Magazinrundschau

Die Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.
29.07.2002. Die NYT Book Review stellt Martin Amis' zorniges Buch über Stalin vor. In L'Express beschreibt Jean-Luc Godard seine Suche nach dem Unsichtbaren. In der NY Review of Books wirft Pankaj Mishra der indischen Regierung vor, Massaker an Moslems zu dulden. In Prospect fürchtet sich Antony Lerman nicht vor einem neuen europäischen Antisemitismus. Der Economist lässt Bush fallen. Das TLS beklagt anlässlich zweier Proust-Biografien den Verfall der Literaturkritik. Und der New Yorker erzählt die Geschichte eines amerikanischen Terroristen.

New York Times (USA), 28.07.2002

Paul Berman hält Martin Amis' Stalin-Buch ''Koba the Dread'' (erstes Kapitel und Autorenfeature) für eines der seltsamsten Bücher zu diesem Diktator überhaupt: "indignant, angry, personal and strangely touching" und mit seiner Themen-Mixtur, seinen historischen Grübeleien und persönlichen Kommentaren eine höchst idiosynkratische Angelegenheit. "Amis sets out to summarize Stalin's lies and murders (which he figures at roughly 20 million), the prison system, the slave labor projects, the purges and show trials and generally the political culture of the Union of Soviet Socialist Republics during its most fearful years." Und er stellt die Frage, wie westliche Intellektuelle (u.a. auch Amis' persönlich adressierter Freund Christopher Hitchens) so lange mit Stalin und Co. und dem Kommunimus sympathisieren konnten. Keines der ganz großen Bücher, so schließt Berman - weder zu Stalin noch zum Totalitarismus -, aber dafür entstanden aus dem Schmerz. Über die Grausamkeit, die Nutzlosigkeit und den Verlust.

Besprochen werden ferner zwei Bücher, die sich auf ungewohnte Weise - über den Sport nämlich - dem (von der Insel aus gesehen) europäischen Ausland nähern. Während Tim Moore, ein nach eigener Aussage miserabler Radfahrer, in ''French Revolutions'' (Auszug) die Route der Tour de France auf eigene Faust bewältigt und dabei mehr auf die Lachmuskeln des Lesers als auf seine Beinmuskulatur achtet, "tempering the slapstick with bits of cycling lore and reflections on the event's crippling physical demands, the near-biblical tribulations of past champions and the Tour's checkered history of greed, cynicism and cheating", wirbt Tim Parks mit seiner Dokumentation "A Season With Verona" (Leseprobe) für Verständnis für das oft rüde Verhalten der Hellas-Verona-Fans und sinniert ansonsten "on subjects as varied as crowd psychology, aesthetics, anthropology, poetry (Giacomo Leopardi gets plenty of playing time), the cultural rift in Italy between north and south, and the similarities between soccer and erotic experience."

Und während Daphne Merkin sich um die Nöte hauptberuflicher Musen kümmert und Eric McHenry gleich zwei Exemplare der raren Gattung des Versromans anzeigt (hier eine Leseprobe aus Brad Leithausers ''Darlington's Fall"), stellt Laura Secor eine gut 50 Jahre gereifte Storysammlung des tschechischen Romanciers Josef Skvorecky vor (Auszug "When Eve Was Naked"), die sich folgendermaßen auf den Punkt bringen lässt: "Nothing is so central to Skvorecky's work as the amorous pursuit of teenage girls, but the grand themes of the 20th century are forever intruding on that plotline."

Outlook India (Indien), 05.08.2002

Der Titel widmet sich einem für Mitteleuropäer nicht soo spannenden Thema: der Verleihung des "Electrolux Kelvinator Wisden's greatest Indian cricketer of the century award" an Kapil Dev (mehr hier).

Einem für Inder nicht soo interessanten Thema hingegen ist Anita Pratap auf der Spur. Die Komik der politischen Karikatur, meint sie, ist vor allem eine Sache des Westens: "We in the Third World constantly do deal with issues too tragic to be funny. Political cartooning is a refined art, especially in the UK, France and the US. But let's face it, those societies don't have to worry about the basics, which we still grapple with. Hunger, disease, inequality, exploitation, poverty-these are life-threatening issues in the Third World. Political cartooning in the West is brilliant and funny, but the issues, judged by our standards, often seem superficial ? There's something obscene about poking fun at political reactions to economic disparity or violence against women, issues we continually contend with."

