Magazinrundschau - Archiv

Mediazona

10 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 18.02.2025 - Mediazona

Mediazona erinnert an den Tod von Alexei Nawalny, der vor einem Jahr in einem russischen Straflager ermordet wurde. Das unabhängige Medium veröffentlicht außerdem die letzten Briefe, die von Nawalny an die Außenwelt drangen: Zum Beispiel an den Chefredakteur von Mediazona, Sergei Smirnow. "Ihr Brief kam am 2. Februar an. Der Test war also weitgehend erfolgreich. Und auch nicht zu langsam: 12 Tage ab Einlieferung. Die ersten Briefe über 'Zona' [dem Briefzusteller] brauchten 22-24 Tage", schrieb Nawalny an Smirnow und gab im daraufhin jede Menge Literaturhinweise. Smirnow schreibt darüber heute: "Nawalny hatte schon immer eine sehr eigenartige Art, Leute zu testen. Er sagte: Ich muss sicher sein, dass Sie wirklich Smirnow sind: Was haben Sie mir vor 7 Jahren auf Twitter in einer Antwort auf diesen und jenen Beitrag geschrieben? Oder: In welcher Reihe saßen Sie bei dieser oder jener Verhandlung? Und das wie immer mit dem unnachahmlichen Humor von Nawalny. Ich kann nicht sagen, dass die Korrespondenz besonders intensiv war. Viel Alltägliches: Bücher, Sprachen, wo die Kinder zur Schule gehen, wie hoch die Miete in Vilnius ist, was man in der Stadt sehen kann. Ganz gewöhnliche Themen. Aber es ging auch um Politik. So wie in diesem letzten Brief: Es war eine Fortsetzung unserer Diskussionen über die 1990er Jahre in Russland. Er fragte mich, was ich von seinem äußerst kritischen Beitrag über die 90er Jahre halte? Ich sagte: Einerseits hast du Recht, andererseits sehe ich das alles als Vorschau auf einen Plan für das zukünftige Russland. Dann tauschten wir weiter Bemerkungen über die 90er Jahre aus [...]. Diesen Brief erhielt ich zehn Tage nach seiner Ermordung. Eine sehr schmerzhafte und schwere Erfahrung. Schmerzhaft und schwer."

Magazinrundschau vom 04.02.2025 - Mediazona

Der russische Lehrer Pavel Talankin war für das Filmen von Schulveranstaltungen an seiner Schule zuständig, filmte aber den Großteil der Veranstaltungen, um daraus zusammen mit dem amerikanischen Dokumentarfilmer David Borenstein den Film "Mr. Nobody Against Putin" zu machen. Im Interview mit Dmitry Golubovsky und Dmitry Tkachev spricht Talankin über die Entstehung des Films und seine Beweggründe: "Seit Kriegsbeginn hat sich alles verändert, und auch ich habe mich völlig verändert. Ich erinnere mich an den ersten Tag, als der Krieg begann - es machte mich verrückt, ich ging immer wieder zur Schulleiterin und fragte: 'Wie können Sie das sagen? Wie können Sie das unterstützen?' Und sie sagte nur: 'Nehmen Sie sich ein paar Tage frei, ruhen Sie sich aus.' Also gaben sie mir ein paar Tage frei... aber mit dem Beginn des Krieges änderte sich alles drastisch. Wenn Sie den Film gesehen haben, werden Sie wissen, dass ich meinen Rücktritt eingereicht habe. Das ist völlig richtig. Und als ich zurückkam, wusste ich schon, dass ich einen Film machen würde. (...) Das russische Bildungsministerium schickte Anweisungen, dass bestimmte Unterrichtsstunden gefilmt werden mussten. Mein stellvertretender Leiter für Bildungsarbeit sagte zu mir: 'Geh und nimm es auf.' Das habe ich getan. Ich habe mit zwei Kameras gefilmt. Eine war von hoher Qualität, die andere war schlechter. Das Material mit der schlechteren Qualität schickte ich an das Ministerium, völlig unbearbeitet. Die bessere Qualität - also die, die den Ton richtig einfing und so weiter - speicherte ich auf einer Festplatte. Ganz zu Beginn unserer Zusammenarbeit schrieb David an mich und sagte: 'Kannst du eine Kamera aufstellen und dich selbst zu Hause filmen?' Das war es, was ihn wirklich interessierte - wie ich das alles erlebte, wie ich mich fühlte. Aber für mich war es wichtig, zu zeigen, was passiert ist. Also fragte ich weiter: 'Ernsthaft? Warum sollte ich mich zu Hause filmen? Wozu?' Ich bin einfach nicht so, ich halte nur fest, was passiert. Aber später dachte ich: Vielleicht ist es sogar das Beste."

