Magazinrundschau - Archiv

Irozhlas

3 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 13.01.2026 - Irozhlas

Wie sich analoges und digitales Schaffen auf reizvolle Weise verbinden lassen, zeigen die ersten Ausschnitte des tschechischen Videospiels Phonopolis, das dieses Jahr erscheinen soll. Die Entwickler des Studios Amanita Design haben dafür einen Großteil der Spielmodelle ganz real aus Pappe gebastelt, wie Martin Hrnčíř berichtet. "Die Digitalisierung erfolgt so, dass wir nur flaches Papier fotografieren, das dann mit einer 3D-Software zu einem Raum zusammengesetzt wird", erklärt der Schöpfer Petr Filipovič. Also zuerst Pappe, Schere und Kleber, dann Tastatur, Maus und Programmierung. In dem Spiel schlüpfe man in die Rolle eines Müllmanns, der einem totalitären Regime entflieht, das seine Untertanen durch Klang kontrolliert. Stilistisch und im Sound-Design haben sich die Entwickler dabei an der Avantgarde der Zwischenkriegszeit orientiert. Und Rezensent Martin Hrnčíř fühlt sich deutlich an die Geschichten von Aldous Huxley, Karel Čapek oder Orwells Roman 1984 erinnert.

Stichwörter: Phonopolis, Videospiel, Tschechien

Magazinrundschau vom 25.11.2025 - Irozhlas

Der tschechische Sicherheitsanalytiker und Armeeoberst Otakar Foltýn sieht in dem amerikanischen 28-Punkte-Plan für die Ukraine in seiner jetzigen Form eine ganz klare Parallele zum Münchner Abkommen von 1938. "Europa muss sich klarmachen, dass sich Zugeständnisse an Aggressoren in der Geschichte noch nie ausgezahlt haben", sagt er im Interview mit Tomáš Pancíř. Es handele sich um maximalistische russische Forderungen. Nebenbei lasse sich durch eine linguistische Sprachanalyse nachweisen, dass jener "Friedensplan" ursprünglich in russischer, nicht in englischer Sprache verfasst wurde. Harsche Worte findet er auch für den "absoluten Dilettantismus" des US- Verhandlungsführers Steve Witkoff. Dass dieser nicht die geringste Ahnung von Diplomatie habe, zeige sich schon daran, "dass er bei den Verhandlungen mit Putin keinen eigenen Dolmetscher dabei hatte und sich stattdessen von Putins Dolmetscher übersetzen ließ. Ein eklatanter Anfängerfehler, der perfekt demonstriert, was für einen unfähigen Stümper die Vereinigten Staaten in diesem Fall zum Verhandeln mit Russland entsandt haben", so Foltýn.

Magazinrundschau vom 23.09.2025 - Irozhlas

In Tschechien läuft gerade der Kafka-Film "Franz" (Trailer) der polnischen Regisseurin Agnieszka Holland an. Holland, die in den 1960er Jahren an der Prager Filmhochschule studierte, weist im Gespräch mit Lucie Výborná auf die Paradoxien von Kafkas Prager Existenz hin: Besonders nach dem Ersten Weltkrieg sei seine Entfremdung groß gewesen, weil er zum einen Jude war, "aber kein wirklich jüdischer Jude, er war nicht religiös", zum anderen tschechoslowakischer Staatsbürger, aber zugleich hatten die Tschechen in ihrer neugeschaffenen Nation "keine besondere Wertschätzung für einen Juden, der auf Deutsch schrieb. Und auch die Deutschen betrachteten ihn nicht als den ihren." Schon darum sei er ein Außenseiter gewesen, nicht nur wegen seiner charakterlichen Disposition. "Dann kam der Zweite Weltkrieg, in dem fast seine gesamte Familie umkam." Und nach dem Krieg sei er weltberühmt geworden, man habe in seiner Vision einer entmenschlichten Welt die Prophezeiung des Holocaust erkannt. Doch dann kam der Stalinismus in die Tschechoslowakei "und Kafkas Werke wurden weder gedruckt noch gelesen, er galt als bourgeoiser Perverser." Das änderte sich mit dem Prager Frühling, den Holland hautnah miterlebte. "Er begann unter anderem mit einer Konferenz über Kafka, die der tschechoslowakische Schriftstellerverband organisierte." Agnieszka Holland besuchte auch die Literaturgeschichtsvorlesungen ihres Professors Milan Kundera, der sich auf die deutschsprachige Literatur konzentriert habe und "hauptsächlich über Kafka, Broch, Musil und Thomas Mann sprach, aber außer Mann hatten meine Kommilitonen nichts davon gelesen, sie kannten es schlicht nicht. Ich war die Einzige, die Kafka komplett gelesen hatte." Eine Zeitlang wurde alles von Kafka gedruckt, dann wiederum kam die kommunistische "Normalisierung" und Kafka habe abermals als verkommener Bourgeoiser gegolten. Mit dem Kapitalismus und dem freien Unternehmertum habe sich dann herausgestellt, dass Kafka als "großartige touristische Ware" funktionierte. "Meiner Meinung nach haben die meisten Tschechen Kafka nie wirklich als Menschen und Künstler wahrgenommen." Für Holland war von Anfang an klar, dass sie ihren Film nicht als Biopic anlegen wollte, dafür sei Kafkas Leben auch zu eintönig gewesen, seine reiche innere Welt verlangte nach einer mehr assoziativen und fragmentarischen Dramaturgie. Dabei stelle sie fest, dass vor allem jüngere Zuschauer viel mit ihrem Film-Kafka anfangen könnten. "Viele junge Menschen haben heute das Gefühl, anders zu sein und eine sogenannte neurodivergente Persönlichkeit zu haben. Franz hatte das ganz bestimmt auch."