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All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Aus dem Archiv
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Brockhaus ist am Ende. Punkt

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
13.02.2008. Thomas Knüwer kommentiert in seinem Blog Indiskretion Ehrensache die letzte Zuckung des Brockhaus. Die Welt auch. Der Kommunikationswissenschaftler Wolfgang R. Langenbucher sieht bei Message die sich abzeichnende Online-Kooperation zwischen Zeitungen und Öffentlich-Rechtlichen als Sündenfall. Stefan Niggemeier kabbelt sich mit Henryk Broder und umgekehrt. In der NZZ spricht Vladimir Sorokin über die Opritschniks in Putins Russland. Die anderen Zeitungen kommentieren die Äußerungen des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan: "Hört nicht auf ihn!"

Aus den Blogs, 13.02.2008

Ab heute steht das Archiv des Spiegels online, meldet Felix Disselhoff in der Medienlese: "Der Clou: Beinahe sämtliche Spiegel-Artikel können als PDF der Originalseite heruntergeladen werden. "

Der Kommunikationswissenschaftler Wolfgang R. Langenbucher kommentiert im blog der Zeitschrift Message die sich abzeichnende Online-Kooperation zwischen WDR und dem WAZ-Konzern, die in ein paar Wochen in einer Pressekonferenz mit dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers höchstpersönlich aus der Taufe gehoben werden soll: "Die gebührenfinanzierte größte und drum reichste Landesrundfunkanstalt der Republik entdeckt nach Jahrzehnten schärfster Systemkonkurrenz wunderbarerweise so intensive Gemeinsamkeiten, dass man die digitale Welt nun miteinander gestalten will, ja muss. Und der Herr Ministerpräsident wird bei einer Pressekonferenz in ein paar Wochen - wenn clevere Juristen und bilanzbesessene Betriebswirte alles längst unter Dach und Fach gebracht haben - seinen Segen dazu geben. Beide mächtigen Medienakteure werden ihm diese Großmut danken; ganz gewiss, denn dafür gibt es täglich genug ganz praktische Möglichkeiten."

"Brockhaus ist am Ende. Punkt." Thomas Knüwer wundert sich in seinem Blog Indiskretion Ehrensache schon, dass die Zeitungen die Meldung vom Tod des Brockhaus nur als Meldung brachten. Das Lexikon soll nur noch online zu lesen sein: "Verkauft wird dies als 'Internet-Offensive'. Doch in Wahrheit ist es das Gegenteil: Es ist die letzte Zuckung eines großen Namens - wieder einmal hat ein Unternehmen der klassischen Medienbranche nicht erkannt, dass sich die Zeiten ändern."

Robert Basic schreibt zum Thema: "Brockhaus? Das ist die quasi ausgedruckte Wikipedia, die man nicht verlinken und nicht editieren kann."

Interessante Kabbelei zwischen Stefan Niggemeier, der Henryk Broder islamophobe Nachlässigkeiten vorwirft, und Henryk Broder, der Stefan Niggemeier den Konsum von Schweinefleisch vorwirft. Niggemeier bringt auch die Urteilsbegründung des Landgerichts Hamburg, das ihn wegen zu später Tilgung eines Leserkommentars belangte.

TAZ, 13.02.2008

Unter der Überschrift "Hört nicht auf ihn!" kommentiert Jan Feddersen in tazzwei die Auslassungen des türkischen Ministerpräsidenten Recep Erdogan über Assimilierung als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" und erklärt mit Rückgriff auf Erkenntnisse aus der Neurobiologie und Politologie, weshalb sie in Wirklichkeit Frieden schafft. "Aus der Neurobiologie ist überliefert, dass es keine Integration ohne Assimilierung gibt. Wer in ein System will, muss sich an es anpassen - und wird sich verändern. So wie auch das gegebene System sich mit den neuen Teilen verändert. Gesellschaftlich gesprochen: So wie die Attributierung 'deutsch' schon immer eine künstliche Anordnung des nicht Anzuordnenden war, so hat sich dieses Land grundsätzlich durch Migranten verändert."

