Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
07.12.2002. In der FR erklärt der tunesisch-französische Schriftsteller Abdelwahab Meddeb den Fundamentalismus zur Krankheit des Islam. In der NZZ erzählt Imre Kertesz von der Glückskatastrophe, den Nobelpreis zu erhalten. Die FAZ verteidigt ihn gegen seine konservativen Kritiker in Ungarn. Die taz überlegt, warum der Westen auf einmal den Osten so interessant findet. Und die SZ berechnet den menschlichen Mehrwert am Standort Deutschland.

FR, 07.12.2002

Im Magazin lesen wir ein großes Interview mit dem tunesisch-französischen Schriftsteller Abdelwahab Meddeb (mehr hier und hier) über die Krankheit des Islam und den islamischen Fundamentalismus. Meddeb erinnert sich, wie der tunesische Präsident Bourguiba in den sechziger Jahren das Problem anzupacken versuchte: "Während des Ramadan trat er im Fernsehen auf, nahm ein Glas Wasser und trank. Dieser Bruch der Fastenregel war eine sehr theatralische Geste. Danach sagte Bourguiba: 'Das ist der wahre Djihad. Nicht der heilige Krieg gegen die Ungläubigen, sondern der Kampf gegen die Unterentwicklung - das ist der wahre Djihad.'" Meddeb selbst geht noch weiter. "Der fundamentalistische Islam ist die dümmste Religion der Menschheitsgeschichte. Das unterschreibe ich. (...) Und ich dachte an Thomas Mann, der im Zusammenhang mit seiner Arbeit am Doktor Faustus die deutsche Krankheit festgestellt hatte: den Nazismus. Und so kann ich sagen: Die Krankheit des Islam ist der Fundamentalismus."

Der Iran liegt auf der Achse des Bösen von George Bush. Chirac und Putin kümmert das nicht, denn dort gibt es Öl. Lutz Klevemann berichtet aus Teheran, wie französische und russische Ölfirmen sich dort im großen Stil engagieren. Die Trumpfkarte ist die geplante Pipeline vom Kaspischen Meer zum Perischen Golf, erklärt Kasaei Zadeh, Planungsdirektor der National Iranian Oil Company. "'Wir können das kaspische Öl weitaus billiger an den Markt bringen als die Baku-Ceyhan-Röhre', sagt Zadeh selbstbewusst. Auch an diesem Projekt zeige die Regierung Kasachstans ja bekanntlich reges Interesse. 'Und Amerika kann nichts tun.' Wieder fällt Zadehs Blick auf das, was tief unter seinem Büro noch von der ehemaligen US-Botschaft übrig ist."

Weiter im Magazin: Yvonne Ridley - die britische Journalistin, die im September 2001 Geisel der Taliban in Afghanistan war - offenbart uns, warum sie zum Islam übertreten will. Monika Klutzny hat vier Kinder gefragt, wie sie sich Gott, Jahwe oder Allah vorstellen. Nicole Schmidt stellt uns die Pläne Dubais für die Zeit nach dem Öl vor - riesige Freizeitanlagen und viel Tourismus.

Im Feuilleton porträtiert Stefan Schomann den vergessenen Journalist, Sprachforscher und Psychoanalytiker Adolf Josef Storfer (den Gründer der skurrilen Ostasien-Postille Gelbe Post), dessen "Dickicht der Sprache" neu aufgelegt wurde. Gottfried Oy ist gespannt, was so alles im Archiv Peter Suhrkamps zu finden sein wird, das die Suhrkamp-Stiftung jetzt an die Frankfurter Goethe-Universität übergeben hat. Renee Zucker fragt sich in der Zimt Kolumne unter anderem, ob "Patrick Bahners zur prätorianischen Leibgarde von Frank Augustus Schirrmacher gehört". Michael Buselmeier blättert in den neuen Ausgaben von Juni und der Neuen Rundschau. Silke Hohmann muss sich erst noch an das monotone, rigorose Frankfurter Polizeipräsidium (Minibild) von Kalmbacher + Ludwig gewöhnen. Kurz gemeldet wird, dass Matthias Lilienthal künstlerischer Leiter des Berliner Hebbel Theaters wird und Eichborn etwas holprig verkünden lässt, dass trotz dem Exodus von Personal und Autoren kein "Katastrophismus" angesagt sei.