Hier der Trailer:

Magazinrundschau vom 14.01.2025 - Mediazona

Die Haftanstalt für Jugendliche und Frauen mit Kindern in Taganrog, in der Nähe des besetzten Mariupols, wurde im Mai 2022 zur Haftanstalt für ukrainische Soldaten. Dort werden vor allem Kämpfer des Asow-Bataillons hingebracht und "verhört", berichtet Pavel Vasilyev. "Ab Mitte 2022 stieg die Zahl der im Taganrog-Gefangenenlager inhaftierten Ukrainer täglich an. Nach Angaben von Anwohnern waren Wachleute in Militärtarnkleidung und Lastwagen, aus denen ukrainische Gefangene gezerrt wurden, ein häufiger Anblick vor den Toren des Gefangenenlagers. Die Wachen begannen sie zu schlagen, sobald sie ankamen. 'Wir wurden von hinten aus den KamAZ-Lastwagen geworfen - mit gefesselten Händen und verbundenen Augen - und gezwungen, uns unter einem Hagel von Schlägen an der Wand aufzustellen, wo die Schläge mit Händen, Füßen, Schlagstöcken und Elektroschockern weitergingen', schrieb Mykola Kravchuk, ein Soldat des Asow-Bataillons, in einem Brief an seine Anwälte. 'Wenn jemand das Bewusstsein verlor, wurde er mit Ammoniak wiederbelebt, woraufhin weiter geprügelt wurde. Dies wurde 'Rezeption' genannt, erklärte Kravchuk. (...) Dann wurden die Gefangenen in eines der Büros gebracht und auf dem Boden ausgestreckt, erinnert sich Kravchuk. Während er in dieser Position lag, musste er seine 'persönlichen Daten' angeben. Danach wurden die Ukrainer entkleidet und zu den Duschen geschickt, dann 'wurden DNA-Proben entnommen, Fingerabdrücke registriert und Fotos für ihre Personalakten gemacht', schrieb der Ukrainer. Nach der 'Rezeption' erhielten alle ukrainischen Soldaten Unterwäsche, Gefängniskleidung, ein Handtuch und einen Becher und wurden in Zellen untergebracht, die oft überfüllt waren, so die Anwälte der Kriegsgefangenen gegenüber Mediazona. Krawtschuk zufolge wurden die Gefangenen jeden Tag um 6 Uhr morgens geweckt. Zunächst mussten sie ihre Zelle reinigen, und nach dem Frühstück - von 8 Uhr morgens bis zum Mittag - wurden sie 'Untersuchungsverfahren' unterzogen, die oft von Schlägen und Misshandlungen begleitet waren. Die Ukrainer wurden den ganzen Tag über verhört, mit einer einstündigen Mittagspause. 'Unsere Behandlung in der Gefangenschaft hing davon ab, wer im Gefängnis Dienst hatte. Es gab einige Wärter, die alle Gefangenen schlugen', sagte Juri Gultschuk gegenüber der BBC. 'Andere Wärter brachten alle aus der Zelle auf den Korridor und fragten, wer über 50, krank oder verletzt war. Sie trennten sie von den anderen und schlugen sie nicht. Ich halte das für eine Demonstration von Menschlichkeit.'"

