Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
01.07.2004. In der Zeit fragt sich Anne Tismer, ob sie erotisch ist. In der Berliner Zeitung erklärt der Berliner Kultursenator eine ganz normale Kündigung. Die FR zitiert Frank Castorfs Kommentar zu einem Scheitern in Recklinghausen: "Och, naja." Und die Welt beweist: Wenn die Linke verkümmert, hat die Rechte Phantomschmerzen.

Zeit, 01.07.2004

In einem sehr schönen Gespräch erzählt die Schauspielerin Anne Tismer von ihren Problemen auf der Bühne mit der Erotik ("Ich will schon erotisch sein, aber wahrscheinlich klappt's nicht."), mit Witz ("Wenn Du denkst, du hast'n, springt er aus dem Kasten"), mit der Nora ("So blöde kann doch kein Mensch sein!") und den Intellektuellen: "Ich hatte mal einen Freund, der hatte sich beschwert, dass man sich mit mir nicht intellektuell auseinander setzen könne. Ich muss mich aber leer machen, wenn ich an einer Rolle arbeite; dann kann ich nicht lesen, das macht mir das Spielen kaputt. Ich kann dann nicht mal Zeitung lesen. Fernseher hab ich sowieso nicht, und in Probenzeiten hör ich auch keine Musik, das überfordert mich."

Die halbe Zeit und im ganzen Leben geht's um Fußball, um 2004, 2006, meist aber um 1954, im Feuilleton erklärt Christof Siemes, warum: "Heute muss sich Deutschland nicht nur im Fußball, sondern auch in Sachen Ökonomie, Bildung, Sozialstaat ans Verlieren, Absteigen, an eine neue Mittelmäßigkeit und Unsicherheit gewöhnen. Da erscheint der überraschende Erfolg über Ungarn als Sternstunde eines Goldenen Zeitalters, an dem man sich in der Krise orientiert. An das Wunder von Bern zu glauben heißt, dass man das Unmögliche schaffen kann. Der Bundeskanzler, so hört man, hat beim Anblick von Wortmanns Film geweint."

Weiteres: In der Randglosse erinnert Peter Kümmel an Frank Castorfs Antrittsrede als Leiter der Ruhrfestspiele ("In Woodstock war vorher auch nicht viel. Und Woodstock wird man sein Leben lang nicht vergessen"), um ihn dann aber in Schutz zu nehmen: "Dass das Publikum wegblieb, kann Castorf nicht angelastet werden." Julia Gerlach berichtet von einem neuen Trend in der arabischen Welt: "Westforschung". Dabei, vermutet sie, geht es allerdings nicht so sehr um die Förderung des Dialog zwischen den Kulturen, sondern eher um strategische Erforschung des Gegners. Mathieu von Rohr hält die Raubkunstklage des US-Anwalts Ed Fagan gegen Deutschland (Streitwert 18 Milliarden Euro) zwar für absurd, aber nicht gänzlich aus der Luft gegriffen.

Georg Seeßlen begründet zum Start von "Spiderman 2" das Genre der Fortsetzung. Thomas Groß lauscht der Band Wilco auf der Suche nach dem nie gehörten Song. Hanns Zischler streitet weiter über den Deutschen Filmpreis fort. Michael Mönninger hat bei einer Begegnung mit Marcel Marceau feststellen müssen, dass der reden kann wie ein Wasserfall. Wolfram Goertz schreibt zum 150. Geburtstag des Komponisten Leos Janacek. Hanno Rauterberg hat im Angesicht von Renzo Pianos Kirche in San Giovanni Rotondo eine Ahnung von Unendlichkeit bekommen. Zu lesen ist außerdem eine "Moralische Geschichte" von Irene Dische.

Besprochen werden Samira Makhmalbafs Afghanistan-Film "Fünf Uhr am Nachmittag", die Paul-Pfeiffer-Schau im Düsseldorfer K21, in der Marilyn-Monroe-Bilder ohne die Monroe zu sehen sind und Muhammad-Ali-Filme ohne Ali.

Den Literaturteil eröffnet Thomas Assheuer mit einer - kritischen - Besprechung von Giorgio Agambens "Ausnahmezustand".

