Heute in den Feuilletons

Das sind keine italienischen Prinzessinnen

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
07.07.2009. In der Welt erklärt Gottfried Honnefelder, warum es richtig war, China als Gastland der Frankfurter Buchmesse einzuladen. Frauen ermorden bringt einem Musiker noch lange keine schlechte Presse, erkennt die taz. Die NZZ hüpft in Montreux. Die FAZ berichtet über die chinesische Berichterstattung über Xinjiang. Fast alle besprechen den Münchner "Lohengrin". Und Loudon Wainwright III hat das Lied zur Krise komponiert: Den Paul Krugman Blues.

FR, 07.07.2009

Hans-Jürgen Linke hat der Münchner "Lohengrin" gefallen, die Münchner haben Richard Jones' Inszenierung ausgebuht. Warum? Weil Regissseur Richard Jones Lohengrin als Kleinbürger darstellt, der für die Familie ein Reihenhaus baut, das er am Ende abfackelt. Interessant ist, wie Linke die Zusammenarbeit von Jones mit Dirigent Kent Nagano als Gleichklang beschreibt, (während Joachim Kaiser in der SZ nur Dissonanzen hört): "Was an musikalischem Arbeitsmaterial und Werkzeug gebraucht wird, ist schon in der Ouvertüre recht schnell und fast unfeierlich präsent, wie Handwerker es gern haben. Die höfischen Trompetenzeremonien werden von der Seitenloge aus von vier lustig (und sehr britisch) uniformierten Staatsdienern ausgeführt. Naganos Lohengrin-Interpretation ist perfekt auf die Bedürfnisse und die inhaltlichen Weichenstellungen der Regie abgestimmt. Sie kommt zupackend und ohne weihevolle Klanggestik daher, es wird nichts ausgekostet und ausgezögert, immer geht es recht bald und manchmal durchaus forsch weiter, ohne dass der Eindruck von Eile oder gar Oberflächlichkeit entstünde, und wenn auf der Bühne ein baustellenhafter Tumult aus Chor und Solistensemble entsteht, widmet sich die Musik mit Hingabe dem Tumult."

Der iranisch-amerikanische Politikberater Nader Mousavizadeh ärgert sich über Obamas Reaktion auf die Demonstrationen im Iran: "Der beliebteste Präsident seit langer Zeit konnte sich dem konventionellen Denkansatz im Bezug auf den Iran nicht entziehen und ließ sich von einer Gruppe von alternden, ungewählten Theokraten davon überzeugen, dass das öffentliche Brechen einer Lanze für die Demokratie durch entsprechende Propaganda in einen Akt imperialistischer Einmischung umgemünzt werden könnte."

In Times mager besucht Arno Widmann seine Mutter im Krankenhaus: "Ich bin Dein Sohn. Ich bin Arno. Du liegst seit Monaten in diesem Bett. Das sind keine italienischen Prinzessinnen, sondern zwei Krankenhaus-Schnabeltassen." Sie lässt ihn glatt auflaufen.

Besprochen werden die Ausstellung "Vergessene Rekorde. Jüdische Leichtathletinnen vor und nach 1933" im Berliner Centrum Judaicum (Harry Nutt macht klar, dass das IOC schon immer eine verlogene %@∂*! war), die Aufführung der "Pest" bei den Passionsspielen in Oberammergau (großartige Aufführung, vorausgesetzt, man hat "den inneren Protestanten gut überwunden", schwärmt Wilhelm Hindemith), eine Ausstellung auf dem Trafalgar Square, bei der das Publikum stundenweise die Statuen ersetzt (für die Überschrift "Spannend für Hausfrauen" sollte man dem Redakteur eins hinter die Ohren geben, Rachel Wardell hat ganz was anderes gesagt), die Uraufführung von Kai Schmidts Stück "Rekord B oder: Die Geschichte der Opelrentner" im Rüsselsheimer Rathaus, die Ausstellung "Kunst zur Arbeit", ebenfalls in Rüsselsheim, und Bücher, nämlich ein Sammelband zur "Postsexualität" und Joseph O'Connors Roman "Wo die Helden schlafen" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

