Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
30.11.2006. In der Zeit ergründen Thomas Ostermeier und Mark Ravenhill den deutschen Kunsthass. Die FAZ begutachtet das schmucke Toilettenhäuschen, das David Chipperfield auf der Museumsinsel errichtet. Weiter für Unmut sorgt das Baugebaren der Deutschen Bahn: Die SZ sieht Deutschland von Hartmut Mehdorn zum Gespött der Bauwelt gemacht. Die FR sieht keine Bahnhöfe mehr, sondern nur noch aufgebrezelte Shoppingmeilen.

Berliner Zeitung, 30.11.2006

Seit über 40 Jahren zelebriert Hermann Nitsch mit Farbe, Blut und Gedärm sein "Orgien Mysterien Theater". Jetzt zeigt der Martin-Gropius-Bau eine Retrospektive, und Sebastian Preuss "öffnen sich auf einmal die Augen für Nitschs Bedeutung in der Geschichte der Nachkriegsmalerei. Er ist Europas selbstbewusste Antwort auf die New York School; ohne Mühe können sich seine Werke neben den berühmten 'Drip Paintings' Jackson Pollocks, den magischen Farbströmen von Sam Francis oder Morris Louis' konzentrierten Entladungen behaupten - warum hat eigentlich noch kein Museumskurator die Gegenüberstellung gewagt?"

Da eine kleine Oasis-Compilation auf den Markt geworfen wird, schwärmt Noel Gallagher im Gespräch mit Robert Rotifer von den großen egomanischen Neunzigern. "Ich fühlte mich wie Marc Bolan (alle Liedtexte von T.Rex). Wenn ich mir heutzutage bei Festivals Bands ansehe, dann verbraten die ihrem Publikum immer dieselbe Leier: 'Wir sind genau wie ihr. Wir sind alle gleich.' Wir dagegen sagten: 'Wir sind nicht so wie ihr. Wir sind Superhelden.' Die Leute verlangen nach Rockstars. Wenn du von der Schule heimkommst, brauchst du die Gewissheit, dass es irgendwo da draußen Leute gibt, die aus Cowboy-Stiefeln Champagner trinken, während sie von Kronleuchtern schwingen. Das gibt dir einen Grund zum Leben."

FAZ, 30.11.2006

"Materielle und intellektuelle Blässe" wirft Heinrich Wefing dem von David Chipperfield entworfenen Eingangsbau der Berliner Museumsinsel vor. "Nichts an dem Projekt lässt ahnen, dass dies das Foyer zu Berlins Weltkulturerbestätte sein soll, der erste Bau, den alle Touristen betreten werden, wenn sie die Nofretete, den Pergamonaltar oder das Markttor von Milet besuchen. Chipperfield selbst spricht von der 'ambivalenten Erscheinung' des Hauses, die dessen 'multifunktionalem Charakter' entspreche. Ebendas aber, Ambivalenz, Kleinmut gar, ist auf der Insel verboten. Der letzte Baustein muss vielleicht nicht mit derselben rücksichtslosen Egomanie auf die Museumsinsel gewuchtet werden wie Messels Pergamonmuseum, das alle Bezüge zu den früheren Bauten ignorierte. Aber mehr als ein schmuckes Toilettenhäuschen muss es doch sein."

Stefan Wild, emeritierter Professor für Semitische Philologie und Islamwissenschaft, erzählt von einer "überraschenden" Einladung zu der Tagung "Der edle Koran und die orientalistischen Studien" in Medina. Wild war der einzige nichtmuslimische Teilnehmer. Er wurde "mit größter Höflichkeit" behandelt, wissenschaftlich ließ die Tagung jedoch einiges zu wünschen übrig. "Als ein muslimischer Diskutant die Meinung vertritt, die Umwelt der koranischen Offenbarung im Mekka des siebten Jahrhunderts sei zum besseren Verständnis des Korans zu berücksichtigen, rückt der Vorsitzende dies in die Nähe der Häresie."