Im Dossier berichtet Charlotte Wiedemann in einer sehr schönen Reportage vom immer erfolgreicheren Kampf der pakistanischen Frauen um Gleichberechtigung, auch in den ländlich-feudalen Gebieten, in denen noch Burka, Clangesetze und Purdah herrschen.

Berliner Zeitung, 01.07.2004

In der Berliner Zeitung rechtfertigt Berlins Kultursenator Thomas Flierl seine Kündigung des Vertrages von Volker Hesse, Intendant des Maxim-Gorki-Theaters: "Das ist ein ganz normaler Vorgang: kulturelle Institutionen werden befristet geleitet, das ist der Sinn solcher Verträge. Fünf Jahre sind eine lange Zeit. Danach ist es ganz üblich, Neues in der Theaterlandschaft umzusetzen ..." Die Interviewer Birgit Walter und Harald Jähner trauen sich erst ganz am Schluss ihn zu fragen, ob er Ostdeutsche bevorzugt. Das streitet der Senator natürlich ab: "Ich habe mehrmals erklärt, dass ich Herkunft nicht für eine Qualifikation halte. Hier wird doch das Klischee von dem PDS-Senator bedient, der sich in Ost-Revanche übt. Dabei habe ich mich von Anfang an gegen die Benachteiligung des Westens in Kultur und Wissenschaft eingesetzt - mit dem Erhalt des Studentendorfs Schlachtensee, des Benjamin-Franklin-Klinikums, der Konsolidierung der Deutschen Oper. Und in der kulturellen Mitte der Stadt soll ich plötzlich nicht mitbestimmen? Wieviele Leiter kultureller Institutionen stammen denn in Berlin aus dem Osten?"

FR, 01.07.2004

"Der Mehrkampf um die letzten Leseminuten der Menschheit hat begonnen", meldet Harry Nutt. "Vergleicht man auf die Schnelle ein paar jüngere Beispiele, dann kommt Literaturvermittlung immer öfter als eine Art Greenpeace-Aktion für bedrohtes Alphabetentum daher. Wer auf sich hält, ist mit einem persönlichen Kanon am Markt ... Ein Verlag aus dem Süddeutschen legt zu diesem Prinzip einen eigenen Buchclub mit Titeln auf ... und demnächst dürfen Leser und Fernsehzuschauer, denen die 'Spiegel'-Bestseller-Liste zu wenig marktgeprüft erscheint, die Charts ihrer Lieblingsbücher erstellen. Unter dem Titel 'Unsere Besten - das große Lesen' suchen das ZDF und die Frankfurter Allgemeine Zeitung das Lieblingsbuch der Deutschen."

"Gestern nun kam Castorfs Stunde und er schlug zurück", berichtet Thomas Medicus aus dem Grünen Salon der Berliner Volksbühne, wohin der als Intendant der Ruhrfestspiele geschasste Hausherr gestern zur Pressekonferenz lud. "Hauptstadtjournaille, Fernsehkameras, surrende Fotokameras, Mikrofone zuhauf, kleiner runder Tisch, ein Sessel, Spot auf den Einzeldarsteller. Eine Erklärung hatte Castorf nicht vorbereitet. Fragen? Nein, man wollte ihn, nur ihn zum angeblichen Recklinghäuser Scheitern hören. 'Och, naja,' hub der Volksbühnenintendant nonchalant an, 'mir sind solche Situationen nicht fremd, habe ich ja in der DDR häufig erlebt, dort arbeitsrechtliche Prozesse geführt und auch gewonnen."

Weitere Artikel: Ulrich Speck zeigt wenig Sympathie für den Generaldirektor der Staatlichen Museen in Berlin, (in deren Kontext künftig die Flick-Kollektion zu sehen sein wird), Klaus-Peter Lehmann und seine gestern in Berlin erläuterten Pläne, wie er die Forderung von Kulturstaatsministerin Christina Weiss erfüllen will, "die Familiengeschichte Flicks in Verbindung mit der Ausstellung dem Publikum in geeigneter Weise, z. B. durch Buchpublikationen und -materialien sowie Sonderveranstaltungen nahe zu bringen." Besprochen wird Thomas Langhoffs Eröffnungsinszenierung der Münchner Opernfestspiele mit Richard Wagners "Die Meistersinger von Nürnberg, die Hans-Klaus Jungheinrich deutlich zu herbstorientiert fand: "Die älteren Herren hatten auch auf der Bühne das Singen und Sagen ... Und dann deutlich langstrecken- und bandwurmmäßig. Mitunter sogar mit Schleppneigung."
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TAZ, 01.07.2004