Magazinrundschau vom 17.12.2024 - Mediazona

Mediazona bringt die Geschichte von Sergei Sawtschenko, einem russischen Soldaten, der sich weigerte, an der Front Befehle auszuführen, die das Töten anderer Menschen beinhalteten. "'Ich war bereit, an die Front zu gehen, aber nur für die Verwundeten, mehr nicht. Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich weder selbst schießen noch den Befehl geben werde, auf jemanden zu schießen', sagt Sawtschenko." Danach wurde er verhaftet und in einem Keller eingesperrt. "'Sie verhörten mich nur bei meiner Ankunft und nahmen alle meine Dokumente mit. Dann brachten sie mich jeden Tag aus dem Keller in einen separaten Raum, wo ich gefoltert wurde. Das geschah auf unterschiedliche Weise: Immer wieder schlugen sie mich mit Elektroschockern, übergossen mich anderthalb oder zwei Stunden lang mit kaltem Wasser, direkt aus einem Schlauch, schlugen mich einfach. Manchmal haben sie mich nach draußen gebracht, manchmal haben sie es im Büro gemacht', erinnert er sich. 'Die Aufgabe dieser Einrichtung besteht einfach darin, einen Menschen so zu brechen, dass er mit allem einverstanden ist. Es geht nicht um irgendeine Art von Zeugnis, sondern nur um tägliche Spezialeffekte, damit man da wirklich raus will, egal wohin. Das kann fünf oder sechs Stunden dauern, oder auch nur eine halbe Stunde. Aber täglich, täglich.' Laut Sawtschenko wurden die Gefangenen von denselben Leuten gefoltert - einem Zug von 30 Personen, die in drei Schichten eingeteilt waren. Sergej hatte den Eindruck, dass es sich ebenso um Verweigerer handelte wie er selbst."

Magazinrundschau vom 03.09.2024 - Mediazona

Vor einem Jahr wurde der 14-jährige Valery Zaitsev vom FSB aus einer Tuberkuloseambulanz, in der er seit einigen Monaten behandelt wurde, geholt und vor Gericht zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt, berichtet Alla Konstantinova in Mediazona. Er soll in Telegram-Gruppen das Symbol der Asow-Brigade geteilt haben. "Nach dem Beginn der russischen Invasion in der Ukraine im Februar 2022 sprach der 14-jährige Valery 'immer wieder über diese Ukraine', erinnert sich seine Großmutter. 'Er sprach sich gegen den Krieg aus', seufzt sie. Er fragte: 'Warum haben wir unsere Brüder angegriffen?' und solche Sachen. Und was sollte ich sagen? Ich antwortete: 'Das haben wir beide nicht zu sagen!' Woher sollen wir das wissen? Wer sind wir? Und wir hörten auf, über dieses Thema zu diskutieren. Aber ich wusste nicht, dass er im Internet darüber schreiben würde! (...) 'Wir hatten Besuch, und er sagte: 'Oma, weine nicht', schluchzt Irina Zaitseva. 'Er hat immer geglaubt, dass ihn niemand ins Gefängnis bringen würde. Ich sagte: 'Valera, du weißt doch, dass du angeklagt bist, oder? Und er antwortete: 'Aber ich habe nichts falsch gemacht! Als er dort ankam, konnte er es zunächst nicht begreifen und sagte mir: 'Oma, warum bin ich im Gefängnis? Hier gibt es Mörder, Drogensüchtige, Diebe, Schlägereien... Und warum bin ich hier?' Und ich sagte: 'Und du bist hier, weil, wo bist du hingegangen? Gegen wen hast du dich gewehrt, verdammt noch mal?'"

Weitere Artikel: Die russische Propaganda treibt immer groteskere Blüten: Auf dem regierungstreuen, russischen "Comedy"-Channel TNT läuft bald eine Serie an, in der es um einen altersschwachen Joe Biden geht, der zufällig in Moskau landet und dem dort allerhand skurrile Dinge passieren, wie Mediazona berichtet: "In der Projektbeschreibung heißt es: '[Biden] verliert gleich am ersten Tag seine Dokumente, findet aber einen neuen Freund - einen echten russischen Patrioten. Nun ist Biden gezwungen, in einem typischen Wohnhaus aus der Chruschtschow-Ära zu leben. Währenddessen bringen CIA-Agenten einen russischen Rentner namens Ivanych, der Biden sehr ähnlich sieht, in die USA.'"

