Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag

Ein Essay über die Unendlichkeit

15.07.2008. Der Observator Cultural stellt in einem ambitionierten und hochwillkommenen Übersetzungsprojekt wichtige Autoren in Rumänien vor: Zuerst Stefan Banulescu. Vanity Fair untersucht den mutmaßlichen Mord an Bear Sterns. Die ungarischen Magazine setzen sich intensiv mit der Gewalt gegen ungarische Homosexuelle auseinander. Im New Statesman erklärt die muslimische Rapperin Deeyah, warum Bescheidenheit nichts nützt. David Remnick verteidigt in der Huffington Post sein umstrittenes New-Yorker-Cover mit den Obamas als Terroristen. In der fiktiven Welt gibt es keinen Relativismus, ruft Umberto Eco im Espresso.

Speziell unheimlich und lo-fi

08.07.2008. In der Gazeta Wyborcza fordert Adam Michnik: Finger weg von Lech Walesa! Auch Polityka verteidigt ihn gegen den Hass der Kaczynskis. In Vanity Fair liefert Christopher Hitchens ein Highlight des investigativen Journalismus und lässt sich foltern. Fahren Sie nach Indien, besuchen Sie einen Slum, ermuntert Suketu Mehta im Espresso. Elet es Irodalom staunt über die Holländer in Ungarn. Der Diskurs der Vielfalt, meint Kenan Malick im New Humanist, ende leider oft im Rassismus.

Herr Kafka war nie zu spät

01.07.2008. Im American Scholar erkennt Yaleprofessor William Deresiewicz die Nachteile einer Elite-Erziehung, als er seinem Klempner gegenübersteht. Al Ahram beschreibt die Scharlatanerie postmoderner Literaturkritik. Tygodnik Powszechny besucht die "Sacroexpo". In der New York Review of Books analysiert Zadie Smith den Supra-Kafka. Im Espresso erklärt Umberto Eco italienischen Ministerialbeamten den Vokativ. Im Merkur empfiehlt Heinz Schlaffer Kunstkritikern die Lektüre von Theokrits Idyllen. Die New York Times sucht Kinder in Europa.

Spione der Diözese

24.06.2008. The New Republic porträtiert den jüngsten Helden von Tienanmen, den Notfall-Chirurgen Jiang Yanyong. In Tygodnik Powszechny erklärt der Historiker Jochen Staadt, warum die Aufarbeitung der Stasiakten alles, aber keine Hexenjagd ist. In HVG vermisst der Dichter Zoltan Poos Vergangenheitsbewältigung in Sachen 1956. Lustration war gestern, jetzt sind die Polen in der Stimmung, einen drauf zu machen, meint Polityka. Der Spectator fürchtet einen Bürgerkrieg in der Katholischen Kirche. Der Espresso porträtiert die zwei berühmtesten Flüchtigen vor der italienischen Justiz. Das TLS liest die Tagebücher Sergej Prokofjews. Die besten englischsprachigen Bücher kommen derzeit aus Pakistan, hält Outlook India fest.

Wir sind gekommen, um zu expandieren

17.06.2008. In der Lettre zeigt der Philosoph Michail Ryklin, wie Macht funktioniert. In Le Point erklärt der Historiker Patrice Gueniffey die revolutionäre Leidenschaft der Franzosen. In der London Review beklagt der Psychogeograf Iain Sinclair die rasende Zerstörung des Londoner Ostens. In der Polityka ärgert sich Adam Krzeminski über polnische Neonationaldemokraten und deutsche Linke. Atlantic hört die Musik in Rupert Murdochs Plänen für das Wall Street Journal. Der New Statesman erinnert an den österreichischen Fußballhelden Matthias Sindelar. Elet es Irodalom fragt: Wozu brauchen wir Literatur?

Guck, es ist ein Pork Port

10.06.2008. In der Polityka erklärt Tadeusz Mazowiecki, warum Polen schon 1989 ein neues Land war. Der Economist untersucht den sich rapide verändernden Buchmarkt. In Tygodnik Powszechny meint der Theaterregisseur Pawel Demirski: für die jungen Polen ist Lech Walesa ein totes Symbol. Das TLS analysiert den Aufstieg der Genreliteratur. Espresso prophezeit den Aufstieg der indischen Frauen. Die New York Review of Books weiß, warum unser Gehirn Dopamin liebt. Im Nouvel Obs erklärt Attac die Folgen der Globalisierung. In Reset.doc erklärt Zygmunt Bauman, was wir dagegen tun sollen. Die New York Times stellt Pig City vor.

Jelineks Ruf

03.06.2008. Die London Review wünschte sich, Elfriede Jelineks Roman "Gier" wäre nie übersetzt worden. Polityka erzählt eine Geschichte des polnischen Antisemitismus - auch auf Deutsch. In Clarin hofft der spanische Architekt Santiago Calatrava, auch in Großstädten bald angenehm leben zu können. In der Gazeta Wyborcza beschwichtigt der Politologe Ivan Krastev die Angst der Ex-Jugoslawen vor einem Zerfall der EU. Im Guardian hält Ian McEwan nichts von Endzeit-Denken. Al Ahram erzählt die Geschichte der Juden in Ägypten. Die New York Times porträtiert die stärkste Waffe der pakistanischen Demokratie: Männer in schwarzen Anzügen.

Gewalt ist das Mittel und der Zweck

27.05.2008. Der New Humanist sieht die muslimischen Kreationisten auf dem Vormarsch. Nepszabadsag überlegt, wie die Demokratie mit verstecktem Rassismus umgehen soll. Der New Yorker und New Republic stellen mit Dr. Fadl und Noman Benotman zwei ehemalige Terroristen vor, die heute zu den schärfsten Kritikern Al Qaidas gehören. In der New York Review of Books erklärt der Leiter der Harvard-Bibliothek, warum eine Nachricht nur eine Geschichte ist. Nicht nur die Roma, alle Einwanderer bringen Italien in Schwierigkeiten, meint laut Caffe Europa die Lega Nord. Die Weltwoche betrachtet verstört die Jugendgang von Justice.

Abschreiben

20.05.2008. In der London Review of Books erzählt Kevin Kopelson, wie er mit Plagiaten Professor wurde. Elet es Irodalom beneidet die polnische Presse um ihre Unabhängigkeit. Unter Nasser und Saddam Hussein ging es den Christen im Nahen Osten besser als heute, behauptet der Priester Giuseppe Scattolin in Resetdoc. Im Spectator erzählt Greta Scacchi, wie Bill Murray nutzlos auf ihrer Couch rumhing. In Le Point findet Bernard-Henri Levi farbige Adjektive für das Regime in Burma. Im Espresso analysiert Umberto Eco die neuen Mordmethoden der Mafia nach.

Mit dem Alter radikaler

13.05.2008. In Eurozine bekennt sich der 69-jährige katalanische Philosoph Xavier Rubert de Ventos zu fortschreitender Radikalität. In Nepszabadsag verkündet der 75-jährige Schriftsteller György Konrad: Erinnern ist Rebellion. In Artforum denkt der 84-jährige Philosoph Artur C. Danto über Revolution und Kunst nach. Anne Applebaum nimmt in The New Republic Nicholson Bakers pazifistische Streitschrift "Human Smoke" auseinander. In Folio beklagt Christian Demand das Elend der Kunstkritik. Der Spectator porträtiert den einzigen offen schwulen anglikanischen Bischof, Gene Robinson.