Magazinrundschau

Die Unbeschreiblichkeit von Meeresrosa

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag
24.03.2026. Der New Yorker fragt: Wird Kuba eine amerikanische Kolonie? Für Longreads lauscht die Lexikografin Kory Stamper den Stimmen von Bartnelke und Fiesta. In Elet es Irodalom beklagt der Schriftsteller György Dalos, dass es den Mächtigen in Ungarn nicht nur an Ideen, sondern auch an Witz mangelt. Die LRB lernt in einer neuen Biografie, dass Chaim Soutine den Tod malte, um die Energie des Lebens zu bannen. In Respekt erklärt der Schriftsteller Martin M. Šimečka, warum die Hauptstadt der Slowakei jetzt in Ungarn liegt. Und der Guardian tauscht einen US-Roboter gegen drei chinesische. 

New Yorker (USA), 23.03.2026

Nachdem Trump beschlossen hat, Kuba eine Blockade aufzuerlegen, ächzt die Insel unter Engpässen und politischer Unsicherheit. Die Regierung trägt auch nicht dazu bei, die Bevölkerung zu entlasten, wie Jon Lee Anderson beobachtet: "Die Verzweiflung der kubanischen Regierung hat Aktionen befeuert, die das Land noch weiter von einflussreichen Freunden entfremdet haben. Im November haben sie die Devisenkonten der ausländischen Botschaften und Unternehmen gesperrt, anscheinend, weil sie das Geld brauchten. Ein Bekannter, der enge Verbindungen zur Parteielite hat, erzählte mir, dass ihm sieben Millionen Dollar beschlagnahmt wurden, was sein Unternehmen gelähmt habe. Für andere war es noch schlimmer, sagte er: Er hatte von Firmen gehört, die den Zugang zu Summen im zweistelligen Millionenbereich verloren hatten. Er zuckte mit den Schultern. 'Weißt du was?', sagte er, 'Ich gehe nicht davon aus, das Geld wiederzubekommen.' Am Ende unseres Treffens umarmte er mich und flüsterte mir die Prognose für das Regime ins Ohr 'Es ist vorbei.' Wenn ich mich mit Kubanern über die Krise unterhalten haben, sprachen viele euphemistisch über 'Veränderung'. Manche bezogen sich auf die US-Invasion in Venezuela, wo dem Vizepräsidenten Delcy Rodríguez und anderen Anführern des Regimes erlaubt wurde, an der Macht zu bleiben, solange sie sich Trumps Bedingungen fügen. Ein einflussreicher Kubaner sagte mir, dass das venezolanische Modell einen großen psychischen Einfluss ausübt, denn es zeigt, dass es pragmatische Veränderungen geben kann, ohne dass das Regime abgesetzt werden muss. 'Ich meine nicht, dass sie etwas ähnliches tun sollten wie in Caracas, mit Helikoptern einfliegen und Leute erschießen', befand er. 'Aber der Fakt, dass sie dort Menschen gefunden haben, mit denen sie arbeiten konnten, lässt die Idee aufkommen, dass etwas ähnliches auch hier möglich ist. Ein früherer Bediensteter von Chávez und Madura merkte an, dass die Situation in Venezuela nicht erstrebenswert ist. Er erzählte mir spöttisch: 'Venezuela wird gerade zum Puerto Rico des 21. Jahrhunderts' - im Grunde eine amerikanische Kolonie, geleitet von einem bekennenden Sozialisten in Kooperation mit einem rechten amerikanischen Präsidenten. 'Wer hätte sich das vorstellen können?', fragte er. 'Es ist so bizarr.' Und trotzdem bietet es den Kubanern Hoffnung, dass ihr Leben ohne zu viel Aufruhr verbessert werden kann. Ein europäischer Diplomat auf der Insel meinte zu mir: 'Wegen Venezuela denken die Leute hier jetzt, dass sie ausharren können, trotz allem.' Aber, fragte er, 'wer wird dieses Land in einer pro-kapitalistischen, pro-US-amerikanischen Weise regieren? Wer ist unser Delcy?'"

