Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
20.09.2001. Trägt das Fernsehen eine Mitschuld am Terrorismus, wie Paul Virilio in der FAZ behauptet? Der Verband deutscher Schriftsteller sieht gar eine neue Reichspogromnacht herannahen, steht in der NZZ zu lesen.

NZZ, 20.09.2001

Joachim Güntner hat eine Erklärung des Verbandes deutscher Schriftsteller zu den Anschlägen ausgegraben, bei der sich einem die Zehennägel aufstellen. Nach den Attentaten nimmt man erst mal den Islam in Schutz und schreibt dann weiter: "Gerade die deutschen Schriftsteller müssen sich den von der Regierung Bush ausgehenden Kampagnen, ganze Völker und Regionen für die Terror-Attentate vom 11. September verantwortlich zu machen, nachdrücklich widersetzen..., damit der Geist vom 9. November 1938 nie wieder Fuß fassen kann." Peinlicher Verein.

Der israelische Politologe Shlomo Avineri erklärt die Feindbilder des Fundamentalismus: "Was sich zurzeit abspielt, ist nicht der von Huntington verkündete 'clash of civilizations'. Viele islamische Regierungen und Bewegungen fühlen sich selbst durch den islamistischen Fundamentalismus bedroht. Die eigentliche Kollision aber ist diejenige zwischen den universalistischen Ideen, die aus der Aufklärung und dem modernen Liberalismus entstanden sind, und einer Weltsicht, die eine auf religiösen Grundlagen errichtete hierarchische Ordnung mit totalitären Prinzipien und Praktiken durchsetzen möchte."

Weitere Artikel: Helmut Frielinghaus setzt sein New Yorker Tagebuch fort. Marcus Stäbler und Peter Hagmann schildern den Wirbel um die Äußerungen Karlheinz Stockhausens. Besprochen werden Luc Bondys Inszenierung von Martin Crimps Stück "Auf dem Land", eine posthume CD von Eva Cassidy, eine DVD und Tournee der wiederauferstandenen Band The Residents und einige Bücher, darunter Ulla Hahns Roman "Das verborgene Wort" (siehe unsere Bücherschau ab 14 Uhr).

SZ, 20.09.2001

Im Interview malt der Völkerrechtler Philippe Sands folgende schreckliche Vision an die Wand: Stellen Sie sich vor, es gibt einen internationalen Prozess gegen bin Laden, und er muss aus Mangel an Beweisen freigesprochen werden. "Bisher ist die Beweislage völlig unklar, erst recht für die Unterstellung, dass bin Laden direkt beteiligt war. Die USA müssen sich gewaltig vorsehen, dass sie sich mit ihrer Unterstellung nicht selbst in eine Sackgasse manövrieren."

Für Franziska Augstein ist bin Ladens Gesicht sozusagen die einfache Formel für eine komplexe Realität, denn "er ist nicht der allwissende, alles vermögende Weltgangster, der böse Gegenspieler Gottes ? oder der amerikanischen Regierung ? auf Erden. Er ist das Gesicht, das der Terror erhalten hat, bis Amerika weiß, wie es auf die Anschläge reagieren soll. Der Terror entstammt nicht einem größenwahnsinnigen fundamentalistischen Hirn. Das würde die westlichen Regierungen nicht so sehr erschrecken. Was sie fürchten, ist ein Terror, der aus der Erde wächst wie das Gras."

Der Komponist Wolfgang Rihm kommentiert den Komponisten Karlheinz Stockhausen, der das Attentat als "das größte Kunstwerk, das es überhaupt gibt für den ganzen Kosmos" bezeichnete: "Selbstverständlich hat Stockhausen sich nicht 'auf die Seite der Terroristen gestellt'. Aber er hat auf bestürzende Weise jedes Maß verloren. Die jeden Künstler vertraute Sehnsucht, die Kunstmittel zu beherrschen, pervertierte zu diffuser Allmachtsphantasie und 'materialisiert sich' nun als schmerzhaft erkennbare Desorientierung eines der größten Komponisten der Gegenwart." (Stockhausen hat auf seiner Homepage übrigens reagiert: "After returning from Hamburg I find false, defamatory reports in the press. I am as dismayed as everyone else about the attacks in America.")