Besprochen werden E. M. Forsters knapp 40 Jahre altes Indien-Buch "A Tribute", das der Rezensent ausgerechnet für seinen Scharf- und Weitblick betreffend das mangelhafte Englisch der Inder lobt, sowie eine luzid geschriebene Studie des Fachmanns für außenpolitische Fragen in Südasien schlechthin, J.N. Dixit (mehr hier), über die Geschichte der indisch-pakistanischen Beziehungen, die nicht nur durch ihren starken Dokumentenanhang (Chronologie und Texte aller wichtigen bilateralen Treffen 1994-2000; statistisches Material zur militärischen Balance 2000-01 usw.) glänzt: "One must admire Dixit's precision and sympathise with his predicament of indicating where the complex relationship between these two countries could lead, especially now that the US has got itself involved in the Afghani and Pakistani territories for combating international terrorism."

Express (Frankreich), 25.07.2002

Jean-Luc Godard erzählt in einem Interview, wie er zum Kino gekommen ist und erklärt das Wesen der "Nouvelle Vague": "Wir haben alle zum Kino gefunden, indem wir die Revue du Cinema von Georges Auriol für uns entdeckt haben, aber wir konnten die Filme gar nicht sehen, von denen in der Zeitschrift die Rede war, da sie keinen Verleih hatten. Als gute Filme galten also ganz automatisch die Filme, die wir nicht sehen konnten. Daraus wurde ein genereller Glaube und letztlich wurde aus dieser Praxis Theorie: das Kino zeigt wie die Malerei das Unsichtbare. Weil das Kino, das Filmmaterial, für uns - rein von seiner materiellen Seite her - unsichtbar war." Alle französischen Intellektuellen philosophieren eben immer wieder gerne über das Sichtbarmachen des Unsichtbaren, das sichtbare Unsichtbare bzw. das unsichtbare Sichtbare. Da bleibt einem nur: "Augen zu und durch!"

Außerdem: Laurence Liban stellt fest, dass es wohl genauso schwierig ist, Theater in der Wüste zu spielen wie Theater auf der Insel Korsika populär zu machen. Trotz der "Rencontres des theatres en Haut-Corse", die mittlerweile 40 000 Zuschauer anziehen, bleibt für den Theatermann Robert Renucci noch viel zu tun. Martine Lachaud war bei einem religiösen Ritual des Stammes der Tsogho, das derzeit seine Weltpremiere in Monpellier feiert. Pacal Dupont ist begeistert von Robert Plants neuem Album "Dreamland". Außerdem setzt der Express seine Reihen über Liebe und französische Verlagshäuser fort: Mona Ouzuf spricht über die Liebe in revolutionären Zeiten. Olivier Le Naire schaut bei Grasset vorbei.

In der Bücherschau überwiegen heute die Ausgaben von Grasset: Francois Busnel freut sich über eine neue Ausgabe von Hannah Arendts "Eichmann in Jerusalem", allerdings erschienen bei Gallimard. Besprochen werden der 54-Seiten lange Roman "Stallone" von Emanuelle Bernheim (die Besprechung finden Sie hier und die erste der wenigen Seiten finden Sie hier) und "Aller au diable" von Jacques Reda (die Besprechung finden Sie hier und die ersten Seiten lesen Sie hier). Annick Colonna-Cesari empfiehlt die Studie "La main et l?esprit" über die gegenseitige Befruchtung von Literatur und Malerei.

Und: "Putain" oder "Puree" hört man die Franzosen häufig leise vor sich hin schimpfen. "Pourri" klingt in deutschen Ohren ähnlich, ein Ausruf, mit dem man in Frankreich unter anderem Verschimmeltes beklagt. "L?ete pourri pour Gerhard Schröder" titelt der Express. Im Deutschen trifft da nur: Ein verhunzter Sommer.
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Archiv: Express

New York Review of Books (USA), 15.08.2002

Die USA sollten sich nicht auf ihre militärische Überlegenheit nicht verlassen, warnt Tony Judt die Freunde eines amerikanischen Imperiums, sie bräuchten Freunde, wollten sich sich selbst nicht ihr schlimmster Feind werden: "America is not admired abroad for its awesome military establishment, any more than it is respected for its unparalleled wealth. American power and influence are actually very fragile, because they rest upon an idea, a unique and irreplaceable myth: that the United States really does stand for a better world and is still the best hope of all who seek it ... What gives America its formidable international influence is not its unequaled capacity for war but the trust of others in its good intentions. That is why Washington's opposition to the International Criminal Court does so much damage."