Auf der Medienseite wird spekuliert, ob die katholische Kirche ihre renommierten Fachpublikationen Funkkorrespondenz und Filmdienst einstellen wird.

Besprochen werden Ute Rauwalds Shakespeare-Collage "Frankfurt. Der Kaufmann von Venedig" im TAT, die erfreulich gute Disney-Version von Louis Stevensons Schatzinsel und Bücher, darunter ein Bildband des Fotografen Chris Steele-Perkins über den japanischen Hausberg Fuji, gleich zwei Bücher von David Foster Wallace sowie zwei Huldigungen an das Kino von SZ-Autor Willi Winkler und seinem Ex-Kollegen Michael Althen (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

FAZ, 07.12.2002

Es passt den konservativen Medien Ungarns gar nicht, dass der Literaturnobelpreis ausgerechnet an Imre Kertesz (mehr hier) verliehen wurde, berichtet Nicolas Pethes. Wären Nadas oder Marais nicht viel passender gewesen?, fragen die Konservativen. "Für den Preis, so legte die konservative Tageszeitung Magyar Nemzet kurz nach Bekanntwerdung nahe, hätten weniger literarische als 'bedeutende Vernunftgründe - wirtschaftliche, geistige, diplomatische und womöglich weltpolitische' gesprochen. Der 'Roman eines Schicksallosen' sei kein bedeutendes Buch, es habe nur das 'passende' Thema. Natürlich hütet sich die Zeitung vor offenem Antisemitismus, wer aber den scheinbar nüchternen Bericht genau liest, dem fällt auf, dass als Gratulanten ausschließlich jüdische und sozialistische Organisationen aufgeführt werden."

Weitere Artikel: Mark Siemons denkt anlässlich der Türkei-Debatte über Kultur als Kampfbegriff nach. Christoph Albrecht war auf einer Tagung in Karlsruhe über die Funktion des Terrorismus und die Militarisierung der westlichen Kultur. I.L. meldet, dass Berlin sich Hoffnungen auf die Flick Collection machen kann. Spre. berichtet, dass der Nachlass Peter Suhrkamps als Dauerleihgabe der Johann Wolfgang Goethe Universität übergeben wurde. Und Andreas Kilb gratuliert der Schauspielerin Ellen Burstyn (mehr hier) zum Siebzigsten.

In den Ruinen von Bilder und Zeiten schildert Henning Ritter den Einfluss von Primitivismus und Zeitgenossenschaft in der Malerei, und Gina Thomas gratuliert dem Maler Lucian Freud (mehr hier) zum Achtzigsten.

Besprochen werden die Leistungsschau der deutschen Archäologie "Menschen, Zeiten, Räume" im Berliner Martin-Gropius-Bau, Winfried Bonengels Film "Führer Ex", eine Shylock-Collage im Frankfurter TAT, ein Konzert der Band "Low" in Offenbach, Bücher, darunter zwei Erzählungen von Imre Kertesz (siehe auch unsere Bücherschau heute ab 14 Uhr), und CDs, nämlich von Art Garfunkel und Youssou N'Dour, Aufnahmen von Soler- und Haydn-Sonaten der Pianistin Angelika Nebel und eine CD des Ensemble Modern mit Werken von Lachenmann. Schließlich stellt uns Dietmar Dath in seiner Hymne auf Missy Elliotts neue Hip-Hop-Platte "Under Construction" seine Göttinnen vor: "Wie sollen wir das alles nur aushalten ohne die Göttin, sie komme, in welcher Gestalt sie wolle? Wäre das Leben nicht das allergreulichste ohne Madonna, Audrey Hepburn, die Supremes, Sappho, Buffy Summers, Astrid Lindgren, Rosa Luxemburg oder Missy Elliott?"

In der Frankfurter Anthologie stellt Sabine Doering uns Gottfried Kellers Gedicht "Der Kirchenbesuch" vor:

"Wie ein Fischlein in dem Garn
Hat der Dom mich eingefangen,
Und da bin ich festgebannt,
Warum bin ich drein gegangen?
Ach, wie unter breiten Malven
Taubesprengt ein Röslein blitzt,
Zwischen guten Bürgerfrauen
Hier mein feines Liebchen sitzt! ..."

