Magazinrundschau

Von amourösem Adel

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag
20.03.2018. Die LRB denkt über eine Art sexuelles Grundeinkommen für alle nach. In Aeon beobachtet der Historiker Martin Jay den Begriff "Entfremdung" bei seiner Wanderung von links nach rechts. In der LARB sieht der Philosoph Ron Srigley nur noch einen Zweck in Universitäten: die reibungslose Produktion von genormten Verwaltungsangestellten. The Atlantic überprüft die Arbeit des deutschen Bundesamts für Migration und Flüchtlinge.

London Review of Books (UK), 22.03.2018

Gibt es ein Recht auf Sex, fragt Amia Srinivasan in einem irren Text, der wirklich nichts auslässt: Srinivasan interessiert sich für die "unfreiwilligen Zölibatäre", die für sich ein Recht auf Vergewaltigung reklamieren, für "Fuckability"-Ratings auf schwulen Dating-Sites, für feministische Debatten um weibliches Begehren, Pornografie und Sex-Positivismus oder die mangelnde Attraktivität von Transfrauen auf lesbische Frauen. Ihr Grundthese ist, dass persönliche Präferenzen immer auch politisch sind: "In ihrem klugen Essay 'Männer erklären mir Lolita' erinnert Rebecca Solnit daran, dass man keinen Sex mit jemanden haben kann, solange er oder sie das nicht nicht will', so wie 'man auch mit niemanden ein Sandwich teilen kann, der sein Sandwich nicht teilen möchte'. Keinen Happen vom Sandwich abzukommen, ist keine Unterdrückung, sagt Solnit zudem. Aber die Analogie verkompliziert die Lage eher, als dass sie sie klärt. Angenommen, Ihre kleine Tochter kommt aus der Schule nach Hause und sagt, alle Kinder hätten miteinander Sandwiches geteilt, nur nicht mit ihr. Und dann stellen Sie sich vor, Ihr Kind hat dunkle Haut, ist dick oder behindert, spricht nicht gut Englisch. Auf einmal scheint es kaum ausreichend zu sagen, dass keines der anderen Kinder verpflichtet sei, ein Sandwich zu teilen, auch wenn es richtig ist. Sex ist kein Sandwich. Auch wenn Ihr Kind nicht will, dass man aus Mitleid mit ihm teilt -  so wie auch niemand aus Mitleid Sex haben will, schon gar nicht mit einem Rassisten oder Transphoben - würden wir es nicht als Zwang begreifen, wenn der Lehrer die anderen Schüler auffordert, auch mit Ihrer Tochter zu teilen, oder wenn die Schule sich eine Politik des Teilens überlegt. Doch ein Staat, der analog in die sexuellen Präferenzen und Praktiken seiner Bürger eingriffe, würde grob autoritär erscheinen. (Der utopische Sozialist Charles Fourier schlug einst, dem Grundeinkommen vergleichbar, ein garantiertes 'sexuelles Minimum' vor, für jeden Mann und jede Frau, unabhängig von Alter oder Gebrechlichkeit; denn nur wenn sexuelle Not beseitigt sei, dachte Fourier, würden romantische Beziehungen wirklich frei. Der soziale Dienst sollte von einem 'amourösen Adel' bestritten werden, der sich darauf verstehe, die Liebe dem Diktat der Ehre unterzuordnen.)"

Gaby Wood sieht sich noch einmal Nicholas Rays grandiosen Noir-Film "In a Lonely Place" mit Humphrey Bogart und Gloria Grahame an und erzählt auch die Geschichte der Ehe von Ray und Grahame, die vertraglich seine Überlegenheit festschrieb, allerdings endete, als Ray Grahame mit seinem 13-jährigem Sohn im Bett erwischte.

