eigene Geschichte der Eroberungen haben.