NZZ, 07.12.2002

Am Dienstag erhält Imre Kertesz (mehr hier und hier) seinen Nobelpreis, in der Beilage "Literatur und Kunst" erzählt er von der Glückskatastrophe, den Nobelpreis zu erhalten und Würdenträger zu werden, von seinem Leben in Berlin, und davon, wem in Ungarn der Preis den Rücken stärken wird: "Es sind viele Juden und jüdische Intellektuelle, die sich von der Gesellschaft nicht anerkannt fühlten, und jetzt bekommt auf einmal einer von ihnen den Nobelpreis. Und es sind die anderen Intellektuellen, die sich bemühten, auch nach 1989 einen gesellschaftskritischen Standpunkt einzunehmen, und die nicht gehört oder gar ausgegrenzt wurden. Die, die immer schon ein Ohr für die Außenstehenden hatten, fühlen sich jetzt bestätigt und jubeln. Ich lache vor Freude, wenn ich signiere, und gleichzeitig kommen mir die Tränen. Die Leute stehen Schlange. Bücher, von denen bisher 2 000 Exemplare verkauft wurden, gehen nun in einer Auflage von über 100 000."

Dazugestellt ist ein Text von Peter Nadas, der quasi Basiswissen über Auschwitz vermittelt und so erkennen lässt, wie wenig die Vernichtung der europäischen Juden im ungarischen Bewusstsein verankert ist. Christina Viragh hat noch einmal den "Roman eines Schicksallosen" gelesen.

Regina Keil-Sagawe porträtiert den algerischen Schriftsteller Habib Tengour, den blauen Vogel seiner Zunft und seiner Zeit offenbar stets einen Tick voraus. Monika Carbe liefert eine kleine Einführung in türkische Lyrik und Prosa. Und Helmut Mayer erklärt Paul Valerys Engelkunde.

Im Feuilleton lässt Joachim Güntner die bisherige Debatte über Jörg Friedrichs Buch "Der Brand" und den Luftkrieg Revue passieren. Zwar macht Güntner durchaus einen Trend zur Opferrolle in Deutschland aus will aber vielmehr an W.G. Sebald erinnern, der bereits vor fünf Jahren beklagt hatte, dass es keine adäquate literarische Darstellung des Bombenhagel gebe. "Wo Sebald tiefe Verstörung suchte, fand er nur Verdrängung, und er äußerte einen beklemmenden Verdacht: Das deutsche Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit speise sich aus einem 'Strom psychischer Energie, dessen Quellen das von allen gehütete Geheimnis der in die Grundfesten unseres Staatswesens eingemauerten Leichen' sei. Im Spätherbst des Jahres 2002 wirken die wirtschaftswunderlichen Energien der Deutschen wie erloschen; dafür gibt es jetzt ein Buch, das Sebalds Forderungen Genüge tut. Sollte man darüber nachdenken, ob dies zusammenpasst?"

Uwe Justus Wenzel berichtet von einem Symposion über "Krieg und Frieden", zu dem Peter Sloterdijk an die Karlsruher Hochschule für Gestaltung geladen hatte. Zum Streit um die Flick Collection notieren "ser" und "sru", dass Zürich einfach die Gelegenheit verpasst habe, die Sammlung auszustellen, und es nichts nütze, "dies nun mit einem selektiven moralischen Übereifer zu verdecken".

Besprochen werden die Architektur-Ausstellung "Archeology of Mind" in Montreal, drei "Nutcracker"-Inszenierungen in London (darunter zwei sehr poppige) und jede Menge Bücher, darunter Mona Yahias Roman "Durch Bagdad fließt ein dunkler Strom", Georges Batailles Text "Die Freundschaft und Das Halleluja" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).
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TAZ, 07.12.2002

Eine Flut schwappt da aus Ostdeutschland herüber - eine Flut an Neuerscheinungen, orakelt Susanne Messmer und fragt sich, warum sie dabei einen schalen Beigeschmack empfindet. "Könnte es nicht so sein, dass die Westler sich mit Hilfe dieser neuen Flut von Büchern noch einmal so richtig schön den Osten als das Andere imaginieren? (...) Von Anfang an beneideten wir die Ostler um ihren Widerstandsgeist, wir beneideten sie um ihr kleines, geheimnisvolles Land, um ihr Zusammengehörigkeitsgefühl. Wir zogen nach Ostberlin, weil es hier so gemütlich war, wir verkehrten in ihren Diskussionszirkeln und fühlten uns dort entzaubert und oberflächlich."

