
In Pakistan hält sich das Gerücht, der ehemalige Premier
Imran Khan sei im Gefängnis gestorben. Das stimmt nicht,
versichert der
Autor Mohammed Hanif, Khan lebt noch. Dass er im Gefängnis sitzt, war allerdings vorhersehbar. "In den letzten fünf Jahrzehnten musste jeder gewählte Premierminister Pakistans irgendwann in seiner Karriere eine Gefängnisstrafe verbüßen. Das ist fast schon eine
berufliche Voraussetzung." Außer Zulfikar Ali Bhutto ist auch jeder wieder "lebend aus dem Gefängnis herausgekommen, und einige sind sogar wieder an die Macht zurückgekehrt. Es gibt eine einfache Formel: Irgendwann während ihrer Haft schließen sie einen
Deal mit dem Militär, gehen ins Exil und warten auf bessere Zeiten. Die pakistanische Armee hat
ein Drehbuch für den Umgang mit Premierministern, die ihren Titel ernst nehmen, während die Politiker ihre eigenen Tricks haben, um der Gefängniszelle zu entkommen." Dummerweise hat Khan, dem die Militärs einst in den Sattel geholfen haben, nichts anzubieten für einen Deal. Also sitzt er. "Unterdessen hat
General Asim Munir, der Chef der pakistanischen Armee, in einem beispiellosen Akt seine Macht konsolidiert und kürzlich eine Verfassungsänderung durchgesetzt, die ihm auch das Kommando über die Marine und die Luftwaffe überträgt, seine Amtszeit von drei auf fünf Jahre verlängert und ihm das Privileg gewährt, lebenslang in Uniform zu bleiben sowie
lebenslange Immunität vor Strafverfolgung zu genießen. Die Generäle haben sogar ihren begrenzten Bedarf an einem gehorsamen Premierminister reduziert. ... Khans politische Gegner, die alle aus demselben Gefängnis geflohen sind, in dem Khan untergebracht ist, haben sich ins eigene Fleisch geschnitten, um ihm eins auszuwischen. Nach der jüngsten Verfassungsänderung, die Munirs Macht erweitert hat, haben sie praktisch den geringen politischen Einfluss, den sie noch hatten, an das Militär abgegeben. Behaltet ihn, und wir werden alles tun, was ihr von uns verlangt, scheinen sie zu sagen. Es überrascht nicht, dass in einem Land mit einer langen Geschichte von Staatsstreichen die Armee froh ist, sich
ihre Marionetten aussuchen zu können, die ihre Befehle ausführen. So muss sie nicht mal die Militärherrschaft ausrufen."