Anlässlich eines Human Rights Watch Reports beschäftigt sich der indische Autor Pankaj Mishra sich mit den Ausschreitungen zwischen Hindus und Moslems im indischen Bundesstaat Gujarat. Seit dem Massaker von Godhra, bei dem Moslems im Februar 58 Hindu-Aktivisten in einem Zug verbrannt hatten, stehen Angriffe gegen Moslems auf der Tagesordnung - und genießen mehr als nur die stillschweigender Billigung der Regierung: "Murderous crowds of Hindu nationalists seeking to avenge the attack in Godhra rampaged across Gujarat for the next few weeks. The Indian government has acknowledged that more than 850 people, mostly Muslims, have died. About 230 mosques and shrines, including a four-hundred-year-old mosque, have been razed; some of them have been replaced with Hindu temples. Close to 100,000 Muslims are in relief camps. According to the report, police officials in Gujarat have often omitted the names of senior leaders involved in the attacks from reports filed by Muslim victims. The state government has transferred police officials who have tried to prevent attacks on Muslims or confronted the attackers. It has detained and arrested Muslims across the state on false charges. In recent weeks, the government has arrested some local BJP workers accused of rape, murder, and arson, but has not moved against the more prominent Hindu nationalists charged with committing similar crimes." Der HRW-Bericht "We Have No Orders To Save You" steht hier.

Benjamin M. Friedman diskutiert das Buch "Globalization and Its Diskontents" des Ökonomen und Nobelpreisträgers Joseph Stiglitz, der dem Internationalen Währungsfond die Hauptschuld an der Misere der Entwicklungsländer gibt. Um es gleich zu sagen, die Thesen gefallen Friedmann überhaupt nicht: "Throughout the book, the sense of moral outrage is evident."

John Updike
hat sich die Ausstellung "American Sublime" angesehen und denkt über das Schöne und Erhabene in der amerikanischen Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts nach. James Fenton hat Bücher rund um die Gartenkunst gelesen. Und Garry Wills bemerkt, dass es mit dem Ansehen amerikanischer Priester steil bergab geht: An Flughafen-Schleusen werden sie inzwischen genauso durchleuchtet wie ganz normale Menschen!

Prospect (UK), 01.08.2002

In der Titelstory untersucht Robert Kagan das transatlantische Verhältnis und findet das alte Klischee, Europa und die USA hätten vieles gemeinsam, durchaus bestätigt. In einem ebenfalls zu lesenden Interview zum Thema umreißt Tony Blair die transatlantische Herausforderung an die Europäer so: "If we want to have greater sway and greater power, then instead of complaining about America, we've got to face up to what we need to do. That means developing a coherent defence capability and a set of institutions to allow Europe to speak strongly."

Ein neuer europäischer Antisemitismus? Eher Paranoia und "ablenkende Kritik" vonseiten Israels, meint das ehemalige Vorstandsmitglied des "Institute for Jewish Policy Research", Antony Lerman im Prospect und warnt vor Übertreibung. "First, it is wrong to think that increases in incidents must mean an overall worsening of the antisemitic climate ? We live in a period in which extremists are readier to express their views in violent ways. It may be that they do so precisely because their ideas have become so marginalised. Second, for some decades now, waves of antisemitic incidents have been linked to flare-ups in the Arab-Israeli conflict - which make expressions of surprise at the recent upsurge in incidents rather disingenuous." Wer die Parallele ziehe zwischen heute und dem Antisemitismus der 1930er, so Lerman, beschmutze das Andenken an die Millionen Juden, die von den Nazis entwürdigt, verfolgt und ermordet wurden.