"Manche Leute denken, dass schmerzhafte Dinge immer hässlich sein müssen," sagt die junge iranische Regisseurin Samira Makhmalbaf (mehr hier) in einem Gespräch mit Cristina Nord. "Aber manchmal ist etwas, worunter man leidet, schön. Wenn Sie jemanden ansehen, der weint, dann sind seine Augen schön - selbst wenn man weiß: Dieser Mensch leidet. Afghanistan ist nicht hässlich, es ist wunderschön. Die Burkas sind schön und im selben Augenblick ein Gefängnis. Schönheit und Schmerz können dicht beieinander liegen."

Besprochen werden Danny DeVitos neue Komödie "Der Appartment-Schreck", Samira Makhmalbafs Film "Fünf Uhr am Nachmittag", ein Konzert der Pixies in der Berliner Wuhlheide und Andrew Adamsons Animationsfilm "Shrek 2" (nein, liebe taz, kein Disney- sondern ein Dreamworks-Film, das ist ja gerade der Witz.)

Schließlich TOM.
Stichwörter: Afghanistan, Pixies, Disney

SZ, 01.07.2004

"Nachdem er also beim diesjährigen Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt im Jankerl gesehen worden war, hieß es gleich in der Berichterstattung: Er habe 'einen Hang zum CSU-mäßigen Outfit'." schreibt Ioma Mangold in einem Porträt des in Dresden geborenen Klagenfurt-Siegers Uwe Tellkamp. "Das stimmt zwar - und trifft doch gar nicht ... Vielleicht spiegelt sich darin doch noch einmal eine Ost-West-Inkompatibilität wieder. Denn dass Oberflächen und Außenseiten immer ein ideologisches Statement sind, weiß jeder Westsozialisierte . Es gibt nicht 'keinen Dresscode'. Alles wird als Zeichen gelesen, semiotische Neutralität ist nicht vorgesehen. Ein Dichter im Jankerl ist eben ein Dichter im Jankerl. Und das hat dann weitere ideologisch-ästhetische Konsequenzen. Denn ein Dichter im Jankerl ist ein konservativer Dichter. Und ein konservativer Dichter ist einer, der auf Pathos und heiligen Kunsternst macht. Unter dem Eindruck solcher formatierter Urteilsketten ist man dann längst blind für eine Haupteigenschaft von Tellkamps Schreiben: Die Lust am Knallchargen-, Theatermäßigen, am Klamauk, am Circensischen, am Spiel und am Überraschungseffekt."

Der irakischer Schriftsteller Najem Wali (mehr hier) liefert einige traurige Gedanken zur Bedeutung des 1. Juli für sein Land: "Der 1. Juli, der Tag des kollektiven Geburtsdatums, ist und bleibt ein Tag von zweifelhaftem Charakter. Nach dem Sturz der von den Briten eingesetzten Herrscherfamilie im Juli 1958 scherte sich der junge Nationalstaat nicht um die Geburtsdaten seiner Bürger. Er legte ein einheitliches Geburtsdatum fest, den ersten Tag der zweiten Hälfte des Jahres, eben den 1. Juli. In der Antike galt dieser Monat im Zweistromland als Monat der Fruchtbarkeit. In der modernen Geschichte wurde er zum Monat der Militärputsche, des Mordens und Schlachtens."

Weitere Artikel: Jens Bisky schlägt angesichts der Thesen von Klaus von Dohnanyis Ostkommission die Hände über dem Kopf zusammen: Wirtschaftsförderung sei gerade nicht die Lösung, man müsse vielmehr gestalten: Bildung fördern, Pendler unterstützen und vielleicht "Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen zu einem Bundesland zusammenfassen", meint Bisky. Frank Arnold hat den Schauspieler Vincent Cassel zu seinen Filmen und Vorbildern befragt. Hans Schifferle gibt Einblicke in das junge asiatische Kino. Ralf Berhorst war in Berlin auf einer Tagung zum Verhältnis zwischen Deutschland und Italien. Henning Klüver feiert Renzo Pianos Wallfahrtskirche in S. Giovanni Rotondo, die heute geweiht wird ("... trotz seiner gewaltigen Dimensionen haftet diesem Kirchenbau etwas Lyrisches an."), und Susan Vahabzadeh gratuliert Hollywood-Regisseur Sidney Pollack zum siebzigsten Geburtstag.