New Yorker (USA), 26.03.2018

Im neuen Heft des New Yorker erklärt Adam Kirsch anhand neuer Bücher von Simon Schama ("The Story of the Jews: Volume Two: Belonging, 1492-1900") und Martin Goodman ("A History of Judaism") unterschiedliche Möglichkeiten, sich der jüdischen Geschichte zu nähern: "Für Schama umfasst das Judentum alles, was Juden getan haben, ihre Lebensäußerungen überall auf der Welt. Der Boxer Dan Mendoza war Jude, Esperanza Malchi, Vertrauter am Osmanischen Gericht im 16. Jahrhundert, ebenso wie kanonische Gestalten wie Moses Maimonides, der mittelalterliche Philosoph, oder Theodor Herzl. Schama bietet einen demokratischen, humanistischen Ansatz. Er wirft einen Blick auf die Beziehungen zwischen Juden und der nichtjüdischen Kultur, in der sie lebten, schon weil die überkommenden Quellen es so gebieten. Juden, die in der nichtjüdischen Welt einen Namen hatten, hatten überdurchschnittlich viel mit dieser Welt gemein. Aber auch, weil Schama sich nicht so sehr für religiöse Praktiken und Texte interessiert … Für Goodman indes hat jüdische Geschichte viel mehr mit Ideen und Glauben zu tun. Er interessiert sich für das, was Juden zu Juden macht, nicht, was sie zu Menschen macht. Doch auch er betont, dass das Judentum nie über eine einfache, einheitliche Identität verfügte. Und auch er misstraut den biblischen Quellen. Daher beginnt er auch nicht mit ihnen, sondern mit ihrer Nacherzählung durch Flavius Josephus aus dem ersten Jahrhundert n. Chr. Durch ihn ist uns diese Periode überliefert. Er war der Schama oder Goodman der antiken Welt."

Außerdem: Jill Lepore erinnert an die Meeresbiologin Rachel Carson. Anthony Lane sah im Kino "Tomb Raider" und Wes Andersons "Isle of Dogs".
Archiv: New Yorker

Ceska pozice (Tschechien), 20.03.2018

Anlässlich der Ermordung des slowakischen Journalisten Ján Kuciak und dessen Lebensgefährtin unterhält sich Ondřej Koutník mit dem italienischen Investigativjournalisten Antonio Papaleo, der sich auf die Machenschaften der italienischen Mafia in Mitteleuropa spezialisiert hat und quasi auf der Flucht lebt. Nicht zuletzt seit Papaleo kriminelle Tätigkeiten slowakischer Unternehmer in Hongkong aufgedeckt hat, ist er diversen Bedrohungen und physischen Einschüchterungsversuchen ausgesetzt. Die kalabrische 'Ndrangheta sei von allen Mafia-Clans der kosmopolitischste, und in den mitteleuropäischen Ländern könne sie besonders ungestört agieren. "Es lässt sich überhaupt nicht ausschließen, dass auch der tschechische Staat von dem Kraken erfasst ist, von dem man jetzt in der Slowakei zu reden beginnt." Vor einigen Jahren habe die 'Ndrangheta Teile der deutschen Wirtschaft erfasst, doch Deutschland habe gezeigt, wie man die süditalienische Mafia bekämpfen könne: "Nach dem 'Die Fehde von San Luca' genannten Fall in Duisburg, bei dem 2007 sechs Menschen ermordet wurden, hat die deutsche Regierung eine große Kraftanstrengung unternommen, um die Anhänger der Mafia-Clans aus dem Land zu vertreiben. Leider haben sie sich dann nach Tschechien, Polen und die Slowakei verschoben."
Anzeige
Archiv: Ceska pozice