Außerdem: Jill Lepore fragt sich, ob Künstliche Intelligenz eine Verfassung braucht. Hilton Als berichtet von der Whitney Biennale.
Archiv: New Yorker

Elet es Irodalom (Ungarn), 24.03.2026

Der in Berlin lebende Historiker und Schriftsteller György Dalos spricht im Interview mit Ágnes Bárdos Deák über die Sprache der Macht in historischem Vergleich und über die gesellschaftliche Bedeutung von Witzen: "Auch heute gibt es eine Sprache der Macht, obwohl in der heutigen, im Gegensatz zur Propaganda der 1950er Jahre, kaum noch Ideologie steckt. Was vorhanden ist, ist höchstens ein überstrapaziertes Nationalbewusstsein, was ebenfalls nichts Neues ist; aufgrund der historischen Kränkungen der Ungarn gab es schon immer ein solches Narrativ. … Das wirklich ernste Problem ist, dass es keine neuen Ideen gibt - nicht nur bei Orbán, sondern bei niemandem -, wie man die Spannungen lösen könnte, die sich aus der Präsenz Ungarns auf der internationalen Bühne ergeben. … Wer in meiner Generation aufgewachsen ist, ist mit Witzen aufgewachsen. Der Witz handelte von dem, worüber man nicht sprechen durfte. Heute gibt es keine Witze mehr, oder kaum welche. Es steht nichts auf dem Spiel. Die Witze sind nach der Wende allmählich ausgestorben. In den 60er und 70er Jahren gab es noch regelrechte Witzwellen, wie zum Beispiel die sogenannten 'Absolut-Witze': 'Wer ist der absolute Kader? Das Bauernkind der Arbeitereltern.' Solche Witze waren wie Schlager, sie wurden im öffentlichen Bewusstsein zum Volksgut. Diese Art Folklorismus ist heute kaum noch zu erleben."
Stichwörter: Dalos, György, Ungarn

London Review of Books (UK), 19.03.2026

Genüsslich arbeitet sich Andrew O'Hagan an den zahlreichen Skandalen ab, die Prince Andrew dem britischen Königshaus beschert hat. Seine Familie verdrängte nicht nur seine Verfehlungen, die ihn schließlich zu einer Hauptfigur der Epstein-Affäre machten, sie belohnte ihn geradezu dafür: "Wie eine Mutter aus der Zeit der Großen Depression in einem James-Cagney-Film konnte Elizabeth einfach nicht das Schlechte in ihrem Sohn sehen. Je schlimmer er wurde, desto mehr überhäufte sie ihn mit Medaillen, Rosetten und Bändern. Die Ironie ist, dass er sie genauso schlecht behandelte wie jede andere Frau: Er verkaufte Sunninghill, das Haus, das sie ihm zur Hochzeit geschenkt hatte, an den Schwiegersohn des Präsidenten von Kasachstan für 3 Millionen Pfund über dem Angebotspreis - obwohl es keine anderen Bieter gab. Diese Aktion zog die Königsfamilie noch tiefer in den Schmutz, als einer der anderen Schwiegersöhne des Präsidenten das Geld laut Lownie als 'Versüßung' bezeichnete. Bis heute zeigt der Verkäufer weder Reue noch wurde er strafrechtlich verfolgt, obwohl er faktisch eine persönliche Zuwendung ausgehandelt und angenommen hatte, während er als britischer Regierungsbeauftragter tätig war. Was er Kasachstan im Gegenzug für diese Großzügigkeit gab, könnte noch ans Licht kommen, doch wir sollten nicht vergessen, dass der betreffende Präsident, Nursultan Nasarbajew, ein Diktator war, dessen Regime seine Gegner folterte und dessen Sicherheitskräfte am 16. Dezember 2011 auf streikende Ölarbeiter schossen, wobei fünfzehn Menschen getötet und etwa hundert verletzt wurden. All das ignorierend versuchte Andrew, diese Leute mit seinen Bankern bekannt zu machen."


