Magazinrundschau

Ich will meinen Namen da oben sehen

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.
01.03.2011. Outlook India erzählt, wie die Sentinelesen zur Volkszählung gelockt werden. Der Guardian druckt Ian McEwans Rede zum Jerusalem Prize. In Al Ahram warnt Alaa El-Aswani vor einer Konterrevolution Mubaraks mit Unterstützung Israels. In der LRB erklärt Judith Butler, warum Kafkas Nachlass weder nach Israel noch nach Deutschland sollte. HVG blickt wenig optimistisch auf die arabischen Länder. In Telerama zeigt Antoine Gallimard keine Angst vor dem E-Book. Die NYT lernt, wie im 19. Jahrhundert aus Schwarzen Weiße wurden.

Outlook India (Indien), 07.03.2011

Im Jahr 2011 findet in Indien eine große Volkszählung statt. Gesellschaftliche Veränderungen werden an neuen Kategorien deutlich: Sexarbeiterinnen werden nicht mehr länger mit Bettlern in dieselbe Schublade gesteckt, eine Transgender-Kategorie gibt es jetzt auch. Noch nicht ganz gelöst scheint, wie Debarshi Dasgupta berichtet, das Problem mit mancher abseits aller Öffentlichkeit lebenden Ethnie, insbesondere jener der Sentinelesen: "Diese gehörten zu den ersten Bewohnern Indiens, sind Abkömmlinge derjenigen, die vor rund 70.000 Jahren Afrika verließen und sind heute nur noch auf einer der Andaman und Nicobar-Inseln - der Nord-Sentinel-Insel - zu finden. Die Sentinelesen stellen aus drei Gründen eine Herausforderung für die Volkszählungs-Beamten dar. Zum einen gelten sie als Fremden gegenüber sehr feindlich eingestellt; zweitens spricht niemand sonst ihre Sprache; und drittens gibt es eine offizielle Regelung, dass die Sentinelesen in Ruhe gelassen werden sollen. In der Vergangenheit wurden von den Volkszählern Säcke mit Lebensmitteln, vor allem Früchten wie Kokosnüssen, entlang der Küste der Nord-Sentinel-Insel zurückgelassen, um sie aus ihrem Habitat zu locken. Wenn sie dort dann auftauchten, wurden sie fotografiert und nach diesen Fotos gezählt.... Unter Verwendung dieser 'Locken-und-Schießen'-Methode kam man 2001 auf eine Bevölkerungszahl von 39, wobei man allerdings glaubt, dass die wirkliche Zahl zwischen 50 und 200 liegt."
Stichwörter: Transgender

Guardian (UK), 26.02.2011

Ian McEwan ist von den in Großbritannien sehr starken Israelfeinden unter Druck gesetzt worden, nicht den Jerusalem Prize anzunehmen, und man spürt seiner im Guardian veröffentlichten Rede die Spannung an, allen Seiten gleichmäßig wehzutun, aber dann zieht er sich mit Hinweis auf die arabischen Unruhe ganz gut aus der Affäre: "Lust auf Wandel, Hunger nach individueller Freiheit blühen im ganzen Nahen Osten auf. Wenn die Ägyper sich entscheiden, ihre Gesellschaft zu reformieren und konstruktiv zu denken und Verantwortung für ihre eigene Nation zu übernehmen, dann werden sie weniger geneigt sein, Außenstehenden die Schuld für alle ihre Missgeschicke zu geben. Dies ist genau der Moment, um den Friedensprozess wieder in Gang zu setzen."

Außerdem im Guardian: John Mullan und einige Geschworene machen sich auf die Suche nach den besten Nachwuchstalenten im britischen Romanwesen.
Archiv: Guardian
Stichwörter: Ian McEwan