Kathleen Burk schließlich, Tochter eines kalifornischen Weinbauers, erzählt von den Strapazen und Freuden auf dem Weg von der Weinliebhaberin zur diplomierten Weinkennerin: "I found bottling less interesting, but at least I can talk about sterile cold bottling and the relative merits of real corks, plastic corks and screwtops (the best) ... I loved studying the French regions. Bordeaux and the southwest - I now know about Gaillac. I know how and why Pauillac differs from Pomerol, what the Cabernet Franc grape contributes to claret, and why Sauternes needs both Sauvignon Blanc and Semillon grapes?"
Archiv: Prospect

Economist (UK), 27.07.2002

Der Economist lässt Mister Bush fallen! Viel Geduld und Zuneigung hat das Magazin über die Jahre für diesen keinesfalls leicht zu liebenden amerikanischen Präsidenten bewiesen, jetzt scheint man (in der Cover Story) auf Abstand zu gehen: "The man who promised to clean up Washington, DC, now finds his press conferences dominated by corporate shenanigans at Harken Energy (where he was a director) and Halliburton (where Dick Cheney was boss). His reaction to America's 'crisis of capitalism' has been derided as meek. His attempt to calm the stockmarkets has failed. His huge tax cut has helped push the government into deficit. Abroad, his allies have sniped at Mr Bush about his policies towards Afghanistan, Arafat and agriculture (just to name things beginning with A)."

Die Franzosen behaupten es ja schon lange: Wein ist gesund. Nun aber, so berichtet ein Beitrag, haben Forscher herausgefunden, dass es weniger der Wein selbst ist, der ein langes Leben garantiert, als vielmehr die Lebensweise der weintrinkenden Klientel. "Despite allowing themselves the indulgence of wine-drinking, members of this group practised reasonable self-discipline in matters of diet, exercise and smoking. According to the researchers, the lifestyle led by wine-drinkers explains much of their better health." Dass es dem Abstinenzler, der naturgemäß frisst (Fleisch, kein Gemüse) und qualmt, was das Zeug hält, helfen würde, zum Weinglas zu greifen, dafür allerdings würde kein Wissenschaftler die Hand ins Feuer legen.

Andere Artikel lassen die Luft aus der einst so frenetisch gefeierten AOL-Time-Warner-Fusion (von Synergie keine Spur), erklären, warum Ägypten 50 Jahre Revolution feiert und niemand hingeht, und stellen die ambitionierten Pläne einer Grande Dame der Glasbläser-Kunst aus Murano vor.
Archiv: Economist
Stichwörter: Dick Cheney, Murano, Washington, Led

Spiegel (Deutschland), 29.07.2002

Im Interview spricht Israels Außenminister Schimon Peres über die aktuelle Lage in Nahost, sein Verhältnis zu Ariel Scharon und die Umstände des Angriffs auf Gaza-Stadt, bei dem 16 Unbeteiligte starben und der für ihn immerhin "eine Fehlkalkulation, einen hundertprozentigen Fehler" darstellt: "Wie stoppen Sie einen Krieg, wenn Sie die Krieger nicht stoppen können? Wir haben die Palästinenser wiederholt gebeten, Schahada (der Hamas-Führer Salah Schahada, dem die Bombe galt) zu verhaften, aber sie haben sich geweigert. Es gibt nur einen Weg zum Frieden: Sicherheit und Verantwortlichkeit müssen wiederhergestellt werden."

Carlos Widmann stellt uns einen Briefband vor ("The Letters of Arturo Toscanini", herausgegeben von Harvey Sachs), in dem der Meister-Dirigent Arturo Toscanini kräftig über Bayreuth herzieht ("Die Sänger, unter uns gesagt, sind Hunde") und als blutrünstiger epistolarischer Erotiker zu entdecken ist: "Toscanini pflegte seinen Briefen an Ada Mainardi öfter ein frisches Ziertüchlein beizufügen, in Erwartung einer intimen Erwiderung. Die quittierte er dann enthusiastisch: 'Hättest Du nur sehen können, wie meine Augen den zarten Schleier liebkosten, der bespritzt ist mit Deinem Blut!' Signora Mainardi hatte sich aber nicht in den Finger geschnitten."

Außerdem geht Philip Bethge der Tiefsee auf den Grund - in einem Beitrag über Meeresungeheuer, Hans-Jürgen Schlamp sieht Fiat (Clan und Konzern) auf Crash-Kurs, nur im Print wird die Stasi-Karriere des Ex-"Stern"-Reporters Gerd Heidemann aufgedeckt, und das Titeldossier ist der Monroe gewidmet, die vor 40 Jahren starb und als Mythos weiterlebte. Der Fotograf Douglas Kirkland erinnert sich. Seine Fotos von der Monroe sehen Sie hier.

