Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
01.12.2005. In der Zeit spricht Günter Grass über seinen Plan, eine neue Gruppe 47 oder so etwas Ähnliches zu gründen, sofern sich keiner als Genie aufführt. Der NZZ graust es vor Dmitri Nabokovs Drohung, eine testamentarische Verfügung seines Vaters Vladimir Nabokov wahrzumachen und das Romanfragement "Tool" zu vernichten. Die Welt hört Angela Merkels Regierungserklärung auf kulturpolitische Schwingungen ab. Alle gratulieren Woody Allen zum Siebzigsten, am besten Dani Levy im Tagesspiegel, nur in der taz gratuliert Diedrich Diederichsen Jean-Luc Godard zum Fünfundsiebzigsten.

Zeit, 01.12.2005

Will Günter Grass die Gruppe 47 wiederbeleben? Im Gespräch mit Christof Siemes sträubt er sich zwar, das so auszusprechen, aber für die nächste Woche hat er ein knappes Dutzend SchriftstellerInnen zu einem Treffen nach Lübeck geladen. Und zumindest ein Vorbild könnten sich die jungen Kollegen ja nehmen: "Die Gruppe 47 - und das war das Wunder, gemessen an den deutschen Verhältnissen - war eine Vereinigung ohne feste Mitgliedschaft, ohne Vorstandswahlen, ohne Kassenwart. Es gab absolut nichts schriftlich Festgelegtes außer der Einladung auf einer Postkarte, von Hans Werner Richter unterschrieben. Die Grundlage der Gruppe war, was auch unser Treffen prägen soll: kollegiales Verhalten. Was ich nicht ausstehen kann, sind Genies."

Weiteres: Gunnar Köhne erinnert daran, dass der Machtkampf zwischen kemalistischer Nomenklatura und liberaler Türkei nicht nur auf dem Rücken eines Orhan Pamuk ausgetragen wird, sondern auch auf dem weniger Prominenter. Ebenfalls angeklagt sind der Herausgeber der armenischen Wochenzeitung "Agos", Hrant Dink, und der Istanbuler Verleger Ragip Zarakoglu. Ein Mindestmaß an "semantischem Anstand" gegenüber Politikwissenschaftler wie Franz Walter, Peter Lösche und Bassam Tibi fordert Thomas Assheuer vom Göttinger Universitätspräsidenten Kurt von Figura, der davon gesprochen hatte, diese "Schwachstelle" seiner Uni "auszumerzen".

Beim letzten Theaterwochenende in Berlin hat Peter Kümmel auch einen Abstecher nach Brandenburg gemacht und sich Rolf Hochhuths neues Stück "Familienbande" angesehen: "Hochhuths wertvollster Besitz ist seine Wut. In Brandenburg hat er ihn jetzt verscherbelt." Ulrich Greiner begeht das zehnjährige Bestehen des deutsch-amerikanischen Kulturzentrums Villa Aurora in Los Angeles. Zu lesen ist auch ein Text von Hans Neuenfels, in dem der Regisseur einen lebensgefährlichen Zusammenbruch beschreibt.

Besprochen werden Bent Hamers "liebevolle" Bukowski-Verfilmung "Faktotum" (in dem für Birgit Glombitza Matt Dillon, auch wenn er nie richtig weg war, ein schönes Comeback erlebt), Francois Tanguys Stück "Coda", das er mit seinem Theatre du Radeau in Paris aufführt, und die Ausstellung "Night Sites" im Kunstverein Hannover, die die Mechanik der Angst erkundet, und neue CDs, darunter Truls Moerk Einspielung der Bach-Suiten für Cello und Brad Mehldaus Pop-Improvisationen "Day is Done".

Im Politikteil fordert der schwedische Schriftsteller Henning Mankell zum Weltaidstag, endlich das Ausmaß der Krankheit und ihre verheerenden Folgen vor allem in Afrika endlich zu begreifen. Für das Leben besucht Wolfgang Büscher den Maler Neo Rauch, der inzwischen angeblich so teuer ist, dass ihn sich deutsche Museum kaum noch leisten können.