Magazinrundschau vom 13.08.2024 - Mediazona

Die ukrainischen Streitkräfte kämpfen nun auch auf russischem Territorium: Seit dem 6. August rückten sie in die russische Region Kursk vor. Yegor Skovoroda hat für Mediazona hat mit Bewohnern von Sudzha gesprochen, einem kleinen Ort, zehn Minuten von der Grenze entfernt. Hier der Bewohner Lyubov: "Das massive Bombardement begann am 6. August um 3 Uhr morgens. Einige Gebäude wurden schwer beschädigt. Nach 9 Uhr tauchten Informationen über den Grenzdurchbruch auf, der nirgendwo offiziell bekannt gegeben wurde, alles wurde mündlich zwischen den Anwohnern weitergegeben. Es war klar, dass etwas im Gange war. Aber wir hatten nicht erwartet, dass es so eine große Sache sein würde. Deshalb sind wir leicht aufgebrochen, ohne unsere Habseligkeiten, ohne irgendetwas, in der Erwartung, dass sich die Situation zumindest bis zum Abend klären würde und wir nach Hause zurückkehren könnten. Wir verließen unser Zuhause am 6. August gegen 11 Uhr. Aber zurückzukehren ist keine Option mehr. Wir haben all unsere Habe zurückgelassen, selbst unsere Haustiere, in der Annahme, dass wir zurückkehren würden. Jetzt gehen Artillerie- und Panzerbeschuss weiter; feindliche Truppen sitzen in den Waldgürteln und beschießen einfahrende Autos; Straßen und Felder sind vermint. Einheimische, die wie wir alles stehen und liegen ließen und flohen, versuchen zurückzukehren, um wenigstens etwas zu holen oder vielleicht verbliebene Verwandte zu evakuieren, da es dort noch Bewohner gibt. Videos zeigen Fahrzeuge unter Beschuss an allen Zufahrten zur Stadt, zerstörte Autos - es ist unmöglich, zurückzukehren."
Stichwörter: Ukrainekrieg, Kursk

Magazinrundschau vom 06.08.2024 - Mediazona

Mediazona veröffentlicht einen Essay, in dem der zu sieben Jahren Straflager verurteilte Moskauer Kommunalpolitiker Alexei Gorinov die Weite des Universums mit dem menschlichen Verständnis von Raum und Zeit vergleicht. Gorinov wurde Anfang 2024 wegen schwerer Krankheit in ein Krankenhaus eingeliefert. "Trotz unserer persönlichen mikroskopischen Natur und des vernachlässigbar kleinen Teils des Weltraums, den wir einnehmen, gehen unsere Taten, unsere Handlungen in Form von Raumschwingungen - Signalen - in die kosmische Ewigkeit. (...) Für die Bewohner des Planetensystems Alpha Centauri (falls es welche gibt) lebt Alexej Nawalny, nicht vergiftet. Aber nichts kann geändert werden. Für Außerirdische, die hundert Lichtjahre entfernt sind, sind wir ungeboren. Für die Bewohner der Planetensysteme unserer Galaxie sind wir immer noch jagende Mammuts. Und für außerirdische Lebensforscher aus Galaxien, die mehrere hundert Millionen Lichtjahre von uns entfernt sind, existiert der Mensch als höchster Vertreter der irdischen Tierwelt gar nicht, und es regieren die Dinosaurier. Jetzt, in unserer 'Gegenwart', sehen die Außerirdischen, die in den am weitesten von uns entfernten Galaxien leben - mehr als fünf Milliarden Lichtjahre entfernt - das Sonnensystem und auch die Sonne selbst nicht, obwohl wir ihre Sternensysteme in der fernen Vergangenheit für sie sehen. Unser Sonnensystem existiert für sie einfach nicht, weil es sich noch nicht aus einer Gas-Staub-Wolke gebildet hat. Vielleicht ist dies die Essenz der Unendlichkeit des Universums? Aber könnten wir einen absoluten Aussichtspunkt finden oder modellieren, um einen Blick auf die augenblickliche Gesamtheit des Universums zu werfen, was uns sehr überraschen könnte? Das weiß ich nicht. Wer dies tut, wird Gott."

