Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
12.01.2006. "Europa hat keine Seele, kein Herz, keine feste Form" verraten Richard Swartz und Rolf Gustavsson in der SZ. Die taz analysiert den neuen intuitiven Schuldaffekt im amerikanischen Politkino. Die FR besingt die kulturhistorische Leistung von Filmpiraten. Leon de Winter pocht in der Welt auf das Recht der Juden, sich als Antisemiten zu beschimpfen. Und in der Zeit stellt Robert Rauschenberg die einzige Kunstkritikerin vor, von der er sich was sagen lässt.

Zeit, 12.01.2006

Hanno Rauterberg trifft sich mit Robert Rauschenberg, der mit seinen Müllcollagen als Urvater der Pop Art gilt, angeblich keine Interviews mehr gibt und in diesem Interview Kunst nie für etwas Abgeschlossenes hält. "Eigentlich ist das einzig Ewige, was ich besitze, meine Schildkröte Rocky, eine Wüstenschildkröte. Sie mag es hier in Florida aber nicht, ich hatte sie mal hier, sie hat zwei Wochen lang nichts gegessen. Also habe ich sie wieder nach New York gebracht, dort zwischen der Kunst fühlt sie sich wohl. Sie mag Kunst, wirklich, das ist kein Witz. Jedes Mal, wenn wir die Kunstwerke umhängen, kriecht sie herum, reckt ihren Hals, und irgendwann findet sie ihr Lieblingswerk. Da sitzt sie dann gern herum, sie ist eine Kunstkritikerin. Die beste, die ich kenne."

Selbst wenn die jüngste Inszenierung von Marivaux' Komödie "Der Streit" in die Hose gegangen ist: Für Gerhard Jörder verkörpert David Bösch, Jahrgang 1978, eine neue Generation von Regisseuren, die die alten Grabenkämpfe der Postdramatiker hinter sich gelassen hat. "Wer sich mit Bösch übers Theater unterhält, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Fast alles, was vor kurzem noch für die meisten seiner jungen Kollegen absolute Reizvokabel war, ist bei ihm positiv konnotiert. Identifikation, Einfühlung, Katharsis: alles wichtig! Pathos, hoher Ton: nein, keine Berührungsangst! Sein stärkster Impuls beim Inszenieren? 'Die Neugier auf Menschen.'"

Weiteres: Thomas E. Schmidt weist darauf hin, dass der Förderverein Berliner Schloss sein Geld im Augenblick nur für Infomaterial ausgeben darf - und für das Gehalt, den Dienstwagen und die Dienstwohnung des Geschäftsführers Wilhelm von Boddien. Der Schriftsteller Henning Mankell beklagt die einseitige, katastrophenlastige Berichterstattung über Afrika, die heute vorherrscht. Das war nicht immer so. "Vor 150 Jahren war es in der westlichen Welt nahezu unmöglich, ein negatives geschriebenes Wort über den afrikanischen Kontinent zu finden."

In einem aus der New York Times übernommenen Artikel geißelt Salman Rushdie die Verrohung, die in der Wortkreation "extraordinary rendition" - die Überstellung von Terrorverdächtigen in Folterländer - zum Ausdruck kommt. Georg Seeßlen referiert die von politischer Korrektheit beseelte Kritik an Rob Marshalls Film "Die Geisha". Achatz von Müller macht darauf aufmerksam, dass bei allen berechtigten Wünschen nach Wirtschaftswachstum die staatliche Regulierung nicht außer acht gelassen werden darf.

Besprochen werden die "famose" Ausstellung "Rock! Jugend und Musik in Deutschland" im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig, Patrice Chereaus "eisiges" Filmdrama "Gabrielle" und Katharina Wagners "verhedderte" Inszenierung von Giacomo Puccinis Oper "Il Trittico" an der Deutschen Oper Berlin.
Im Literaturteil staunt Georg Diez über Kevin Vennemanns Debüt "Nahe Jedenew", der erste Kriegsroman einer neuen Generation mit einem "neuen, eigenen Ton".