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Zu den vielen großen Wiederentdeckungen der vergangenen Jahre gehört der in der Nähe von Minsk geborene jüdische Maler Chaïm Soutine, dem Celeste Marcus, Chefredakteurin des amerikanischen Magazins Liberties, die Biografie "Genius, Obsession, And A Dramatic Life in Art" gewidmet hat. George Prochnik liest sie mit Gewinn, verwehrt sich Marcus doch dagegen, Soutines Werk allein vor dem Hintergrund traumatischer jüdischer Erfahrungen zu deuten. Sicher, viel Tod steckt in seinen Gemälden, etwa wenn Soutine zum Malen von Ochsen, Hühnern oder Enten deren Kadaver in sein Atelier brachte und mitunter mit deren Blut malte: "Doch Marcus argumentiert, dass alles, was Soutine auf der Leinwand schafft, als Teil seines Strebens nach Leben verstanden werden sollte. Seine Gemälde zeugen von seinem 'epischen Kampf um Selbstbeherrschung, um die Disziplin und das Können, die Energie des Lebens selbst angemessen zu vermitteln'. Die Ironie bleibt unerkannt, dass er an entscheidenden Wendepunkten seiner Karriere dem Leben auf dem Weg zum Schlachthaus nachjagt. Hinzu kommt, dass viele seiner Landschaften wie zerfließend wirken, während die Figuren und Gesichter seiner menschlichen Modelle von Verzerrungen durchzogen sind. Er zeigt uns Szenen, in denen unsere vermeintlich festen Vorstellungen von Leben und Malerei ins Wanken geraten - indem er seine Motive neigt, umkehrt oder von innen nach außen kehrt. In einem wichtigen Essay über Soutine aus dem Jahr 1963 wies der Kritiker David Sylvester auf die Abhängigkeit des Malers von Cézanne hin. Sylvester beschreibt, wie Soutines Bestreben an Cézannes Entschlossenheit erinnert, 'das Volumen in seiner ganzen haptischen Realität zu erfassen und es gleichsam in die Bildebene zu pressen'. Beide Künstler strebten nicht nach Abbildung, sondern nach Neugestaltung - was bedeutete, das Wechselspiel zwischen umfassender, organischer Kontinuität und individueller Vergänglichkeit einzufangen."

Le Grand Continent (Frankreich), 21.03.2026

Es ist nicht nur so, dass die westliche Linke eine echte Schwäche für den Ayatollah Khomeini und sein finsteres Regime hat, der Ayatollah hat auch umgekehrt von den westlichen Linken gelernt. Die Politologin Laurence Louër erklärt die "Eschatologie der Zwölfer-Schia", also jener Richtung des schiitischen Islams, der die Iraner angehören. Sie warten nun seit weit über tausend Jahren auf die Ankunft des Mahdi, der laut ihrer Theologie irgendwo versteckt leben soll. Die Erfindung Khomeinis, bei der er von den Linken des Westens abgeschaut haben mag, ist nun, dass er gewissermaßen das Jenseits im Hiesigen erzwingt. Er versprach zwar keine "klassenlose Gesellschaft", noch nicht mal einen "real existierenden Sozialismus", aber erschuf eine Doktrin, nach der die Ayatollahs auf Erden herrschen sollen, solange der Mahdi sich nicht blicken lässt. Diese Lehre nennt sich "Wilayat al-Faqih" oder "Herrschaft des islamischen Rechtsgelehrten". Nicht alle der Großayatollahs machten da allerdings mit, so Louër. Und so ergaben sich einige praktische Probleme: "Die Ernennung von Ali Khamenei zum Revolutionsführer ist ein perfektes Beispiel dafür. Da keiner der großen iranischen Religionsgelehrten die Wilayat al-Faqih unterstützte, konnte Khomeini keinen Nachfolger ernennen, der über dasselbe religiöse Wissen verfügte wie er selbst. Ali Khamenei war ein erfahrener und geschickter Politiker, hatte jedoch nicht den Rang eines Großayatollahs erreicht, den die Verfassung von 1979 für das Amt des Obersten Führers vorschrieb. Er war somit eine Notlösung, die eine Änderung der Verfassung erforderte und die Khomeinis Priorität widerspiegelt, das Regime zu erhalten, anstatt die theokratische Norm zu wahren. Diese Wahl markierte eine Krise der religiösen Legitimität des Regimes, die sich in Wirklichkeit nie aufgelöst hat."