Wie man es in der Türkei mit der Assimilierung von Kurden, Armeniern und Christen hält, erklärt Jürgen Gottschlich. Und Daniel Bax fragt: "Welches Integrationskonzept hat man denn in Deutschland?"

Auf den Kulturseiten informiert Katrin Bettina Müller über die ausgewählten Teilnehmer am diesjährigen Berliner Theatertreffen und die Rückkehr des Schauspielertheaters. Alexander Cammann wirft einen Blick in die aktuelle Ausgabe des Merkur, in der die Lage der Kunst im öffentlichen Debattenraum analysiert wird. Und Antonia Herrscher berichtet über eine Berliner Initiative namens Bürgerverein Luisenstadt e. V., die sich allwöchentlich trifft, um bei der Gestaltung des Stadtraums mitzureden.

Besprochen werden der Film "Dyn Amo" des gehbehinderten Regisseurs Stephen Dwoskin von 1972, der jetzt auf DVD erhältlich ist, und eine Biografie des Soziologen Muruchi Poma über den bolivianischen Staatspräsidenten Evo Morales (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Kritiken zur Berlinale: Errol Morris' zweistündige Doku-Fiction "Standard Operating Procedere" über Abu Ghraib (Wettbewerb der Berlinale), Peter Geyers Film "Jesus Christus Erlöser" über einen legendären Auftritt von Klaus Kinski (Forum) in der Berliner Deutschlandhalle. Weitere Filmbesprechungen gibt's auf den Berlinale-Seiten der taz.

Und Tom.

NZZ, 13.02.2008

Jörg Plath unterhält sich mit dem russischen Schriftsteller Vladimir Sorokin über seinen neuen Roman "Der Tag des Opritschniks", das Raussland Iwans des Schrecklichen und Wladimir Putin: "Die Opritschnina ist in der russischen Literatur nicht adäquat beschrieben worden. Sie ist so monströs, dass sich die russischen Schriftsteller wohl geniert haben. Es gibt eigentlich nur einen Roman über sie, Alexei Konstantinowitsch Tolstois 'Der silberne Fürst'. Er behandelt das Thema sehr vorsichtig. Solange aber ein Phänomen nicht beschrieben worden ist, bleibt es lebendig. Daher ist die Opritschnina bis heute nicht gestorben. Und die heutige Staatsmacht in Russland umgibt sich mit genau solchen Opritschniki - den Silowiki. Das sind die Angehörigen der sogenannten Machtministerien, der Strafverfolgungsbehörden, des Militärs, des Geheimdienstes."

"Das gab es noch nie: eine Berlinale bei Frühlingswetter", verzeichnet Susanne Ostwald zur Halbzeit des Wettbewerbs. Aber im Großen und Ganzen war es das auch schon mit den großen Ausnahmeerscheinung. Ihre Favoriten für die Bären bisher: Paul Thomas Andersons Parabel "There Will Be Blood" und Isabel Coixets "Elegy".

Weiteres: Lilo Weber berichtet von der nahezu einhelligen Ablehnung, auf die der Erzbischof von Canterbury auch unter muslimischen Gemeinden mit seinem Vorschlag gestoßen sei, Teilbereiche der Scharia in Großbritannien einzuführen. Als einen "Anschlag auf die Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts" verdammt Christoph Becker den Kunstraub von Zürich. Besprochen werden Paul Dukas' Oper "Ariane et Barbe-Bleue" in der Oper Frankfurt und Bücher, darunter Adam Hochschilds Geschichte der Abschaffung der Sklaverei "Sprengt die Ketten" (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
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FR, 13.02.2008

In Italien ist die Regierung von Romano Prodi gestürzt, bevor sie eine Änderung des Wahlgesetzes durchbringen konnte, schreibt Aureliana Sorrento: Ein neues Wahlrecht, über das die Italiener im Mai hätten abstimmen sollen, "würde die Klein- und Kleinst-Parteien, welche die gegenwärtigen Mitte-Rechts- und Mitte-Links-Bündnisse übervölkern, ruckzuck von der Politbühne fegen. Das brächte nicht nur stabilere Mehrheiten, sondern auch viele Abgeordnete, ihren Tross und die Lobbys, die sie stützen, um ihre Pfründe. Nun wird das Referendum um ein Jahr verschoben, wenn das Wahlvolk im April an die Urnen gerufen wird, gelten weiterhin die Regeln des 'Porcellum'." Und das begünstigt in der jetzigen Situation vor allem Berlusconi.