Im Dossier erklärt Christian Schmidt-Häuer, warum Südkorea plötzlich den verhassten Nachbarn im Norden subventioniert. Joschka Fischer skizziert im Politikteil aus staatsmännischer Perspektive noch einmal den Werdegang Israels und Ariel Scharons Anteil daran. Immerhin eines scheint Fischer nun halbwegs sicher zu sein. "Hinter die strategische Wende Israels von der Offensive zum Rückzug wird es kaum einen Weg zurück geben."

Verena Mayer und Roland Koberg nehmen Elfriede Jelineks Ruf als "Radikalfeministin" zum Anlass, im Leben-Ressort die Männer im Leben der Literaturnobelpreisträgerin aufzuzählen. Etwas wilder ging es wie allerorten in den 70ern zu. "Man machte Liebe oder Kunst miteinander, die Grenzen waren fließend." Der Schriftsteller Peter Schneider macht das hierzulande auch nach sechzig Jahren immer noch angekratzte Selbstvertrauen für die Sparwut der Deutschen verantwortlich. Nachdem der lyrische Tenor Rolando Villazon seinen Traum von der Entgrenzung zum Publikum hin erzählt hat, grübelt er über seine Rolle als "buffone". Die Zeit organisiert außerdem ein Online-Spiel, bei dem im Idealfall die Teile der Weltbevölkerung miteinander vernetzt werden sollen, die einmal einen Fußball getreten haben.

SZ, 12.01.2006

"Anstatt Utopien zu züchten, müssen die Europäer lernen, mit ihrer Union als etwas Unvollendetem, als einem Provisorium zu leben", rufen die beiden schwedischen Autoren Richard Swartz (mehr) und Rolf Gustavsson den Europäern zu und mahnen zur Geduld. "Europa hat keine Seele, kein Herz, keine feste Form. Es lässt sich nicht auf Geografie fixieren, ebensowenig wie der Europäer sich durch Religion oder Sprache definieren lässt - ja, wohl nicht einmal die Kultur taugt für einen solchen Zweck. Europa besteht ausschließlich aus größeren oder kleineren Minoritäten, und Europa kann bis auf weiteres nicht mehr anbieten als eine sehr verfeinerte Form der Zusammenarbeit mit überstaatlichen Zügen. Nicht mehr und nicht weniger. Alles darüber hinaus wäre vermessen und gefährlich. Vermessen, weil sich Europa nach den selbstverursachten Katastrophen des 20. Jahrhunderts in Bescheidenheit üben sollte und die Erinnerung an dieses Elend nicht aufgeben darf. Gefährlich, weil die Vorstellung eines einigen Europa - eine Art Vereinigten Staaten von Europa - auf der Idee einer zu vollendenden Utopie beruht und jede Utopie zum Totalitarismus neigt."

Weiteres: Günter Kowa beruhigt die Unesco: in der Lutherstadt Eisleben ist das Weltkulturerbe rund um das Lutherhaus durch Neubauten nicht gefährdet. Annabel Dillig erörtert die Frage, ob die Internetenzyklopädie Wikipedia die Identität des legendären Hackers Tron alias Boris F. enthüllen darf, wogegen dessen Eltern jetzt Rechtsmittel eingelegt haben. Christina Maria Berr berichtet vom Beschluss der Universität Heidelberg, einen Teil des Parthenon-Frieses an Griechenland zurückzugeben."Ob wir je wieder solche Töne hören werden?" fragt sich Joachim Kaiser nach dem Tod der Sopranistin Birgit Nilsson ("ein Vitalitäts-Wunder von genialischer Natürlichkeit"). Außerdem wird gemeldet, dass der deutsche Kunsthistoriker Axel Rüger neuer Direktor des Van-Gogh-Museums in Amsterdam wird.

