Magazinrundschau

Mut ist ansteckend

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag
13.01.2026. Der Guardian staunt über die geschwinde Selbstzensur amerikanischer Institutionen unter Trump. Seit Trump Interesse für Grönland zeigt, interessieren sich auf die Dänen für die Schöne, lernt der New Yorker. In Elet es Irodalom erklärt der Autor Péter Bognár, wie sich im Krimi das Menschenbild der Moderne manifestiert. New Lines fragt: Wer wäre bereit für Tallinn zu sterben? Die London Review weiß, was Donald Trump in Venezuela will: Kuba. Eurozine stellt moldauische Literatur vor, die das Trauma des Landes verarbeitet: das sowjetische Experiment der Identitätsauslöschung.

Guardian (UK), 13.01.2026

Wenig Erbauliches hat Charlotte Higgins über die Smithsonian Institution in der Trump-Ära zu berichten. Das der amerikanischen Geschichte gewidmete Museum ist zu einer neuen Zielscheibe des Präsidenten im Kampf gegen "woke" geworden. Mit viel Gegenwind muss er nicht rechnen. Die Direktorin Kim Sajet ist er schon losgeworden - einer widerrechtliche "Kündigung" via Social Media folgte, aufgrund wachsenden Drucks von allen Seiten, der Rücktritt. (Sie ist jetzt Leiterin des Milwaukee Art Museums). Die verbliebenen Mitarbeiter versuchen alles, um aus der Schusslinie der Trumpisten zu bleiben: "Mitunter nimmt die Selbstzensur schon fast tragikomische Züge an. Ein Mitarbeiter des Smithsonian hatte das Wort 'Diversity' aus Texten entfernt und durch das Synonym 'Variety' ersetzt. 'Diversity' war schließlich ein Wort, das garantiert den Zorn des Trump-Umfelds auf sich gezogen hätte, weil es mit DEI-Programmen in Verbindung gebracht wird. In diesem speziellen Fall wurde 'Diversity' jedoch in einem streng wissenschaftlichen Kontext verwendet: der 'Diversity' astronomischer Objekte. Dennoch war der Mitarbeiter besorgt, dass das Wort bei Suchläufen der Regierung durch Museumstexte auftauchen könnte. Da erschien es besser, den Blick abzulenken. Manche beginnt die Selbstzensur - man könnte auch sagen: der vorauseilende Gehorsam - zunehmend zu frustrieren. 'Ich denke, Mut ist ansteckend', sagte mir ein Kurator. 'Wenn eine große Institution wie die Smithsonian, die so viel Einfluss und Macht hat, sichtbar Stellung beziehen würde, denke ich, würden andere Institutionen nachziehen. Aber so, wie es dem Personal vermittelt wird, heißt es: Nun ja, wenn CIA und FBI nicht gegen Trump aufstehen können, was sollen wir dann tun?' Steven Nelson, ehemaliger leitender Mitarbeiter der National Gallery of Art, brachte es noch deutlicher auf den Punkt: 'Die Regierung muss gar nichts tun, die Institutionen erledigen alles für sie.'"
Archiv: Guardian

New Yorker (USA), 19.01.2026

Eine konstante Unterströmung von Donald Trumps zweiter Amtszeit ist die Drohung, Grönland zu annektieren - eine große und ernstzunehmende Bedrohung, wie Margaret Talbot im New Yorker zeigt. Aber die Drohung setzt in Dänemark auch Reflexionsprozesse in Gang: "Manche Leute in Kopenhagen haben mir erzählt, dass die Black Lives Matter-Bewegung in den USA auch jüngere Dänen zum Nachdenken über den Rassismus des eigenen Landes gegenüber den grönländischen Inuit angeregt hat. Aber das plötzliche Interesse Dänemarks an Grönland war auch ein unbeabsichtigtes Geschenk von Trump. Der Fotograf Mikkel Hørlyck sagte mir, 'er hat die Verbindung der Dänen zu Grönland aktiviert'. Dänen seiner Generation hätten sich zum ersten Mal ernsthaft gefragt, 'Was weiß ich wirklich über Grönland? Habe ich mich überhaupt schon einmal mit Grönländern unterhalten?' Er fuhr fort: 'Seltsam, dass Trumps Strategie bei uns auch zu etwas Positivem führt.' Trumps Antagonismus gegenüber Grönland hat auch die dänische Sicht auf die europäische Einheit verändert. In der Vergangenheit waren die Dänen eher leicht euroskeptisch. Sie sind der EU in den 1970er Jahren beigetreten, haben aber ihre eigene Währung, die dänischen Kronen, beibehalten und 1992 gegen den Vertrag von Maastricht gestimmt, der für mehr europäische Gleichförmigkeit in Sachen Sicherheit, Staatsbürgerschaft und anderen Themen gesorgt hat. Die Premierministerien Fredriksen hat neulich, als sie für einen größeren Verteidigungshaushalt geworben hat, eingeräumt: 'Europäische Kooperationen wurde von vielen Dänen nie wirklich favorisiert.' Sie maulten, sagte sie, über alles von 'schiefen Gurken und verbotenen Plastikstrohhalmen' bis zu offener Migrationspolitik, die von Fredriksens Regierung abgelehnt wurde."
Archiv: New Yorker