Die Attentate richteten sich in Wirklichkeit gegen den Pop und den "urbanen Chick" (sic!), meint Oliver Fuchs: "Ob es den Attentätern darum ging, mit einem Zentrum der Zivilisation auch ein Symbol der Popkultur zu zerstören, kann niemand ermitteln. Aber man kann davon ausgehen, dass unter radikalen Islamisten kaum Fans der Pet Shop Boys zu finden sind."

Weitere Artikel: Andrian Kreye erklärt, warum die New Yorker so scheinbar gelassen auf die Katastrophe reagieren ? sie haben nie in jener Sicherheit gelebt, die wohl nur in Westeuropa als selbstverständlich gilt. Holger Liebs sieht nun die Stunde der Ikonografen nahen, die durch kunsthistorische Vergleiche, dem Schrecken einen Namen geben wollen. Reinhard J. Brembeck findet, dass Karlheinz Stockhausen Kunst mit Gesellschaft verwechselt. Fritz Göttler hat "amerikanische Magazine danach" gelesen.

Kultur: Frank Arnold porträtiert den Filmemacher Jim McBride, dem beim Oldenburger Filmfest eine Retrospektive gewidmet war. Wolfgang Schreiber freut sich, dass die Verträge von Daniel Barenboim und Simon Rattle in Berlin nun endlich unterschreiben sind, vergisst aber auch nicht den Wermutstropfen in der Angelegenheit zu erwähnen ? dass nämlich Kent Nagano droht, das Deutsche Symphonie-Orchester zu verlassen. Veronika Schöne resümiert eine Tagung zu Psychiatrie und Kunst. Ferner schreibt Fritz Göttler zum Tod des Produzenten Samuel Z. Arkoff und zum Tod des japanischen Filmemachers Shinji Somai. Auf der Medienseite erfahren wir, dass die ab dem 30. September erscheinende FAZ am Sonntag "bunt, hochwertig und gleichzeitig angenehm locker" aussehen wird (also ungefähr so wie das Leben in der Zeit?)

Besprochen werden Luc Bondys Inszenierung von Martin Crimps Stück "Auf dem Land in Zürich", Pan Nalins Dokumentarfilm über die Heilkunst "Ayurveda", Nestroys "Der Zerrissene" am Wiener Burgtheater und der Film "Kommando Störtebeker" .

FR, 20.09.2001

Manfred Schneider will uns die religiöse Dimension der Anschläge ins Bewusstsein rufen. Auch die Christen hatten ja mal ihre Märtyrer. "Die Märtyrerlegenden... erzählen immer wieder die Geschichte des unerschrockenen Gläubigen, der im Duell mit den Repräsentanten des Imperiums... lachend immer mehr Folterqualen... auf sich nahmen, um der Weltmacht die Grenzen ihrer Macht vor Augen zu führen. Schließlich nahmen die Cäsaren des Imperiums die Religion der Märtyrer an. Lächerlich schienen ihnen plötzlich ihre eigenen religiösen Institutionen, die im wesentlichen aus einem weitläufigen Betrieb von Auguren und Wahrsagern bestanden, die laufend Fehlprognosen produzierten... Die westliche Welt, die sich heute dem nicht minder lächerlichen Hellseherbetrieb der Börsenfachleute, Analysten und Wirtschaftsprognostiker verschrieben hat, bietet das Spiegelbild dieser römischen Bürokratie der Orakel und Haruspizes." Nur eine kleine Frage: Sind die Märtyrer des 11. September zuvor von den amerikanischen Flugpassagieren gefoltert worden? Das wirft natürlich ein ganz anderes Licht auf die Sache!

Der Schriftsteller Thomas Meinecke  kritisiert im Gespräch mit Ina Hartwig die Reaktion der deutschen Feuilletons auf die Anschläge: "Es gab dieses typisch deutsche Götterdämmerungs-Element. Solche Dinge werden von Deutschen immer komplett auf sich bezogen. Dabei kommt ein rührseliges, verkitschtes Besinnungs- und Betroffenheitsszenario heraus. Das hat mich schon damals beim Golfkrieg wahnsinnig gemacht, als die Bettlaken aus den Fenstern hingen. Es scheint, als ginge so etwas jetzt wieder los. Sich hier schöngeistig auszulassen, wie in einigen Feuilletons geschehen, das ist für mich absolut unerträglich."