SZ, 07.07.2009

Jetzt Joachim Kaiser, der sich an "etwas Miserableres als den ersten 'Lohengrin'-Akt unseres Nationaltheaters" kaum erinnern kann: "Beginnt das lichtblaue A-Dur-Vorspiel, ist der Vorhang längst auf. Wir rätseln über einen Architekten oder Ingenieur, der mit dem Rücken zum Publikum steht und auf großer Tafel anscheinend ein Gebäude entwirft. Der Dirigent Kent Nagano, statt sich gegen diesen Unfug zu wehren, spürt auch, wie sehr der rastlose Entwerfer von der Musik ablenkt und nimmt das berühmte Stück deshalb mit den auffallend rein spielenden Geigern seines Bayerischen Staatsorchesters viel zu rasch. Als wolle er das Blaue Band dieses A-Dur-Wunders ergattern. Jenes seelische Schicksalsmoment des Vorspiels, wenn das Gralsmotiv in wunderbarem Abstieg über fast vier Oktaven herab zur Erde sinkt - Wagner verlangt extra 'ganz langsam' - lässt Nagano, um Langeweile zu vermeiden, ein wenig flotter ausführen. Es geht offenbar um Schwierigkeiten beim Häuserbauen."

Weitere Artikel: Kürzlich erklärte Wolf D. Prix vom Architektenbüro Coop Himmelb(l)au die "Nachhaltigkeit" zum Feind der Ästhetik. Heute antwortet ihm Wolfgang Bachmann, Chefredakteur der in München erscheinenden Zeitschrift Baumeister: "ein Feindbild aus der Mottenkiste". Eher Bewährtes sah Eva-Elisabeth Fischer beim Festival Montpellier Dance. Johann Schloemann berichtet über die Elmauer Tagung "For God's Sake - Religion and Politics in the West". Stuttgart will den Vertrag seines Opernintendanten Albrecht Puhlmann nicht über 2011 hinaus verlängern und hat ihn das auf ziemlich unfreundliche Art - aus der Presse - wissen lassen, meldet Reinhard J. Brembeck. Petra Steinberger traf im Münchner Literaturhaus zwei junge ägyptische Buchverleger, die ihr erklärten, warum in Ägypten der Internetbuchhandel nicht funktioniert: "Wir Ägypter trauen der Post nicht".

Das legendäre jamaikanische Produzenten- und Rhythmus-Duo Sly and Robbie verrät Jonathan Fischer, was sie wirklich gern mal machen würden: "'Wir tragen schon ewig eine Country-Platte mit uns im Herzen', sagt Shakespeare. 'Wenn sich bloß einer dieser Typen aus Nashville mal trauen würde...'" Die beiden spielen demnächst beim Jazzfestival in Montreux, Kostprobe?



Besprochen werden Friederike Hellers Inszenierung von Botho Strauß' "Trilogie des Wiedersehens" in Stuttgart, die szenische Inszenierung von Les Murrays Versroman "Fredy Neptune" in der Berliner Literaturwerkstatt, die Ausstellung "Augustinus, ein Lehrer des Abendlandes" in der Staatsbibliothek Eichstätt, Konzerte bei der Münchner Musica viva und Bücher, darunter Yi Munyols Roman "Dem Kaiser!" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Perlentaucher, 07.07.2009

Am 15. Juli veranstalten die Initiatoren des Heidelberger Appells unter Schirmherrschaft der FAZ im Literaturhaus Frankfurt am Main eine Tagung mit dem anmutig formulierten Titel "Autorschaft als Werkherrschaft in digitaler Zeit". Bangen und Zagen hilft aber nichts, ruft Thierry Chervel den Heidelberger Appellierenden zu: "Die Digitalisierung der Bücher wird sowohl den Autoren als auch den Verlagen Chancen bieten. Autoren (und ihre Erben) werden mit Büchern Geld verdienen, die für sie längst totes Kapital waren. Verlage finden neue Vertriebswege jenseits aller geografischen Grenzen. Und gerade die Verlage mit großer Backlist, die Publikums- und Qualitätsverlage, die jetzt schon wegen der Backlistverkäufe Amazon zu Füßen liegen, werden profitieren. Je mehr Klicks sie auf ihren Seiten haben, desto besser werden sie diese neuen Umsätze lenken können. Es hilft also nur eins: Nachdenken über die Potenziale des Internets."
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Welt, 07.07.2009