Magazinrundschau vom 02.07.2024 - Mediazona

In Russland wurde der fünfzehnjährige Arseny Turbin zu fünf Jahren Haft verurteilt, weil er Kontakt zu der russischen Kampftruppe "Freiheit für Russland", die für die Ukraine kämpft, aufgebaut hat, berichtet Olya Romashova auf Mediazona. Der Prozess ging auch mit einer Gängelung des Fünfzehnjährigen und seiner Mutter einher. "Anfang Oktober 2023 schickte der Ermittler Arseny zu einer ambulanten psychiatrischen Untersuchung in eine Klinik in Orjol. 'Sie behielten ihn dort etwa vier Stunden lang. Er kam mit einem Schock heraus, saß da und sagte nichts. Am nächsten Tag sagte er: 'Wissen Sie, was dieser Psychologe mir gesagt hat?' - 'Leute wie Sie müssen erschossen werden, wenn das Kriegsrecht eingeführt wird. Du bist ein Ausgestoßener, du hast kein Recht, zur Schule zu gehen, geschweige denn zur Universität', wiederholt Irina Turbina die Worte ihres Sohnes. Sie fügt hinzu, dass ihr Sohn von Anfang an von dem Strafverfahren tief betroffen war: 'Der Junge stand unter Schock. Die Verfassung der Russischen Föderation liegt immer auf seinem Tisch. Er sagt: 'Mama, was ist mit Artikel 29 [zum Schutz der Redefreiheit]? Denn ich habe nichts falsch gemacht, es gibt nur meine Meinung und meinen Standpunkt. Ich habe nirgendwo einen Fragebogen hingeschickt, niemand hat mir irgendwelche Anweisungen gegeben. Er sagt: 'Warum behandeln sie mich so?' (...) Am 18. Juni besuchte er zusammen mit seiner Mutter das Grab von Alexej Nawalny. Turbin hat sich vor Gericht nicht schuldig bekannt. Der Staatsanwalt forderte acht Jahre Gefängnis. Am 20. Juni verurteilte ihn Richter Oleg Schischow zu fünf Jahren. Irina Turbina zufolge hat das Urteil ihren Sohn schockiert. 'Er hat sehr geweint. Das hatte er nicht erwartet. Er hat sich immer zurückgehalten und sich nicht aufgeregt. Und dann hat er wirklich geweint, mich umarmt und gesagt: 'Mama, verzeih mir. Verzeih mir, dass ich dich im Stich gelassen habe. Aber ich wusste wirklich nicht, dass ich gegen etwas verstoßen habe', sagt Turbina. Sie erinnert sich, dass sie ihren Sohn schon vor der Verhaftung gewarnt hatte, dass öffentliche politische Äußerungen in Russland zu Problemen führen könnten, aber er glaubte ihr nicht. 'Er sagte: 'Mama, die werden nicht kommen.' Ich sagte: 'Sie werden kommen, Arseny, sie kommen zu jedem. Und wir werden keine Ausnahme sein", erzählt sie von ihrem Gespräch. Die Menschenrechtsgruppe Memorial erklärte Arseny Turbin zum politischen Gefangenen.'"