Susanne Burg hat sich auf dem Defy Poetry Slam amüsiert, mit dem der New Yorker Broadway versucht, junges Publikum in die Theater zu locken. Besprechungen widmen sich Kazushi Watanabes coolem Regiedebüt "19", Ute Rauwalds Inszenierung von Shakespeares "Kaufmann von Venedig" am Frankfurter TAT sowie Erick Swensons rätselhaften Tierplastiken in der Münchner Villa Stuck.

Weitere Artikel: Jörg Magenau stimmt einen Abgesang auf den klassischen Helden der Literatur an. Helden gebe es nur noch in der Wirklichkeit - doch da sind sie erfunden und sehen aus wie Reklametafeln." Sabine Herre schwärmt anlässlich des bevorstehenden EU-Gipfels von der Osterweiterung und dem "Laboratorium Osteuropa". Heike Haarhoff schildert den Widerstand, den der winzige Pyrenäenstaat Andorra (Homepage) diesen Erweiterungsplänen entgegenbringt. Und Gesine Kulcke bricht eine Lanze für das von der Schließung bedrohte Jugendheim Schönbühl, in dessen geschlossener Abteilung gefallene Jugendliche aus ganz Deutschland untergekommen sind.

Das Magazin druckt einen Text von Karl Heinz Bohrer aus dem Merkur nach, in dem Bohrer erklärt, wie wenig wir den Nationalsozialismus verstanden haben, "wenn man nur von ihren Ideologien, und auch nicht, wenn man nur von ihren Verbrechen spricht. Historiker schätzen solche Themen, weil sich damit begrifflich gut hantieren lässt. Und die Öffentlichkeit schätzt sie, weil man damit die Vergangenheit als kriminelle distanzieren kann und die Gegenwart davor zu schützen vermeint, indem man politische und ideologische Auffassungen ähnlicher Art nicht mehr zulässt. Das moralisch Abstoßende liegt in der Einfältigkeit des angestrebten Guten, in der Abwesenheit aller psychischen Differenz, die im westlichen, östlichen oder südlichen Europa Zivilisation ausmacht. Hier liegt auch der Grund, warum der Deutsche, der das Gute so prinzipiell wünschte, vor der komplexen Welt, die nicht gut ist, Angst entwickelte. Eine Angst, die sich bald in Ablehnung, ja Feindseligkeit verwandelte."

Schließlich TOM.

SZ, 07.12.2002

Vom Deutschlands größtem Standortvorteil, den Menschen, wird oft geredet, die Deutsche Bank dagegen handelt und berechnet ihn einfach, den Wert eines Menschen. Die große Studie "Deutschland denken" (hier die leider nicht sehr aussagekräftige Website der Stiftung) kommt Klaus Herding und Bruno Stiegwitz aber dann doch unfreiwillig komisch vor. "Der Mensch wird wörtlich als 'Wertgegenstand' behandelt; er setzt sich zusammen aus einem Gestehungswert und einer Produktionsinvestition. Daraus ergeben sich Abschreibungsmöglichkeiten. Das 'Humankapital' wird mit 230 000 Euro pro Person angesetzt; das 'in Deutschland ansässige Humankapital mit 12,4 Billionen Euro' beziffert. Auf 82 Millionen Einwohner hochgerechnet, ergeben sich aber 18,86 Billionen Euro. Wer hat da mehr als 6,4 Billionen gewaschen?" Geisteswissenschaftler und Journalisten sind wohl negativ zu buchen.

"Geiz ist geil", der Reklamespruch eines Elektronikmarktes, hat es dem Feuilleton offensichtlich angetan. Diesmal seziert Holger Liebs die deutsche Seelenlage anhand des Konsumverhaltens. "Es ist eine Phase der Selbstreinigung und der Läuterung, die wir durchleben: Gewinnen wird nur, wer einerseits athletisch genug ist, einen verkaufsoffenen Samstag unbeschadet zu überstehen, und andererseits asketisch genug, um nicht völlig schwachsinnige Produkte zu erwerben, nur weil sie noch nie so billig waren wie heute."