Gottfried Honnefelder erklärt im Interview, warum es richtig war, China als Gastland der Frankfurter Buchmesse einzuladen: "In Frankfurt können gegenüber den chinesischen Funktionären all die Worte ausgesprochen werden, wie Falun Gong, Taiwan, Tibet, die man in China nicht aussprechen kann. Und das Problem liegt dann ganz bei der chinesischen Delegation, denn sie werden nach diesen Themen - und auch nach regimekritischen Autoren - befragt werden und sie müssen antworten. Der Vorsteher des Börsenvereins eröffnet ja traditionell die Buchmesse, sie können versichert sein, dass ich in dieser Funktion in Anwesenheit unserer chinesischen Gäste zu diesen Themen nicht nur einen Satz verlieren werde."

Wer etwas über die Hintergründe der Ereignisse in Chinas Provinz Xinjiang erfahren will - dort sind mindestens 156 Uiguren getötet und mehr als 1.400 Demonstranten verhaftet worden - lese unbedingt Parag Khannas lange Reportage über Tibet und Xinjiang in Prospect.

Weitere Artikel: Einige schiitische Geistliche gehen deutlich auf Distanz zum Regime im Iran, und sie haben nicht wenig Einfluss, erklärt der Schriftsteller Peter Schütt. In der Leitglosse freut sich Uwe Wittstock, dass es der Buchbranche so gut geht, findet aber dennoch, dass Bücher jetzt teurer werden können. Michael Pilz schreibt den Nachruf auf Allen Klein, den wenig geliebten Buchhalter der Beatles und der Stones. Zwei interessante Meldungen gibt es noch: eine informiert über das neu eröffnete Biografieportal im Internet. Und die zweite meldet, dass die Petition gegen die Gema inzwischen über 84.000 Unterschriften erreicht hat.

Besprochen werden der Münchner "Lohengrin" (Höchstes Glück erlebte Manuel Brug, was den Sängern zu verdanken war, allen voran der "viril baritonale" Jonas Kaufmann (kann man hier als Lohengrin hören) und die "schlichtweg perfekte" Anja Harteros, die Inszenierung von Richard Jones dagegegen fand er "grässlich".), Jens Hoffmanns Dokumentarfilm "9 to 5" über die amerikanische Pornoindustrie, eine Aufführung von Schillers Bühnenfassung der "Turandot" am Münchner Residenztheater und ein Konzert von Bruce Springsteen in Berlin.

TAZ, 07.07.2009

Heute wird Michael Jackson beerdigt. Jörg Sundermeier erinnert daran, wie brutal der King of Pop von den Medien behandelt wurde - etwa im Vergleich zu Phil Spector, der mehr als nur ein Freak war: "Niemand behauptete, dass er ein Perverser war, während dies bei Michael Jackson für die Mehrheit der Welt feststand, egal was er tat, egal was die Geschworenen meinten, egal wie dürftig die Beweislage war. Damit soll Michael Jackson nicht grundsätzlich freigesprochen werden, es ist aber interessant, wie anders der schwarze Entertainer vor seinem Tod behandelt worden ist als etwa der heterosexuelle weiße Mann. Phil Spector, ein Junkie und Waffennarr, hatte einer Schauspielerin in den Mund geschossen - dies mit einer fehlgelenkten Triebabfuhr in Verbindung zu bringen, ist kaum einer Kommentatorin, kaum einem Kommentator eingefallen. Die Hinrichtung von Frauen gilt eben, sofern sie in einer Villa und nicht in einem fernen Land stattfindet, eher als ein Kavaliersdelikt."

Vor der Premiere von Schorsch Kameruns Inszenierung der Bernstein-Oper "Trouble in Tahiti" blickt Till Briegleb auf den eher ungeraden Weg zurück, den der Sänger der Goldenen Zitronen seit seinen Zeiten in St. Pauli genommen hat: "Es ist mehr ein Torkeln und Taumeln, Vorpreschen und Innehalten, Verirren, Wiederfinden, Stutzen und Weitergehen - also die klassische Serpentine jeder Boheme, wie sie aus der Halbwelt kommend große Umwege zwischen Melancholie und Euphorie nimmt, um endlich zur anerkannten Hochkultur zu werden. Das große Problem, das diesen Weg begleitet, ist die Frage der Integrität."