Weitere Artikel: Der israelische Journalist David Witzthum denkt über die Folgen der Anschläge auf den Nahostkonflikt nach. Renato Cristin stellt das "Istituto Italiano per gli Studi Filosofici" in Neapel und seinen Gründer Marotta vor. Jürgen Ritte berichtet über ein französisches Projekt einer Bibelübersetzung durch 73 lebende Schriftsteller ("selbst Frauen wie Marie Ndiaye haben sich ans Allerheiligste herangemacht"!)

Besprochen werden Luc Bondys Inszenierung von Martin Crimps Drama "Auf dem Land" in Zürich und Angela Schanelecs Film "Mein langsames Leben".
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TAZ, 20.09.2001

Gabriele Lesser widerspricht den Enthüllungen von Thomas Urban, der in der Süddeutschen behauptet hatte, es seien doch Deutsche und nicht Polen gewesen, die die Juden in Jedwabne ermordet haben. Urbans Artikel wurde in der FR und der FAZ gelobt. Dazu Lesser: "Hätten sich die beiden Autoren die Mühe gemacht, auch nur einen der 'Beweise' Thomas Urbans zu überprüfen, hätten sie schnell gemerkt, dass die 'neuen Fakten' schon im April und Mai bekannt waren und die sensationellen Enthüllungen vor allem auf Missverständnissen und offensichtlich auch auf bewussten Verdrehungen beruhten." So gebe es vor allem für Urbans Behauptung, Munition und Patronenhülsen in dem Massengrab gehörten zu deutschen Waffen, keinen Beweis: "Im IPN, auf das sich Urban beruft, weiß aber niemand etwas von 'deutscher Munition'. Alicja Chojnowska von der Pressestelle sagt: 'Noch liegt uns die Expertise gar nicht vor. Die kriminologischen Untersuchungen sind noch gar nicht abgeschlossen.'"

Besprochen werden Angela Schanelecs Film "Mein langsames Leben" und Inszenierungen von Ruedi Häusermann und Luc Bondy am Schauspielhaus Zürich.

Auf den Themenseiten findet sich ein Interview mit Noam Chomsky, der sich gegen einen Militärschlag der USA ausspricht: "Es gibt einen klaren Weg, wie man in solchen Fällen zu reagieren hat. Es gibt ein internationales Recht, und das wird auch von anderen Ländern befolgt. Wir sind schon Zeugen von schlimmeren terroristischen Grausamkeiten gewesen. Nicaragua beispielsweise musste Mitte der 80er-Jahre schwere Angriffe durch die USA erleiden. Das Land ist daraufhin vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag gezogen. Der Gerichtshof hat die USA wegen unrechtmäßiger Gewaltanwendung verurteilt - ein anderes Wort für Terrorismus - und sie aufgefordert, Reparationen zu zahlen. Die USA haben dieses Urteil schlichtweg in den Wind geschlagen, daraufhin hat sich Nicaragua an den Sicherheitsrat gewandt. Der Sicherheitsrat hat eine Resolution erlassen, die allen Staaten auferlegt, sich an internationales Recht zu halten. Die UN-Vollversammlung hat dies mit überwältigender Mehrheit unterstützt - mit Ausnahme der USA und Israel. Die USA könnten den gleichen Kurs einschlagen - Beweise finden und sie dem Internationalen Gerichtshof vorlegen."

Schließlich Tom.

FAZ, 20.09.2001

Paul Virilio hatte schon 1993, nach dem ersten Anschlag auf das World Trade Center, auf die Verletzlichkeit der Wolkenkratzer hingewiesen und einen neuen "Großen Terrorismus" angekündigt. Heute interviewt ihn Jürg Altwegg. Virilio annonciert einerseits nach dem Crash der Net-Ökonomie im letzten Jahr das Ende der "Net-Strategie". "Das militärische Denken der Amerikaner mit ihrem unfehlbaren Raketenabwehrsystem und der Satellitenüberwachung hat Bankrott gemacht. Der 'Krieg der Sterne' ist verloren... Wir erleben die Rückkehr des Menschen - des Kriegers, der bereit ist, zu töten und sein eigenes Leben zu opfern. Auch in einer selbstmörderischen Aktion." Auch das Fernsehen kritisiert Virilio: "Das Fernsehen ist Bestandteil des Attentats. Die Bilder gehören zu seinem Ablauf. Der Katastrophenfilm der Wirklichkeit existiert nur dank CNN. Es gibt eine Mitschuld der Medien, auch wenn sie eine indirekte ist. Natürlich muss das Fernsehen zeigen, was passiert. Aber man wird sich sehr unbequeme Fragen stellen müssen über das Verhältnis zwischen den Ereignissen und ihrer gleichzeitigen Übertragung in der ganzen Welt."

