Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag

Eine Art Bauchrednerei

17.08.2010. Dawn beklagt die Unfähigkeit der politischen Klasse in Pakistan. In der LRB erklärt Colm Toibin, wie man gleichzeitig wissen und nicht wissen kann, dass man schwul ist. In Eurozine erklärt der Historiker Faisal Devji, warum Osama bin Laden nie über die Rolle des Nachahmers westlicher Kritiker hinausgekommen ist. Der Figaro wartet auf den neuen Roman von Michel Houellebecq.

Die menschliche Antwort auf das Massif Central

10.08.2010. In Newsweek diskutieren Hinterbliebene von Opfern über eine geplante Moschee in der Nähe von Ground Zero. Der New Yorker beschreibt die Lähmung der amerikanisch-iranischen Beziehung. In Eurozine beklagt Alexei Venediktov den deprimierenden Zustand der freien Presse in Russland. Magyar Narancs warnt die Ungarn davor, sich die russische Demokratie zum Vorbild zu nehmen. Das TLS erzählt, wie ein Anzug HG Wells zum Theaterkritiker machte. In Telerama beklagt Alain Badiou Frankreichs Ermattung. Der Boston Globe fordert, die Diskriminierung von Dicken und Ungeschminkten zu verbieten. Al Ahram denkt über das Schreiben des Dichters in der Fremde nach.

Die Quelle meiner Zungenängstlichkeit

03.08.2010. Der New Yorker weiß nach Lektüre der Wikileaks-Dokumente nicht mehr, wer Freund, wer Feind ist. In Ungarn werden nur garnierte Dokumente veröffentlicht, berichtet Elet es Irodalom. In der NYRB beruhigt Malise Ruthven: Dem Islamismus geht es nur um Symbole. In Eurozine fragt sich der britische Künstler Victor Burgin: Wenn schon Bioläden bei Juden kaufen, welche Hoffnung gibt es dann noch für die Kunst? Ein Fest für Systemtheoretiker bietet der Merkur. Open Democracy fragt, wann die Linke rechts wurde. Philosophy Now richtet die Überwachungskamera auf Eva.

Unverkennbar Siebenbürgisch

27.07.2010. Die ungarischen Magazine feiern Herta Müllers Roman "Atemschaukel". In den Blättern plädiert Jürgen Habermas für eine Ausweitung des Begriffs der Menschenrechte. Wie ernst oder ironisch ist Nabokovs Gedicht "Pale Fire", fragt Slate. Wie aktuell ist Dostojewski?, fragt Tygodnik Powszechny. Das TLS lernt von der amerikanischen Anarchistin Voltairine de Cleyre, die Liebe nicht durch zu engen Kontakt zu vulgarisieren. Przekroj analysiert den Zustand des türkischen Kinos. In der NYT erklärt Jay Rosen, warum das ewige Gedächtnis des Internets dem schönsten amerikanischen Ideal widerspricht.

Giftmischer des öffentlichen Diskurses

20.07.2010. Mediapart prangert das Gekungel von Politik und Medien an. In The Nation sieht Colin Robinson der Nemesis aller Buchverlage ins Auge. Osteuropa widmet sich ganz dem Komponisten Mieczyslaw Weinberg. Die London Review beobachtet rasende Reporter vor dem Sterbehaus Tolstois. In Open Democracy sieht die Dichterin Tatjana Schtscherbina das Böse wieder einziehen in Russland.

Kompositionen im Kopf

13.07.2010. Das Schweizer Magazin erklärt, warum einige Akademikerkinder einfach missraten. Caffe Europa findet mit Ulrich Beck: Bei Religion kommt's auf den Mix an. Der Boston Globe erklärt, warum Fakten nicht im Widerspruch zu Überzeugungen stehen. In Le Monde fürchtet Michel Onfray die Sprache des Empire. Der New Statesman begutachtet ein neues Phänomen: Supertaskers. Das TLS liest ein Buch über die Anarchisten des 19. Jahrhunderts. Outlook India und die NYT widmen sich dem Terror in Indien, Pakistan und Jemen.

Es sieht nicht aus wie ein Leonardo

06.07.2010. Der New Yorker überlegt vor einem umstrittenen Leonardo, wer fehleranfälliger ist: der Kunstkenner oder der Wissenschaftler. Polityka erklärt, was von der Vierten Republik übrig bleibt. Im Observer spricht Claire Denis über Scham. In La regle du jeu sieht Roberto Saviano einen unerwünschten Ausdruck in den Augen seiner Bewunderer. MicroMega sieht ein neues politisches Monstrum erstehen: die illiberale Demokratie. Die LRB hat einen Dummen für unseren Atommüll gefunden: Außerirdische.

Früher hat sie einfach geweint

29.06.2010. Der New Yorker porträtiert Saad Mohseni, den ersten Medienmogul Afghanistans. La vie des idees und der Guardian empfehlen Gilbert Achcars Buch "Les Arabes et la Shoah". In Ungarn fressen die Kinder ihre Revolution, fürchtet Elet es Irodalom. Magyar Narancs und Rue89 fürchten um die unabhängige Presse. In Open Democracy macht sich Lisbet Rausing Sorgen über die Zukunft der Bibliothek. In der NYRB warnt Tim Parks nicht englischsprachige Autoren vor einer internationalen liberalen Leserschaft.

Trotzdem - was für ein Hund!

22.06.2010. Walrus stellt Flaneure in Johannesburg vor. In Telerama erklärt Olivier Bomsel: das Digitale ist eine Schrift. Die LRB ist pikiert, dass Christopher Hitchens so viel Spaß hat. In Osteuropa weben ungarische Intellektuelle am großen, tödlichen Nichts. Der New Statesman liest Wassili Grossmans Roman "Alles fließt". Al Ahram warnt die europäischen Muslime vor dem Salafismus. Salon fragt, warum Adrian Lamo den mutmaßlichen Whistleblower Bradley Manning verpfiffen hat und welche Rolle Wireds Kevin Poulsen dabei spielt.

Gehe Risiken ein und sei aufregend

15.06.2010. Wer braucht schon einen Roman, wenn die Wirklichkeit Stoff für interessante Reportagen bietet, fragt Geoff Dyer im Guardian. Die Lettre beobachtet Ausgeschlossene in Rom und Rotterdam. Im Espresso blättert Umberto Eco dank Internet in sechs Milliarden Enzyklopädien. The Nation freut sich: es gibt viele Arten Israel auszulöschen, ohne Antisemit zu sein. Der Spectator marschiert durch ein KZ der Subkultur. The Atlantic weiß: die Zukunft gehört den Frauen.