Weitere Artikel: Axel Brüggemann informiert über Wolfgang Wagners Pläne zur Gründung einer Medien-Gruppe, die der Globalisierung der "Werkstatt Bayreuth" dienen soll. Peter Michalzik stellt die Auswahl zum Berliner Theatertreffen vor. Und in Times mager kommentiert Christian Thomas den spektakulären Kunstraub im Zürcher Museum "Sammlung EG Bührle".

Besprochen werden die Berlinale-Beiträge "Jesus Christus Erlöser" des Kinski-Biografen Peter Geyer, der Eröffnungsfilm der Dokumente-Sektion "A Jihad for Love" von Parvez Sharma, "Coupable" von Laetitia Masson,"Transsiberian" von Brad Anderson und John Crowleys Fernsehproduktion "Boy A", außerdem ein Inszenierung von Händels "Theseus" an der Komischen Oper Berlin.

Perlentaucher, 13.02.2008

Dritter Teil des Vorabdrucks aus Götz Alys Buch "Unser Kampf" über 1968: "Nicht selten wird behauptet, die Revolte sei deshalb so heftig verlaufen, weil die Nazivergangenheit in der westdeutschen Öffentlichkeit einvernehmlich beschwiegen worden sei. Das Gegenteil ist richtig. In ihrer spezifischen Abkehr von der Wirklichkeit müssen die schweren gesellschaftlichen Turbulenzen von 1968 vielmehr als Flucht vor den zunehmend thematisierten, in immer deutlicheren Konturen sichtbaren deutschen Verbrechen gedeutet werden."

Welt, 13.02.2008

Hendrik Werner kommentiert den "Lexitus" des Brockhaus: "Was in der heraufkommenden Online-Ära lexikalischen Wissens aber gleichfalls schwinden wird, ist die Aura des Buches. Denn mit der medialen Akzentverschiebung bei Brockhaus und Co. ist ein bedeutsames Kapitel der Kulturgeschichte des Wissens gleichsam zu Ende erzählt." Chefredakteur Thomas Schmid schreibt zum Thema: "Nicht das Buch an sich ist betroffen - der Roman hat seine Zukunft. Betroffen ist nur das Buch, das aktueller Wissensspeicher sein will."

Die in Berlin lebende, rumänische Schriftstellerin Carmen-Francesca Banciu reist mit uns ins rumänische Siebenbürgen. Hier liegt das Dorf Jucu, in dem Nokia sein neues Werk errichten will. "Die Siebenbürger, die fälschlicherweise in Deutschland ausschließlich mit den Sachsen aus Rumänien assoziiert werden, sind ein ruhiger und bedachter Menschenschlag. Eine Initialzündung wirkt bei ihnen spät. Dann aber haben sie einen langen Atem. Als 2005 der schwedische Ikea-Zulieferer Ecolor sich als erstes ausländisches Unternehmen nach Jucu wagte und 170 Menschen beschäftigte, verband das Dorf damit keine großen Hoffnungen auf einen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Leute blieben weiter Kleinbauern. Für die Taube auf dem Dach wollten sie nicht den Spatz aus der Hand lassen."

Weitere Artikel: Johanna Schmeller warnt vor einem drohenden Verfall des seit seiner Eröffnung nicht sanierten Deutschen Museums in München. Uta Baier fordert, endlich die Provenienzforschung wirklich in Angriff zu nehmen. Florian Stark ermittelt im Zürcher Kunstraub, Experten verbuchen die Tat auf das Konto organisierter Krimineller. Matthias Heine porträtiert den Theater-Schauspieler Mark Waschke.