Besprochen werden Thomas Langhoffs Inszenierung von Richard Wagners "Die Meistersinger von Nürnberg", die die Münchner Opernfestspiele eröffnete und die Kritiker Joachim Kaiser missfiel: "Zuviel der Turnerei, Balgerei. Ein ortloser Frohsinn, wie man ihn aus volkstümlichen ehemaligen DDR-Aufführungen schaudernd wiedererkannte", Samira Makhmalbafs Film "Fünf Uhr am Nachmittag", Jan Kounens Comic-Verfilmung "Blueberry" und Bücher, darunter Michael Rutschkys Reflexionen über das Verhältnis der Deutschen zu den USA "Wie wir Amerikaner wurden" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr.)

NZZ, 01.07.2004

Vor zweihundert Jahren wurde George Sand (mehr hier oder hier) geboren, "eigentlich Amantine-Aurore-Lucile Dupin, verheiratete Dudevant, Schriftstellerin, Aristokratin, Frauenrechtlerin, Sozialistin, romantische Geliebte und rauchendes Mannweib". Ursula Pia Jauch erinnert an die Heroine und ihre ach so moralischen Richter: "Charles Baudelaire bezeichnete sie als dumme und geschwätzige 'Kloake', deren moralische Begriffe gleich tief seien 'wie die der Hausmeister und der ausgehaltenen Mädchen'. Friedrich Nietzsche, immer gut bei Wort, wenn es ums Schmähen ging, sah im schriftstellernden 'Herrn' Sand eine laktierende 'Milchkuh mit schönem Stil'. Hinter der Anspielung auf die Geschwätzigkeit ihres Geschlechts - das sie ja ohnehin mit 'falschen' Attrappen, mit Hosen etwa und Zigarettenrauch, vernebelte - verbarg sich allerdings ein Anliegen, das um 1840 offensichtlich überaus neu und überaus skandalös war: das Recht auf leidenschaftliche Liebe."

Hanno Helbling kontert Kardinal Ratzingers Brandreden gegen die neue europäische Verfassung ("Wir haben es hier mit einer laizistischen Ideologie zu tun, wegen deren die Geschichte nicht das aktuelle Gewissen erreichen darf.") mit dem Hinweis: "Angenommen, eine Verfassung müsse sich auf kulturelle Grundlagen überhaupt beziehen, so wäre es ungefähr richtig, die jüdisch-christliche Religion, das griechische Denken und das römische Recht als die für Europa wichtigsten Elemente zu bezeichnen."

Andrea Köhler wirft einen Blick auf die New Yorker Museumslandschaft, die gerade von Grund auf saniert wird. Besprochen werden Thomas Langhoff "Meistersinger"-Inszenierung bei den Münchner Opernfestspielen, Lautpoesie von Schwitters, Jandl, Lentz und Stein auf CD, Malerei von Peter Doig in Münchner Pinakothek der Moderne, und Bücher, so Cox Habbemas Wendemärchen "Mein Koffer in Berlin" und Robert Lowrys Band "The Little Man Stories" (mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr).

Welt, 01.07.2004

Seltsam: Offensichtlich gibt es keine Linke mehr, jedenfalls keine richtig radikale, und nun sind es gerade die konservativeren Institute wie die FAZ und die Welt, die ihren Phantomschmerz hinausschreien. Gestern Dietmar Dath in der FAZ (hier sein nachträglich freigeschalteter Artikel), heute Eckhard Fuhr, der die Entlassung Frank Castorfs beim Festival Recklinghausen als Symptom nimmt: "Das Scheitern Castorfs an der Ruhr erzählt eine traurige Geschichte, die Geschichte vom kulturellen Tod der Linken." Die Castorf-Welt komme halt noch aus den Neunzigern, erklärt Fuhr weiter: "Sie ist unterirdisch verbunden mit all den 'trüben Späßen' (Heinz Bude) dieses Jahrzehnts, sie ist der Zerrspiegel und die Narrengrimasse der virtuellen Ökonomie, des Börsenfiebers und der illusionären Lebensentwürfe. Sie wurde goutiert von Leuten, die glaubten, das Stofflich-Soziale ein für allemal hinter sich gelassen zu haben. Die ließen sich unterhalten von der Parodie der Parodie der Parodie des sozialen Dramas."