Archiv: Spiegel

Times Literary Supplement (UK), 27.07.2002

Nur in Auszügen zu lesen ist leider Malcolm Bowies Kritik der beiden neuen Proust-Biografien von Jean-Yves Tadie ("Marcel Proust. Eine Biografie") und William C. Carter ("Marcel Proust. Ein Leben"). Beide haben Bowie so sehr enttäuscht, dass er sich ernsthafte Gedanken über die Zukunft der Literaturkritik macht. "For those wishing to retire from the fray of reading Proust?s novel, no distance from it could be safer, no alternative scene of reading more tranquil, than those afforded by the author?s biography untransformed, or only mechanistically transformed, by his literary art. That two experienced Proust critics should have taken this route almost simultaneously raises questions about the current fortunes of literary criticism. Together, their massive volumes, almost untouched by textual discussion, sound a fanfare for a special style of reading. Life-reading, one could call it, in homage to the hugely successful parent genre of life-writing."

Ebenfalls nur in Auszügen: D. J. Taylor feiert den Schriftsteller und wahren Bohemien Julian Maclaren-Ross (1912-1964): "There is, to be sure, a fine old tradition of being sick into waste-paper baskets and running off with other people?s wives - see practically any literary biography - but the man who really does live his life out of a suitcase while remaining one step ahead of the bailiff?s grasp is a comparative rarity." Und schließlich geht Catriona Kelly der Frage nach, woran der christlich-orthodoxe Dostojewski eigentlich glaubte.

Ganz lesen dürfen wir eine Besprechung von William Fotheringhams Biografie über den ersten britischen Radprofi Tom Simpson (mehr hier), der 1967 bei der Tour de France kurz vor dem Gipfel des Mont Ventoux an Herzversagen, Alkohol und Amphetaminen starb, und einen Verriss eines Buch über den nordirischen Friedensprozess als simple pro-irische Streitschrift: "Endgame in Ireland" von David McKittrick und Eamonn Mallie. "This book has a distinct feel of the assembly line. Neat, tidy and packaged; anything too awkward is cast to the side."

New Yorker (USA), 29.07.2002

Ira Silverman schickt eine sehr lange und lesenswerte Reportage aus Teheran, wo sie Dawud Salahuddin traf, einen schwarzen Amerikaner, der einst David Theodore Belfield hieß und eine seltsame Karriere hinter sich hat: 1979 erschoss er im Auftrag Khomeinis den iranischen Oppositionellen Ali Akbar Tabatabai und ging dann in den Iran. An seinen Fall erinnerte man sich als er in Mohsen Makhmalbafs Film "Kandahar", der in Cannes ausgezeichnet wurde, einen amerikanischen Arzt spielte. "Im Februar unterhielt ich mich fünf Tage lang mit ihm in Teheran", schreibt Silverman. "Salahuddin gab den Mord an Tabatabai zu. 'Ich habe ihn erschossen", sagte Salahuddin ohne ein Zeichen von Verlegenheit oder Reue. In einer späteren E-Mail bestand er darauf, dass diese Erschießung 'nichts Mörderisches' hatte. 'Es war eine Kriegshandlung', schrieb er. 'In der islamischen Religion gibt es Fälle, wo es erlaubt, ja hochgepriesen sein kann, jemandem das Leben zu nehmen, und für mich traf das auf diese Situation zu.'" Nun scheint der amerikanische Geheimdienst an Salahuddins Mithilfe bei afghanischen Angelegenheiten zu hoffen.

John Cassidy fühlt sich durch die Börsenkrise so langsam an das Jahr 1929 erinnert. "Nach dem Crash von Oktober 1929 brachte die Zurückhaltung der Konsumenten im nächsten Jahr die Große Depression. Wirtschaftswissenschaftler könen immer noch nicht recht erklären, warum dies geschah. Die überzeugendste Erklärung lautet, dass der Kollaps des Marktes selbst jenen Bürgern Angst machte, die keine Aktien besaßen und dass sie reagierten, indem sie hre Ausgaben kürzten." Na, noch kaufen die Amerikaner Häuser.

Weiteres: Alice Munro legt die Erzählung "Fathers" vor. Andy Borowitz schreibt eine Satire auf Catherine Millet. Alan Light bespricht eine CD von Bruce Springsteen.
Archiv: New Yorker