Al Ahram Weekly (Ägypten), 24.02.2011

Der Schriftsteller Alaa El-Aswani, der gerade einen Band seiner Zeitungsartikel aus den letzten Jahren veröffentlicht hat ("On The State of Egypt: A Novelist's Provocative Reflections") analysiert im Gespräch mit Gamal Nkrumah die Situation Ägyptens. Man nickt zustimmend, wenn er die unfassbare Korruption im Land geißelt und vor wahabitischen Predigern warnt oder die Dynamik einer Revolution erklärt. Doch dann gibt es zwei Stellen, bei denen man den Kopf auf den Tisch hauen möchte. Die erste, wenn er dem - von Mubarak verbotenen - Journalisten Mohamed Hassanein Heikal zustimmt, der warnt, Mubarak könnte von seinem Rückzugsort Sharm El-Sheik aus eine Gegenrevolution anzetteln: "Heikal ist besser informiert als ich. Er ist ein erfahrener politischer Autor. Es ist sicher, dass Mubarak sich in Sharm El-Sheik versteckt, weil eine ausländische Macht ihn unterstützt. Ich halte diese Theorie für äußerst plausibel. Das ist ganz eindeutig und klar für mich. ... Heikal warnt, eine Konterrevolution könnte vorbereitet werden, abgestimmt in Sharm El-Sheik und geplant von ausländischen Mächten, einschließlich Israel."

In den staatlichen ägyptischen Medien sind schon einige Köpfe gerollt, aber reicht das aus, fragt Doaa El-Bey, künftig eine unabhängige und weniger einseitige Berichterstattung zu garantieren? Mahmoud Khalil, Professor für Massenkommunikation an der Universität in Kairo, glaubt es nicht. "Die Medien ducken sich jetzt einfach und warten darauf, dass der Sturm vorbeizieht. ... Journalisten haben Mubaraks Regime gepriesen. Jetzt sind sie dazu übergegangen, die Revolution vom 25. Januar zu preisen. Aber sie müssten lernen, der Gesellschaft zuzuhören, statt eine Propagandarolle zu spielen."

Und Rania Khallaf unterhält sich mit Künstlern darüber, was sie sich von der Revolution erhoffen. Die Forderungen reichen von einem Ende der Zensur über eine Neubesetzung des Direktoriums der offiziellen Künstlervereinigung mit jungen Leuten bis zur Forderung nach einer neuen Kunst: "Hazem Chahin, Gründer und Sänger von Eskendrella, einer der populärste Bands in Ägpten, sagt, seiner Ansicht nach sei die Revolution noch nicht zu Ende. 'Es gibt kulturelle und künstlerische Formen, die verändert oder 'revolutioniert' werden sollten. Wir haben genug von traditionellen Musikformen.'"
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Stichwörter: Der Sturm, HAU

Slate (USA), 21.02.2011

Sonntag abend wurde David Seidler mit dem Oscar für das beste Drehbuch - "The King's Speech" - ausgezeichnet. Hat er nicht verdient, meinte Christopher Hitchens schon vor der Oscar-Verleihung. Viel zu schönfärberisch seien die britische Monarchie und Churchill gezeichnet. Nachdem Seidler sich in in der "Puffington Host, or whatever the hell it's called" (Hitchens) über die Kritik beschwert hatte, legt Hitchens jetzt noch einmal nach: Seidler verschweige, dass Churchill bis zuletzt den nazifreundlichen Edward VIII. unterstützt hatte. Und Georg VI. war ein dezidierter Freund der Appeasement-Politik Chamberlains. Nachdem er in München die Tschechoslowakei an Hitler ausgeliefert hatte, wurde er bei seiner Rückkehr nach England noch am Flughafen "von einem königlichen Gesandten abgeholt, direkt in den Buckingham Palast gebracht und auf dem Balkon ausgestellt - mit dem königlichen Segen für ein Abkommen, das noch nicht vom Parlament gebilligt worden war."

Ein betörter Simon Schama hat sich mit Helen Mirren über ihre Rolle als Prospero in Julia Teymors Verfilmung von Shakespeares "Sturm" und über ihre Arbeit mit Peter Brook unterhalten. Über letzteres sagt sie: "'Als esoterische Schauspielerin habe ich versagt. Ich war nicht von dieser Art. Letztlich gehöre ich zu keiner Gruppe - nicht zur Stanislawski-Gruppe, der Grotowski-Gruppe, der Brook-Gruppe. Ich habe kein Talent für Zurückhaltung. Brook dachte, Startum sei gefährlich, narzisstisch, geschmacklos. Oh f*** it, sagte ich. Ich will meinen Namen da oben sehen.' Shakespeare, der Schauspieler, hat zweifellos genauso gedacht, sage ich. 'Ja, aber wissen Sie, ich glaube immer noch, dass Brook das große Genie des zeitgenössischen Theaters ist. Er ist allen so weit voraus. Er tut, was undenkbar war. ... Er glaubt wirklich an gewöhnliche Menschlichkeit."
Archiv: Slate