Longreads (USA), 23.03.2026

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In einem Auszug ihres Buches "True Colour" schildert die Autorin und Lexikografin Kory Stamper, wie sie bei der Revision des dritten Teils des großen Merriam-Webster-Wörterbuchs durch eine skurrile Farbdefinition ihre Faszination für Farbwörter entdeckt. Die schillernde und irgendwie unsinnige Definition der Farbe "Begonie" steht so ganz im Gegensatz zum trockenen, exakten Ton des Wörterbuchs, das Merriam Webster 1961 veröffentlichte, und das beispielweise "Fischstäbchen" als "Stäbchen aus Fisch" definiert, wie Stamper erklärt. Unter "Begonie" stößt Stamper neben zwei botanischen Definitionen auf diese hier:

"'3 - s: ein tiefes Rosa, das bläulicher, heller und kräftiger als durchschnittliches Korallenrot (siehe Koralle 3b), bläulicher als Fiesta und bläulicher und kräftiger als Bartnelke - auch Gaiety genannt - ist.'" 

Stamper ist hingerissen: "Die Definition entsprach zwar formal der Definition des Wörterbuchs, war aber völliger Unsinn. Hier wurde eine Farbe - 'ein tiefes Rosa' - mit einer Handvoll Dingen verglichen, von denen ich ziemlich sicher war, dass sie keine Farben waren. 'Bartnelke' kannte ich als Blumennamen, also gab es vielleicht auch eine Farbe namens Bartnelke, die auf der Farbe der Blume basierte. Ich googelte 'Bartnelke', und das erste Bild, das erschien, zeigte eine Hecke aus weißen, leuchtend magentafarbenen, mattvioletten, mittelrosa und sogar einem staubigen, bläulich schimmernden Lila. Welcher dieser Bartnelken entsprach denn nun der Farbe 'Bartnelke'? Das war kein vielversprechender Anfang. 'Fiesta' kannte ich als Party - Mariachi-Bands, Feuerwerk und Piñatas. Eine Fiesta hat keine bestimmte Farbe, außer vielleicht die Farbenpracht, die zu einer Party dazugehört. (...) Was diese Definitionen so faszinierend machte, war unter anderem, dass sie eine eigene Stimme hatten. Das Lexikon war sorgfältig darauf ausgelegt, keine andere Stimme als die des Unternehmens zu haben. Diese Farbdefinitionen - im Vergleich zum nüchternen und starren Stil des restlichen Buchs - waren so auffällig wie eine ganze Truppe von Kabaretttänzerinnen (...) Woher in aller Welt stammten diese ausführlichen Definitionen, die 'Meeresrosa', 'Kupfer' und Tausende anderer Farben erwähnten, von denen ich, eine Frau, deren Aufgabe es war, alles in Reichweite zu lesen, noch nie gehört hatte?" Die Antworten "auf diese Fragen lagen in Stapeln von Korrespondenz, die im Keller von Merriam-Webster vor sich hin gammelten; in Familienpapieren, sicher verwahrt in Archivkartons; in sorgfältig getippten Notizen in Firmenarchiven, in längst vergriffenen Büchern, in Regierungsdokumenten und Berichten an und vom Kongress, in Stoffmustern und chemischen Gleichungen. Jede dieser Definitionen ist das kristallklare, prägnante Ergebnis dutzender sich überschneidender Überlegungen: der Einfluss der Wissenschaft im 20. Jahrhundert, die Kommerzialisierung von Farbe, der Szientismus der amerikanischen Gesellschaft und die unvermeidliche Gegenreaktion, die Rolle von Wörterbüchern in unserem kulturellen Bewusstsein, das staatliche Streben nach Standardisierung, die Unzulänglichkeit der Sprache zur Beschreibung des Abstrakten, die Mühsal des Satzes, die Auswirkungen des Krieges, die Gefahren der Färberei, die Macht der Liebe und die Unbeschreiblichkeit von Meeresrosa."
Archiv: Longreads
Stichwörter: Farben, Farbspektrum, Lexikografie