Weiteres: Michael Rutschky hat zum Abschluss des Berliner Poesiefestivals DDR-Lyrik gehört und hat dabei hübsche Theorie über die Dichtung und historische Verlierer leider nicht bestätigt gesehen: vom Südtstaaten-Blues war sie Lichtjahre entfernt. Madeleine Bernstorff berichtet vom Filmfestival "Il cinema ritrovato" aus Bologna. In seiner Kolumne "Gott und die Welt" sinniert Micha Brumlik in dieser Woche über Hochschulen und machthungige Präsidentinnen. Benjamin Weber hat sich beim Festival in Roskilde getummelt.

Und noch Tom.

Aus den Blogs, 07.07.2009

Im Blog von Abdolkarim Soroush gibt der ins Stanford lehrende Iranist Abbas Milani einen Überblick über Irans religiöse Ideengeschichte und verortet die Wurzeln der heutigen Protestbewegung in einer hundert Jahre alten Tradition des kritischen Schiismus: "Irans heutige Spaltung geht zu einem großen Maße auf die vorige Jahrhundertwende zurück, als sich die Ayatollahs des Landes über Fragen der Religion und der Politik in zwei Lager spalteten. Das erste wurde angeführt von Ayatollah Na'ini, einem Vertreter der quietistischen Schule der Schiiten - die heute vielleicht am besten Ayatollah Sistani im Irak verkörpert. Gemäß Na'ini kann eine wahre 'islamische Regierung' erst etabliert werden, wenn der zwölfte Imam zurückgekehrt ist. Diese Regierung wäre eine Gottes. Ihre Worte, Taten, Gesetze und Gerichte würden absolut sein und keine Fehler kennen. Aber Menschen, sagte Na'ini, sind fehlbar und deshalb ungeeignet für die heilige Aufgabe, eine göttliche Regierung aufzustellen. Während die Frommen auf die Rückkehr des unfehlbaren zwölften Imams warten, müssen sie solange nach der besten Regierung streben. Und die bestmögliche für diese Zeit, meint Na'ini, ist eine konstitutionelle Demokratie."

(via Achse des Guten) Warum schweigt der deutsche PEN zu den Verhaftungen im Iran?, fragt Mansur Arshama auf der Webseite "Free Iran now". "Seit Beginn der Verhaftungen von Autoren und Journalisten vor rund drei Wochen hat der deutsche PEN zu den aktuellen Ereignissen in Iran nicht öffentlich Stellung genommen. Außer einem deutschen Gedicht des iranischen Exil-Lyrikers SAID, das seltsamerweise wieder von der Homepage entfernt worden ist, verraten die diversen Sektionen des PEN, insbesondere Writers in Prison, nichts über das Schicksal kürzlich inhaftierter Journalisten, deren Zahl laut Reporter ohne Grenzen inzwischen auf 36 gestiegen ist." (Das Gedicht ist wieder da, aber mit dem Iran befasst sich der Pen nicht.)

(Via lawblog) Klaus Wrede, Geschäftsführer des Fachverlags Symposion, plädiert im Börsenblatt dafür, den "Diebstahl geistigen Eigentums" nicht zu verfolgen. Und zwar generell nicht: "Man hat das Gefühl, dass einige Verlage digitale Inhalte am liebsten vermarkten würden, ohne sie verbreiten zu müssen. Denn jede Verbreitung kann zu Missbrauch führen. Und geradezu reflexhaft wird unerlaubte Nutzung verfolgt oder erschwert. Dabei ist wohl jeder Verleger einmal mit dem lobenswerten Ziel angetreten, wichtige Inhalte möglichst weit zu verbreiten. Es muss diesem Verleger doch ein ungutes Gefühl geben, wenn er feststellt, dass er nun fast mehr Sorge dafür trägt, die Verbreitung seiner Inhalte zu verhindern, als diese zu fördern. Dieser Verleger sollte folgende Thesen überdenken: ..."