Im Literaturteil feiert Iris Radisch Reinhard Jirgls Roman "Abtrünnig" und Stephan Sattler widmet sich dem zehnbändigen Werk "Ordnung und Geschichte" des Philosophen Eric Voegelin.

NZZ, 01.12.2005

Ulrich M. Schmid erzählt von der Ankündigung Dmitri Nabokovs, den Willen seines Vater Vladimir zu befolgen und dessen letztes Romanfragment "The Original of Laura. Dying is fun" - kurz "Tool" - unveröffentlicht zu vernichten. "Als Einziger hat Dmitri Nabokov den Text gelesen; ähnlich wie sein Vater zieht er bei ausgewählten Gelegenheiten der Nabokov-Fangemeinde den Speck durch den Mund. Aus seinen kryptischen Bemerkungen ist zu entnehmen, dass 'Tool' Nabokovs 'brillantestes Werk' geworden wäre und in seiner 'radikalen literarischen Eigenart' als 'konzentriertes Destillat seiner Schaffenskraft' hätte gelten können. Es ist durchaus möglich, dass Dmitri Nabokov sich mit der Drohung, 'Tool' zu vernichten, an der sich verselbständigenden Nabokov-Philologie rächen will."

Weiteres: Andreas Maurer gratuliert Woody Allen zum Siebzigsten - "mit 1 Meter 65 der größte Philosoph unter den (Stand-up-)Comedians". Peter Hagmann berichtet vom Musikfestival Wien Modern. Besprochen werden Instrumentalstücke von Benjamin Britten, neue Aufnahmen von George Szell, Bach-Sonaten von Gidon Kremer und Bücher, darunter Wenedikt Jerofejews Kultroman "Moskau-Petuschki", Werke von Franziska zu Reventlow (mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr).

FR, 01.12.2005

Daniel Kothenschulte gratuliert Woody Allen zum Siebzigsten. Harry Nutt befasst sich in der Kolumne Times Mager mit dem Foto, das die Geiselnehmer der deutschen Archäologin Susanne Osthoff und ihres Fahrers von ihren Geiseln und sich selbst verbreiten ließen. Christian Bröcking schickt einen Bericht vom vierten Zürcher "Unerhört!"-Festival.

Besprochen werden ein Stuttgarter Veranstaltungsbündel (mehr hier) zum siebzigsten Geburtstag des Avantgarde-Komponisten Helmut Lachenmann (wobei der Geehrte, wie Hans-Klaus Jungheinrich beobachtet hat, "der lange mit dem Image eines Gottseibeiuns des Musikbetriebs herumlief und sich verkannt fühlen mochte, seine Hochberühmtheit vielleicht auch mit einem gewissen Grummeln" quittierte), Rob Zombies Film "The Devil's Rejects" und Zola Masekos Film "Drum".
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TAZ, 01.12.2005

"Zugleich tief und unkonzentriert zu sein, fahrig und absolut geschmackssicher, kleinjungshaft und abgeklärt elegant - das macht Godard keiner nach", schreibt Diedrich Diederichsen zum 75. Geburtstag Jean-Luc Godards am Samstag und dem Kinostart seines neuen Films "Notre Musique" - der allerdings nur in einem Berliner Programmkino zu sehen sein wird. Deshalb sieht Diederichsen Godard-Filme, "die man nur gerippt aus dem Netz, als DVD in drei wohlsortierten Läden in der ganzen Republik oder eben als eine einzige Filmkopie auf Wanderschaft durch die Programmkinos zu sehen bekommt", in den Spezialistenkosmos rutschen, "wo sie zwar mit offenen Armen empfangen werden, aber auch gefangen bleiben und in Hochgebildeten-Biografien versacken". Dem unversackten Woody Allen widmet die taz zum siebzigsten Geburtstag deshalb wahrscheinlich lediglich eine Fußnote.