Besprochen werden Fernando Meirelles' Le-Carre-Verfilmung "Der ewige Gärtner" ("Allein wie Fiennes die Nachricht von der Ermordung seiner Frau entgegennimmt, ist der Academy vielleicht einen Oscar wert" spekuliert Martina Knoben.) Patrice Chereaus Joseph-Conrad-Verfilmung "Gabrielle" , die Fritz Göttler als "eine schlanke Studie in männlicher Besitz-Obsession" lobt (dazu gibt es ein Interview mit Chereau), sechs Kurzfilme junger mitteleuropäischer Filmemacher, die unter dem Titel "Lost and Found" letztes Jahr das Internationale Forum des Jungen Films auf der Berlinale eröffneten und jetzt in die Kinos gekommen sind, die Ausstellung "Manet trifft Manet. Geteilt, wiedervereint" in Winterthur und Bücher, darunter Andrej Kurkows neuer Roman "Die letzte Liebe des Präsidenten" (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).

FR, 12.01.2006

Daniel Kothenschulte bricht eine Lanze für Filmpiraten, und verweist auf ihre filmhistorische Bedeutung, zum Beispiel bei der Rettung von Stummfilmen oder Nitratkopien alter Tonfilme. Auch Henri Langlois' Cinematheque Francaise sei erst von der Filmwirtschaft als Piraterie bekämpft worden, "sah doch ihr Gründer seine Berufung nicht nur im Erhalten von Filmkopien, die ihre Rechteinhaber lieber vernichtet sähen, sondern ebenso in der permanenten Aufführung des geretteten Materials. Piraten wie er haben das Kino vor dem Vergessen gerettet."

Weiteres: Frauke Hartmann porträtiert Klaus Schumacher, den Leiter des Kinder- und Jugendtheaters am Hamburger Schauspielhaus ("Das Junge Schauspielhaus"), der zur Zeit erfolgreichsten Sparte des Hauses. Elke Buhr befasst sich mit dem Förderverein für das Berliner Stadtschloss, dem eine undurchsichtige Spendenverwaltung vorgeworfen wird. In der Kolumne Times Mager trauert Thomas Medicus um verschwundene Alltagspoesie von Neonleuchtschriften in seinem Wohnbezirk.
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Welt, 12.01.2006

Der niederländische Schriftsteller Leon de Winter schreibt zu der juristischen Auseinandersetzung zwischen Henryk M. Broder und dem KZ-Überlebenden Hajo Meyer. Broder hatte sich Meyer zur Brust genommen, weil dieser im Judentum die Quelle des Antisemitismus sieht: "Henryk Broder hat ihn einen 'koscheren Antisemiten' genannt. Ich verstehe Broders Urteil. Es sieht aus wie ein Antisemit, es wedelt wie ein Antisemit, es kläfft wie ein Antisemit - was für ein Biest soll es denn sonst sein? Das Traurige an all diesen Dingen ist, dass Meyer ein alter kranker Mann ist, der in die Hände von Juden und Nicht-Juden gefallen ist, die alle ihre eigenen zwingenden Gründe haben, Juden und Israel im Besonderen zu dämonisieren. Ich finde, dass der eine Jude dem anderen vorwerfen darf, dass er die Ursache des Antisemitismus ist, und dass der andere Jude das Recht hat, den einen Juden einen 'koscheren Antisemiten' zu nennen."

Uwe Wittstock spricht mit dem Sexualwissenschaftler Volkmar Sigusch über sein Fach, die Zukunft seines bedrohten Frankfurter Instituts und die neuen Formen der Sexualität - Objektophilie zum Beispiel: "Das sind Menschen, die sich in tote Gegenstände verlieben, in Objekte, zum Beispiel in ein Schiff oder in ein Hochhaus. Oder denken Sie an die Welle der Asexualität, die zur Zeit durchs Land geht: Menschen, die kein sexuelles Verlangen haben, die nicht das Bedürfnis haben, mit einem andern Menschen sexuell zu verschmelzen."

Weiteres: Klaus Geitel betrauert den Tod der schwedischen Sopranistin Birgit Nilsson: "Das Ebenmaß ihrer Stimmproduktion war vollkommen. Ihr Leben lang hat kein Opernliebhaber je um sie zittern müssen. Sie sang mit einer Autorität, mit der ein Holzhacker Bäume fällt." Besprochen werden eine Austellung des belgischen Malers James Ensor in der Frankfurter Schirn und Fernando Meirelles' Le-Carre-Verfilmung "Der ewige Gärtner".

