Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag

Bevor die Träume vergessen sind

13.10.2020. Die Bulgaren sind längst im 21. Jahrhundert angekommen, nur ihre Mobster-Eliten noch nicht, erzählt Eurozine. In Africa is a Country schildert der Filmemacher Bentley Brown die Identitätskonflikte der sudanesischen Diaspora. Die New York Review of Books wirft einen gründlichen Blick auf die Ungleichheit in Jordanien. Himal erzählt die Geschichte der Missionierung Assams. La vie des idees erinnert an das Massaker der SS in Oradour. In Deadline erklärt Alan Moore, warum er keine Comics mehr schreiben will: Das Genre ist ihm zu bürgerlich geworden.

Unhöflich, unreif, streitlustig

06.10.2020. Amerikaner sind einem plötzlich so fremd wie die Yamomami. Jedenfalls wenn man amerikanische Magazine liest: Niemand scheint mehr einen Bürgerkrieg für ausgeschlossen zu halten. Vielleicht ließe sich der verhindern, würde man endlich verstehen, wie die Rivalen Cézanne und Pissarro zusammenarbeiten konnten? Ein Rätsel, das die LRB zu lösen versucht. Und auch das gibt es: Der New Yorker stellt das Lincoln Project vor, Republikaner, die die Wiederwahl Trumps verhindern wollen. Africa is a Country erzählt von den Widrigkeiten der Oromo in Kenia und Äthiopien. Hakai starrt auf 200 nordkoreanische Geisterschiffe.

Zugang zu Inselhainen

29.09.2020. Hakai berichtet über ein Land, wo Kamele durchs Wasser zu kleinen Inseln schwimmen, um an ihr Futter - Mangrovenwäldchen - zu kommen. Laut Jacobin ist der soziale  Unterschied zwischen Schwarz und Weiß in Amerika nicht so groß, wie er scheint - jedenfalls nicht, wenn man die Armen miteinander vergleicht. Atlantic sucht den Edwin Chadwick Amerikas - um das Land nach der Corona-Epidemie zu reformieren. Lidove noviny erinnert an den tschechischen Surrealisten Mikuláš Medek, dem in Prag eine Retro gewidmet wird. New Frame thematisiert die Ausländerfeindlichkeit in Südafrika. Nature beleuchtet den kaputten Antibiotika-Markt.

Ein Faible für Satire und Demokratie

22.09.2020. Die London Review erinnert an die Siebziger, als sich die Putzfrauen von London gewerkschaftlich zu organisieren begannen. Ohne Organisation geht gar nichts, lernen auch Aktivisten in Chicago, die Obdachlose in ein Sheraton Hotel einquartierten, erzählt Harper's, das außerdem die Synthesizer-Pionierin Wendy Carlos vorstellt. Pitchfork erzählt, wie Enyas Balladen aus den Achtzigern Melodiker wie Weyes Blood ebenso beeinflusst haben wie die Death Metal Band Blood Incantation oder den Avantgardisten Oneohtrix Point Never. Atlantic warnt die Qualitätspresse: Lügen sind nicht einfach andere Fakten. Das sollte auch Facebook kapieren, meint Bloomberg. Der Guardian spuckt seinen genveränderten Lachs aus.

156 Tibeter in Brand

15.09.2020. Der New Statesman vertieft sich in die Geschichte Tibets und ahnt, was Hongkong bevorsteht. Die Hudson Review stellt das fast brasilianische Viertel Lyari in Karatschi vor. La vie des idees liest die Spinozaübersetzung von George Eliot. Die LRB erklärt, warum Nordstream 2 völlig okay ist. 54 Books fragt, warum deutsche Feuilletons keinen Text über Computerspiele zustande bringen, der an Charles Bernsteins 1989 erschienenen Essay "Play It Again, Pac-Man" heranreicht. In Magyar Narancs beklagt György Spiro die Zerschlagung der Infrastruktur für das geistige Leben in  Ungarn. Wired sucht Leben auf der höllisch heißen Venus.

Weder Mann noch Frau, weder Hund noch Katze

08.09.2020. Wired düst mit MEGA-Antrieb in andere Sonnensystemen. High Country News erzählt, wo es derzeit richtig heiß wird. Complex hört Glitchcore, das ist Musik von Menschen, die noch jünger sind als die jüngsten Millennials. Die London Review erblasst vor dem radikalen Feminismus Nathalie Sarrautes. Der Guardian beschreibt die gruselige Operation Condor. Und: Hunger macht fett, lernt die New York Times.

Symphonie der Solidarität

01.09.2020. Der New Yorker studiert am Beispiel Floridas, wie die Republikaner versuchen, die Wahlen über Zugangsbeschränkungen zu manipulieren. Im New York Magazine erklärt der Statistiker David Shor, welche Fehler die Demokraten machen. Im New Statesman fürchtet Christopher Clark aus historischen Gründen einen Krieg in Libyen. Wer den Preis der Dekolonialisierung wissen will, muss Albert Memmi lesen, ruft die London Review. Van lässt sich von dem Philosophen Timothy Morton die Freundlichkeit der Quantentheorie erklären.

Blauer als Flieder

25.08.2020. Die Paris Review erliegt dem speziellen Violett der Blüte des Immergrüns. Osteuropa sieht Polen im Visier von Putins geschichtspolitischem Revisionismus. Der New Yorker sucht nach den Quellen des Coronavirus. Novinky berichtet von einem Historikerstreit in Tschechien. In The Diplomat erzählt eine uigurische Lehrerin von den grauenvollen Zuständen in den Umerziehungslagern in Xinjiang. Die New York Times taucht in die Untiefen der Boogaloo-Bewegung.

Eine Nation von vielfarbigen Menschen

18.08.2020. In der New Left Review analysiert der Soziologe Göran Therborn den Zusammenbruch der Mittelschicht weltweit. Le Monde diplomatique nimmt das Konzept der Françafrique unter die Lupe. Im CultureMag fragt Georg Seeßlen, ob die Kultur wirklich systemrelevant sein will? Atlantic betrachtet die Untiefen der Identitätspolitik am Beispiel des Wikipediaeintrags zu Kamala Harris. In Tablet rollt Paul Berman die Urgeschichte der "Cancel Culture" auf. Wired zeigt die Grenzen des Werbetrackings auf.

Sturz aus dem Himmel

11.08.2020. Wired analysiert Videos und weitere Informationen aus Beirut. In Atlantic überlegt Anne Applebaum, mit welchen Strategien Donald Trump zu schlagen ist. Tim Parks wandert für die LRB Garibaldis Weg von Rom nach Porto Garibaldi nach. Der Nationalismus ist tot, statt dessen gibt's jetzt Ethnizismus: Kein Fortschritt, findet der Philosoph Gáspár Miklós Tamás in Magyar Narancs. Im Guardian begibt sich Shaun Walker auf die Spuren seines zoroastrischen Großvaters. Slate.fr würdigt den haitianischen General Toussaint Louverture, der half, die Franzosen aus Amerika zu vertreiben.