Der Philosoph Giorgio Agamben denkt über das Problem der Sicherheit nach, die immer schon zu spät kommt: "Aufgabe einer demokratischen Politik ist es, zu verhindern, dass Bedingungen entstehen, die zu Hass, Terror und Zerstörung führen - und sich nicht darauf zu beschränken, sie erst dann beherrschen zu wollen, wenn sie bereits entstanden sind."

Weitere Artikel: Der britische Autor Frederick Forsyth erinnert daran, dass die gemäßigten Moslems die ersten Opfer der Fundamentalisten sind. Der Experte für elektronische Sicherheit, James Adams von der Firma iDefense warnt vor dem Krieg im Cyberspace, "in dem jeder, der einen Computer besitzt, damit auch über eine hochmoderne Kriegswaffe verfügt". Andreas Platthaus nimmt "des Kanzlers Rhetorik" auseinander. Verena Lueken hat mit Moslems in New York gesprochen, die sich von einer anti-islamischen Stimmung in den USA nicht beeindruckt zeigen. Auf der Medienseite legt Dietmar Dath dar, wie die Politik des Internets Herr werden will. Katja Gelinsky berichtet über den kriegerischen Ton der amerikanischen Medien. Jordan Mejias ist nun mit dem Leihwagen in New York angekommen und schließt sein Tagebuch ab. Und auf der Filmseite schickt Peter Körte eine Reportage über Woody Allen, der in Deutschland ist, um seinen neuen Film vorzustellen, in den Interviews aber natürlich immer nur zu den Anschlägen gefragt wird. Auf der letzten Seite präsentiert die FAZ einen historischen Text von Friedrich Engels über das kriegerische Volk der Afghanen.

Kultur: Andreas Obst bespricht ein Konzert von Björk und Gerhard Stadelmaier hat sich Luc Bondys Inszenierung von Martin Crimps Stück "Auf dem Land" in Zürich angesehen. Dirk Schümer schreibt in seiner Kolumne "Leben in Venedig" über eine rätselhafte Bombe, die in seiner Lieblingsbar hochging und die Dutzende von Menschen getötet hätte, wenn sie tagsüber explodiert wäre - niemand hat sich dazu bekannt. Wolfgang Schneider resümiert eine Tagung über die Romantik in Magdeburg. Dieter Bartetzko beklagt eine archäologische Insensibilität der Frankfurter Stadtplaner und Bauherren. Derselbe gratuliert dem Archäologen Philipp Vandenberg zum Sechzigsten. Gerd Roellecke setzt seine Serie über historische Urteile des Bundesverfassungsgerichts fort. Martin Lhotzky hat einer Wetzlarer Tagung über den Artus-Stoff beigewohnt. Paul Ingendaay porträtiert den spanischen Filmemacher Alejandro Amenabar und setellt seinen Film "Los Otros" vor. Und "hhm" kommentiert den Umstand, dass der Taschen Verlag nicht zur Frankfurter Buchmesse kommen will.

Besprochen wird Angela Schandelecs Film "Mein langsames Leben".

Hinzuweisen ist auch noch auf die Gegenwart-Seite, für die Khalid Duran, Redakteur der politischen Vierteljahreshefte "TransIslam" in Washington, ein ganzseitiges Porträt Usama Bin Ladins verfasst hat.

Zeit, 20.09.2001

Die Zeit brilliert in dieser Ausgabe mit so vielen Texten zu den Anschlägen, dass die Auswahl schwierig ist.

Im Aufmacher des Feuilletons singt Irene Dische, die am 11. September "zitternd vor Furcht in einem Autostau in Nordmanhattan steckte", ein Loblied auf Bürgermeister Giuliani und die New Yorker: "Ganz kurz, vom 11. September 2001 an, war New York eine Utopie. Dann übernahmen die Medien und die Politiker wieder die Herrschaft ..."