Auf den Forumsseiten schreibt der Grünen-Politiker Cem Özdemir zum Streit um die baden-württembergischen Gesinnungstests für Einbürgerungskandidaten.

TAZ, 12.01.2006

Exemplarisch für den Paradigmenwsechsel, der sich in den vergangenen fünfzehn Jahren im Mainstreamkino vollzogen hat, findet Andreas Busche Fernando Meirelles' Le-Carre-Verfilmung "Der ewige Gärtner": "In den Achtzigerjahren waren Kriegsreporterfilme und Politthriller das gängige Format, um kritisch über den Einfluss der westlichen Regierungen - meist die amerikanische - in 'politisch instabilen' Regionen zu erzählen... Heute ist in den westlichen Filmproduktionen dafür ein intuitiver Schuldaffekt zu beobachten. Im Kino verkörpern weiße Identifikationsfiguren wie Angelina Jolie oder Nick Nolte als zerknirschter Blauhelm-Kommandant in 'Hotel Ruanda' dieses schlechte Gewissen... Unser schlechtes Gewissen ist auch in 'Der ewige Gärtner' wohl gebettet. (Das deutsche Presseheft ist ein kleiner Wälzer von über 50 Seiten, der sich liest wie ein UN-Report zur Lage Afrikas.)"

Weiteres: Uh-Young Kim hat sich mit Jim Sheridan über seinen neuen Film "Get Rich Or Die Trying", seine Zusammenarbeit mit 50 Cent und den Punkt unterhalten, an dem Rapper den US-amerikanischen Kapitalismus zum Witz machen. In der tazzwei macht Michael Rutschky den Philosophen Sören Kierkegaard als Kopf hinter Angela Merkel aus.

Besprochen werden Patrice Chereaus auf Joseph Conrad basierender Film "Gabrielle", Roland Klicks nun auf DVD erschienener Film von 1973 "Supermarkt" (was Ekkehard Knörer zu einer kleinen Eloge auf den "vergessenen Regieaußenseiter" nutzt), und Veit Sprengers Buch "Despoten auf der Bühne. Die Inszenierung von Macht und ihre Abstürze" (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).

Und Tom.

NZZ, 12.01.2006

Uwe Justus Wenzel erklärt, wie der vor 100 Jahren im litauischen Kaunas geborene Philosoph Emmanuel Levinas aus der Beobachtung, dass einer dem anderen den Vortritt lässt, die "abgründige Zweideutigkeit" des Humanismus herausschält.

Besprechungen widmen sich Gus Van Sants Tribut an Kurt Cobain "Last Days", eine "meisterliche Evokation der letzten Tage des Rock", George Clooneys formal "beeindruckend souveräner" filmischer Geschichtslektion "Good Night, and Good Luck", und Büchern, darunter Zsuzsanna Gahses "kunstvolle" Prosasammlung "Instabile Texte", neue Katalogbände des Frankfurter Städels über deutsche und holländische Malerei des 16. und 17. Jahrhunderts sowie Peter Guralnicks "brillante" Biografie des Soul-Stars Sam Cooke (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

FAZ, 12.01.2006

Jürgen Kaube referiert recht widerwillig eine Veranstaltung des Wissenschaftszentrums Berlin, bei der Ralf Dahrendorf als einer der Teilnehmer für ein erweitertes Europa plädierte: "In seiner Vorlesung nannte Dahrendorf jeden Wunsch, die EU möge der Grenzen ihrer Erweiterungsfähigkeit innewerden, kläglich und ineffizient. Erweiterung sei Vertiefung... Kann man darum, so Dahrendorf, in der EU nicht von Versuchen zu mehr Gemeinsamkeit absehen, um statt dessen die wirtschaftliche Offenheit Europas zu verbessern und im übrigen 'weitere Länder in den Genuss von Frieden und Wohlstand kommen zu lassen'?"