Guardian (UK), 19.03.2018

Der Glaube an den unvermeidlichen Fortschritt basiert in den USA auf dem Markt, in Europa auf der Nation, in der Sowjetunion auf revolutionärer Technologie. Im Russland des Wladimir Putin gibt es diesen Glauben nicht, schreibt der amerikanische Historiker Timothy Snyder: Putin hat die Maskulinität gegen die Demokratie in Stellung gebracht, und die Politik der Unvermeidlichkeit durch eine Politik der Ewigkeit ersetzt: "In der Politik der Ewigkeit gibt es keine gerade Linie in die Zukunft mehr, sondern nur einen Zirkel, der ohne Unterlass dieselben Bedrohungen aus der Vergangenheit wiederbringt. In der Politik der Unvermeidlichkeit ist niemand verantwortlich, denn kleine Abweichungen werden sich zum Wohle des Ganzen aussortieren. In der Politik der Ewigkeit ist niemand verantwortlich, denn der Feind kehrt zurück, egal was wir tun. Politiker der Ewigkeit verbreiten die Überzeugung, dass die Regierung einer Gesellschaft als Ganzes nicht helfen, sondern nur gegen Bedrohungen schützen kann. Fortschritt wird ersetzt durch Unheil. Sind sie erst einmal an der Macht, fabrizieren sich Ewigkeitspolitiker ihre Krisen und manipulieren die daraus resultierenden Emotionen. Um von ihrer Unfähigkeit zur Reform oder ihrer Unwilligkeit abzulenken, halten sie ihre Bürger permanent zwischen Jubel und Empörung, sie ertränken die Zukunft in Gegenwart. In der Außenpolitik machen Ewigkeitspolitiker die Errungenschaften anderer Länder, die ihren eigenen Bürger als Vorbild erscheinen könnten, verächtlich. Sie benutzen Technologie zur Verbreitung ihrer politischen Fiktion im In- und Ausland, glauben nicht an Wahrheit und reduzieren das Leben auf Spektakel und Emotion."

Den Willen zur Wiederherstellung verlorener Maskulinität sieht auch Pankaj Mishra weltweit im Zentrum gegenwärtiger Krisen: "Die Sehnsucht nach Männlichkeit kontaminiert Politik und Kultur im 21. Jahrhundert in der ganzen Welt. Der rapide Wandel in Wirtschaft, Gesellschaft und Technologie stürzt eine exponentiell wachsende Zahl  entwurzelter und verwirrter Männer in eine unheilvolle Suche nach männlichen Gewissenheiten."
Archiv: Guardian

New York Review of Books (USA), 05.04.2018

In der neuen Ausgabe des Magazins bespricht Tamsin Shaw Alexander Klimburgs Buch "The Darkening Web: The War for Cyberspace" und macht auf den fatalen Fehler aufmerksam, nationale Sicherheitsinteressen durch Outsourcing mit den profitgesteuerten Unternehmen im Silicon Valley zu teilen: "Nach Klimbergs Auffassung hat die nationale Sicherheitsgemeinschaft ihre offensiven Kräfte im Cyberspace auf unverantwortliche Weise überentwickelt. Was das Streben nach Dominanz auf dem militärischen und nachrichtendienstlichen Gebiet betrifft, mag dies wahr sein. Aber durch die unwiderstehlichen kommerziellen Anreize des Silicon Valley, militärische Technologien zu entwickeln, hat die Regierung gleichzeitig privaten Konzernen unvergleichliche Macht und Kontrolle überlassen, obskuren globalen Unternehmen, die nicht von der Wahrheit profitieren. Es ist zur Zeit lächerlich einfach, wie Wladimir Putin uns schamlos gezeigt hat, ausländische Propaganda über die einschlägigen Plattformen zu verbreiten. Und selbst wenn die Unternehmen Mechanismen entwickeln, um die Ausbreitung von ausländischer Propaganda zu verhindern, werden wir immer noch auf den guten Willen einer Handvoll Milliardäre angewiesen sein. Sie sind und werden auch weiterhin dafür verantwortlich sein, das Vertrauen der Öffentlichkeit in Informationen zu erhalten und die für die Gesundheit und den Erfolg unserer liberalen demokratischen Institutionen notwendigen Formen der Glaubwürdigkeit zu bewahren."