Weitere Artikel: Daniel Schreiber berichtet über das renommierte Virginia-Theater am New Yorker Broadway, das sich August-Wilson-Theater nennen will - nach dem Anfang Oktober im Alter von sechzig Jahren verstorbenen Dramatiker, den Schreiber als rigorosen Verfechter eines strikt schwarzen Minderheiten-Theaters charakterisiert und der nun der erste Afroamerikaner ist, dessen Name Pate für ein Broadway-Theater steht. Ekkehard Knörer freut sich über eine DVD-Edition mit Filmen von Jean-Claude Guiguet.

Andere Ressorts: In der tazzwei gibt Dieter Grönling eine Anleitung zum geschützten E-Mail-Verkehr. Die Themen des Tages sind ganz der Entführung von Susanne Osthoff gewidmet. "Frankreich stand nicht an der Seite der USA - trotzdem wurde Florence Aubenas entführt, so wie jetzt die deutsche Archäologin", sagt die italienische Journalistin und ehemalige irakische Geisel Giuliana Sgrena (mehr hier) im Gespräch mit Michael Braun. "Und Italien hat sich zwar an die Seite von Bush gestellt - ich aber habe immer gegen den Krieg geschrieben. Unterschiedslos alle Ausländer sind Ziele. Ich habe ja meine Entführer gefragt, wieso sie mich ausgewählt hätten, ich sei doch die verkehrte Person. Sie antworteten: 'Wenn du den Fuß in den Irak setzt, bist du im Krieg drin. Im Krieg greift man zu allen Mitteln, wir benutzen auch dich.'"

Besprochen werden Zola Masekos Film "Drum" über einen südafrikanischen Lifestyle-Journalisten, der plötzlich politisch wird, und eine Franz-Marc-Retrospektive im Münchner Lenbachhaus (wo Ira Mazzoni "Frauen ab 50, gebildet, belesen, gelangweilt, die Freizeit dem Schönen und dem Gespräch darüber widmend" als die "wahren Förderer des museal Expositionellen" outet).

Schließlich Tom.

Tagesspiegel, 01.12.2005

Dani Levy bringt ein Geburtstagsständchen: "Lieber Woody Allen, als ich Dich zum ersten Mal traf, stolpertest Du aus einem jener Etablissements in die eisige Berliner Kälte (ich glaube, es war Mai), vor denen man ungern beim Rein- oder Rausgehen gesehen wird. Deine flinken, kleinen Finger hielten einen schwarzen Koffer umklammert. Dein Blick war starr auf den Berliner Asphalt gerichtet und es sah sehr danach aus, dass Du Dich schämtest für das, was Du die letzten Stunden getan hattest. Ich war damals noch jung, jünger zumindest, und so ging ich auf Dich zu und sagte jene Worte, die ein paranoid Prominenter wie Du so gerne hört und die für meine immense Kreativität sprechen: 'Aren?t you Woody Allen?' Du warfst mir einen Blick zu, aus roten Augen, durch Deine Brille, der so viel sagte wie: Hau ab, du Pressegeier, du Blutsaugerfan, hau ab, oder ich erschlag dich mit der Mordwaffe in meinem Koffer! Aus Deinem Mund aber kam: 'Yes that's me unfortunately.' Ich sah darin ein therapeutisches Gesprächsangebot und konterte ..." Wie's weitergeht, müssen Sie selbst lesen.
Stichwörter: Woody Allen, HAU, Kreativität

FAZ, 01.12.2005

Patrick Bahners gratuliert Woody Allen zum Siebzigsten. Auch die Filmseite ist diesem feierlichen Einschnitt gewidmet und zeigt Fotos von Woody Allen und seinen Protagonistinnen. Günter Paul und Dietmar Dath unterhalten sich mit den beiden Verbandsfunktionären der Raumfahrtindustrie Hans-Joachim Gante und Manfred Fuchs über die Chancen Deutschlands im All. Paul Ingendaay kommentiert Auswüchse der Einfallslosigkeit im spanischen Cervantes-Jahr und empfiehlt die Lektüre des Originalromans. "Rh" stellt die Beutekunst-Initiative der deutschen Museen vor, die die gestohlenen Kunstwerke vor allem wieder der Öffentlichkeit zugänglich machen will. Stephan Sahm liest bioethische Zeitschriften. Ilona Lenhart resümiert einen Kölner Kongress über Rembrandt und die Folgen.

