Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag

Schatz, sie haben Dynamit entdeckt

14.10.2025. Der Guardian untersucht die Beziehung von Twitter bzw. X zum saudischen Königshaus, das überraschend erfolgreich anonym auf Twitter postende Oppositionelle enttarnt. New Lines erzählt die Geschichte der Armenier in Äthiopien. Der New Yorker fühlt den Luftzug, wenn die Verse der Dichterin Violet Ranney Lang an ihm vorbeizischen. Die Public Domain Review freut sich über die Übersetzung von Jozef Ignác Bajzas "René, oder: Die Abenteuer und Erfahrungen eines jungen Mannes" (1783-85), dem ersten slowakischen Romans überhaupt. Die New York Times berichtet von einem handschriftlichen Dokument des Hamasführers Yahya Sinwar zur Planung des Massakers vom 7. Oktober.

Unbequemes Restproblem

07.10.2025. Der Guardian erzählt am Beispiel der Insel Vava'u, was ausfällt, wenn das Internet ausfällt. In Eurozine beschreibt der walisische Autor Simon Brooks die Vor- und Nachteile von Wokeness für Minderheiten. In HVG erklärt der Schriftsteller Andrei Dósa, warum Autofiktion eher hinderlich ist beim Versuch, sich in die Lage anderer zu versetzen. Ob man die Chance oder die Risiken von KI betont - am Ende ist alles nur Werbung dafür, erkennt die London Review. Im Philosophie Magazin staunt Marko Martin über eine europäische Linke, die den eigenen Kolonialismus verdrängt, um sich lieber über Israel zu empören. Vanity Fair porträtiert Zohran Mamdani.

Ohne Sündenböcke überleben?

30.09.2025. René Girard ist der Denker der Stunde, insistieren Salmagundi und The Point - aber nicht weil Peter Thiel ihn liest. Die London Review, HVG, Respekt, Elet es Irodalom, der New Statesman und der New Yorker machen sich alle Sorgen um die Meinungsfreiheit, fragen sich aber auch, wo ihre Grenzen sind. New Lines stellt das Musiklabel "Baidaphon" vor, das zwischen den Weltkriegen in Berlin hunderte Platten von Musikern aus dem Nahen und Mittleren Osten produzierte. Der Rolling Stone porträtiert den Rasputin am Trumpschen Hof. La Regle du jeu lernt Emmanuel Carreres Mutter kennen, Frankreichs berühmteste Russlandexpertin und Putin-Freundin Hélène Carrère d'Encausse.

Entgrenzt und losgelassen

23.09.2025. In Atlantic erklärt Jill Lepore die Rechtsidee des Originalismus, der die US-Verfassung für unveränderbar erklärt - ähnlich wie Islamisten den Koran. Die LRB findet die intellektuellen Wurzeln des Trumpismus im Paläolibertarismus eines Murray Rothbard. Le Grand Continent entdeckt das neueste Instrument des Priestertrugs. In Irozhlas spricht Agnieza Holland über ihren neuen Film "Franz" (Kafka). In Public Books erklärt der Südamerika-Historiker Greg Grandin einen wesentlichen Unterschied zwischen den USA und Lateinamerika. Quietus huldigt Kate Bush.

Ein Funke der Form

15.09.2025. Périphéria gewinnt derzeit gegen Metropolia - und das ist auch gut so, meint im New Statesman der französische Geograf Christophe Guilluy. Wir erleben gerade die letzten Tage der sozialen Medien, prophezeit Noema. The Atlantic nimmt die Antisemiten im Trumplager unter die Lupe. New Lines erklärt, warum es so schwierig ist, den sambischen Präsidenten Edgar Lungu zu beerdigen. Der New Yorker kann sich nicht entschließen, ob er Uniqlo billigen soll. Das Comic Journal erzählt, wie sich japanische und europäische Künstler gegenseitig beeinflussten.

Die Schönheit von Orpiment

09.09.2025. The Ideas Letter lotet den immer geringeren Spielraum chinesischer Medien aus - dazu passt Anne Applebaums Essay im Atlantic über die Schleifung von Medien wie Radio Free Europe durch die Trump-Regierung. Atlantic lässt sich außerdem vom amerikanischen Rechtsintellektuellen Mike Solana seine Vorstellung von effizienter Politik darlegen. Emergence hat offene Augen für die hässlichste Farbe der Welt: "Opaque couché", aber auch für alle anderen Farben. Das tschechische Literaturmagazin Tvar widmet sein aktuelles Heft der unabhängigen russischen Literatur. Die LRB lernt in El Salvador, wie ein moderner Gefängnisstaat aussieht.

Dante tat es schließlich auch

02.09.2025. Das Smithsonian Magazine begutachtet Cormac McCarthys riesige Bibliothek und seine Geschirr-Schnäppchen. New Lines staunt über Deep Fakes von afrikanischen Staatsoberhäuptern, die zwar nicht gewählt wurden, aber populäre Sprüche klopfen können. Die belarusische Oppositionelle Natalja Dulina glaubt in Osteuropa nicht an lautere Motive für ihre Freilassung. Die London Review freut sich, dass Boccaccio gern für Frauen schrieb. In der Israel Law Review beklagt der Völkerrechtler Avraham Russell Shalev, dass sich niemand für den Völkermord in Israel interessiert.

Sehnsucht nach einer unentfremdeten Existenz

25.08.2025. The Atlantic stellt die besonders radikalen Fraktionen der "Democratic Socialists of America" vor, die sich unter anderem die Zerstörung der amerikanischen Demokratie vorgenommen haben. New Lines berichtet über nordafrikanische Frauen, die nach dem Zweiten Weltkrieg in illegalen Bordellen der französischen Armee schuften mussten. The New Yorker erzählt, wie der französisch-israelische Telekommunikationsmilliardär Patrick Drahi das Auktionshaus Sotheby's ins Chaos stürzte. Meduza lässt sich von der Tochter der tschetschenischen Journalistin Natalja Estemirowa, die von Kadyrow-Schergen ermordet wurde, von der Furchtlosigkeit ihrer Mutter erzählen. 

Seid ihr bereit dafür, Medien?

19.08.2025. Assad ist Geschichte, aber sein Vermächtnis setzt sich unter den neuen Machthabern in Syrien fort: der Sektarismus, erzählt die Drusin Sarah Hunaidi bei Qantara. Derweil kommt auch Assads innerer Zirkel ungeschoren davon, sekundiert die LRB. New Lines weiß, weshalb es der Vatikan ganz und gar nicht eilig hat mit der Exkommunikation von Mafia-Mitgliedern. Eurozine beobachtet, wie aufmerksam Trump von Erdogan lernt, wie man Journalisten und Wissenschaftler unterdrückt. Und das Comics Journal staunt, wie die libanesische Comicszene die Zensur umgeht.

Die Idee von Wahrheit

12.08.2025. Anne Applebaum (The Atlantic) erkennt im Sudan, wie eine Welt aussehen würde, in der Amerika und internationale Institutionen nicht mehr agieren. Eurozine erkundet die zwei Seelen in der Brust von Kolumbiens Präsident Gustavo Francisco Petro. Jonathan Rauch blickt in Persuasion auf die woke Rechte. Der New Yorker versucht herauszufinden, wie stark Donald Trump von seiner Präsidentschaft profitiert. Quietus feiert die rohe Intensität von Slayer.