Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
04.12.2004. Die NZZ besucht besucht chinesische Künstler in den Dashanzi-Fabrikanlagen. In der Berliner Zeitung erzählt Sarah Wiener, wie gut man sich manchmal als Despot fühlt. Die taz erklärt uns die Audiotechnik als eine grundlegende Revision des Theatersprechens. In der SZ erzählt der Schriftsteller Jochen Missfeldt, wie er von Kampfschwimmern aus Eckernförde gequält wurde. Die FAZ feiert das neue Museum der Bildenden Künste in Leipzig.

NZZ, 04.12.2004

In den Dashanzi-Fabrikanlagen im Nordosten Pekings hat sich eine vielfältige junge Kunstszene niedergelassen, erzählt Matthias Messmer. Schon die Anlage, von DDR-Architekten in den fünfziger Jahren erbaut, ist ein Ereignis:
"Mit sich brachten die Vertreter aus dem 'Arbeiter- und Bauernparadies' nicht nur technisches Know-how, sondern auch einen bis anhin in China fast unbekannten Architekturstil: Die räumlich großzügig entworfene Anlage, die zusammen mit den Wohnbezirken der Arbeiter eine Fläche von mehr als einer halben Million Quadratmeter belegte, erinnert an den Bauhausstil der dreißiger Jahre, in dem sich die Form der Funktion anpasst, ohne auf ein feines Gespür für Eleganz völlig zu verzichten." Mitte der neunziger Jahre wurde die Produktion in der Anlage aufgegeben. Und so sieht es dort heute aus: "'Der Vorsitzende Mao ist die rote Sonne, die in unseren Herzen scheint', steht in merklich verblichenen, riesigen Lettern an der gewölbten Decke der hell erleuchteten, einer Kathedrale ähnlichen Fabrikhalle. Was hier als Avantgardekunst gedacht ist, gehört in ländlichen Gebieten des Riesenreichs durchaus noch zum gelebten Alltag. In dieser Umgebung, erstellt auf den Ruinen eines kurzlebigen utopischen Traums, stellen solche Slogans die Bindeglieder zu einer gewiss nicht leicht zu überwindenden Vergangenheit dar."

Weitere Artikel: Niklaus Peter gratuliert dem Theologen Eberhard Jüngel zum Siebzigsten. Richard Wagner schreibt zum Tod des rumänischen Schriftstellers Alexandru Vona, Lilo Weber zum Tod der britischen Ballerina Alicia Markova und sda. zum Tod des britischen Künstlers Kevin Coyne. Besprochen wird die Damien-Hirst-Retrospektive im Archäologischen Nationalmuseum in Neapel (mehr hier).

Ein guter Teil der Beilage Literatur und Kunst ist dem persischen Dichter Hafiz (etwa 1320-1389) gewidmet. Renate Würsch stellt die neue deutsche Übersetzung seiner Ghaselen durch Joachim Wohlleben vor. Und Faraj Sarkohi erklärt uns, wer Hafiz war, oder vielmehr ist: nämlich "bis heute der beliebteste und meistgelesene Dichter im persischsprachigen Raum, der neben Iran auch Tadschikistan, weite Teile Afghanistans, Indiens und Pakistans sowie einige zentralasiatische Staaten umfasst. Poesiekenner und Dichter der Region, klassische ebenso wie moderne, sehen in seinen Gedichten die schönsten und vollendetsten Beispiele persischer Lyrik. Die Bevölkerung hat Hafiz die Beinamen 'Zunge des Verborgenen' und 'Kenner aller Geheimnisse' gegeben. Die Menschen nehmen seinen Gedichtband, den Diwan, zur Hand, um die Zukunft vorauszusagen und sich Rat bei wichtigen Entscheidungen zu holen." Mit beigetragen zu seinem Fortleben hat sicher auch, dass "seine Gedichte als die diffizilsten und vieldeutigsten der persischen Poesie" gelten. Ihre Auslegung entfacht - auch heute noch - heftige politische Debatten, schreibt Sarkohi.