Auf der Medienseite erklärt der Politikkoordinator der ARD, Hartmann von der Tann, warum er ein dem Sender zugespieltes Video, das die entführte Deutsche Susanne Osthoff zeigt, nicht ausstrahlen wird.

Für die letzte Seite berichtet Michael Gassmann von der Gründung einer europäischen Orchesterinitiative unter dem Namen SymphoNet. Dirk Schümer besucht Cesare Paveses Geburtsort Santo Stefano Belbo, der auch ein Pavese-Museum sein eigen nennt. Und Gerhard Rohde schreibt eine kleine Hommage auf Rohan de Saram, den Cellisten des Arditti-Quartetts, der in den Ruhestand geht.

Besprochen werden eine konzertante Aufführung von Mozarts "Clemenza di Tito" unter Rene Jacobs in Berlin, eine Ausstellung über die Mann-Brüder und Italien in der römischen Casa di Goethe und die spanisch-jüdische Filmkomödie "Alles was ich an euch liebe".

Welt, 01.12.2005

Berthold Seewald hat Angela Merkels Regierungserklärung auf kulturpolitische Schwingungen abgehört und fand Folgendes: "Deutschland sei eine Kulturnation, die mehr sei als nur die Summe ihrer 16 Bundesländer, sagte die Kanzlerin. Was soviel heißt, dass Kultur weiterhin zu wichtig ist, um sie Länderegoismen zu überlassen. Auch die Begründung hört sich an wie ein Bekenntnis zu rot-grünen Traditionen: Kultur sei nämlich eine Investition in den Gefühlshaushalt der Nation und keineswegs eine Subvention, wobei es ziemlich unerheblich ist, was das Wörterbuch der Nationalökonomie darüber vermerkt. Angela Merkel und ihr Kulturstaatsminister Bernd Neumann machen mit der Wortwahl vielmehr klar, wie eng sie sich der Rhetorik der Kultur-Lobbyisten verbunden sehen wollen." Und zu Merkels Ankündigung, dem in Berlin geplanten Zentrum gegen Vertreibungen eine europäische Dimension zu geben, kommentiert er: "So leicht kann Kultur die Gemüter beruhigen."

Weitere Artikel: Auch Eckhard Fuhr hat sich die Rede angehört und staunt über die Bezüge zu Brandt und Schröder und die fehlenden Bezüge zu Kohl und Adenauer.

Außerdem ist heute ein Tag der Filmkomödien. Jan Kanter empfiehlt "Shouf shouf Habibi!" (mehr hier), eine niederländische Komödie über das Scheitern von Multikulti, die noch vor dem Mord an Theo van Gogh entstand. Besprochen werden außerdem die Filmkomödie "Alles was ich an euch liebe" von Teresa de Pelegri und Dominic Harari und die Filmkomödie "Männerhort" von Kristof Magnusson und der Apartheid-Thriller "Drum" (mehr hier) aus Südafrika.

Auf der Forumsseite kritisiert der tschechische Politologe Bohumil Dolezal osteuropäische Positionen zum Thema der Vertreibung der Deutschen und meint, "dass man auch durch die größten Verbrechen nicht rechtfertigen kann, was ihnen gefolgt ist; man kann es damit zwar erklären, aber das ist etwas ganz und gar anderes. Wir mussten im Jahre 1945 keineswegs gerade das machen, was wir gemacht haben. Wir hatten tausend andere und bessere Möglichkeiten."

Berliner Zeitung, 01.12.2005

In Frankreich wird Rapmusikern vorgeworfen, "'Rassismus unter dem Mantel des Antirassismus' zu predigen und ihre Hörer zu den Unruhen in den Banlieues aufgehetzt zu haben", lesen wir. Der Regisseur Philippe Roizes, der Videoclips für Rapper gedreht hat, hält das im Interview für Unfug: "Ich bin gut mit Kerry James befreundet, der führendes Mitglied der Mafia K-1 Fry war, einer Crew im Süden von Paris. Seine Meinung ist, dass die unleugbaren sozialen Ungerechtigkeiten bekämpft werden müssen, aber das noch lange keine Zerstörungswut rechtfertigt. Das hat er immer wieder gesagt, er hat es jetzt wiederholt. Die Ereignisse bestärken ihn in seinem Denken, dass die Kids eine starke Moral und starke Vorbilder brauchen. Kerry ist zum Islam konvertiert."