Ferner stellt Adam Hochschild Bücher vor, die sich mit den Waffenrechten in den USA befassen. Colm Toibin liest Lorcas "Poet in Spain". Und Thomas Nagel vertieft sich in Kwame Anthony Appiahs "As If: Idealization and Ideals ".
Stichwörter: Cyberwar, Hochschild, Adam

Lo Spazio bianco (Italien), 15.03.2018

In Deutschland unbemerkt ist der bekannte italienische Kritiker, Essayist und Maler Gillo Dorfles im Alter von 107 Jahren gestorben. Geboren wurde er im Jahr 1910 noch unter österreichischer Herrschaft in Triest - seine Mutter war Italienerin. Etwa zeitgleich mit Roland Barthes in Frankreich studierte er schon in den Fünfzigern populäre Mythen und den "Kitsch", und griff damit einen damals noch nicht geläufigen Begriff auf, der im Jahr 1938 von Clement Greenberg geprägt worden war, so Lorenzo Barberis im Blog Lo Spazio bianco (in dem es vor allem um Comics geht). "Aber Dorfles sieht den Kitsch nicht einfach als etwas Negatives, sondern vielmehr als Kontrastfolie, vor der sich das künstlerisch Schöne erkennen lässt. Wie schon teilweise bei Greenberg können 'Avantgarde' und 'Kitsch' als Extreme gesehen werden, auch im Prozess der Verbreitung bestimmter Ästhetiken und ihrer Banalisierung, sobald sie sich durchgesetzt haben. Von daher gewinnt der Kitsch eine Funktion und ist als soziologisches - wenn auch nicht ästhetisches oder künstlerisches - Phänomen wert, erforscht zu werden." Auch La Lettura, Literaturbeilage des Corriere, brachte eine Seite über Dorfles.
Stichwörter: Dorfles, Gillo, Kitsch

Aeon (UK), 09.03.2018

Nicht nur Menschen können von links nach rechts wechseln - auch Begriffe können es, lernt man von Martin Jay, Professor für Europäische Geschichte in Berkeley. Der vielleicht populärste Begriff in den fünfziger, sechziger und siebziger Jahren, das Elend des Kapitalismus zu beschreiben, war "Entfremdung", ein Begriff, den heute kein Linker mehr benutzen würde: "In der Blütezeit des marxistischen Humanismus konnte Entfremdung verstanden werden als Teil einer kapitalistischen Produktionsart, die jede Möglichkeit nicht entfremdeter Arbeit hintertrieb. Aber dann begann die Linke 'Klasse' weniger wichtig zu finden und sich mit Kultur statt Produktionsbedingungen zu befassen. Als linke Politik begann, die Toleranz der Unterschiedlichkeit zu feiern, wurde sie wachsamer, was die Stigmatisierung des Fremden anging - den Fremden im Innern eingeschlossen. Statt 'abgerundete Ganzheit' oder das Eintauchen ins warme Bad der gemeinsamen Einheit zu suchen, ging es bei diesem politischen Wechsel darum, die Tugenden wechselnder Identitäten und die Zerstreuung in einer Diaspora anzuerkennen. Feindschaft gegenüber dem fremden 'Anderen' sowohl außer- wie innerhalb ist jetzt auf die Seite der populistischen Rechten gewandert."
Archiv: Aeon

LA Review of Books (USA), 22.02.2018

Wer herrscht heute an den Universitäten? Bestimmt nicht die Professoren. Sei wurden abgelöst von der Verwaltung, die selbst für Studenten heute wichtiger ist als jeder Lehrer, schreibt Ron Srigley, Professor für Philosophie und Religionswissenschaften in Toronto, in einem epischen, aber gut zu lesenden Text über den Niedergang amerikanischer und kanadischer Universitäten sowie das Absinken des allgemeinen intellektuellen Niveaus. Das liegt daran, dass nicht mehr Wissen und Verstehen das wahre Ziel der Universität ist. Woran liegt das? "Ausgenommen einiger Schlüsselwissenschaften und Technologieprogramme, in denen inhaltliche Kenntnisse unabdingbar sind, sind heute verwaltungstechnische Effizienz und verwaltungstechnisches Denken die wahren Ziele der Institution. Die Geisteswissenschaften und Künste werden durch Technologie und technologische Arten der Erziehung still und leise umgemodelt, so dass ihr 'Inhalt' dafür sorgt, dass geliefert wird, was die Universität wirklich will - angepasste, in Verwaltungsbegriffen denkende Menschen, die die Verwaltungswelt bevölkern, die wir für sie geschaffen haben. Die verborgene Annahme dahinter ist, dass es unwichtig ist, was Studenten wissen oder wie intelligent sie sind, wichtig ist, wie gut und wie häufig sie Leistung zeigen und wie wir das endlich messen können."
Stichwörter: Universität, Srigley, Ron