HVG (Ungarn), 19.02.2011

Die Revolutionswelle in den arabischen Ländern ist nicht nur ein Zeichen für die zerbrechliche Ordnung dieser Gesellschaften, sondern lässt auch erkennen, von welcher Kraft sie bislang zusammengehalten wurden, schreibt der Philosoph und außenpolitische Beobachter Attila Ara-Kovacs. Diese Kraft sei die Armee, die in den meisten arabischen Ländern als Elite innerhalb der Elite gilt und die von vielen immer noch als Garant für Ordnung und Stabilität, aber auch als relativ unbestechlicher Gegenpol zu den korrupten Herrschern angesehen wird. Dennoch könnte sie vom alten System mit in den Abgrund gerissen werden: "Natürlich sind die Armeen dieser Region alles andere als Gebilde, die sich der Demokratie verschrieben haben; für die Kraft des aus individueller Freiheit und Gerechtigkeit sprießenden gemeinsamen Willens hatten sie ebenso wenig übrig, wie die Gesellschaft, in der ihre Soldaten leben. Dennoch konnten sie bislang ein bescheidenes Wachstum, die geopolitische Stabilität und die Anpassung an das internationale System garantieren. Sie sorgten auch für die Einhaltung der internationalen Verträge seitens der politischen Akteure. Welche Alternative es für die Armee in der Zukunft geben wird, können heute höchstens jene ahnen, die sich für Fakten, die mit religiösem Fanatismus nicht vereinbart werden können, weniger interessieren - vielmehr aber dafür, was ihnen der Koran mitteilen will. Denn nachdem die bei weitem nicht demokratischen Systeme weggefegt sind, bleibt der Islam der einzige Faktor, der diese Zukunft zu gestalten vermag."
Archiv: HVG

Newsweek (USA), 20.02.2011

Manchmal bedeutet Geschichtsschreibung auch, dass man am Ende nicht genau weiß, was wirklich passiert ist, lernt Tracy McNicoll aus Agata Tuszynskas Buch über die Sängerin Wiera Gran, "Accused: Wiera Gran", das in Polen schon einige Aufregung ausgelöst hat. Gran sang im Warschauer Ghetto im Cafe Sztuka, mit Wladyslaw Szpilman als Begleiter. Szpilman, heute berühmt als Polanskis "Pianist", hatte Gran jedoch schon in seiner 1946 erschienenen Autobiografie ignoriert. Später soll er ihr vorgeworfen haben, mit den Nazis kollaboriert zu haben. Grans Leben wurde von diesen Gerüchten vergiftet. Sie starb 2007 in einem finsteren Appartement in Paris, die Wände bekritzelt mit Sätzen wie "Help! Szpilman and Polanski's clique want to kill me! HELP!": "Tuszynskas Buch ist eine nützliche Studie über Zweifel. Es ist eine Reflexion über den Raum zwischen dem Nebel des Kriegs und der Eindeutigkeit Hollywoods und was als verbürgte Tatsache überleben sollte, wenn die Tatsachen umwölkt sind. Während die letzten Überlebenden sterben, könnte das letzte Wort buchstäblich demjenigen gehören, der am lautesten gesprochen hat. 'Accused: Wiera Gran' behauptet nicht, das letzte Wort zu haben."

Außerdem: Der Historiker Norman Stone hat seine Zweifel, ob Ägypten den Fußstapfen der Türkei folgen kann. Und eine Fotostrecke erinnert an Journalistinnen, die für ihre Arbeit ihr Leben riskiert - und manchmal auch verloren - haben.
Archiv: Newsweek

Literaturen (Deutschland), 01.03.2011

Literaturen wird 100 Ausgaben alt, erscheint in verändertem Design (nicht online) und wählt als passenden Schwerpunkt Max Frisch, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte. Online gibt es dazu vor allem ein ausführliches Interview mit dem Schweizer Autor Adolf Muschg, der die Frage nach der Haltbarkeit des Frisch-Ruhms eher positiv beantwortet: "Ich lese ihn mit Genuss. Während der letzten zehn Jahre war es fast völlig still um ihn. Jetzt, denke ich, wird sich da schon etwas Neues tun. Man kann Max Frisch heute würdigen, ohne die Anlässe seiner Verzweiflung, seiner Wut sympathetisch zu teilen. Die Frage ist: Kann die jüngere Generation ihn noch lesen? Hat sie Lust, ihn zu lesen? An dieser banalen Frage entscheidet sich die posthume Lebenserwartung. Ich persönlich denke, er wird sich halten, denn die Fragen, die er stellt, beschäftigen heute auch viele junge Leute."