Weitere Artikel: Martin Meyer denkt nach über Nietzsches Kunstbegriff. Werner Oechslin hat die Ausstellung "Revision der Postmoderne" im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt besucht und ist dort den Ikonen von 1980 wiederbegegnet: "Die Bauten haben Falten gekriegt, die nicht erwünscht sind und die man lieber verdecken möchte. All das verträgt sich schlecht mit der damals postulierten Wiederentdeckung der Geschichte." Karl-Markus Gauß schließlich bespricht Christian Buckards Koestler-Biografie (Leseprobe).

Berliner Zeitung, 04.12.2004

Im Magazin unterhalten sich Frank Junghänel und Ralph Kotsch sehr vergnüglich mit der Restaurantbetreiberin Sarah Wiener, die als Mamsell in der ARD-Serie "Gutshaus" ein strenges Regiment führt: "In den ersten Tagen dachte ich, oh,oh, ich verstehe die Despoten dieser Welt sehr gut. Es war ein großer Genuss, einfach sagen zu dürfen, hier wird nicht rumgemault, hier wird gearbeitet, okay, Abmarsch....Es war einerseits ein großer Genuss, so sein zu dürfen und das Gesinde zum Laufen zu bringen. Aber als brave moralische Linke ist das natürlich auch ein Albtraum, sich eingestehen zu müssen, dass man ein kleines sadistisches Arschloch ist. Ich hatte Angst, dass ich das nach vierzehn Tagen genießen würde. Zu meiner Rettung gab es diesen Augenblick, an dem ich wirklich gedacht habe, ich bin so ein Schwein."
Stichwörter: ARD, Schwein

FR, 04.12.2004

"Gabriel Garcia Marquez hat dieses Mal keinen Brief, sondern eine Postkarte geschrieben", meint Karin Ceballos Betancur zu "Erinnerung an meine traurigen Huren", dem ersten Roman des "kolumbianischen Großmeisters" seit zehn Jahren. In fünf Kapiteln variiert Marquez auf 160 Seiten das Thema der "Schlafenden Schönen", einem Roman des japanischen Nobelpreisträgers Yasunari Kawabata, angeblich der einzige, der ihn jemals neidisch gemacht habe. "Sie dürfen die Mädchen nicht wecken, nicht berühren und versuchen es auch nicht, denn das Wesen der Lust ist, sie schlafen zu sehen."

Die japanischen Künstler Yoshitomo Nara (mehr) und Hiroshi Sugito (mehr) hören beim nächtlichen Zeichnen laute Punkmusik, haben in München ihr ehemaliges Atelier samt Kassettenkisten nachgebaut und die Ausstellungen "Somewhere" und "Over the Rainbow" mit Gemeinschaftsarbeiten ausgestattet, erfahren wir von Mirja Rosenau, die sich ansonsten wacker in die Künstlerseelen hineinzuversetzen sucht. "Öffnen also nun die funkelnden Augen, bühnen- oder fenstergleich, den Blick des Betrachters auf eine halluzinierende Seele? Oder spiegeln die irisierenden Pupillen ein psychedelisch glitzerndes Gegenüber, in das sich eine den in Richtung Regenbogen fliegenden Vögeln hinterher singende Seele aus der Welt hinter der Gardine hinüber sehnt?"

Weitere Artikel: Thomas Medicus berichtet, dass die Staatsministerin für Kultur und Medien Christina Weiss überraschenderweise die Birthler-Behörde sowie die Stiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur übernimmt. "Die Volksbühne hat uns dummgeschützt", ärgert sich Florian Malzacher über die Absetzung von Jan Ristemas nur einmal gezeigter Pollesch-Inszenierung. Auf der Medienseite resümiert Klaus Walter die Frankfurter Hörfunkgespräche, wo die Branche über deutsche Musikquoten und Qualität im Rundfunk diskutierte.

