Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag

Der Verlust einer echten Verheißung

20.05.2025. Der New Yorker zieht eine grauenhafte Bilanz des Bürgerkriegs im Sudan. New Lines schildert die unaufhörliche Zerstörung Somalias seit Siad Barre. Qantara beobachtet die massenhaften Abschiebungen von Afghanen aus Pakistan. Die London Review beschreibt die nervenzerfetzenden Fluchtversuche des Eritreers Even nach Europa. The Atlantic porträtiert J. D. Vance als den Lucien du Rubempré des 21. Jahrhunderts. HVG, Desk Russie und Elet es Irodalom beobachten die Folgen einer revisionistischen Erinnerungspolitik in Ungarn und Russland.

Der wahre ordo amoris

13.05.2025. In der London Review macht sich der irische Dichter Colm Tóibín Gedanken über Robert Prevost, jetzt Papst Leo XIV. In HVG improvisiert der ungarische Pianist Zsigmond Gerlóczy. In Le Grand Continent meditiert der polnische Autor Tomasz Rozycki über das zusammengewürfelte Europa. Der New Statesman versichert: Die Linke hat die besten Argumente für den Brexit. Bei Tenoua erinnert der Historiker Claude Nataf daran, dass die Tunesier sich unter der Nazi-Besatzung weigerten, ein Pogrom gegen die tunesischen Juden zu entfesseln. *Alarm denkt über eine tschechische Erzählung zum Kriegsende nach.

Entweder Wasser oder euer Blut

06.05.2025. Outlook India schwant im Kaschmirkonflikt nichts Gutes, wenn Indien Pakistan das Wasser abdreht. Himal erzählt die Geschichte der kastenbasierten Sklaverei in Indien. Africa is a Country wirft reichen schwarzen Künstlern aus den USA und UK vor, mit der postkolonialen Bourgeoisie Afrikas zu klüngeln. Quillette erklärt die jüngsten Bombenattentate in Thailand als Folge des thailändischen Kolonialismus. The Atlantic verfolgt entsetzt die Demontage des Rechtsstaats durch Trump. Le Grand Continent stellt den rumänischen Rechtsextremisten George Simion vor, der den ersten Wahlgang in seinem Land gewann. New Lines erzählt, wie in Syrien kurdische Identität systematisch durch arabische verdrängt wurde.

Geschichte ist Ironie in Bewegung

29.04.2025. Atlantic sieht in den USA einen Alptraum wahr werden: Den von Trump und Musk beherrschten gläsernen Bürger. Und was, wenn China das Rennen um die KI gewinnt, fragt der New Statesman. Bei Persuasion diskutieren Yascha Mounk und Ivan Krastev die Demontage des amerikanischen Ideals durch Rechte und Linke. Eurozine porträtiert die ukrainische Künstlerin Marharyta Polovinko, die an der Front starb. IStories porträtiert den amerikanischen Peacenik Michael Gloss, der auf der anderen Seite der Front starb. Africa is a Country fragt sich am Beispiel Kenias, wie Demokratie funktionieren soll, wenn die Eliten parteiübergreifend zusammenhalten. Der New Yorker gibt der amerikanischen Demokratie noch eine Chance.

Ordnung und Chaos

15.04.2025. Atlantic staunt über den geradezu maostischen Kulturkampf, den Donald Trump gegen die "Kreative Klasse" entfacht hat. Dabei ist die "Kreative Klasse" jetzt auch noch von KI bedroht, lernt der New Yorker. La vie des idees erzählt von dem Gerücht, weiße Franzosen würden afrikanischen Männern ihren Penis stehlen. New Lines berichtet aus dem gefährlichsten Flüchtlingslager der Welt. In der Public Domain Review findet die Historikerin Eva Miller die ersten Wolkenkratzer im alten Babylon. Aktualne würdigt den in Bergen-Belsen ermordeten tschechischen Maler und Dichter Josef Čapek. Die LRB erkundet das saure Verhältnis der Grönländer zu Dänemark.

Technokrat Nr. 10450-1

08.04.2025. Elon Musks Politik ist eigentlich die seines Großvaters Joshua Halderman, erklärt die New York Times. Ceska Televize lernt aus einem neuen Buch, dass der tschechische Kultautor Egon Bondy ein Stasispitzel war. Der Merkur rekonstruiert die jüngere Geschichte der politischen Rechten Dänemarks. Der New Yorker erzählt, wie in Brasilien ein Richter die sozialen Medien in ihre Schranken weist. Osteuropa erklärt, welche Kritiker Putin willkommen sind. New Lines erzählt, wie Polen in Uganda die rassistischen Hierarchien der Briten durcheinander brachten.

1200 Jahre Trump?

01.04.2025. Die LRB beschreibt die totale staatliche Überwachung in Chinas Xiong'an New Area. Ein Vorbild Donald Trumps ist Viktor Orban: In The Atlantic prophezeit Anne Applebaum den Amerikanern denn auch ungarische Stagnation, ungarische Korruption und ungarische Armut. Der New Yorker porträtiert den einzigen Mann, der das vielleicht verhindern kann: John Thune. In Desk Russie zählt die französische Historikerin Francoise Thom die Gefälligkeiten auf, die Trump bereits Putin erwiesen hat. Der Guardian blickt mit einer versteckten Kamera auf den dänischen Traum.

Ein Synapsen-Hochzeitslied

25.03.2025. Jacob Dreyer sieht in seinem Substack-Newsletter die Industrielle Partei auf dem Weg zur Weltherrschaft. Genau davor hat der Unabomber gewarnt, bemerkt unbehaglich die New York Times. Wired wartet inzwischen auf den Q-Day. The Atlantic fragt sich, wie lange Ahmed al-Sharaa ohne Geld einen Bürgerkrieg in Syrien verhindern kann. Le Grand Continent zeichnet ein Psychogramm der europäischen Schwäche. Die Paris Review lernt von Ọlábísí Àjàlá, den Polizisten in ihrem Kopf zu töten. Die Yale Review rühmt den Gegenstand, mit dem die Zivilisation begann: Die Umhängetasche.

Rückkopplungseffekt

18.03.2025. The Atlantic glaubt, dass Trumps "Maga"-Bewegung den europäischen Rechtspopulisten schadet. Die LRB ist sich nicht so sicher. Elet es Irodalom sieht uns in einer Ära der Wahnsinnigen angekommen. Der Guardian beschreibt die Lage zweier junger Syrer, die Assad gedient haben. La vie des idees folgt Hannah Arendts "Stamm" durch das Frankreich der Jahre 1933-41. Wired kann nicht fassen, auf welche privaten Daten Elon Musks Doge-Jünglinge zugreifen dürfen.

Mann auf die Sonne

11.03.2025. Bis jetzt wurde das 21. Jahrhundert von niemandem so geprägt wie von Wladimir Putin, konstatiert - wenn auch ungern - The Atlantic. Donald Trumps Behandlung Selenskis erinnert Timothy Snyder in Desk Russie stark an den Antisemitismus der Sowjets. Das Institute for the Study of Contemporary Antisemitism belegt ein frühes Bedürfnis, Israel Genozid vorzuwerfen. KI ist eine Stimme für die Arschlöcher, schimpft The Baffler, der ihre Anwendung im Film kategorisch ablehnt. Die BBC warnt vor den Folgen von Verwandtenehen. Der New Yorker lernt einiges über die Briten in einem Buch über die Große Hungersnot in Irland.