Weitere Artikel: In der Leitglosse amüsiert sich fld. über das neue Rekrutierungsspiel der amerikanischen Armee, "Future Force Company Commander". Patrick Bahners erinnert anlässlich des Papstbesuchs in der Türkei daran, dass Benedikt XVI. anders spricht als Kardinal Ratzinger, der vor zwei Jahren im Figaro "historische Argumente" gegen den Beitritt der Türkei in die EU ins Feld führte: "Sehe man Europa als 'kulturellen Kontinent', so stelle man fest, dass die Türkei 'im Laufe der Geschichte immer einen anderen Kontinent repräsentiert' habe, 'in permanentem Kontrast zu Europa'", zitiert Bahners. Eleonore Büning schickt einen beschwingten Bericht über die Römerbad-Musiktage. Martin Wilkening resümiert den Cellisten-Wettbewerb Emanuel Feuermann, gewonnen hat der zweiundzwanzigjährige Georgier Giorgi Kharadze. Gerhard Stadelmaier schreibt zum achtzigsten Geburtstag des Theaterintendanten Arnold Petersen, Niklas Maak zum Sechzigsten der Künstlerin Marina Abramovic. Gemeldet wird, dass Susanne Pfeffer vom Künstlerhaus Bremen die Leitung der Berliner Kunst-Werke übernehmen wird (mehr hier).

Auf der Filmseite erzählt das Regie-Duo Jonathan Dayton und Valerie Faris im Interview, was ihm am Drehbuch für die Filmkomödie "Little Miss Sunshine" gefiel: "Ja, die Struktur war klar erkennbar, die Dialoge waren großartig, und es handelte sich um ein sehr ökonomisches Script - die sechs Figuren mussten keine langen Reden halten, um sich zu erklären." Fast nur wunderbare Filme hat Andreas Rosenfelder beim Filmfest Mannheim-Heidelberg gesehen; die "vielleicht größte Entdeckung" war "Lucid", der Beitrag des Kanadiers Sean Garrity. Auf der Medienseite berichtet dsch. über zwei niederländische Journalisten von De Telegraaf, die seit Montag in Beugehaft sitzen, weil sie ihre Informanten zu einer Enthüllung über organisierte Kriminalität nicht nennen wollen. Nils Minkmar ist total angewidert von der "Deutschland-Jury" in einer Maischberger-Talkshow. Und Sat.1-Geschäftsführer Roger Schawinski erklärt im Interview, warum er aufhört.

Auf der letzten Seite schreibt Andreas Kilb eine kleine Hommage auf Charlotte Roche. Der Historiker Jürgen Zimmerer kritisiert die Debatte in Großbritannien um den Kolonialismus und seine Folgen. Dirk Schümer schüttelt den Kopf über den italienischen Schlendrian angesichts der folgenlosen Ankündigungen zu weiteren Aktivitäten des virtuellen Herculaneum-Museums Mav.

Besprochen werden die satirische Film-Komödie "Little Miss Sunshine" (nicht vom klamaukigen Trailer abschrecken lassen, rät Paul Ingendaay), ein Konzert des Jazzmusikers Jamie Cullum in Offenbach, Samirs Inszenierung von Simon Stephens Kriegsdrama "Motortown" im Zürcher Schauspiel und Michael Hofmanns Film "Eden" mit Charlotte Roche.

Zeit, 30.11.2006

Im Interview mit Peter Kümmel sprechen der Dramatiker Mark Ravenhill und der Regisseur Thomas Ostermeier über den Kulturpessimismus an deutschen Bühnen, das miese Verhältnis zwischen den Generationen und das Vergangenheitsproblem: "Ravenhill: 'Als Außenstehender habe ich das Gefühl, dass die Deutschen, die größere Kunst besitzen als fast jedes Volk auf der Welt, zugleich einen großen Kunsthass haben. Also einerseits: Wir haben Goethe, Schiller, Beethoven...' Ostermeier: 'Aber wir hatten auch Auschwitz.' Ravenhill: 'Genau; es wird dann mit all diesen Kunstwerken umgegangen, als seien sie lauter Steine auf der Straße nach Auschwitz. Sie hassen die Kunst; aber sie machen weiter Kunst, fantastische Kunst - aus Hass. Hass-Kunst.'"