Elet es Irodalom (Ungarn), 09.01.2026

Nach dem Erscheinen des dritten Teils seiner Romanreihe spricht der Schriftsteller Péter Bognár im Interview mit Csaba Károlyi über die Diskrepanz zwischen den Erwartungen an Detektivfiguren in fiktionalen Texten einerseits und dem Wesen des heutigen Menschen andererseits: "Von Dupin über Sherlock Holmes bis hin zu Columbo - Detektive sind die Apotheose des modernen, rational denkenden Menschen. Der Mensch hat sich in der Moderne neu erfunden und ist zu dem Schluss gekommen, dass er mit Hilfe der Vernunft die Tatsachen der Welt erkennen und diese oft widersprüchlich erscheinenden Tatsachen zu einer einheitlichen Erzählung zusammenfügen kann. Und was sehen wir im klassischen Kriminalroman? Mit der Aufklärung des Verbrechens ordnet das Superbewusstsein des Ermittlers die während der Ermittlungen aufgedeckten, lange Zeit unverständlichen und undeutbaren Fakten in eine einheitliche und rationale Erzählung ein. Das heißt, der klassische Kriminalroman bringt das Menschenbild der Moderne auf die Bühne. Die implizite Aussage eines Krimis ist immer, dass der Mensch als rationales Wesen die Realität beherrschen kann. Im Gegensatz dazu ist unser Eindruck vom Menschen der Gegenwart genau das Gegenteil davon. Es scheint, als würden wir heute sehen, dass die Geschichte leider doch nicht am Ende ist und die Irrationalität des Menschen auf schreckliche Weise in allen Bereichen voranschreitet. Das macht natürlich auch das Krimi-Genre problematisch. Können wir noch an die Großartigkeit von Sherlock Holmes glauben?"

New Lines Magazine (USA), 12.01.2026

Wer wäre bereit für Tallinn zu sterben? Diese Frage sollten sich die Menschen in Europa bald stellen, erkennt Floriana Bulfon, wenn sie mit estnischen Geheimdienstlern und Militärs spricht, denn Russland bereitet den Angriff vor, da haben diese kaum Zweifel. Die russischen Drohgebärden und Interventionen häufen sich, das Eindringen russischer Kampfflugzeuge in den estnischen Luftraum im September letzten Jahres ist nur ein Beispiel von vielen: "Die größte Befürchtung der Esten ist, dass Moskau die NATO schwächen könnte, indem es die Kosten für den Schutz Estlands hochtreibt und anschließend schrittweise die Kontrolle über das Land übernimmt. Estlands Auslandsgeheimdienstchef Kaupo Rosin brachte dies deutlich zum Ausdruck, als er sagte, Russland versuche, 'durch Verhandlungen mit dem Westen eine Situation herbeizuführen, in der die NATO ihre Aktivitäten im Ostseeraum zurückfährt'. Dies böte Russland die Möglichkeit, die baltischen Staaten zu überfallen und zu annektieren. 'Die Zukunft', sagte er mir, 'hängt maßgeblich vom Handeln des Westens innerhalb der NATO und der Europäischen Union ab.'(...) 'Die Russen führen vor jedem militärischen Konflikt mindestens zwei Berechnungen im Kopf durch', sagte Rosin. 'Eine davon ist die Eskalationskontrolle.' Sie wollen wissen, ob sie bei einer Eskalation die Oberhand behalten werden und berechnen die tatsächliche militärische Stärke vor Ort. Was haben sie, und was hat die NATO? Verfügt die NATO über solide Pläne und konkrete Fähigkeiten, um diese Pläne umzusetzen? Es ist unsere Aufgabe sicherzustellen, dass diese Berechnung stets zu unseren Gunsten ausfällt."
Stichwörter: Nato, Estland, Baltikum, Russland