Magazinrundschau vom 09.07.2024 - Mediazona

Im Nordkaukasus kommt es wieder vermehrt zu Vergewaltigungen von jungen Frauen und Zwangshochzeiten. Der russische Staat tut dagegen: nichts, zeigt ein Bericht von Ad Rem, einem Projekt für Menschenrechte, aus dem Mediazona zitiert. "In Tschetschenien, Inguschetien und Dagestan ist die patriarchalische Einstellung stark ausgeprägt, was bedeutet, dass das Leben der Frauen ständig einer strengen Kontrolle unterliegt, insbesondere im sexuellen Bereich. Das 'unmoralische' Verhalten einer Frau führt nach Ansicht der Gesellschaft zur 'Entehrung' der gesamten Familie und wird daher streng bestraft. Die Familie versucht, ein Mädchen so schnell wie möglich zu verheiraten, da sie befürchtet, dass sie ihre Familie 'entehren' könnte, indem sie sich mit Männern einlässt. Daher die Praxis der Ehrenmorde, die in diesen Republiken immer noch vorkommen. In diesem Zusammenhang wird ein entführtes Mädchen von seinen Verwandten fast nie zurückgefordert, da es als 'unrein' gilt. Außerdem wird im Falle einer Entführung immer noch das Opfer selbst beschuldigt. Dies ist häufig der Fall bei Vergewaltigungsopfern, die entweder getötet oder mit ihrem Vergewaltiger verheiratet werden. 'Als sie mich ins Krankenhaus brachten, waren meine Füße voller Blut. Als die Ärztin hereinkam und es sah, sagte sie sofort: 'Sie wurde vergewaltigt.' Ich habe nicht einmal etwas gesagt, nur die Tränen flossen...'", zitiert der Bericht die Geschichte eines Mädchens aus Inguschetien, das im Alter von 17 Jahren entführt wurde: "'Ich ging hin und erzählte alles. Ich habe eine Erklärung geschrieben. Dann wurden die Verwandten von Zaur [ihrem Vergewaltiger] alarmiert. Meine Verwandten verprügelten mich, aber ihm taten sie nichts. ... Dann kamen die älteren Männer und baten mich, Zaur zu heiraten. Mein Vater war dagegen, aber meine männlichen Verwandten sagten: 'Sie sollte entweder ins Grab gehen oder heiraten. Sie ist kein Mädchen mehr.' Sie machten mir auch Vorwürfe. Ich wurde an ihn weggegeben, und ich wusste nicht einmal, dass ich verheiratet werden sollte. ... Niemand hat mich auch nur gefragt, ob ich ihn heiraten will oder nicht.'"

Magazinrundschau vom 12.03.2024 - Mediazona

Wie steht es um den Wiederaufbau von Mariupol?, fragt sich Alla Konstantinowa im russischen Medienprojekt Mediazona (hier die deutsche Übersetzung bei Dekoder). Es stellt sich heraus: Das Interesse der russischen Regierung um die Bevölkerung Mariupols hält sich in Grenzen. "'Die Besatzungsregierung lässt allem voran das Zentrum und die Bezirke am Stadtrand Richtung Donezk und Saporishshja wiederaufbauen, was natürlich kein Zufall ist', sagt Ossytschenko. "Das sind die Richtungen, aus denen die Gegenoffensive kommen könnte - deswegen wurden sie mit Wohnblöcken zugebaut", erklärt er. 'Aber wenn man die russischen Medien verfolgt, gibt es fast gar keine Berichte über das linke Ufer. Da ist nämlich alles vollkommen im Arsch. Das linke Ufer liegt am nächsten an Russland dran, da waren die heftigsten Gefechte, aus der Richtung hat Russland Mariupol überfallen. Dort liegt fast alles in Trümmern.' Oleg war Abgeordneter des Stadtrates, die Zusammenarbeit mit der neuen Verwaltung in Mariupol hat er verweigert. Er erzählt Mediazona, auf dem Morskoi Boulevard am linken Ufer seien fast alle Häuser abgerissen worden - knapp vier Kilometer entlang der Küste.  'Ich denke, da kommen Luxusbauten hin, aber bisher wurde am linken Ufer noch kein einziges Haus gebaut', sagt er. 'Der ganze Bezirk bestand fast nur aus Chruschtschowki. Ein paar wenige stehen noch, auf denen prangen Schriftzüge wie: Wir wollen wieder nach Hause.' Derweil wächst in Russland das Interesse an Immobilien in Mariupol. Auf YouTube gibt es 'Room Tours' durch die zerstörten Häuser, veröffentlicht werden sie vom Propaganda-Kanal Mirnyje (dt. Die Friedlichen)."