Weitere Artikel: Der Historiker Bogdan Musial erläutert in einem großen Artikel die "lange Geschichte der sowjetischen Offensivplanungen" in den dreißiger Jahren. Von einem Berliner Podium zum Thema Kultur und Fundamentalismus berichtet Alexandra Kemmerer. Karen Krüger legt den Fall eines Radio-Redakteurs für Neue Musik dar, dessen fristlose Kündigung wegen Widerstands gegen den RBB-Musikchef laut Gerichtsurteil unrechtmäßig war. Richard Kämmerlings präsentiert sein Lieblingsmärchen: das Märchen der Großmutter aus Georg Büchners "Woyzeck". Monika Osberghaus war bei einer Veranstaltung der Frankfurter Literaturwerkstatt. Auf das "Jahr der Kultur" in Düsseldorf bereitet uns Andreas Rossmann vor. Gerhard Stadelmaier glossiert die Forderung des Schwaben Günther Oettinger, Englisch zur Arbeitssprache zu machen. Andreas Platthaus informiert darüber, dass die Erlanger Universität aus China eine Spende von nicht weniger als 100.000 Büchern erhalten hat. Jordan Mejias erzählt vom Verwirrspiel um den Autor JT Leroy, der unter anderem mit einem Roman um seine HIV-Infektion Furore und Kasse machte - es war, wie sich nun herausstellte, alles ein Fake. Michael Jeismann gratuliert dem Historiker Alain Corbin zum Siebzigsten. Den Nachruf auf die schwedische Sopranistin Birgit Nilsson hat Jürgen Kesting verfasst.

Gemeldet wird, dass dem Hanser-Verleger und Autor Michael Krüger die Ehrendoktorwürde der Universität Bielefeld verliehen wird und dass Peter Stein mit einer Inszenierung von David Harrowers "Blackbird" sein spätes Regie-Debüt am Londoner Westend gibt.

Ein kleiner Schwerpunkt ist Patrice Chereaus neuem Film "Gabrielle" gewidmet: Andreas Kilb bespricht ihn - und preist vor allem Isabelle Huppert. Im Interview gibt sich Huppert abgeklärt und bereit zu jeder Herausforderung: "Ich kann mir die Schauspielerei ohne Reisen im weitesten Sinne des Wortes nicht vorstellen." Patrice Chereau wiederum sieht in einem weiteren Gespräch bei Isabelle Huppert ein spezielles Problem: "Sie hat erst mal keine Schwierigkeiten, etwas zu spielen, alles ist für sie ganz einfach, und ich würde sagen: eine Spur zu einfach." Außerdem gibt auf der Filmseite Hans-Jürgen Rother einen Überblick über das aufregende, aber wenig gewürdigte rumänische Kino der Gegenwart.

Besprochen werden die Werkschau der Künstlerin Rosemarie Trockel im Museum Ludwig in Köln, eine Ausstellung des Winckelmann-Museums mit Antikenbildern in Kinderbüchern aus sechs Jahrhunderten und ein Konzert des Chamber Orchestra of Europe in Frankfurt.

Eine Literaturbesprechung gilt dem in neuer Übersetzung erschienenen Roman "Stuck" von Hermann Bang (mehr in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Spiegel Online, 12.01.2006

Hingewiesen sei noch einmal auf Gerd Koenens Essay über die moralische Ermüdung in Zeiten des Terrors, den wir gestern erst spät entdeckten: "Wer sind die, die vor laufender Videokamera ihren flehenden Geiseln die Kehlen durchschneiden? Wer lässt Tankwagen auf Marktplätzen explodieren? Wer sprengt sich inmitten einer Hochzeitsgesellschaft oder einer schiitischen Prozession in die Luft? Die Gesichtslosigkeit dieses entgrenzten Terrorismus, dessen Akteure in den internationalen Presseberichten pauschal als 'Rebellen' oder 'Aufständische' bezeichnet und damit bereits geadelt werden, addiert sich zur lähmenden und abstumpfenden Wirkung, die von diesen fast schon stereotypen Schreckensmeldungen und Bildern ausgeht."
Stichwörter: Gerd Koenen