Das halbe Feuilleton hat sich der musikalischen Erziehung von Kindern verschrieben. Im Aufmacher beklagt Sarah Schelp den lausigen Musik-Unterricht an deutschen Schulen. Dazu fordern in einzelnen Beiträgen Herbert Grönemeyer, Thomas Quasthoff, Simone Young und Kent Nagano eine Verbesserung der musikalischen Bildung. Und Christof Siemes porträtiert den Dünensänger von Spiekeroog, Eckart Strate.

Weitere Artikel: Bundestagspräsident Norbert Lammert schimpft über die Verleihung des Deutschen Theaterpreises, dessen Verleihung seiner Meinung nach zu fernsehkompatibel inszeniert war. Christian Kortmann stimmt uns auf das große Schachturnier von Bonn ein, bei dem Wladimir Kramnik erneut gegen Deep Fritz antritt, das zur Zeit stärkste Schachprogramm der Welt: vier Parallelprozessoren a drei Gigahertz Rechenleistung. Reiner Luyken stellt fest, dass Damien Hirst ein noch besserer Sammler als Künstler und Selbstvermarkter ist. Birgit Schönau berichtet, wie der Vatikan den Kampf gegen Papst-Satiren aufnimmt.

Besprochen werden Thomas Imbachs schräger Matterhorn-Heimatfilm "Lenz", Hans Neuenfels' "Zauberflöte" an Berlins Komischer Oper, eine Ausstellung über den Kunsthändler Ambroise Vollard im Metropolitan Museum New York, Julio Cortazars "Der Verfolger" als Hörbuch, Erich von Stroheims "Blind Husbands" auf DVD und Sonny Rollins' "A Night at the Village Vanguard".

Im Literaturteil spricht Orhan Pamuk im Interview mit Hilal Sezgin über sein neues Buch "Istanbul". Das Dossier befasst sich mit dem seit zwei Wochen auch englischsprachigen Sender Al Dschasira.
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FR, 30.11.2006

Christian Schmidt nutzt den verlorenen Prozess der Bahn gegen den Berliner Bahnhofsarchitekten Meinhard von Gerkan, um mit Hartmut Mehdorns republikweiten Bauunternehmungen abzurechnen. "Allerorten in der Republik und immer wieder an prominentester Stelle hat die Bahn mit ihren Bauten versagt... Neben so irrwitzigen Projekten wie dem in Dortmund, wo mit dem 'Bahnhof der Zukunft' ein monumentales 'Ufo' ('Unbegrenztes Freizeitobjekt') funktional und gestalterisch disloziert werden sollte, hat die Bahn in zahlreiche Sanierungen ihrer großen Bahnhöfe investiert, von Leipzig über Dresden bis Frankfurt. Manches, was diese Baukörper bei ihrer Gründung vor mehr als hundert Jahren an großartigen Raumwirkungen entfalteten, ist in den vergangenen zehn Jahren einem neuen Nutzungsmix geopfert worden. Aus architektonischen Gesamtkunstwerken wurden aufgebrezelte Shoppingmeilen, aus den monumentalen Leistungen der Gründerzeit eine Nachempfindung wie in Dresden, wo man anstelle von Sandsteinplatten mit Sandsteinimitat herumpfuschte."

Weiteres: Für Harry Nutt bleibt der Gesetzesentwurf zur Neuregelung des Urheberrechtes auch nach der gestrigen Bundestagsdebatte äußerst unübersichtlich, und Thomas Stillbauer erzählt in der Kolumne Times Mager ein Supermarktmärchen.

Besprochen werden Nuran Calis' von ihm selbst inszenierte, offenbar enttäuschende Uraufführung seines Stückes "Schwarz" am Hamburger Thalia Theater, Jonathan Daytons und Valerie Faris' Independent-Hit "Little Miss Sunshine", George Millers Pinguin-Animationsfilm "Happy Feet" (Sascha Westphal berichtet staunend von "grandiosen Sequenzen, in denen der Action-Virtuose Miller das ganze Spektrum der modernsten CGI-Technik ausschöpft") und Franka Potentes 48-Minuten-Stummfilm "Der die Tollkirsche ausgräbt".

