Klappentext

Aus dem Französischen von Beate Thill und Hans Thill. Die Abrechnung mit den Fundamentalisten und der wahabistischen Schrumpfversion des Islam. Das leidenschaftliche Plädoyer gegen die Zerstörung der islamischen Zivilisation (durch Saudi-Arabien) und ihre Ausgrenzung (durch die USA). Ein mutiges Buch in der Nachfolge von Voltaire und Thomas Mann, eine schonungslose, alle Tabus verachtende Darstellung des aktuellen geistigen Klimas in der arabischen Welt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.11.2002

Mit seinem Buch "Die Krankheit des Islam" liefert Abdelwahab Meddeb nach Ansicht von Rezensent Otto Kallscheuer ein "hervorragendes Exempel transkulturellen Migrantentums". Im Streit mit seiner Herkunftskultur und seiner Ankunftskultur könne Meddeb die Türen nach beiden Seiten aufschließen. Seine Kritik treffe zunächst die Feinde einer kulturellen Moderne des Islams mit ihren Ressentiments und ihrem Hass. Zwar hat Meddeb keine sozialwissenschaftliche Erklärung des islamistischen Hasses anzubieten, notiert Kallscheuer, wohl aber eine Warnung vor Fehldiagnosen: Der neue Islamismus nach Meddeb ist kein genuines Produkt der islamischen Tradition, sondern ihre reaktionäre, pervertierte Fehlkopie, hält der Rezensent fest. In Meddebs Krankheitsbericht vernimmt Kallscheuer zugleich eine Klage auf die verlorene kulturelle Größe des Islams. Damit aus der Krankheit keine "Krankheit zum Tode" wird, bedarf der Islam nach Meddeb heute der Öffnung nach Westen. Eine Einschätzung, der sich der Rezensent voll anschließen kann.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.10.2002

Ludwig Ammann sieht in dem franko-tunesischen Schriftsteller Abdelwahab Meddeb einen besonders Berufenen, "Die Krankheit des Islam" zu diskutieren, da er in beiden Kulturen heimisch ist. Meddebs historisch-philosophischer Essay sucht weder die Apologie des Islams, sagt Ammann, noch betreibt es antiislamistische Propaganda, auch wenn Meddeb die ihm widerstrebenden Seiten des Islams, seinen Puritanismus, das intellektuelle Niveau mancher islamistischer Vordenker, die Militanz des Korans nicht ausspare. Meddeb ist auf der Suche nach den tieferen Ursachen für den Fundamentalismus und die antiwestlichen Ressentiments, schreibt Amman; er möchte wissen, warum die einst überlegene Zivilisation ihre Kreativität und darum auch die Macht verloren habe. Ein selbstkritisches Verfahren, da Meddeb die Schuld auch bei den islamischen Gesellschaften sucht. In diesem Essay, der das fundamentalistische Denken Schritt für Schritt widerlege, leuchtet für Amman "die wunderbare Kunst der theologischen Disputation, des Kalam" wieder auf; ein "Fest des Denkens" und wahre "Weltliteratur", freut sich der Kritiker.