J. M. Coetzee

Warten auf die Barbaren

Roman
Cover: Warten auf die Barbaren
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2001
ISBN 9783100108142
Gebunden, 285 Seiten, 20,40 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Reinhild Böhnke. Jahrzehntelang ist der Magistrat ein loyaler Diener des Staates gewesen, ohne sich von der vermeintlichen Bedrohung durch die "Barbaren ", einem benachbarten Nomadenstamm, beirren zu lassen. Als jedoch eine Spezialeinheit der Staatspolizei eintrifft, um den Nachweis für kriegerische Absichten der "Barbaren "zu erbringen, wird er Zeuge der grausamen und ungesetzlichen Behandlung von Gefangenen. Vom Mitleid mit den Opfern aufgerüttelt, will der alte Mann ein Zeichen setzen. Gleichsam in einem Akt privater Wiedergutmachung nimmt er ein schwer misshandeltes "Barbaren"-Mädchen bei sich auf, um es schließlich zu seinem Volk zurückzubringen. Diese Expedition brandmarkt ihn als Verräter, er wird nun seinerseits Opfer von öffentlicher Demütigung und Folter.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 03.05.2001

Katharina Rutschky kann nicht umhin, den 1940 geborenen südafrikanischen Literaturprofessor und Schriftsteller J. M. Coetzee in einer langen und kundigen Besprechung zu würdigen. Erst seit gut fünf Jahren habe der Autor weitgehende Bekanntheit erlangt, für einen, dem Rutschky gerne in einigen Jahren den Literaturnobelpreis verleihen würde, etwas spät, meint die Rezensentin. "Warten auf die Barbaren" ist im Original schon 1980 und auf Deutsch "in einer keineswegs schlechteren Übersetzung" (Karl Hessel Verlag) als der vorliegenden 1983 erschienen, berichtet Rutschky. Den Roman selbst findet die Rezensentin kafkaesk. Nie gebe es klare Antworten auf eindeutige Fragen, ein Erzähler führe durch die Handlung, die keine Zeit-, Orts- oder Personenangaben enthält, berichtet die Rezensentin. Ein hilfloses Rudern und Grübeln hat sich bei ihr eingestellt. "Furchtbar sachkundig" führe der Autor die politischen Verhältnisse in Südafrika vor Augen, aber ohne, und das begeistert Rutschky zutiefst, auf die Moral und die Emotionen der Leser zu setzen. Und so hat sie die düstere Geschichte nicht deprimiert. Für Rutschky ist das ein schlagender Beweis für Coetzees Talent, zu gleichen Teilen klug, gelehrt, moralisch und imaginativ zu schreiben.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.04.2001

Als das Besondere dieses Romans kennzeichnet Angela Schader die gelungene Koexistenz von allegorischer Dimension und physischer Realität. Ohne die Enden der Parabel in den leeren Raum der Abstraktion oder einer überhöhten Moral schießen zu lassen, schreibt sie, transzendiere der Autor den eigenen historischen und gesellschaftlichen Kontext, um zu grundlegenden, wo nicht abgründigen Fragestellungen zu gelangen. Die unangenehme Zeugenschaft ("bei den handgreiflichen Demonstrationen staatlicher Macht"), zu der unsere Rezensentin sich gezwungen sieht, wird so zum "einschneidenden literarischen Erlebnis", etwa wenn Coetzee "ein Echo aus der Passionsgeschichte hinüberhallen lässt". Andererseits wieder sorgt die Plastizität der physischen Realität im Buch für ein sinnliches Erlebnis und für "finstere Einsichten in die Menschennatur" - meint Schader.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.03.2001

Hans-Peter Kunisch rühmt, dass der Roman, der bereits 1980 auf Deutsch erschien und der jetzt in neuer Übersetzung vorliegt, nichts von seiner "Kraft eingebüßt" habe. Das Buch sei eine "Allegorie der Macht", die nicht nur an Kafka erinnere, sondern auch Verweise auf dessen Texte beinhalte. Doch findet der Rezensent, dass Coetzees Roman weniger abstrakt ist als vielmehr "Realitätspartikel" enthält. Er preist die "intensiven Bilder", die der südafrikanische Autor heraufbeschwört und ist besonders beeindruckt von der "Spannung zwischen Ethik und Ästhetik", die der Roman erzeuge und die Kunisch in der Gegenwartsliteratur für beispiellos hält. Dass er dann auch noch die Übersetzung von Reinhild Böhnke als "gut lesbar" lobt, rundet diese durch und durch positive Besprechung ab.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.03.2001

Große Literatur, meint Lutz Hagestedt, sei einfach und komplex zugleich. Als einfach und gleichzeitig komplex beschreibt er uns sodann diesen bereits zum zweiten Mal auf Deutsch vorgelegten Roman. Ergo? Richtig, der Rezensent ist voll und ganz überzeugt von dem, was er gelesen hat. Einfach, das heißt schlüssig sei die Ereignisfolge, einfach, das meint plastisch und sparsam attribuiert seien die Figuren in diesem Buch. Komplexität dagegen findet Hagestedt in der vom Autor kunstvoll arrangierten Leitmotivik und in einer schwer zu fassenden Psychologie, die die Hauptfigur kennzeichnet. Der Roman, so schreibt der Rezensent, ist voller Zeichen: "Man möchte nicht von ihm lassen, ehe man ihn nicht entziffert hat." Verständlich, verständlich.
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