Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag

Depressive Superhelden

01.11.2022. Die Führungslosigkeit der iranischen Protestbewegung ist nicht nur ein Problem, sondern auch eine Chance, beobachtet Azadeh Moaveni in der LRB, die außerdem eine Hommage auf Stuart Hall bringt. Die New York Times blickt auf den Klimawandel und kommt dabei ganz ohne Moralinsäure aus. En attendant Nadeau porträtiert den Diaristen Jura Rjabinkin, der im Alter von 16 Jahren bei der Blockade von Leningrad starb. In Gentlemen's Quarterly hadert Alan Moore mit der Rezeption seiner Comics.

Er hat das Aussehen eines Kommunisten

25.10.2022. Foreign Affairs hofft auf die Feministinnen in Mexiko, um mit der verheerenden Politik des Linkspopulisten Andrés Manuel López Obrador aufzuräumen. In HVG hofft der Ökonom Miklós Marschall auf die EU im Kampf gegen die Korruption in Ungarn. Die London Review sieht weit und breit niemanden, der sich nach Einverleibung der "Ideen des Sozialismus chinesischer Prägung im neuen Zeitalter" gegen Xi Jinping stellen könnte. The Nation lernt, wie gut FBI und MI5 schon in den Fünfzigern miteinander konnten, wenn es gegen Linke ging. Quietus würdigt das amerikanische Nischenkino der 70er.

Die Ahnungslosen

18.10.2022. En attendant Nadeau skizziert Prousts zwiespältige Beziehung zum Judentum. In HVG wundert sich Peter Nadas wie lang der Westen seine Pose des Ahnungslosen gegenüber Putin durchhielt. In Eurozine blickt die russische Autorin Katja Margolis verzweifelt auf die Gefühllosigkeit ihrer Landsleute gegenüber der Ukraine. New Republik erblickt in Oslo die Bibliothek der Zukunft. Wired stellt den Versuch vor, ein Netzwerk linker Medien in den USA aufzubauen.

Spukhafte Resonanz

11.10.2022. Atlantic untersucht die linke Cancel Culture in der amerikanischen Kunstwelt, der New Yorker das nationalistische Anschwärzen in Bollywood. Die New York Times berichtet, dass auch im franquistischen Spanien ärmeren Familien die Kinder geraubt wurden. In der LARB blickt Swetlana Alexijewitsch auf Russland und versucht zu begreifen, wie der Rote Mensch faschistisch wurde. Eurozine setzt auf die Wahrheit von Frauen über 45. In Elet es Irodalom erkennt der Philosoph Mihály Szilágyi-Gál, dass Schweigen dem Monotheismus der Macht dient. Der Merkur vermisst den künstlerischen Mehrwert der Documenta Fifteen.

Danach kommt Minsk

27.09.2022. Weniger Verfassungsrecht, mehr Politik fordert Harper's. The Intercept geißelt die Korruption der afghanischen Eliten. The Atlantic fühlt sich trotz der allgegenwärtigen Waffen in ukrainischen Städten entspannter als in amerikanischen. Guernica betrachtet den Basar auf den Wandteppichen der afghanisch-kanadischen Künstlerin Hangama Amiri. In La vie des idees gibt der in Südkorea lebende Politologe Christophe Gaudin eine faszinierende Lektion in kultureller Differenz. Quietus feiert die CD. Wo sind die Feministinnen Tschechiens, ruft H7O.

Verkaufe einen Chinesen

20.09.2022. In Africa is a Country denkt die Historikerin Shobana Shankar über den Begriff "Black Asia" nach. In First Things erklärt der Islamwissenschaftler Shadi Hamid, wann der Islam eine Religion der Vernunft sein wollte. In der Boston Review fragt der Historiker Faisal Devji, ob der Kult der Beleidigung nicht ein Produkt des Neoliberalismus ist. Der New Yorker lässt sich von einer Himbeertorte mit Hula-Hoop-Reifen verführen. In Qantara erinnert der Historiker Christopher Silver an die gemeinsame Musikgeschichte auf Vinyl von Juden und Muslimen im Maghreb. Pro Publica lernt, dass Sklavenhandel noch sehr real ist.

Wir wissen es ja nicht genau

13.09.2022. Die NYRB erklärt, wie im Jemen hunderttausende Menschen verhungern können, es der UN aber unmöglich ist, eine Hungersnot zu verkünden. In Osteuropa untersucht der Historiker Nikolai Mitrochin das große Schweigen der russischen Zivilgesellschaft zum Ukraine-Krieg. Die NYT spricht mit Überlebenden des Theaters von Mariupol. Hakai erklärt, warum tote Wale gut sind fürs Ökosystem der Meere.

So viele Abstraktionsschichten

06.09.2022. Atlantic dokumentiert in einer riesigen Recherche, wie amerikanische Behörden mehr als 5000 Kinder die Rechnung für den Traum ihrer illegal eingewanderten Eltern bezahlen lassen. Der New Yorker untersucht die trauten Beziehungen des salvadorianischen Präsidenten zu den kriminellen Gangs im Land. In HVG erklärt der Autor Zoltan Danyi, warum es gut ist, dass es nicht nur ungarische, sondern auch serbische, slowakische und rumänische Ungarn gibt. Hakai lernt von den Inuit, wie der Klimawandel die Arktis verändert. Die Washington Post besucht die traurigen Reste des einst prächtigen Aralsees. Bloomberg erzählt, wie RT in Afrika, Asien und Lateinamerika nach Verbündeten fischt.

Müll rein, Müll raus

29.08.2022. Foreign Affairs erklärt, wie Putin sich in den postkolonialen Diskurs schummelt, um Unterstützung für seinen Krieg gegen die Ukraine zu gewinnen. Die New York Times erzählt, wie die Anwaltskanzlei Jones Day einen Rechtsruck in der amerikanischen Richterschaft bewerkstelligte. Der New Yorker porträtiert den ultakonservativen Richter Samuel Alito, der die Begründung für die Abschaffung des Rechts auf Abtreibung formulierte. Auf den Malediven unterstützen religiöse Rechte den Islamismus, berichtet Himal. New Republic liest bei Oliver Bullough, wie Britannien zum "Butler der Welt" wurde. Wired feiert die japanische Autorin Sayaka Murata. Eurozine hofft, dass die Europäer ihren Widerstand gegen Putin so lange durchhalten, wie die Ukrainer.

Laut und unverschämt

23.08.2022. En attendant Nadeau geht mit Pasolini und Dacia Maraini baden. In The Atlantic erzählt Bushra Seddique von den herzzerschneidenden Entscheidungen, die sie bei ihrer Flucht aus Afghanistan treffen musste. In Eurozine kann der ukrainische Autor Andrei Krasniaschik nur im Telegram-Stil von seiner Flucht erzählen. Das Comic Journals gibt sich mit dem Anime "Sazae-san" der Natsukashisa hin.