Respekt (Tschechien), 16.03.2026

Der slowakische Journalist und Schriftsteller Martin M. Šimečka beobachtet in der Politik den Zerfall der slowakisch-tschechischen Beziehungen und stellt fest: Die Hauptstadt der Slowakei ist heute Budapest. "Die Regierung Robert Ficos hat es geschafft, das Land innerhalb von zwei Jahren von Europa zu isolieren, nur die Bevölkerung hat das noch nicht bemerkt, da wir noch immer mit Euro zahlen und frei reisen können. Die größte Veränderung aber ist die zunehmende Bindung an Ungarn, die die traditionell starke Beziehung zu Tschechien ersetzt hat. Zwar ist in Prag nun Ficos Freund, Premier Andrej Babiš, an der Macht, aber sogar er hält in geopolitischen Fragen Distanz zur Slowakei. Die tschechische Regierung mit Babiš an der Spitze - gar nicht zu reden vom Staatspräsidenten - steht heute in vielen Fragen, nicht nur zum Thema Ukraine, der Europäischen Union näher als der Slowakei. (…) Das ist eine Veränderung historischen Ausmaßes. Die Slowakei wird wieder einmal zu einem Anhängsel Ungarns, wie es das in der Geschichte jahrhundertelang war." Traditionell habe man eigentlich einen antiungarischen Nationalismus gepflegt, aber nun sei der neue Feind nicht mehr Ungarn, sondern die Ukraine und Europa: eben genau so, wie Viktor Orbán es Fico diktiere. Dennoch sei es möglich, dass bei einer Abwahl der Orbán-Regierung im April diese Ungarn-Slowakei-Bindung wieder zerfalle. Šimečka hofft hier auf die demokratisch gesinnten Wähler Ungarns.
Archiv: Respekt
Stichwörter: Slowakei, Ungarn, Tschechien

New York Times (USA), 23.03.2026

Robert Kennedy Jr. ist nun seit gut anderthalb Jahren Gesundheitsminister in den USA. Jeneen Interlandi hat bei über vierzig Mitarbeitern der "Centers for Disease Control and Prevention", einer der größten Gesundheitsbehörden der Welt, nachgefragt, wohin die Reise führt. Kennedy ist in manchen Punkten zweideutig. So hat er sich nicht eindeutig gegen Impfungen ausgesprochen - und verbreitet doch immer wieder Verschwörungstheorien zu dem Thema. In anderen Bereichen gibt es Kahlschläge. 2.400 Mitarbeiter wurden im Rahmen des DOGE-Programs gefeuert. Die Abschaffung der Entwicklungshilfeagentur USAID hat ebenfalls Konsequenzen, wie ein Mitarbeiter berichtet: "Die CDC hat über USAID auch viel im Bereich Malaria geleistet, doch diese Arbeit wurde vollständig eingestellt. In den Vereinigten Staaten gibt es bereits rund 2.500 Fälle von Malaria, die sich Reisende zugezogen haben, und vor zwei Jahren gab es zehn Fälle lokaler Übertragung. Diese Zahlen werden nun steigen, und die Kosten für die Bekämpfung der Malaria werden zunehmen, insbesondere in Regionen wie Florida, Puerto Rico und Texas." Als sich Masernfälle häuften, empfahl Kennedy Dorschlebertran. Einige Monate später stiegt die Zahl der Masernfälle auf 800, der größte Ausbruch, "seit der Erklärung der Ausrottung der Krankheit in den Vereinigten Staaten im Jahr 2000".
Archiv: New York Times
Stichwörter: Kennedy Jr., Robert F.