Weitere Artikel: Fritz Göttler prohezeit die leuchtende Zukunft des Kinos: "Bilder, die sich über eine Fläche von mehreren Stockwerken erstrecken, von grandioser Brillanz und Klarheit" - Imax (Homepage) macht's möglich. Jens Bisky war auf einer Tagung in Berlin, auf der die Geisteswissenschaftlichen Zentren (Homepage) über die Zukunft ihrer krisengeschüttelten Zunft beraten haben. Jeanne Rubner verabschiedet die erfolglose Stuttgarter Akademie für Technikfolgenabschätzung, die geschlossen wird. Stefan Koldehoff ist sich sicher, dass Berlin den Löwenanteil der Flick-Sammlung erhalten wird.

Gottfried Knapp gratuliert dem Maler Lucian Freud (mehr hier) zum Achtzigsten. Susan Vahabzadehs Grüße gehen an die Schauspielerin Ellen Burstyn (mehr hier), die an diesem Wochende siebzig wird. "jby" meldet, dass Coca Cola Deutschland ein Zeichen setzt und von Essen nach Berlin zieht. Frohe Meldung, die zweite: Freiburg darf Moritz Rinkes Nibelungen spielen. Noch eine: Der Leibniz-Preis (mehr hier) geht an den Literaturwissenschaftler Albrecht Koschorke. Und die letzte: Den russischen Booker-Preis erhält Oleg Pawlow.

Besprochen werden Laurent Petitgirards Oper "Elephant Man" in Nizza, Christina Paulhofers Inszenierung von Bernard-Marie Koltes' "Sallinger" an den Münchner Kammerspielen, ein Janis-Joplin-Abend von Thomas Guglielmetti am Stadttheater Graz, die beeindruckende Schau "Menschen Zeiten, Räume - Archäologie in Deutschland" in Berlin, die Aufführung von Schönbergs Orchesterpoeme "Pelleas und Melisande" unter James Levine in der Münchner Philharmonie und Bücher, darunter Sylvie Blums Fotoband "Nudes", Georges Batailles Gedankensammlung "Die Freundschaft und Das Halleluja", Haruki Murakamis neuer Roman "Sputnik Sweetheart" und das Allensbacher Jahrbuch der Demoskopie 1998-2002 (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Die SZ am Wochenende druckt elf Bagatellen aus dem Herbst 1989 ab, geschrieben von Imre Kertesz, der am Dienstag den Nobelpreis erhält. Kertesz erinnert sich an seine Reisen nach Buapest und vor allem Wien. "Wer ich sei, fragt mich einer der jungen Türsteher. Ein ungarischer Schriftsteller, der sich in seinen Büchern in gewisser Weise mit Fragen der jüdischen Existenz beschäftige, antworte ich. Ob ich das belegen könne, fragt er. Ich kann es nicht. Dann möge ich doch etwas auf Hebräisch sagen. Mir fällt nichts ein. Ob ich wenigstens wisse, was für ein Nachmittag dies heute sei."

Weiteres: Immer wenn es regnet, bleibt die Bundeswehr zu Hause, frotzelt Jost Kasier und erheitert sich im Anschluss über die niedlichen Namen der deutschen Kriegsgeräte a la Fuchs, Dachs, Lachs und Biber. Jürgen König erzählt von Irenäus Dornier und dessen Plan, in einer 60 Jahre alten Do 24 von München auf die Philippinen zu fliegen. Ein leider unbekannter Autor stellt die Ausstellung "Saving Faces" vor, in der der Schotte und Maler Mark Gilbert seine Bilder von Patienten des Gesichtschirurgen Iain Hutchison zeigt. Rebecca Casati schwelgt in Erinnerungen an den Tag, als sie endlich wieder in D-Mark bezahlen konnte - dank der Aktion eines Kaufhauses. Und Willi Winkler plauscht schließlich mit Theo Waigel übers Taschengeld und den Staatshaushalt.