Besprochen werden die Mark-Rothko-Retrospektive in der Münchner Hypo-Kunsthalle und Berlinale-Filme, darunter die Klaus-Kinski-Dokumentation "Jesus-Christus-Erlöser", Errol Morris' Abu-Ghraib-Film "Standard Operating Procedure" und der "Trip to Asia" mit den Berliner Philharmonikern.

Online zu lesen ist jetzt auch Hanns-Georg Rodeks sehr erhellender Artikel von gestern über die Cinema-for-Peace-mit-Putin-Gala.

Spiegel Online, 13.02.2008

Spiegel Online zitiert aus einer Erklärung Steven Spielbergs, der wegen der chinesischen Darfur-Politik von seinem Amt als Berater der Olympischen Spiele in Peking zurücktritt: "An diesem Punkt darf meine Zeit und Energie nicht für olympische Zeremonien aufgewendet werden. Es geht darum alles dafür zu tun, dass den unbeschreiblichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die weiter in Dafur passieren, endlich Einhalt geboten werde,"

FAZ, 13.02.2008

Regina Mönch glaubt nicht an die Behauptung des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan, dass Zweisprachigkeit eine bessere Integration ermögliche: "Der renommierte Mannheimer Soziologe Hartmut Esser hat in einer umfangreichen Studie nachgewiesen, dass der Nutzen muttersprachlichen Unterrichts völlig überschätzt wird. Die wenigen aussagekräftigen Forschungen belegen, dass Bilingualität im Vergleich zu sprachlicher Assimilation von Einwanderern kein Vorteil ist. Bestenfalls ist sie kein Nachteil. In den Vereinigten Staaten konnte dieser Vorteil nicht einmal bei der großen Gruppe der hispanischen Kinder festgestellt werden."

Weitere Artikel: Der Schriftsteller Heiko Michael Hartmann antwortet auf den Vorwurf Richard Kämmerlings', die Schriftsteller von heute hätten zu wenig Realitätsbezug. Paul Ingendaay erzählt in einer lehrreichen Glosse, wie Dr. Oetker den Spaniern die Vorteile der Tiefkühlpizza - die der bisher in Spanien üblichen Kühlschrankpizza deutlich überlegen ist - mit großem Erfolg nahebrachte. Rose-Maria Gropp recherchiert, wie das Land Baden-Württemberg schon wieder beim Verkauf einer Handschrift - in diesem Fall eines "Hausbuchs" der Fürsten Waldburg - geschlafen hat. Das Programm des Thatertreffens wird vorgestellt und gemeldet, dass sich Günter Grass und sein Biograf Michael Jürgs in dem Streit um die Darstellung von Grass' SS-Mitgliedschaft außergerichtlich geeinigt haben. Jürg Altwegg wirft einen Blick in Schweizer Zeitschriften. Jürg Altwegg meldet auch, dass der Bürgermeister von Montpellier allen Ernstes eine Lenin-Statue aufstellen lassen will.

Auf der Berlinale-Seite schreibt Bert Rebhandl über Dominik Wesselys Dokumentarfilm "Gegenschuss" über die heroischen Zeiten des neuen deutschen Films. Andreas Platthaus hat Errol Morris' Dokumentarfilm "Standard Operating Procedure" über Abu Ghraib gesehen.

Auf der Medienseite kommentiert Michael Hanfeld die Meldung, dass gegen einen der dänischen Karikaturisten der Mohammend-Karikaturen, Curt Westergaard (mehr hier) ein Attentat vorbereitet wurde. Auf der letzten Seite schreibt Günter Paul über estnische Raketenversuche, die das Überleben von Pflanzen in Schwerelosigkeit untersuchen. Jürg Altwegg porträtiert Ayaan Hirsi Ali, der der französische Staat trotz einer Initiative Bernard-Henri Levys keine Staatbürgerschaft geben will. Und Marta Kijowska berichtet, dass in Danzig ein Günter-Grass-Musueum entstehen soll.

Besprochen werden ein Klavierabend Pierre-Laurent Aimards mit Bachs "Kunst der Fuge" in München und Othmar Schoecks Kleist-Oper "Penthesilea" in Dresden.