Besprochen wird die Saisoneröffnung im Ulmer Theater: "Die Bühnenkunst ist in Ulm eine eher bodenständige Angelegenheit", weiß Stephan Hilpold.
Anzeige

TAZ, 04.12.2004

"'Noch niemals hat irgendwer auf der Welt einen Ratschlag aus der Zeitung befolgt', sagte die Frau, 'jeder Leser weiß instinktiv, dass jede Art von Artikel meilenweit von jeder Art von Realität entfernt ist, reine Unterhaltung.'" Der Schriftsteller Martin Mosebach leistet mit einer Kurzgeschichte seinen Beitrag zur Erhaltung der Qualitätszeitung und natürlich der taz.

Daniel Schreiber vermutet hinter der Audiotechnik, die in den vergangenen Jahren das Theater erobert hat, weniger Spielerei als den Anstoß zu einer "grundlegenden Revision des Theatersprechens". Schreiber durchforstet einige der bekannteren jüngeren Stücke auf ihren Einsatz von Mikrofonen, Mikroports und Audioprojektionen durch. "Letztlich haben die Stimmtechnologien auf unseren Bühnen einen künstlerischen Umbruch ins Laufen gebracht, der nicht nur am ästhetischen Paradigma des schönen Theatersprechens rüttelt, sondern auch unsere Hörgewohnheiten auf neue Art verhandelt. Die durchdesignten Soundscapes vieler heutiger Inszenierungen legen die oftmals überraschende Anachronie unserer Wahrnehmung bloß."

Weitere Artikel: Dirk Knipphals beobachtet die neuen Nachbarn vom Arbeitsamt "beim Kaffeetrinken (muss auch mal sein), beim Kopieren (muss oft sein) und bei Schulungen (muss ständig sein)". Und Dietrich Kuhlbrodt plädiert dafür, den Autorenfilm im Zeitalter der Postproduktion in Editorinnenfilm umzutaufen. In tazzwei fragt sich Sascha Tegtmeier, ob die SZ nun eine Kleinformatausgabe oder tägliche Beilage a la G2 des Guardian plant. In einem Interview auf der Meinungsseite erklärt ein umwerfend selbstbewusster Yan Xuetong im Interview: "Natürlich will China Supermacht werden".

Besprochen werden Marco Stormans "gescheiterte" Inszenierung von Elfriede Jelineks Text "Bambiland" im Deutschen Nationaltheater Weimar, eine Ausstellung der "unbestechlichen" Fotografin Helga Paris in Berlin und danach Hannover, Galip Iyitanirs Dokumentarfilm über die kommunistische Revolutionärin "Olga Benario", und Bücher, darunter Karen Pfundts "vorzügliches" Buch "Die Kunst, in Deutschland Kinder zu haben" und Jean-Philippe Toussaints frühe Erzählung "Das Badezimmer" (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Im tazmag denkt Martin Reichert über die kulturhistorische Bedeutung der "Feuerzangenbowle" mit Heinz Rühmann nach. "Es handelt sich, genau genommen, um den Durchhaltefilm für Bildungsbürger, in dem eine bildungsbürgerliche Idylle beschworen wird, deren Attraktivität fast ungebrochen alle Wirren der Geschichte überstanden hat - trotz ihrer Verstrickung in den Nationalsozialismus." Und Andrea Roedig besucht Gerd und Pit, um endlich die Prinzipien der sadomasochistischen Lust zu ergründen.

Schließlich Tom.

SZ, 04.12.2004

Der Schriftsteller Jochen Missfeldt erzählt von seiner Zeit als Kampfpilot und wie ihn die lieben Kollegen, Kampfschwimmer aus Eckernförde, malträtierten. "Einer hielt mir eine brennende Zigarette dicht unter die Nase. So viel ich auch den Kopf drehte und wendete, er kam mit seiner Zigarettenglut hinterher. Ich sagte: 'Ihr Schweine.' Dann ließ man mich allein, vielleicht zehn Minuten, bis meine Kampfschwimmer wiederkamen und mich aus dem Sägebock befreiten. Nun legten sie mir ein Rundholz in die Kniekehlen, banden irgendwie Füße und Händen zusammen, trugen mich, ich hing kopfunter an meinen Kniekehlen, zum Beckenrand und tauchten mich langsam ins Wasser. Hatte man ein Loch ins Eis geschlagen? Es war verdammt kalt. Als man mich zum ersten Mal langsam hochzog und das Wasser aus meinen Haaren lief, sah ich den weihnachtlich beleuchteten Lecker Kirchturm verkehrtrum. 'Wir müssen noch Weihnachtskugeln kaufen', ging mir durch den Kopf."