Eurozine (Österreich), 14.03.2018

In autokratischen Systemen ist die Übergabe von Macht eine gefährliche Angelegenheit. Die entscheidende Frage wird nicht sein, wie Waldimir Putin sein neues Mandat ausfüllt, sondern wie er sich verabschieden wird, schreibt Mark Galeotti in einem nüchtern abwägenden Artikel in Eurozine. Er legt dar, wie Putin sich stets rührend um die Jelzin-Familie kümmerte (alles andere wäre schlecht für die eigene Zukunft gewesen!) Und er zeigt, dass womöglich eine Übervaterrolle für Putin geschaffen werden wird: "Darum denkt man bereits über eine Verfassungsänderung nach, um eine neue Position zu schaffen, vielleicht den Vorsitz des Staatsrats, der bisher eine Beratungsfunktion hat, jedenfalls irgendwie eine Rolle als 'Vater der Nation'. Der politische Analytiker Jewgeni Mintschenko nennt das einen 'russischen Ayatollah', aber man könnte ihn auch als einen gewählten konstitutionellen Zaren ansehen. Das würde sein Ego befriedigen, ihm erlauben, das System weiter anzuleiten und ihm den Schutz seiner Freunde und Alliierten sichern."
Archiv: Eurozine
Stichwörter: Putin, Wladimir, Russland

The Atlantic (USA), 20.03.2018

Aus der amerikanischen Perspektive schildert Greame Wood die Arbeit des deutschen Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Er wirft einen genauen Blick auf dessen Methoden, die von der Anwendung von Spracherkennungssoftware über die Auswertung ihrer Geschichten bis hin zu der Auswertung personenbezogener Daten reichen, und hebt hervor, dass ein erheblicher Druck auf den Beamten und ihrer Institution laste, da sie im Kreuzfeuer zwischen Populisten und Linken stünden. Zu seinen Recherchen gehört auch der Austausch mit dem Sachbearbeiter Torsten Wojtalla und dem Leiter der Außenstelle in in Berlin, Andreas Jödecke. "Das Ziel sei nicht, den Lügner zu finden, betont Wojtalla, sondern es gehe darum, 'die Perle' zu finden - die Person, die gelitten hat und der die Menschheit Schutz schuldet. Aber er und Jödecke scheinen zu demselben Schluss gekommen zu sein: Um die Perlen zu finden, muss man den billigen Modeschmuck ausrangieren, der sich nur als echt ausgibt. Es gibt keine Möglichkeit zu ermitteln, ob die neuen Techniken und Verfahren des BAMF zu genauen Ergebnissen geführt haben: Nachdem die Fälle entschieden sind, enthüllen Anwärter sich nicht selbst als Lügner wie triumphierende Sieger am Pokertisch, die mit ihren Bluffs prahlen. Einige Asylbewerber fechten negative Urteile vor Gericht an und manche von ihnen haben damit auch Erfolg (wobei das BAMF selbst sagt, es sei zuversichtlich, dass seine neuen Methoden die Genauigkeit seiner Entscheidungen verbessert hätten). Aber viele entscheiden sich dafür, das Urteil zu akzeptieren und zurück in ihr Heimatland zu gehen, einige mit einer kleinen Barzahlung des BAMF, die einen Prozess unwahrscheinlicher macht und den Rückweg erleichtert. Was das BAMF ohne Zweifel erreicht hat, ist ein kleineres politisches Ziel: den Deutschen zu versichern, dass die Flüchtlingspolitik ihrer Regierung nicht einfach die Abwesenheit jeglicher Politik ist."
Archiv: The Atlantic