SZ, 01.12.2005

"Der deutsche Ruf ist kaum noch zu retten", zitiert Sonja Zekri den Archäologen Michael Müller-Karpe vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz. Denn Deutschland, das bis heute die Unesco-Konventionen zum Schutz von Kulturgut nicht unterzeichnet hat, sei inzwischen eine Hauptroute für den Antikentransfer geworden. Es gelte als "Hehlerstaat", der Gewinn aus dem Unglück des Irak ziehe. "Nicht einmal mutige Einzeloperationen wie die Bemühungen der entführten Archäologin Susanne Osthoff, die stets um den Schutz des mesopotamischen Erbes gerungen hatte, dürften diesen Eindruck ändern. So naiv die Überraschung darüber ist, dass die Terroristen nicht zwischen dem verhassten Westen und einer wohlmeinenden Deutschen unterscheiden, so verheerend ist der Glaubwürdigkeitsverlust gerade unter jenen kultivierten Arabern, die doch den neuen Irak aufbauen sollen."

Weitere Artikel: Lothar Müller erläutert, weshalb er das in der letzten Woche von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften verabschiedete "Manifest Geisteswissenschaften" für eine Anmaßung hält: "'Mir nach!', sagt die entthronte Philosophie in diesem Manifest zu allen geisteswissenschaftlichen Disziplinen. 'Glaubt bloß nicht, ihr kämet selbst zurecht, ohne mich seid ihr nur "Reduktionen"', sagt sie". Martin Sauer war auf einer Pressekonferenz von Andre Heller, der genau sagen konnte, wie das Kultur-Pogramm der Fußball-Weltmeisterschaft nicht aussehen wird. Martin Köhl versucht kremlastrologisch, Äußerungen Tankred Dorsts über Wagners "Ring" im Hinblick auf dessen Bayreuther Inszenierungspläne für 2006 zu deuten. Und Alexander Kissler war bei einem Vortrag des Staatsrechtlers Josef Isensee über die Menschenwürde als Vertrauensfundament des Gemeinwesens.

Ultimative Einsichten über das Altern schließlich boten sich Joachim Kaiser während eines Beethoven-Konzerts von Menahem Pressler und seines Beaux-Arts-Trios im Münchner Herkulessaal: "Für Menschen, die Angst haben vor den Mühen und Einschränkungen hohen Alters, sollte Menahem Pressler ein heiteres Hoffnungs-Symbol sein. Der Pianist ist 82 Jahre alt - doch wer ihm über die Jahrzehnte hin immer wieder begegnete, muss staunend feststellen, dass ihm sein Altern eher half als schadete." Im Aufmacher wundert sich Susan Vahabzadeh, dass Woody Allen auch schon siebzig wird. Tobias Kniebe gratuliert dem Filmkomponisten Peter Thomas zum Achtzigsten.

Besprochen werden Teresa de Pelegris und Dominic Hararis Film "Alles, was ich an euch liebe" (über ein jüdisches Mädchen und ihren palästinensischen Verlobten, bei dem nach Ansicht von H.G. Pflaum "der furiose und von Anfang bis Ende hinreißend amüsante Klamauk nur die Oberfläche ihres Films ausmacht"), Michael McGowans Film "Saint Ralph", Zola Masekos Film "Drum" über die Anfänge des südafrikanischen Widerstands, Satoshi Kons japanischer Weihnachtsfilm "Tokyo Godfathers" (für Fritz Göttler hat er "die gleiche Kraft, die gleiche Magie wie Fords Western") und Bücher, darunter Zeruya Shalevs Roman "Späte Familie" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).