Ins Netz gestellt sind die Rezensionen zu Kerstin Ekmans neuem Roman "Tagebuch eines Mörders", Oliver Sacks neuen Fallgeschichten "Das innere Auge" und Arno Geigers Demenzbericht "Der alte König in seinem Exil".
Archiv: Literaturen

London Review of Books (UK), 03.03.2011

Den aktuellen Prozess um den Nachlasskoffer mit Kafkaschriften nimmt Judith Butler zum Anlass für weit reichende Überlegungen zur Frage: "Wem gehört Kafka?" Weder hält sie den Anspruch der Nationalbibliothek Israels außerhalb zionistischer Parameter für rechtfertigbar noch heißt sie die nationalsprachlichen Argumente Marbachs für vereinbar mit Kafkas eigenem Standort. Diesen vermisst sie dann sehr genau, in dekonstruktiven Textlektüren, die sich um das Niemals-Ankommen drehen. Etwas handfester ungreifbar ist die Sache in den Briefen an Felice: "Im Verlauf der Korrespondenz lässt Kafka sie wieder und wieder wissen, dass er sie nicht wird begleiten können, nicht bei dieser Reise oder jener, und ganz sicher nicht nach Palästina, jedenfalls nicht in diesem Leben als diese Person, die er ist: Die Hand, die die Tasten anschlägt, wird ihre Hand niemals halten. Außerdem hat er seine Zweifel im Blick auf den Zionismus und auf die Aussicht, diese Destination jemals zu erreichen. Er nennt ihn später einen 'Traum' und schilt sie wegen ihrer allzu ernsthaften Befassung mit dem Zionismus: 'Du hast damit geflirtet', schrieb er... Im weiteren Verlauf der sich anspannenden und dann zerbrechenden Beziehung macht er klar, dass er keine Absicht zum Aufbruch hat, und dass jene, die ihn wagen, eine Illusion verfolgen. Palästina ist ein figurales Anderswo, nur für Liebende, eine offene Zukunft, der Name einer unbekannten Bestimmung."

Weitere Artikel: Jim Holt, der am Ende gesteht, von digitalen Medien wenig praktische Ahnung zu haben, liest Nicholas Carrs "The Shallows" mit einiger Skepsis und schließt mit dem Scherz: "Ich hab keines dieser Geräte, ich tweete nicht und bin nicht bei Facebook - und ich kriege trotzdem nichts auf die Reihe." Ebenfalls nicht sehr überzeugt ist Thomas Jones von James Harkins Buch über den Aufstieg der "Nische". Mit Eric Hobsbawms Geschichte des Marxismus "How to Change the World" setzt sich der Jesuito-Marxist Terry Eagleton auseinander. Michael Wood sieht Filme von Henri-Georges Clouzot.

Times Literary Supplement (UK), 25.02.2011

Niemand kann uns so viel über den Schmerz erzählen wie J.M. Coetzee, meint Stephen Abell: In all seinen Romanen ist er die höchste Autorität für das Leiden und die glaubwürdigste literarische Autorität für den Körper. "Ein Körper mit seinem Schmerz, seinem eigenen Schmerz mag etwas Gewisses sein, aber der Schmerz eines anderen ist uns in seinem Wesen fremd. Wir können Coetzees Werk als eine ständige Untersuchung der Vorstellung verstehen, dass der Schmerz geteilt werden kann. Coetzee legt ähnliche Überzeugungen dem Magistrat in 'Warten auf die Barbaren' in den Mund. Dieser erklärt: 'Schmerz ist Wahrheit, alles andere kann bezweifelt werden'. Allerdings kann er diese Sicht nicht lange aufrechthalten."

Paul Duguid liest einige Neuerscheinungen zur Zukunft des Buches und warnt vor falschem Alarmismus. In "Merchants of Culture" von John B. Thompson etwa lernt alles über das fianzielle und symbolische Kapital der Versorgungskette von "Autor, Agent, Verleger, Drucker, Sortimenter, Händler und Käufer": "Wenn diese Kette tatsächlich so stark ist, dann sollten wir vielleicht eher davon ausgehen, dass Amazon, Apple und Google in diesem Kette hinein wollen als sie zu zerstören. Thompson würde dem wahrscheinlich zustimmen. Das Problem im Handel kommt seiner Ansicht nach nicht aus der digitalen Welt, sondern von einer ungesunden Mischung aus kurzfristigem Denken und unstillbarer Gier. Dafür können wir nicht die Technologie verantwortlich machen."

