Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag

Entgrenzt und losgelassen

23.09.2025. In Atlantic erklärt Jill Lepore die Rechtsidee des Originalismus, der die US-Verfassung für unveränderbar erklärt - ähnlich wie Islamisten den Koran. Die LRB findet die intellektuellen Wurzeln des Trumpismus im Paläolibertarismus eines Murray Rothbard. Le Grand Continent entdeckt das neueste Instrument des Priestertrugs. In Irozhlas spricht Agnieza Holland über ihren neuen Film "Franz" (Kafka). In Public Books erklärt der Südamerika-Historiker Greg Grandin einen wesentlichen Unterschied zwischen den USA und Lateinamerika. Quietus huldigt Kate Bush.

Ein Funke der Form

15.09.2025. Périphéria gewinnt derzeit gegen Metropolia - und das ist auch gut so, meint im New Statesman der französische Geograf Christophe Guilluy. Wir erleben gerade die letzten Tage der sozialen Medien, prophezeit Noema. The Atlantic nimmt die Antisemiten im Trumplager unter die Lupe. New Lines erklärt, warum es so schwierig ist, den sambischen Präsidenten Edgar Lungu zu beerdigen. Der New Yorker kann sich nicht entschließen, ob er Uniqlo billigen soll. Das Comic Journal erzählt, wie sich japanische und europäische Künstler gegenseitig beeinflussten.

Die Schönheit von Orpiment

09.09.2025. The Ideas Letter lotet den immer geringeren Spielraum chinesischer Medien aus - dazu passt Anne Applebaums Essay im Atlantic über die Schleifung von Medien wie Radio Free Europe durch die Trump-Regierung. Atlantic lässt sich außerdem vom amerikanischen Rechtsintellektuellen Mike Solana seine Vorstellung von effizienter Politik darlegen. Emergence hat offene Augen für die hässlichste Farbe der Welt: "Opaque couché", aber auch für alle anderen Farben. Das tschechische Literaturmagazin Tvar widmet sein aktuelles Heft der unabhängigen russischen Literatur. Die LRB lernt in El Salvador, wie ein moderner Gefängnisstaat aussieht.

Dante tat es schließlich auch

02.09.2025. Das Smithsonian Magazine begutachtet Cormac McCarthys riesige Bibliothek und seine Geschirr-Schnäppchen. New Lines staunt über Deep Fakes von afrikanischen Staatsoberhäuptern, die zwar nicht gewählt wurden, aber populäre Sprüche klopfen können. Die belarusische Oppositionelle Natalja Dulina glaubt in Osteuropa nicht an lautere Motive für ihre Freilassung. Die London Review freut sich, dass Boccaccio gern für Frauen schrieb. In der Israel Law Review beklagt der Völkerrechtler Avraham Russell Shalev, dass sich niemand für den Völkermord in Israel interessiert.

Sehnsucht nach einer unentfremdeten Existenz

25.08.2025. The Atlantic stellt die besonders radikalen Fraktionen der "Democratic Socialists of America" vor, die sich unter anderem die Zerstörung der amerikanischen Demokratie vorgenommen haben. New Lines berichtet über nordafrikanische Frauen, die nach dem Zweiten Weltkrieg in illegalen Bordellen der französischen Armee schuften mussten. The New Yorker erzählt, wie der französisch-israelische Telekommunikationsmilliardär Patrick Drahi das Auktionshaus Sotheby's ins Chaos stürzte. Meduza lässt sich von der Tochter der tschetschenischen Journalistin Natalja Estemirowa, die von Kadyrow-Schergen ermordet wurde, von der Furchtlosigkeit ihrer Mutter erzählen. 

Seid ihr bereit dafür, Medien?

19.08.2025. Assad ist Geschichte, aber sein Vermächtnis setzt sich unter den neuen Machthabern in Syrien fort: der Sektarismus, erzählt die Drusin Sarah Hunaidi bei Qantara. Derweil kommt auch Assads innerer Zirkel ungeschoren davon, sekundiert die LRB. New Lines weiß, weshalb es der Vatikan ganz und gar nicht eilig hat mit der Exkommunikation von Mafia-Mitgliedern. Eurozine beobachtet, wie aufmerksam Trump von Erdogan lernt, wie man Journalisten und Wissenschaftler unterdrückt. Und das Comics Journal staunt, wie die libanesische Comicszene die Zensur umgeht.

Die Idee von Wahrheit

12.08.2025. Anne Applebaum (The Atlantic) erkennt im Sudan, wie eine Welt aussehen würde, in der Amerika und internationale Institutionen nicht mehr agieren. Eurozine erkundet die zwei Seelen in der Brust von Kolumbiens Präsident Gustavo Francisco Petro. Jonathan Rauch blickt in Persuasion auf die woke Rechte. Der New Yorker versucht herauszufinden, wie stark Donald Trump von seiner Präsidentschaft profitiert. Quietus feiert die rohe Intensität von Slayer.

Wie griechisches Feuer

05.08.2025. Wahlen zerstören die Demokratie, ist der polnische Soziologe und Kulturtheoretiker Jan Sowa in A2 überzeugt, nur das Losverfahren sei demokratisch. Aber auch gelangweilte junge Männer zerstören gern die Demokratie, lernt der Merkur von den Griechen. Der New Yorker lernt von Scott Anderson, warum Ruhollah Khomeini die iranische Linke hasste. Die Republik fragt sich, warum die serbische Studentenbewegung nach rechts driftet. The Comics Journal feiert die Fantasycomics Richard Corbens.

Doppeltes Bewusstsein

29.07.2025. Weggehen ist nicht einfach, aber zurückkommen auch nicht, lernt New Lines von nigerianischen Emigranten. Der New Yorker begreift die Wehmut der Renaissance, deren Welt nicht weniger unsicher war als unsere heute. In Mosaic sucht der ägyptisch-amerikanischer Autor Hussein Aboubakr Mansour eine Erklärung für die islamistische Gewalt und findet sie in Deutschland. Le Grand Continent erklärt den Konflikt zwischen Kambodscha und Thailand. Der Guardian lernt, warum es so schwer ist, die Jesus Army zu verlassen.

Vierzehn Schläger im Kopf

22.07.2025. In Harper's denkt der Autor Michael W. Clune darüber nach, was digitale Gesichtserkennung über unser Gesicht aussagt. Elet es Irodalom gratuliert dem großen Bela Tarr zum Siebzigsten. Emmanuel Carrère begleitet Emmanuel Macron zum G7-Treffen. Meduza versucht der moldauischen Identität auf die Spur zu kommen. Der New Yorker stellt Trumps schmerzempfindlichen Handelsminister Howard Lutnick vor. Osteuropa beleuchtet die Rolle der Neokosaken im Donbass. Die LRB freut sich über die Fahrräder im nigerianischen Bundesstaat Borno.