Der Ethnologe Werner Schiffauer schildert die Situation der Türken und Deutsch-Türken hierzulande und plädiert für mehr Gelassenheit im Umgang mit dem Anspruch auf Differenz."Wir werden eine Einwanderergesellschaft bleiben, und wir werden lernen müssen, kreativ mit dem Phänomen Parallelgesellschaften in unseren Großstädten umzugehen. Dazu sind wir auf die Selbstorganisation der Einwanderer angewiesen. Religiöse Gemeinden sind dabei ein wichtiger Ansatzpunkt (was die amerikanische Gesellschaft längst erkannt hat). Auch wenn die Entfaltung solcher Gemeinden kurzfristig mit Segregation einhergeht, zeigt die Geschichte der Einwanderung, dass langfristig die integrativen Tendenzen überwiegen."

Weitere Artikel: Holger Liebs schlendert über die Kunstmesse Art Basel Miami und staunt über einen indischen Sweatshop am Strand. Im Rahmen der Reihe "Vorsprung Deutschland" besichtigt Gerhard Matzig die wiedererstarkte deutsche Architektur, die international aus ganz simplen Gründen reüssiert. "Das Bauen für die Zukunft muss man ernst nehmen. Also scheint die deutsche Neigung zum Sachlichen gerade recht zu kommen." Im Interview fragt Jörg Königsdorf den mexikanischen Tenor Rolando Villazon, der gerade in Berlin den Don Jose gibt, ob Latinos besser singen können. "Besser vielleicht nicht, aber sie singen mehr. Bei uns in Mexiko wird praktisch andauernd gesungen."

Jens Bisky stellt kurz die Kulturstiftung der Länder und ihre neue Generalsekretärin Isabel Pfeiffer-Poensgen vor. Christiane Schlötzer besucht das erste türkische Museum für zeitgenössische Kunst in Istanbul. Kai Wiegandt schreibt zum Tod des rumänischen Schriftstellers Alexandru Vona. (wir haben online leider nur in einem rumänischen Kulturmagazin eine Spur von ihm gefunden). Michael Trowitzsch gratuliert dem Theologen Eberhard Jüngel zum siebzigsten Geburtstag.

Besprochen werden Ole Bornedals Film "Dina - meine Geschichte" und Bücher, darunter Botho Strauß' Episodenroman "Paare, Passanten", Lars Saabye Christensens Norwegen-Epos "Der Halbbruder" sowie Denis Johnsons "großartige" Novelle "Train Dreams" (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

In der SZ am Wochenende versteht Juan Moreno das hysterische Gefühl nicht, dass seit einigen Wochen in der Ausländerdebatte herrscht, und wehrt sich dagegen, von Otto Schily integriert zu werden. Willi Winkler kann sich vorstellen, dass Schwulsein die Zukunft des Mannes sein könnte. Gabriela Herpell unterhält sich mit dem Verhaltensforscher Karl Grammer über die leise Ahnung der Männer, wann die Frau paarungsbereit ist.

Schön zu lesen ist Daniel Kehlmanns (mehr) Ein-Seiten-Krimi über den "Mord beim GUN-Preis", der im Rahmen des Projekts "Europa mordet" entstanden ist. "Natürlich waren keine Sterne zu sehen. Ein leichter Nieselregen begann. Die Türen öffneten sich zischend, die vier Männer schleppten die Leiche heraus. Der Kommissar sah ihnen zu und für einen Moment wäre er gerne auf der Bahre gelegen."