TAZ, 30.11.2006

Kirsten Risselmann schickt einen Bericht aus Istanbul von der 3. Freemuse World Conference über Zensur in der Musik. Alexander Cammann blättert mit spitzen Fingern in den aktuellen Ausgaben der Zeitschriften Mare, Mittelweg und Cicero. In der tazzwei spricht Peter Unfried mit dem BAP-Musiker Wolfgang Niedecken.

Besprochen werden Thomas Imbach Büchner-Adaption "Lenz" mit Milan Peschel, Jeff Tremaines Film "Jack Ass 2" (bei dem sich Dominik Kamalzadeh ziemlich humorfern an der Erläuterung des Phänomens "Körperkomik" versucht), Jonathan Dayton und Valerie Faris Feelgood-Movie "Little Miss Sunshine" (dessen Grenzen der Film aus Sicht von Cristina Nord "kühn" überschreitet) und die erste Staffel der Science-Fiction-Serie "Battlestar Galactica" aus dem Jahr 2002, die jetzt als DVD erschienen ist.

Und Tom.

NZZ, 30.11.2006

Joachim Güntner berichtet über das Urteil des Landgerichts Berlin zum Berliner Hauptbahnhof. Besprochen werden ein Klavierkonzert mit Lang Lang, Jean-Stephane Brons Film "Mon frere se marie", Peter Liechtis Film "Hardcore Chambermusic", das Debutalbum von The Long Blondes und Bücher, darunter Thomas Palzhoffs Erzählungsband "Tasmon" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).
Stichwörter: Berlin, Mons

Welt, 30.11.2006

Ulrich Weinzierl plaudert mit dem österreichischen Künstler Erwin Wurm über dessen bunte Skulpturen, die derzeit in Wien, Paris und Aachen zu sehen sind. Dankwart Guratzsch rekapituliert den Streit zwischen der Bahn und Meinhard von Gerkan um den Bau des Berliner Hauptbahnhofs. Hannes Stein preist Großbritannien als Vorkämpfer bei der Abschaffung der Sklaverei und glaubt, Tony Blair müsse im Rückblick nichts bedauern. Wieland Freund stellt Antje Kunstmann vor, die vom Magazin "Buchmarkt" just zur Verlegerin des Jahres gewählt worden ist. Veit Medick meldet, dass Peter Jackson aufgrund finanzieller Zerwürfnisse mit New Line Cinema nun nicht den "Kleinen Hobbit" von J.R.R. Tolkien verfilmen wird.

Im Medienteil weiß Christian Seel, dass Günther Jauch wohl auch als ARD-Moderator werben darf - er ist einfach zu beliebt. An Filmen werden Franka Potentes "ungewöhnliches" Regiedebüt "Der die Tollkirsche ausgräbt", George Millers Pinguin-Musical "Happy Feet" und Jonathan Daytons und Valerie Faris' Komödie "Little Miss Sunshine" besprochen.

Tagesspiegel, 30.11.2006

Das gesamte Archiv des Aufbau Verlags - 1350 Archivkästen auf 450 Regalmetern - ist vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe digitalisiert worden und nun in der Berliner Staatsbibliothek einsehbar, kann Gregor Dotzauer verkünden. Das unterschätzte Programm zum "Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten" ist damit zum ersten Mal einem Verlagsarchiv zugutegekommen. "Die technische Abwicklung des Scannens nahm rund zwei Jahre in Anspruch, wobei die Aufbereitung des Materials drei Viertel des Aufwands ausmachte: Heftklammern entfernen, Klebungen lösen. Eine Mönchsarbeit. Daraus entstanden 362 Rollfilme, die nun im 'zentralen Bergungsort der Bundesrepublik Deutschland', dem Barbarastollen im breisgauischen Oberried lagern: in luftdichten Fässern aus Edelstahl und in enger Nachbarschaft zu Mikrofilmen mit den Bauplänen des Kölner Doms oder Hitlers Gerichtsakten aus den zwanziger Jahren. Sicherungsverwahrung für die Ewigkeit. Sie dauert, so die Haltbarkeitsprognose, immerhin 500 Jahre."