Der libanesische Dichter Abbas Badoun, der keinen Zweifel daran lässt, dass das Attentat ein Verbrechen war, sieht in dem Anschlag auch einen globalen Selbstmord: "Für viele bedeutet die Globalisierung nichts anderes als die endgültige Vertreibung, die Besetzung noch der letzten Peripherie. Jeder unerreichbare wissenschaftliche und technische Fortschritt bedeutet, außerhalb des Lebens zu bleiben. Für viele ist die Welt heute ein Planet der Vertreibung. Sie stellen den eigenen Tod mit dem Tod der ganzen Welt gleich und verkünden dies in einem öffentlichen Selbstmord. Einem globalen Selbstmord."

Gustav Seibt denkt über die unheimlichste Eigenschaft der Attentäter nach: "Diese Frömmigkeit muss nämlich die größte, bisher gar nicht gewürdigte Leistung der Terroristen getragen haben: ihre Fähigkeit, der westlichen Umwelt, in die sie sich als 'sleeper' bis zu Unauffälligkeit integriert hatten, seelisch zu widerstehen. Die Verführungen des Westens, der Konsum, die Leichtigkeit seiner Lebensform, die Libertinage, waren ohne Einfluss auf diese arabischen Studenten, die uns von ihren deutschen Bekannten als gebildet, höflich, fleißig und tolerant geschildert werden. Sie blieben ihrem Auftrag treu."

Weitere Artikel: Der amerikanische Schriftsteller Richard Ford erinnert sich an den Tod seines Vaters und vergleicht ihn mit den Opfern der Attentate, denen nicht nur das Leben, sondern auch der Tod "gestohlen" wurde. Thomas E. Schmidt erklärt, warum sich der Krieg der Werte nicht als Militäreinsatz führen lässt. Der Soziologe Zygmunt Bauman will nicht nur den Terrorismus, sondern auch seine Ursache bekämpft wissen. Der amerikanische Stadtsoziologe Mike Davis fürchtet den neuen amerikanischen Patriotismus. Slavoj Zizek hat eine Frage:"Schon gibt es die ersten schlechten Omen wie die jähe Wiederauferstehung des alten Begriffs aus dem Kalten Krieg von der 'freien Welt': Der Kampf sei jetzt einer zwischen der 'freien Welt' und den Mächten der Finsternis. Die Frage, die sich hier stellt, lautet: Wer gehört dann zur unfreien Welt? Sind beispielsweise China oder Ägypten Teil dieser freien Welt?"

Kultur: Benedikt Erenz schreibt über die Sammlung Prinzhorn, die in Heidelberg ein "festes Häuschen" gefunden hat. Hanno Rauterberg war bei BMW auf der IAA. Claudia Herstatt berichtet über eine Gesetzesänderung in Frankreich, die jetzt auch ausländische Auktionatoren gestatte.

Besprochen werden Theresia Walsers Stück "Die Heldin von Potsdam" am Maxim Gorki Theater Berlin, Luigi Nonos "Intolleranza" an der Deutschen Oper Berlin. Im Aufmacher des Literaturteils bespricht Evelyn Finger "City of God", den neuen Roman von E.L. Doctorow (siehe auch unsere Bücherschau heute ab 14 Uhr).


Im Politikteil sei auf einen Artikel von Jebediah Purdy, Fellow der New America Foundation in Washington hingewiesen, der meint, Amerika könne den Feldzug gegen den Terrorismus nur gewinnen, wenn es eine demokratischere Version der Globalisierung in Gang setzt: "Wenn die gegenwärtige Form der Globalisierung das ökonomische Leben auf ein Bündel von universellen Regeln zur Gewinnmaximierung reduziert, wird sie für imperiale Machtausübung gehalten - und erzeugt genauso viel Hass wie Loyalität."

Jörn Klare beschreibt das Elend Afghanistans unter den Taliban, Citha D. Maass erklärt die Zwickmühle, in der Pakistan sich befindet, Gisela Dachs sieht Arafat in der Defensive, und Michael Thumann sucht Parallelen zwischen Anschlägen in Amerika und Russland.