Aktualne (Tschechien), 08.01.2026

Anlässlich des 85. Geburtstags von Joan Baez erinnert Aktuálně an die langjährige Freundschaft der Sängerin mit Václav Havel. Baez habe schon früh die Ereignisse in der damaligen Tschechoslowakei verfolgt und bereits 1976 gegen die Verfolgung von Mitgliedern der Gruppe "Plastic People Of The Universe" protestiert. Aufsehenerregend war dann ihr Auftritt im Juni 1989 auf einem Musikfestival in Bratislava, wo Baez unter tosendem Applaus ein Lied für die Charta 77 sang und von der Bühne aus den damaligen Dissidenten Václav Havel grüßte. Als sie dann auch noch den regimekritischen Liedermacher Ivan Hoffman auf die Bühne lud, drehten die Veranstalter ihr das Mikrofon ab. Aber sie sang einfach weiter, "dass einem ein Schauer über den Rücken lief, sang akustisch ohne Verstärker ein Lied in dieser riesigen Halle, die totenstill war", wie sich Havel später erinnerte. Da Havel damals von der Geheimpolizei verfolgt wurde, ließ Joan Baez ihn anschließend als "Roadie" ihre Gitarre tragen, damit er nicht verhaftet wurde.

Archiv: Aktualne

London Review of Books (UK), 15.01.2026

Auch Tony Wood rätselt: Was will Trump in Venezuela? Um Drogen geht es selbstverständlich nicht, um Öl allerdings vermutlich auch nicht wirklich - die Investitionen, die nötig wären, um die Ölvorkommen Venezuelas auszubeuten, rechnen sich derzeit kaum. Wood zufolge steht das Vorgehen vielmehr in einer langen Tradition imperialistischer Machtpolitik der USA in Lateinamerika - und außerdem lässt die Maduro-Festnahme verschiedene Fraktionen innerhalb des Trumpismus näher zusammenrücken: "Die Ziele der US-Politik sind stabil geblieben, aber sie hatten nicht immer dieselbe Gewichtung. Venezuela nimmt für Trump einen viel größeren Stellenwert ein als für seine Vorgänger, weil hier verschiedene Politikstränge zusammenlaufen, die von konkurrierenden Fraktionen innerhalb der Regierung vorangetrieben werden und unterschiedliche Teile der MAGA-Koalition ansprechen. Elliott Abrams, der neokonservative Regime-Change-Verfechter, der während Trumps erster Amtszeit die Venezuela-Politik leitete, sagte kürzlich dem Wall Street Journal, Venezuela sei 'ein perfekter Sturm, es repräsentiert alles, worum sich die Trump-Regierung sorgt'. Unter Trumps zweiter Amtszeit brachte die Venezuela-Frage diejenigen zusammen, die eine militarisierte Anti-Drogen-Strategie verfolgen, jene, die Regimewechsel im karibischen Raum voran treiben, und diejenigen, die aus innenpolitischen Gründen ausländische Regierungen dämonisieren wollen, um Stimmung gegen Migranten zu schüren. Wenn der Kriegsminister Pete Hegseth und der politische Chefstratege im Weißen Haus, Stephen Miller, die erste und dritte Gruppe repräsentieren, sind Rubio und Senator Lindsey Graham die wichtigsten Befürworter von Regimewechseln - und für sie ist das eigentliche Ziel Kuba."