Nur Konrad Adam kann seine innige Freude über das Straucheln des Regietheaterstars in einem Kommentar zum selben Thema nicht verhehlen: "Demselben Mann, der sich im Osten mit viel Erfolg zum Anwalt der Erniedrigten und Beleidigten hatte aufschwingen können, wollte kein Mensch mehr applaudieren, nachdem er in den Westen zurückgekehrt war: ein künstlerisches PDS-Schicksal."

FAZ, 01.07.2004

Noch vor Ende der Fußball-EM bringt die FAZ ihren traditionellen Sommeraufmacher zur Tour de France - Hannes Hintermeier liest die neuesten Memoiren der beiden Helden Jan Ullrich und Lance Armstrong. In der Leitglosse wirbt Tilman Spreckelsen für eine prächtige Ausgabe des "Kosmos" von Alexander Humboldt, die Hans Magnus Enzensberger und der Büchermacher Franz Greno in Berlin vorstellten. Karin Leydecker stellt einen Anbau an den Bundesgerichtshof in Karlsruhe vor, den die Braunschweiger Architekten Dohle und Lohse zu verantworten haben. Andreas Rossmann liest einen jüngst in den Besitz des Heinrich-Heine-Instituts übergegangen Brief Heines an den Kritiker Eduard Hitzig von 1826. Zhou Derong schreibt einen Tag vor dem Jahrestag des Anschlusses Hongkongs an das Mutterland über versöhnlichere Töne, die sowohl auf Seiten der KP, als auch auf Seiten der Demokraten angestimmt werden. Tobias Rüther schreibt eine hübsche Hymne auf ein Konzert der wiedervereinigten Pixies in Berlin.

Auf der Kinoseite gratuliert Michael Althen Sidney Pollack zum Siebzigsten. Und Bert Rebhandl liest die fünfzigste Nummer der französischen Filmzeitschrift Trafic.

Auf der Medienseite malt Michael Seewald einen Niedergang des Münchner Filmfests an die Wand, das gegenüber der Berlinale immer mehr an Boden verliert. Und Gina Thomas bringt Neuigkeiten über die BBC, die sich die Herren der hiesigen Anstalten genauer zu Gemüte führen sollten: Die BBC will wieder seriöser werden, der Kultur und der Politik größeren Raum geben und sich nicht mehr an kommerziellen Sendern orientieren. Michael Hanfeld berichtet im übrigen über den neuesten Stand im Streit des Deutschen Journalistenverbands mit seinem Berliner Landesverband. Ferner wird gemeldet, dass Harald Schmidt in einem Fernsehfilm über die Hamburger Sturmflut im Jahr 1962 Helmut Schmidt spielen soll.

Für die letzte Seite schreibt Joseph Hanimann einen Hintergrundbericht über die neue, behutsamere und bürgernähere Städtebaupolitik in Paris - und er stellt die Entwürfe der Architekten Rem Koolhaas, Jean Nouvel, MVRDV und David Mangin für das in den siebziger Jahren verhunzte Hallenareal vor (hier die Website aller vier Projekte). Julia Voss stellt eine echt pragmatische Initiative der Bush-Regierung zum Artenschutz vor: Man nimmt die künstlich gezüchteten Lachse in die Artenzählungen auf uns stellt auf einmal keine Bedrohung der Art mehr fest. Und Hannes Hintermeier zeichnet ein Profil Rolf Griebels, der heute die Leitung des Bayerischen Staatsbibliothek in München übernimmt.

Besprochen werden die "Meistersinger" bei den Münchner Opernfestspielen, ein Konzert Bob Dylans in Bonn und eine Ausstellung mit Plastiken und Gemälden von Günter Förg in der Kunsthalle Recklinghausen.