SZ, 13.02.2008

Das Wort "Assimilation" in Recep Tayyip Erdogans Rede war vielleicht etwas unglücklich gewählt, meint Thomas Steinfeld, aber man sollte sich dennoch damit auseinandersetzen: "Mit dem falschen Begriff 'Assimilation' hat er ein Problem angesprochen, das die Realität der (bisher oft misslingenden) Integration seiner Landleute prägt: die Unsicherheit, die auch auf deutscher Seite darüber herrscht, wie denn die 'Mehrheitsgesellschaft', in die man sich integrieren soll, in den nächsten Jahren aussehen wird."

Weitere Artikel: Dieter Borchmeyer erinnert an die Münchner Intrige gegen Thomas Mann vor 75 Jahren. Thomas Urban berichtet über fortgesetzte Hetzattacken in Polen gegen den amerikanischen Historiker Jan T. Gross. Der Publizist und Terrorismusexperte Berndt Georg Thamm stellt im Interview sein neues Buch "Der Dschihad in Asien" vor. Alexander Menden informiert über geldwerte Bemühungen der Royal Academy in London, den öffentlichen Auftritt von zwei "rechtmäßige Erben" einiger in der Schau "From Russia" gezeigten Bilder zu verhindern. Wenig überraschend findet es Ingo Petz, dass die Regierung in Weißrussland plötzlich freundliches Interesse für verbotene Bands zeigt: "Viel stärker als die schwache und dauerzerstrittene parteipolitische Opposition ist in den vergangenen Jahren schließlich die Musikszene ein stetig wachsendes Sammelbecken für Weißrussen mit einer diffuse Anti-Lukaschenko-Haltung." Oliver Herwig stellt zwei "ikonische" Stuhlentwürfe der beiden Münchner Designer Stefan Diez und Konstantin Grcic vor, die den Freischwinger und Thonets Kaffeejausstuhl neu interpretieren. Christine Dössel kommentiert die Auswahl zum Berliner Theatertreffen. Fritz Göttler führt durch die Retrospektive der Berlinale, die Luis Bunuel gewidmet ist. Und Willi Winkler schildert in einer Glosse das Ernährungsproblem während der Filmfestspiele.

Besprochen werden Errol Morris' Berlinale-Wettbewerbsbeitrag "Standard Operating Procedure", eine Werkretrospektive des Malers Peter Doig in der Tate Britain, eine Inszenierung der Oper "Penthesilea" des Schweizer Komponisten Othmar Schoeck an der Dresdner Semperoper, ein Münchner Konzert des Pianisten Pierre-Laurent Aimard mit Bachs "Kunst der Fuge" und Bücher, darunter Verena Stefans Roman "Fremdschläfer" und eine Geschichte der Schweizer Schokolade. (mehr dazu in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr)

Archiv: Heute in den Feuilletons

Schnecken-Porridge, schwarzer Pudding

12.02.2008. Die Welt weiß, warum die Cinema for Peace-Gala bei der Berlinale eher eine Cinema for Peace with Putin-Gala war. Die FAZ findet: Borges war ein Internet, in das man sich versenken kann. Die taz fragt, ob es Künstler-Künstler heute überhaupt noch geben kann, wo das Leben so teuer ist. Die NZZ lernt Creative Writing mit Martin Amis - für 3.240 Pfund. Die SZ fand die Sammlung Bührle nicht ausreichend gesichert, teilt es aber jetzt erst mit. Mehr lesen

Wie ein Vieh im Schlachthof

11.02.2008. Claus Peymanns Inszenierung von Shakespeares Richard III. stößt auf wenig Begeisterung: "lauwarmes Fußbad-Theater". In der taz erzählt der deutschtürkische Journalist Deniz Yücel, warum die Türken bis heute von Solingen und Mölln traumatisiert sind. Der Perlentaucher bringt den ersten Vorabdruck aus Götz Alys neuem Buch "Unser Kampf": Wie die Kursbuch-Herausgeber sich der Argumentationshilfe eines Nazis versicherten, um Maos Kulturrevolution zu feiern. Mehr lesen