Guardian (UK), 24.03.2026

Chang Che besucht eine Reihe chinesischer Unternehmer im Bereich der Roboterindustrie - eine mit hoher Geschwindigkeit wachsende Branche im Land. Unter anderem geht es im Text um die Frage, wie die beiden weltweit führenden Tech-Länder, China und die USA, sich voneinander unterscheiden: "Eine Art, über die humanoide Robotikindustrie in den USA und China nachzudenken, ist, sie als ein Spektrum zu betrachten. Am einen Ende steht der universell einsetzbare Humanoid - die Science-Fiction-Vorstellung einer Maschine, die alles tun kann, was ein Mensch kann. Am anderen Ende befindet sich ein Roboter, der darauf trainiert ist, eine einzige Aufgabe extrem gut zu erfüllen und dafür Vielseitigkeit zugunsten kommerzieller Zuverlässigkeit opfert. Aus verschiedensten Gründen - dem Druck zur Kommerzialisierung, der Anziehungskraft staatlicher Aufträge sowie dem intensiven Wettbewerb, der Differenzierung und Profit über Forschung stellt - werden Unternehmen in China eher zur pragmatischeren Seite hingezogen. Die großen amerikanischen Technologiekonzerne hingegen, abgeschirmt durch mehr Risikokapital und geringeren kommerziellen Druck, zielen eher auf den 'heiligen Gral'. Eine plausible Zukunft ist daher, dass die USA die Technologie in Richtung eines allgemeinen humanoiden Roboters vorantreiben, während China die Welt mit günstigen, zuverlässigen Robotern versorgt, die jeweils eine Aufgabe sehr gut erfüllen. Die USA könnten irgendwann einen einzigen Roboter hervorbringen, der deinen Rasen mäht, mit deinem Hund spazieren geht und auf deine Kinder aufpasst. Doch während du darauf wartest, kannst du genauso gut drei chinesische kaufen, die jeweils eine Aufgabe erledigen - zu einem Bruchteil des Preises."
Archiv: Guardian
Stichwörter: Roboter, Robotertechnik

Time (USA), 11.03.2026

Harry Booth und Billy Perrigo tauchen tief ein in den sanft bizarren Fall des KI-Konzerns Anthropic, der jahrelang zu den absoluten Pionieren der Branche zählte, dabei immer wieder auf die Risiken einer ethisch allzu sorglosen Entwicklung von KI-Modellen hingewiesen und entsprechend an Sicherheitsmaßnahmen gearbeitet hat, der eng mit der US-Regierung zusammenarbeitete und dessen KI namens Claude auch beim Sturz Maduros in Venezuela zum Einsatz kam - nur um wenig später dann doch bei Trump in Ungnade zu fallen und unter wüstesten Beschimpfungen zum Teufel gejagt zu werden. Dem vorausgegangen waren Verhandlungen über den zukünftigen Gebrauch von Anthropic-Produkten: Die Firma "bestand auf zwei roten Linien. Die erste besagte, dass Claude nicht in voll-autonomen kinetischen Waffensystemen eingesetzt werden dürfte, bei denen KI und nicht Menschen die finalen Entscheidungen durchführt. ... Die zweite Ausnahme war die Aussicht darauf, dass die Regierung eine Massenüberwachung US-amerikanischer Bürger durchführen könnte, in dem sie Claude dafür nutzte, öffentlich einsehbare Daten zu prozessieren. ... Würde man diese mit KI analysieren, könnten daraus detaillierte Dossiers über das Privatleben der amerikanischen Bürger erstellt werden, inklusive ihrer politischen Ansichten, persönlichen Verbindungen, über ihr Sexleben und ihre Browsing-Geschichte." Doch "ohne das Wissen von Anthropic hatte das Pentagon parallel auch mit OpenAI Diskussionen darüber geführt, wie sich ChatGPT auf Geheimsystemen der Regierung einsetzen lässt. ... Die Episode führte zu genau dem, was Geschäftsführer Dario Amodei befürchtet hatte: Eine Abwärtsspirale, bei der die immense Kraft von KI Rivalen davon abhält, miteinander zu kooperieren, um sie sicherer zu machen. In den Augen der Kritiker von Anthropic offenbarte sich darin auch eine essenzielle Hybris im Kern der Firma. Sie mag daran geglaubt haben, dass sie durch die wechselhaften Gewässer auf dem Weg zu übermenschlichen Maschinen auf eine Weise sicher navigieren kann, die es lohnenswert erscheinen lassen mag, solche Risiken in Kauf zu nehmen. Doch stattdessen hat sie einer rechten Regierung einen gewaltigen neuen Überwachungsapparat und Möglichkeiten zur Kriegsführung zugetragen - nur um in genau jenem Moment von Mitbewerbern unterboten zu werden, an dem sie versucht hat, deren Gebrauch zu beschränken."
Archiv: Time