Irozhlas (Tschechien), 06.01.2026

Wie sich analoges und digitales Schaffen auf reizvolle Weise verbinden lassen, zeigen die ersten Ausschnitte des tschechischen Videospiels Phonopolis, das dieses Jahr erscheinen soll. Die Entwickler des Studios Amanita Design haben dafür einen Großteil der Spielmodelle ganz real aus Pappe gebastelt, wie Martin Hrnčíř berichtet. "Die Digitalisierung erfolgt so, dass wir nur flaches Papier fotografieren, das dann mit einer 3D-Software zu einem Raum zusammengesetzt wird", erklärt der Schöpfer Petr Filipovič. Also zuerst Pappe, Schere und Kleber, dann Tastatur, Maus und Programmierung. In dem Spiel schlüpfe man in die Rolle eines Müllmanns, der einem totalitären Regime entflieht, das seine Untertanen durch Klang kontrolliert. Stilistisch und im Sound-Design haben sich die Entwickler dabei an der Avantgarde der Zwischenkriegszeit orientiert. Und Rezensent Martin Hrnčíř fühlt sich deutlich an die Geschichten von Aldous Huxley, Karel Čapek oder Orwells Roman 1984 erinnert.

Archiv: Irozhlas
Stichwörter: Phonopolis, Videospiel, Tschechien

Eurozine (Österreich), 12.01.2026

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Oxana Gherman stellt in einem ursprünglich bei New Eastern Europe erschienenen Artikel zeitgenössische Literatur aus Moldau vor. Die sowjetische Herrschaft lastet immer noch als Trauma auf den Moldauern, so Gherman, deshalb kreisen auch viele neuere Romane um individuelle Erfahrungen unter dem Sowjet-Regime. So zum Beispiel Tatiana Țîbuleacs 2018 erschienener Roman "Grădina de sticlă" ("Der gläserne Garten"), der "das menschliche Schicksal in einem der schmerzhaftesten Kapitel der Geschichte der Republik Moldau schildert. In ihrer Geschichte verwebt Țîbuleac persönliches Leid mit dem kollektiven Trauma eines Landes, das einem Experiment der Identitätsauslöschung ausgesetzt war. Die Protagonistin ist ein verlassenes Kind, das von einer Russin aus Chișinău adoptiert wurde. Zunächst scheint alles gut zu laufen: Das Mädchen findet Geborgenheit und ein menschenwürdiges Leben. Doch vom ersten Tag an wird ihr der Name genommen und sie erhält einen neuen - Lastochka (russisch für Schwalbe). Lastochkas wahre Identität bleibt im gesamten Roman unbekannt. Nach und nach wird sie zu einem Objekt, einem Besitz ihrer Adoptivmutter, degradiert und zur Knechtschaft gezwungen. Erst später erfährt sie, dass sie genau zu diesem Zweck aus dem Waisenhaus gekauft wurde. Die schmerzhaftesten Erlebnisse im Roman drehen sich um das Erlernen der russischen Sprache - einer Sprache, die Tamara, die Adoptivmutter, als prestigeträchtig und unverzichtbar betrachtet. Für Lastochka wird dieser Prozess zur Tortur. Was sie anfangs fasziniert, wandelt sich bald in etwas, das sie abstößt. Die russische Sprache wird ihr durch Demütigung und Gewalt aufgezwungen. Sie erträgt den Albtraum, unter Zwang eine Fremdsprache zu erlernen. Als sie sich weigert, Russisch zu sprechen, wird sie brutal bestraft. Die Frage der Sprache, die in einer Reihe tief bewegender Episoden dargestellt wird, weitet sich allmählich zu einer umfassenderen Auseinandersetzung mit Macht, Identität und Zugehörigkeit aus."
Archiv: Eurozine