SZ, 30.11.2006

"Deutschland leistet sich einen gigantischen Schildbürgerstreich und macht sich in der Mitte seiner Hauptstadt zum Gespött der Bauwelt," kommentiert Gerhard Matzig die Niederlage der Bahn gegen den Architektekten des Berliner Hauptbahnhofes Meinhard von Gerkan, der jetzt umgebaut werden muss. "Absurd ist allerdings nicht der 'Treppenwitz'-Prozess, sondern nur die treppenwitzhafte Behauptung, der Bahnchef könne über ein öffentliches Gebäude verfügen wie über sein eigenes Wohnzimmer... Dass der Repräsentant der Bahn erst durch ein Gericht an die Verantwortung des Bauherrn im Gefüge der Baukultur erinnert werden muss, ist ein Skandal, der von Mehdorn allein zu verantworten ist. Die grotesk wirkende Posse um den Berliner Hauptbahnhof ist nicht einem selbstgerechten Architekten zu verdanken - sondern im Gegenteil: der Ignoranz und Beratungsresistenz des Bauherrn... Gerkan hat keinen Sieg für sich, sondern einen Triumph der öffentlichen Baukultur errungen."

"Eine Million Wörter soll das Englische umfassen. Wo stecken sie alle? Na, hier!" gibt Burkhard Müller nach erster Inaugenscheinnahme von Thomas Pynchons neuem Roman zu Protokoll. "Andere Autoren mögen schreibend Länder erschaffen - Thomas Pynchon tut es nicht unter einem Kontinent. Mit seinem neuen Buch 'Against the Day', das letzte Woche bei Penguin Press herausgekommen ist, 1085 Seiten mächtig, hat er sich selbst übertroffen. Wer ihn rezensiert, ist gut beraten, wenn er, statt einer Rezension, eine Art vorläufigen Reisebericht liefert."

Weitere Artikel: Christoph Schlingensief legt sich mit pubertär antibürgerlichem Überschwang für seinen Freund, den Aktionskünstler Hermann Nitsch und dessen gestern abend eröffnete Retrospektive im Berliner Martin-Gropius-Bau ins Zeug (und trifft dabei gelegentlich ins Braune: "Geht in eure Wunden und werft mir nicht vor, ich fände Nitsch geil, weil er provoziert. Er provoziert nur die, die noch immer an Demokratie glauben.") Jörg Magenau hat der Beratung des Bundestages über die Neuregelung des Urheberrechts zugehört, und Anke Sterneborg hat sich mit Milos Forman über seinen neuen Film "Goyas Geister" unterhalten.

Besprochen werden Jonathan Daytons und Valerie Faris' Film "Little Miss Sunshine", (dessen Clou für Rainer Gansera darin besteht, dass er mit "satirischem Elan" das Diktum protestantischer Ethik - Erfolg sei ein Zeichen für Gottes Segen - durchbricht). George Millers Pinguin-Trickfilm "Happy Feet", der erste Film von Jerome Savarys Sohn Robinson Savary "Bye Bye Blackbird", (mit Charlie Chaplins jungem Enkel James Thieree, in dessen schmalem Gesicht Fritz Göttler manchmal meint, "den Tramp des Großvaters" zu sehen), Bryan Barbers Thirties-Jazz-Hip-Hop-Musical-Film "Idlewild", Calixto Bieitos Inszenierung von Guiseppe Verdis "Don Carlos" in Basel (wo sich Bieito aus Sicht von Wolfgang Schreiber mit blutigem Ingrimm an Verdis großer Oper abarbeitet) und Bücher, darunter Georg Steiners "Warum Denken traurig macht" und Tadeusz Rozewiczs Erzählungsband "In der schönsten Stadt der Welt" (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).