Verlockend schwarz und glänzend

09.02.2008. In der Berliner Zeitung spricht Andzrej Wajda über seinen Katyn-Film. Die FR begrüßt P.T. Andersons Film "There Will Be Blood" als erstes Meisterwerk der Berlinale. In der SZ macht sich Robert Kagan Sorgen über Russland und Europa. In der Welt sieht Niall Ferguson die Demokratie auf dem Rückzug. In der FAZ schreibt Necla Kelek: "Wir dürfen die Gewalttätigkeit von jungen Migranten nicht kleinreden." Mehr lesen

Der Akt geht weiter

08.02.2008. In der FAZ erklärt Jorge Semprun, warum er Jonathan Littells Roman "Die Wohlgesinnten" so bewundert. Außerdem kritisiert der britische Philosoph John Gray die grüne Position zur Klimakrise als illusorisch. Die NZZ beklagt die politische Krise Italiens und die Welt die Krise in den deutsch-italienischen Kulturbeziehungen. Der Tagesspiegel kritisiert die FAZ-Inszenierung um Littells Roman "Die Wohlgesinnten". In der taz lernen wir: Green Porno, das sind Kurzfilme fürs Handy über Tiere, die Sex haben. Und die sind von und mit Isabella Rossellini. Mehr lesen

Platt wie leere Briefumschläge

07.02.2008. In der nachtkritik erklärt Roman Pawlowski, wie die Kaczynskis das polnische Theater politisiert haben. In der taz skizziert Adam Krzeminski, was wir über die Polen nicht wissen. Die SZ berichtet über eine Klage gegen Jan T. Gross' Buch "Angst". In Spiegel online kritisiert Theaterintendant Ulrich Khuon den grenzenlosen Kulturbegriff deutscher Feuilletons. In der NZZ überlegt der Schriftsteller Meja Mwangi, wer für die Gewalt in Kenia verantwortlich ist. Ein bisschen pervers fühlt sich Jeanne Moreau in der Zeit. Mehr lesen

In Pest blätterte der Putz

06.02.2008. Robert Menasse fragt in der Presse: Was ist jüdisch in den "Jüdischen Porträts" von Herlinde Koelbl? Focus Online greift einen Bericht der New York Times über eine muslimische Initiative gegen Mohammed-Porträts in Wikipedia auf. In der SZ legt Budapest sein schönes Haupt unter die Klinge der Zeit, zumindet laut Andrzej Stasiuk. Die NZZ fragt: Warum ist Tariq Ramadan gegen das Gastland Israel bei der Turiner Buchmesse? Die Berliner Zeitung fragt: Waren die 68er wie die 33er? Mehr lesen

Die Leser gaben an der Ostfront auf

05.02.2008. Die Presse kritisiert die inszenatorischen Riesenmaschinerie der FAZ um Jonathan Littells Roman die "Wohlgesinnten". In der Achse des Guten kritisiert Richard Wagner die Kosovo-Politik der EU. In der NZZ schildert der Amsterdamer Schriftsteller Abdelkader Benali die Ermüdung der niederländischen Muslime angesichts immer neuer Debatten über den Islam. In der FAZ kritisiert der Islamwissenschaftler Tilman Nagel die Absolutheitsansprüche des "Scharia-Islams". Mehr lesen

One-Trick-Pony

04.02.2008. Inszenierung der Woche: ganz klar Ibsens "Wildente" in Michael Thalheimers Inszenierung, groß besprochen, wenn auch nicht einhellig. Die Blogs fragen: "Microhoo - Microwho?" und zitieren auch eine empörte Reaktion von Google selbst, das die Freiheit im Internet in Gefahr sieht, zumindest die eigene. In der NZZ erzählt Bora Cosic, wie in Jugoslawien in den Fünfzigern die Realität abhanden kam. Mehr lesen

Groß und kalt

02.02.2008. Die FAZ bringt das nächste ganz große Ding - den Vorabdruck von Jonathan Littells Roman "Die Wohlgesinnten", samt Leseraum im Internet und Verständnishilfestellung von führenden Experten. In der FR spricht Philip Roth über seine Arbeit als Schuster. In der NZZ ruft der Althistoriker Christian Meier den Homer-Thesen Raoul Schrotts entgegen: Wir sind Kinder des Okzidents. Die SZ sieht Italien in Klientelismus versinken. In der taz fordert Geert Mak Personenschutz für Ayaan Hirsi Ali. Mehr lesen