FAZ, 04.12.2004

Die erste Seite des FAZ-Feuilletons ist dem am Wochenende eröffneten neuen Museum der Bildenden Künste in Leipzig gewidmet. Niklas Maak stellt die Sammlung vor und bewundert ihre "beziehungs- und assoziationsreiche neue Hängung": "... eine Sichtachse rückt Werke zusammen, in denen sich die Körperbilder und humanistische Theorie des 16. Jahrhunderts zeigen - Hans Baldungs berühmtes Spätwerk 'Die sieben Lebensalter des Weibes' korrespondiert mit 'Adam und Eva' und der an venezianische Ideale erinnernde 'Quellnymphe' von Cranach dem Älteren: Hinter ihr plätschert ein Brunnen, die tosende Landschaft verspricht einen Rausch, den der verhangene Blick der Nymphe und der Griff ins Haar nur andeuten."

In einem zweiten Artikel feiert Dieter Bartetzko den Neubau des Berliner Architektenteams Hufnagel, Pütz, Rafaelian: "Hier steht alles im Dienst der Kunst und der kunstsuchenden Besucher. In einem Dienst, der den erkennenden Genuss favorisiert."

Weiteres: Eberhard Rathgeb hat zugehört, als der Bundestag die Rechtschreibreform diskutierte. Andreas Rossmann berichtet über einen Vortrag des Historikers Jacques Revel, der in Bonn über die Veränderungen sprach, die moslemische Einwanderer im laizistischen Frankreich auslösen. Lorenz Jäger gratuliert Joan Didion zum Siebzigsten, Friedrich Wilhelm Graf dem Theologen Eberhard Jüngel ebenfalls zum Siebzigsten. Wiebke Hüster schreibt zum Tod der Ballerina Alicia Markova.

In der ehemaligen Tiefdruckbeilage schreibt Alexander Goerlach über die Differenzen zwischen den monotheistischen Religionen. Abgedruckt ist ein Text von Elfriede Jelinek "Über Bill Clintons Mutter", der im neuen Kursbuch stehen wird. Hier der Anfang: "Aus dem Mund der Mutter treten die Anfragen und Befehle zu alltäglicher und nicht alltäglicher Deutlichkeit hervor. Nachdem man sie, immer falsch, gedeutet hat. Es ist die Mühe der Deutung aber wert: Die Mutter hat schließlich die Existenz des pulsierenden Betrachters, der bald zu einem Volk von Leibeigenen gehören soll, des Kinderherzens, dieses herzigen Abhängigen, herbeigeführt und hat diese neue Existenz auf einem unbeschriebenen Blatt der Allgemeinheit angezeigt. In all ihrer, der Mutter eigenen Gemeinheit."

Auf der Medienseite stellt Petra Tabeling das erste afghanische Frauenmagazin Malalai vor. Jürg Altwegg berichtet, dass Paris dem Hizbullah-Sender Al Manar eine Satellitensendeerlaubnis erteilte und dies jetzt bitter bereut, die Erlaubnis aber nicht so einfach wieder kassieren kann. Henrike Rossbach berichtet über die Frankfurter Hörfunkgespräche zum Thema Musik im Radio.

Besprochen werden Jean-Francois Pouliots Filmkomödie "Die große Verführung", die Inszenierung der Bibel im Berliner Gorki-Theater, eine Cartier-Bresson-Ausstellung in der gleichnamigen Fondation und Bücher, darunter eine Melville-Biografie, Richard Flanagans Roman "Tod auf dem Fluss" und Kinderbücher (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Auf der Schallplatten- und Phono-Seite geht's um neu Aufgefundenes und neu Aufgelegtes von Wilhelm Furtwängler vor, Aufnahmen der Beethoven-Klavierkonzerte Nr. 2 und 3 mit Martha Argerich und Claudio Abbado und CDs von Chris Stamey und Willy Nelson.

In der Frankfurter Anthologie stellt Heinrich Detering ein Weihnachtsgedicht von Kurt Tucholsky vor:

"Weihnachten

So steh ich nun vor deutschen Trümmern
und sing mir still mein Weihnachtslied.
Ich brauch mich nicht mehr drum zu kümmern,
was weit in aller Welt geschieht.
Die ist den andern. Uns die Klage.
Ich summe leis, ich merk es kaum,
die Weise meiner Jugendtage:
O Tannebaum!
..."