Heute in den Feuilletons

Erhöhte Plastizität aller Dinge

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
25.02.2012. Irights.info informiert, dass die Zeitungsverleger jetzt doch keinen gerechten Anteil von Google mehr wollen. In der Welt erzählt William Boyd, wie ihm in seinem Wien die Idee zu einem Roman kam. In der NZZ verteidigt der Städtebauhistoriker Vittorio Magnago Lampugnani die europäische Altstadt. Die SZ macht Lebenszeichen in der russischen Satire-Szene aus. Die FAZ begleitet Wim Wenders auf Oscar-Wahlkampftour in Hollywood.

Welt, 25.02.2012

In der Literarischen Welt erzählt William Boyd, dessen nächster Roman "Eine große Zeit" bald erscheint, von seinem Wien - und beginnt seinen Artikel mit einem Besuch in Freuds ehemaliger Praxis, die zu einem kleinen Museum umgewidmet wurde: "Wie muss das gewesen sein, sich in den frühen Tagen des 20. Jahrhunderts einer Psychoanalyse zu unterziehen? Wie bizarr und riskant muss der Entschluss erschienen sein, seine dunkelsten Geheimnisse einem Fremden anzuvertrauen, der versprochen hat, einen von den eigenen schrecklichen Ängsten und Neurosen zu befreien? Es muss wie Hokuspokus geklungen haben. Doch als ich die Tür aufstieß und in das verlassene Museum trat, wusste ich eines sicher - ich hatte die Idee zu einem Roman."

Weiteres: Ruth Klüger liest für ihre Kolumne "Bücher von Frauen" Anna Maria Jokls Erinnerungen an ihre "Sechs Leben". Besprochen werden unter anderem Tom McCarthys Roman mit dem griffigen Titel "K", Javier Marias neuer Roman "Die sterblich Verliebten", Rainer Hanks Essay "Die Pleite-Republik und Bill Laws Buch "Zwiebel, Safran, Fingerhut - 50 Pflanzen, die unsere Welt verändert haben".

Fürs Feuilleton unterhält sich Anke Sterneborg mit dem Regisseur Michel Hazanavicius, dessen Film "The Artist" zu größten Oscar-Hoffnungen berechtigt. Boris Kalnoky erzählt, dass die Türkei ein angeblich vor zehn Jahren aufgefundenes "Barnabas-Evangelium", in dem die Heraufkunft eines gewissen Mohammed annonciert wird, als definitiven Allah-Beweis ins Museum stellen will (und verweist auf das Blog des Bibelkundlers Timothy Law). Und Thomas Schmid denkt nochmal an die Gedenkveranstaltung für die Opfer der Zwickauer Nazibande zurück.

Außerdem geht Matthias Heine mit Nina Hoss beim Italiener essen (wo sie die deutsche Küche verteidigt). Besprochen werden eine Ausstellung des chinesischen Künstlers Song Dong in London und und eine Szymanowski- und Debussy-CD des Pianisten Rafal Blechacz (Musik).

Aus den Blogs, 25.02.2012

Leicht verspätet bringen wir die Meldung, dass Amazon in den USA über 4.000 Ebooks des Vertriebsverbunds IPG-Book aus seinem Angebot entfernt hat. David Streitfeld berichtet darüber in seinem New York Times-Blog. Amazon, das selbst eine geringe Marge hat, drückt auf die Preise: "Traditional publishers, however, have their own modest margins to worry about. They worry that if e-books are priced too low, the public will devalue their worth, and the publishers might wither away - something, they fear, that would suit Amazon just fine."
Stichwörter: Amazon, Ebooks, New York, USA