Ja, wir haben gepennt

01.02.2008. Im Guardian warnt Timothy Garton Ash vor dem außer Kontrolle geratenden britischen Schnüfflerstaat. Die taz berichtet, dass Juli Zeh Verfassungsbeschwerde gegen den von Otto Schily propagierten biometrischen Reisepass eingelegt hat. In der FR erklärt Götz Aly, dass es keinen Grund gibt, auf '68 stolz zu sein. Die NZZ besucht die Avantgarde der Verderbtheit: Neapel. Und die SZ prophezeit das Ende der USA. Mehr lesen

Robert posiert nicht

31.01.2008. Telepolis interviewt den Internetaktivisten Alex Au-Waipang, der erklärt, wie Internetzensur in Singapur funktioniert: einfach Angst machen. Die Präsenz des US-Wahlkampfs im Netz könnte die Priesterschaft der Journalisten beenden, meint David Bohrman, Bürochef von CNN, in der FAZ. Die Zeit ruft den Museen zu: "Schafft die Entrittsgelder ab!" Überall wird Falk Richters "Kirschgarten"-Inszenierung an der Berliner Schaubühne besprochen.
Mehr lesen

Jeweilige Eigenlogik

30.01.2008. Spiegel Online geißelt Zensur im Netz und gesellschaftliche Apathie, die sie möglich macht. Die taz übt sich nach neuesten Äußerungen des SPD-Vorsitzenden schon mal in der Begrifflichkeit des Marxismus-Beckismus. Für die NZZ hat die Entmachtung der Intermediäre nach reiflicher Überlegung einen Namen: Carla Bruni. In der Presse erzählt Daniel Kehlmann von der Welt der "Vermessung der Welt". Die Welt erwartet sich von den wiedergefundenen Capa-Negativen Positives über das berühmteste Bild des Fotografen. Der FAZ fehlt Gegenwart in der Literatur. Mehr lesen

Immer Feinsinn und Verzweiflung

29.01.2008. Die Berliner Zeitung mag nicht mehr ans Genre des Kunstlieds glauben. Die NZZ schildert, wie ein Maniac das New Yorker Nachtleben mit intellektuellen Inhalten bereichert. In der Welt gibt der Althistoriker Robert Rollinger zu: Seine Disziplin ist über Homer doch recht zerstritten. Die SZ warnt vor dem Zweiklassennetz. Und sie bewundert den mutwillig-revolutionären Pianisten Nikolai Tokarev. Ausgerechnet bei Mozart. Mehr lesen

Zu klein für achtzig Kilo

28.01.2008. In der Berliner Zeitung meint Götz Aly: Die 68er sind der Nazizeit ausgewichen, statt sich mit ihr auseinanderzusetzen. In der taz porträtiert Gabriele Goettle eine Bodybuilderin, die gern 15 Kilo zunehmen möchte. In der Welt kritisiert Tom-Cruise-Biograf Andrew Morton den FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher. Die FAZ lobt Mortons Cruise-Biografie. Die FR ist ergriffen von Dea Lohers Stück "Das letzte Feuer". Mehr lesen

Wertsteigernder Durchlauferhitzer

26.01.2008. Am Beispiel von Barack Obama erklärt Diedrich Diederichsen in der taz die subtilen Unterschiede von Schwarzen und nicht Weißen. Das Blog turi2 berichtet, dass Zeitungskonzerne und Öffentlich-Rechtliche schon in trauter Runde über eine innige Kooperation im Netz verhandeln. Die Berliner Zeitung begibt sich in Thomas Braschs Jahr 1968. Die FAZ fragt: Wie geht's weiter im Frankfurter Museum für Moderne Kunst und mit geschiedenen Frauen? In der SZ sieht der afroamerikanische Autor Uzodinma Iweala das postrassistische Zeitalter noch keineswegs als gekommen an. Mehr lesen