Jesus, Blogger Don Alphonso muss ja wirklich schlimme Erfahrungen bei seinem Ausflug in die Printpresse gesammelt haben. Er erklärt, warum Journalisten oft keine guten Blogger sind. Kein Charakter, no sir! "Niemand hat einem Blogger eingetrichtert, keinen Charakter zu haben. Genau das ist aber der Unterschied zu jenen faulen Besitzstandswahrern, die genau wissen, dass Charakter in der Inhaltebehörde nur der Karriere schadet."

(Via Crooked Timber) Das Lied zur Krise: The Paul Krugman Blues, von Loudon Wainwright III:


NZZ, 07.07.2009

Ueli Bernays berichtet vom Montreux Jazzfestival, das am Wochenende mit einem vollgepackten Programm startete: "Allerdings würde man selbst in Havanna selten an einem Abend gleich drei so sicher, satt und frenetisch aufspielende Salsa-Bands zu hören bekommen wie Cubanismo, die New York Salsa All Stars und die Formation des aus Venezuela stammenden Sängers Oscar D'Leon. Während im Auditorium Stravinski aber zu Mambo und Rumba paarweise getanzt wurde, wurde gleichzeitig in der kleineren Miles Davis Hall zu Dance-Beats der neunziger Jahre individuell gehüpft."

Weiteres: Roman Bucheli hat sehr an- und aufregende Tage beim Literaturfestival in Leukerbad verbracht, unter anderem mit Sibylle Lewitscharoff, Ales Steger und György Dragoman. Besprochen werden die Caravaggio-Ausstellung im Frankfurter Städel, Cass Sunsteins Buch "Infotopia", Franz Hocheneders Biografie des Schriftstellers H. G. Adler, Amelie Nothombs Roman "Biografie des Hungers" (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).

FAZ, 07.07.2009

In China wird zwar, berichtet Mark Siemons, über die uigurischen Unruhen im Fernsehen berichtet, jedoch nur unter Hinweis auf Anstachelung von außen. Dass es ein wirkliches Problem gibt, kommt in den Nachrichten nicht vor: "So riegelt sich die Berichterstattung sogar über einen Gewaltausbruch dieses Ausmaßes, dessen genauer Verlauf noch beträchtlicher Aufklärung bedarf, gegen das Offensichtliche ab: dass die 'Entwicklung' je nach ethnischer Zugehörigkeit in diesem Landstrich Chinas sehr unterschiedlich erfahren wird - und dass die Unterschiede, werden sie weiter verdrängt, jederzeit Zündstoff bereithalten, der explodieren kann."

Weitere Artikel: Jürg Altwegg informiert über die Calvin-Feiern in Genf. In der Glosse nennt Dirk Schümer das @ bei seinen vielen Namen, von Rollmops (Slowakei) bis Entchen (Griechenland). Gina Thomas liefert Eindrücke von den ersten Momenten von Anthony Gormleys "lebender Statue" mit dem Titel "One and Other" (Website) am Londoner Trafalgar Square. In osteuropäischen Zeitschriften bzw. in der Zeitschrift "Osteuropa" liest Joseph Croitoru über die sehr unterschiedliche Entwicklung der Bedeutung, die die Religion in den verschiedenen Ländern Osteuropas hat. Im "Glossar der Krise" geht es um die Angst. Knapp schildert Dirk Schümer Hintergründe zur Verleihung des italienischen Literaturpreises "Premio Strega" an den Roman "Stabat Mater" des Autors Tiziano Scarpa.

Besprochen werden die von Kent Nagano dirigierte und von Richard Jones inszenierte "Lohengrin"-Aufführung in München (Holger Noltze fand sie gut, samt Jones' Inszenierung: "Elsas Eigenheimtraum wird nämlich gerade nicht als schnöde Mittelstandsidylle denunziert"), das von Christian Stückl inszenierte Vor-Passions-Spiel "Die Pest" in Oberammergau, Jens Hoffmanns Dokumentarfilm "9 to 5 - Days in Porn", Elvis Perkins' Album "In Dearland" und Uwe Timms Roman "Halbschatten" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).