Telerama (Frankreich), 26.02.2011

In einem langen Interview spricht der französische Verleger Antoine Gallimard über die Schwierigkeiten und Schönheiten seines Berufsstands sowie die Gratwanderung zwischen Tradition und Marktanpassung. Sein Credo hat er von seinem Großvater übernommen, der sagte, Verleger zu sein bestehe darin, Bücher zu veröffentlichen, die andere abgelehnt hätten. "Man darf sich nicht zum Opfer des Markts oder der Mode machen, sondern sich auf seinen Geschmack und seine Intuition verlassen." Die Herausforderung durch das E-Book sieht er gelassen: "Die Verleger wollen Piraterie verhindern, und dafür muss ein attraktiver legaler Markt geschaffen werden, der von mehreren Teilnehmern betrieben wird, nicht nur von Apple, Amazon und Google. Das Angebot muss groß sein und die kommerzielle Kontrolle beim Verleger liegen. Ich bin in keinster Weise beunruhigt. Das digitale Buch kann eine Chance für einen einfacheren Zugang zu Werken sein, eben über einen neuen Verbreitungsweg. Es muss nur Regeln geben."
Archiv: Telerama
Stichwörter: Amazon, Gallimard

New York Times (USA), 27.02.2011

In der Sunday Book Review stellt der Historiker Raymond Arsenault Daniel J. Sharfsteins Geschichte dreier Familien vor, die unmerklich die Rassengrenze durchbrachen: Erst waren sie schwarz, dann wurden sie aufgrund ihres Erfolgs als Weiße akzeptiert. "Alle Elemente [für diesen Durchbruch] scheinen in der Gibson Familiensaga auf. Gideon Gibson, ein reicher Landbesitzer in Süd-Carolina und Anführer einer rebellischen Bande von Siedlern des späten 18. Jahrhunderts, bekannt als Regulators, war ein dunkelhäutiger Abkömmling befreiter Sklaven aus Virginia. Seine Ehe mit einer weißen Frau und sein Status als Sklavenhalter bildeten das Fundament nicht nur für seinen Erfolg als Anführer eines Gemeinwesens, sondern auch für die Reise seiner Abkömmlinge zum Weißsein. Nach der amerikanischen Revolution zog ein Zweig der Gibsonfamilie nach Louisiana, wo sie Teil der weißen Zuckerplantagen-Elite wurden. Andere Familienmitglieder zogen nach Kentucky, wo sie erfolgreiche Pferdezüchter wurden. Auf ihrem Weg warfen die Gibsons alle Erinnerungen an ihre rassischen Wurzeln über Bord."

Besprochen werden außerdem ein Buch über den Afghanistankrieg von einem sehr pessimistischen ehemaligen Vietnamkämpfer, eine Biografie der Sängerin Ethel Waters (hier ihre phantastische Aufnahme von "Miss Otis Regrets") und zwei Romane über junge Männer, die - nigerianisch-deutscher Herkunft der eine, tunesisch-schwedischer Herkunft der andere - ihre Identität suchen.

Im NYT-Magazine porträtiert Gaby Wood vom Daily Telegraph den französischen Künstler JR (homepage), den jüngsten Künstler, der den TED-Preis gewonnen hat. "Ich traf JR eines späten Nachmittags im letzten November in seinem Pariser Studio. Die nächste Metro Station ist nach Alexandre Dumas benannt und da ist auch etwas 'Drei-Musketierhaftes' an seinem Team: Emile Abinal und der 'Philosoph und Guru' Marco Berrebi kamen gerade von einem Poster-Klebetrip in Schanghai und bereiteten sich auf eine Pressekonferenz über die positiven Nachwirkungen ihrer Porträts im Nahen Osten vor. Sie hatten bisher nie wirklich Leute in ihrem Studio und mussten etwas aufräumen - zum Beispiel eine gelbe Kawasaki, die genau in der Mitte geparkt war. An einer weit entfernten Wand hing, versteckt zwischen großformatigen Fotografien von JRs Installationen, ein kleines Trophäenkabinett mit zwei verschlissenen Schrubberbürsten, einem Spachtel und Leimpulver. 'Wir knien und beten davor jeden Tag', sagt JR."

Hier sein TED-Porträt: