PaulSchrader grantelt auch im zusehends hohen Alter weiter - produktiv ist der New-Hollywood-Titan (nach einer Phase mit deutlich weniger Produktionen in den Neunziger- und Nullerjahren) seit knapp über zehn Jahren wie selten zuvor und das stets am Rande von Hollywood, wo seine vom Autorenfilm her gedachten Filme im Zeitalter von Strampelhosenhelden-Franchises nicht mehr gefragt sind. Im Gespräch erinnert er sich an unschöne Auseinandersetzungen um seinen Thriller "Dying of the Light" mit NicolasCage von 2014: "Mir wurde klar, dass ich das Thema des Film" - Demenz - "nicht richtig zu fassen bekommen hatte. Das war eines der Probleme, die ich mit der Schnittfassung des Films hatte: Ich glaubte, nicht weit genug gegangen zu sein. Also ging ich zu den Produzenten und bat um weitere Drehtage. Da sagten sie mir - und an diesem Punkt schlug ich mich mit Hedgefonds-Investoren rum, nicht mit Studio-Typen - dass ich doch schon diesen Actionfilm mit Nicolas Cage gedreht habe, dass ich im Budget geblieben war und fünf gute Actionszenen reingepackt habe und dass sie mit 17 Prozent Profit rechneten. ... 'Warum sollten wir zusätzliche Drehtage bezahlen? Dann holen wir ja weniger als 17 Prozent raus!' Das war der Moment, als mir klar wurde, dass der alte unausgesprochene Vertrag zwischen Künstlern und Studios in Trümmern lag. Als ich damals anfing, musste man um die finale Schnittfassung nicht wirklich kämpfen, weil man mit Leuten zusammenarbeitete, die Filmeverstanden und die Filme mochten und jene Sorte Filme produzieren wollten, die ihnen gefiel. Man drehte den Film, hatte unterschiedliche Meinungen, man diskutierte es aus. Manchmal macht das den Film besser, manchmal schlechter, aber das ist halt der Lauf der Dinge. Dann änderte sich da etwas, das Studiosystem brach zusammen. Damit kam das Aktienkapital ins Spiel. Diese Leute haben zu Filmen kein ausgeprägtes Verhältnis, aber was noch schwerer wiegt: Sie sehen sie sich auch nicht wirklich an. Da verstand ich, dass ich den finalen Cut halten musste, dass der Tag gekommen war. Ich nutzte Nic, um das bei meinem nächsten Film, 'Dog Eat Dog' durchzusetzen. 'Sag ihnen, dass Du nicht mit Paul Schrader zusammenarbeiten kannst, solange er nicht über den finalen Cut bestimmen kann.' Und das funktionierte. Nachdem wir fertig waren, wollten sie,dass ich das Ende ändere, weil es ihnen nicht gefiel, dass Nic diese Humphrey-Bogart-Nummer abzieht. Sie fragten, ob ich denn wohl einen alternativen Schluss gedreht hätte und ich sagte ihnen, nein, das hätte ich wohl nicht. Sie sagten mir, dass sei nicht hinnehmbar, da sagte ich ihnen: "Aber ihr habt da was vergessen. Ihr habt nur das Recht auf letzte Anmerkungen. Der Endschnitt gehört mir.'"
BuchLink: Aktuelle Leseproben.
In Kooperation mit den Verlagen (Info)
Julya Rabinowich: Mo & Moritz Mo stammt aus einer Familie mit muslimischen Wurzeln. Als er eine Friseurlehre in einem Wiener Nobelsalon beginnt, taucht er ein in eine glamouröse Welt. Eines Abends wird…
Hartmut Rosa: Situation und Konstellation Die Lehrerin, die Noten nicht zur Ermutigung vergeben kann, die Ärztin, die Bildschirme statt Patienten behandelt, der Schiri, dessen Augenmaß vom VAR verdrängt wird: Unmerklich…
Charlotte Mew: Alle belebten Dinge halten den Atem an Aus dem Englischen von Wiebke Meier. Mit einem Nachwort von Norbert Hummelt. Charlotte Mew war eine der herausragenden lyrischen Stimmen ihrer Zeit. In ihren mit den Geschlechterrollen…
Gabriel Zucman: Reichensteuer Aus dem Französischen von Ulrike Bischoff. Gabriel Zucman gehört zu den bekanntesten und renommiertesten Ökonomen weltweit. Seit Jahren forscht er zu Steuergerechtigkeit…
Alle aktuellen BuchLink-Leseproben finden Sie
hier