HVG (Ungarn), 08.01.2026

Die deutschen und ungarischen Einwohner wurden in der Tschechoslowakei wegen der von den Besatzern während des Zweiten Weltkriegs verursachten Zerstörungen nach 1945 kollektiv für schuldig erklärt, deportiert und ihres Eigentums beraubt. Die bis heute geltenden Beneš-Dekrete, die der Vergeltung dienten, wurden jetzt in der Slowakei von der Regierung Fico erneut aktiviert (mehr dazu in der FAZ). Die ansonsten als "Beschützer der ungarischen Minderheiten im Ausland" auftretende Orbán-Regierung schweigt bisher. István Riba erläutert die Hintergründe der Dekrete und der neuen Gesetze: "Die slowakischen Behörden legen heute Hand auf bestimmte Grundstücke, weil sie der Meinung sind, dass diese 1945 hätten beschlagnahmt werden müssen. Wenn dies damals aus irgendeinem Grund nicht geschehen war, wird das heute auf der Grundlage des Prinzips der kollektiven Schuld durchgesetzt. (...) All dies wurde durch das Dekret Nr. 108 von Beneš gekrönt, auf dessen Grundlage die 'Feinde' der Republik, die Einwohner ungarischer und deutscher Nationalität und die mit ihnen verbundenen juristischen Personen (z. B. Kirchen, Vereine) ihrer noch verbliebenen Ländereien sowie ihres gesamten beweglichen und unbeweglichen Vermögens enteignet werden konnten. (…) Obwohl die Beneš-Dekrete inzwischen durch mehrere Gesetze außer Kraft gesetzt wurden, sind sie weiterhin Teil der tschechischen und slowakischen Rechtsordnung, da keines von ihnen offiziell für ungültig erklärt wurde. Bei den Restitutionsentscheidungen nach 1990 wurde auch darauf geachtet, dass die Möglichkeit der Wiedergutmachung nicht für zwischen 1945 und 1948 enteignetes Eigentum gilt. Dennoch konnten viele ungarische Familien ihr Land zurückerhalten, gerade weil die Enteignung, gelinde gesagt, nicht vollständig durchgeführt werden konnte. Was damals versäumt wurde, will der slowakische Staat heute nachholen und durch behördliche Entscheidungen oder gerichtliche Schritte erzwingen, dass auf der Grundlage des Prinzips der Kollektivschuld ehemalige Rechtsvorschriften zur Enteignung von Landbesitzern herangezogen werden. Als politische Stütze dafür dient auch das jetzt verabschiedete Gesetz, das Kritikern der Beneš-Dekrete mit Gefängnisstrafen droht."
Archiv: HVG
Stichwörter: Benes-Dekrete, Slowakei

Wired (USA), 06.01.2026

Für Garrett M. Graff steht Trumps Staatsstreich in Venezuela in einer langen Tradition von militärischen Interventionen der USA in Südamerika und kommt daher auch eigentlich sehr "unüberraschend". Einmal mehr, fürchtet Graff, entpuppen sich die Staaten als Meister darin, kurzfristig militärisch erfolgreich, aber schon mittelfristig überfordert zu sein und schließlich langfristig zu scheitern - zumal Trump selbst keinen Plan vorzuweisen habe, sondern wie stets impulsgesteuert vorgehe. Als besonders fatal dürfte sich herausstellen, dass Trumps Kopf nach wie vor im Modus des Kalten Krieges stecke. Es sei daher durchaus plausibel, diese Operation "weniger als Konflikt des 21. Jahrhunderts zu denken, sondern eher als ein retro-nostalgisches Unternehmen - als den letzten Krieg des 20. Jahrhunderts. ... Doch die Welt hat sich verändert und Donald Trump scheint die nächsten Schritte nicht durchdacht zu haben, was zu einer tiefen Ironie führt: Die USA sind in einen Krieg für Öl gezogen, von dem unklar ist, ob es überhaupt jemand will. Mit seinem 80s-Mindset umarmt Trump auch weiterhin Benzin fressende Motoren, ... während der Rest der Welt sich in großem Tempo von fossilen Brennstoffen weg bewegt. Die erneuerbaren Energien hatten zuletzt dreißig Prozent Wachstum pro Jahr und produzierten in der ersten Hälfte von 2025 tatsächlich zum ersten Mal mehr Energie als Kohle. China greift die Erneuerbaren rapide auf und fügte alleine 2025 mehr Solar- und Windkapazitäten hinzu als die USA insgesamt aufweisen. So befindet sich das Land mittlerweile auf dem Weg dahin, Karbonemissionen zu senken, während das Wachstum trotzdem steigt. Energiekosten sinken weltweit so rasch, dass Australien im November angekündigt hat, dass ab diesem Jahr jeder pro Tag drei Stunden Elektrizität gratis erhält."
Archiv: Wired
Stichwörter: Trump, Donald, USA, Venezuela, Erdöl