Magazinrundschau
Zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren
Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag
18.06.2024. Shakespeare ist Burkiner, aber es gab ihn auch im arabischen Mittelalter, da hieß er al-Mutanabbi, erzählt uns New Lines. In La vie des idees erinnert die Soziologin Marie Ladier-Fouladi an die erste Frauendemo gegen die Mullahs im Iran am 8.3.1979, zwei Tage nach Einführung des Verschleierungszwangs. Im Ideas Letter erklärt der britisch-nigerianische Autor Tomiwa Owolade, wo seine eigentliche Heimat liegt: Bei den New York Intellectuals. New Eastern Europe schildert den Kampf für den EU-Beitritt in Moldau.
New Lines Magazine (USA), 17.06.2024
Clair MacDougall taucht ein in die Arthouse-Szene von Burkina Faso. Dort begegnet sie auch Shakespeare und zwar im Film "Katanga" des burkinischen Regisseurs Dani Kouyate. Angesichts anhaltender politischer Krisen und zunehmender djihadistischer Attacken, müssen sich die burkinischen Filmschaffenden fragen, wie sie mit all dem Leid umgehen sollen. Kouyate findet in seinem "African-Noir"-Thriller Antworten bei "Macbeth": "'Katanga'" ist stilistisch kühn. Kouyate nahm ein Stück des großen englischen Schriftstellers aus dem Elisabethanischen Zeitalter und übersetzte es nicht nur sprachlich - die Schauspieler sprechen Moore, die Sprache der in Burkina Faso vorherrschenden ethnischen Gruppe, der Mossi - sondern auch kulturell, indem er die Geschichte fest in Szenen und Interaktionen einbettet, die sich eindeutig burkinisch anfühlen. Inspiriert von den Filmen Charlie Chaplins hat Kouyate den Film in Schwarzweiß gedreht, in der Hoffnung, ihm so eine zeitlose Qualität zu verleihen. Kouyate glaubt, dass Shakespeare bei Burkinern und anderen Afrikanern Anklang finden wird; er hofft, dass sie nicht einmal wissen, dass es sich um einen fremden Text handelt, wenn sie den Film sehen. 'Shakespeare ist afrikanisch', sagt er lachend. 'Sein Geist ist ganz und gar afrikanisch. Für mich arbeitet Shakespeare immer zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren, zwischen dem Natürlichen und dem Übernatürlichen ... mit Gespenstern und Geistern - das ist ein Universum, das ganz und gar afrikanisch ist." Er glaubt, dass solche großartigen Texte eine universelle Menschlichkeit berühren. 'Shakespeare spricht zum Beispiel viel über Macht, und sein Umgang mit Macht in diesem Text ist universell. In Afrika haben wir unsere Macbeth', sagt er und bezieht sich dabei auf Diktatoren der postkolonialen Ära, wie Ugandas brutalen Despoten Idi Amin und den zum Kaiser gewordenen Präsidenten der Zentralafrikanischen Republik, Jean-Bedel Bokassa."Kevin Blankinship widmet sich hingegen dem "Shakespeare" des arabischen Mittelalters, dem Dichter al-Mutanabbi ("Der behauptet ein Prophet zu sein"). Legendär und jedem Schulkind bekannt ist beispielsweise sein Gedicht über ein schlimmes Fieber, das ihn heimsuchte: "Mein Gast erscheint schüchtern - sie besucht mich nur im Dunkeln / Ich machte ihr ein Bett mit Kissen und Überwürfen / aber sie weigerte sich und schlief in meinen Gebeinen / Meine Haut war zu eng für meine und ihre Seufzer so dass sie sie mit Fäulnis aufblähte, um Platz für ihr Heim zu schaffen." Aber wer war eigentlich dieser Dichter, der 965 auf dem Weg von Schiraz im heutigen Iran nach Bagdad von Wegelagerern ermordet wurde - angeblich weil er einen Stammesführer mit einem Schmähgedicht verunglimpft hatte. Blankinship zeichnet ihn als ziemlich eingebildeten Mann, der ständig in Streit mit seinen Zeitgenossen geriet: "Eines Tages, so erzählt man sich, geriet er bei Hofe mit Ibn Khalawayh aneinander, einem Witzbold und Pedanten, der eigenartige lexikografische Werke verfasste, die zugleich literarische Anthologien waren: 'Die Namen des Löwen', 'Die Namen des Windes', 'Ungefundenes in der Sprache der Beduinen' und mehr. Die beiden Männer stritten sich oft über die arabische Grammatik, doch dieses Mal nahm die Sache einen unschönen Verlauf. An einem Punkt tat al-Mutanabbi das, was alle walgroßen Egos tun, wenn ihnen die echten Argumente ausgehen und wurde persönlich. 'Halt' den Mund!', platzte er heraus. 'Du bist ein Perser aus Chuzistan. Was hat Arabisch mit dir zu tun?' Ibn Khalawayh, der für seine Zurückhaltung bekannt war, verpasste al-Mutanabbi eine schallende Ohrfeige; manche sagen, er habe ihm mit einem Schlüssel auf die Wange geschlagen, wodurch Blut floss. Auf jeden Fall blickte al-Mutanabbi verzweifelt zu (seinem Gönner) Sayf al-Dawlah, dessen Schweigen nicht lauter hätte sein können. 'Ich kann dich nicht länger verwöhnen', hieß es. 'Du bist hier fertig.' Trotz ihres gemeinsamen ethnischen Stolzes hatte al-Mutanabbi die arabische Karte anscheinend einmal zu oft gezogen. Er verließ den Hof von Aleppo in Ungnade und kehrte nie wieder zurück."
Dialog Forum (Polen), 18.06.2024
La vie des idees (Frankreich), 17.06.2024
Zur Kunst von Geschichtsschreibung gehört es, die Vergangenheit als Gegenwart denken zu können und den eigentlichen Ausgang nicht als Schicksal zu begreifen. Was Jérémy Guedj in seinem Buch "Les Juifs français et le nazisme, 1933-1939" unternimmt, klingt faszinierend: Er versucht die Wahrnehmung Hitlers und der Nazis durch Juden in Frankreich in den Jahren 1933 bis 1939 nachzuzeichnen, ohne in die Falle einer falschen Zwangsläufigkeit - oder wie Emmanuel Droit das in seiner Besprechung nennt, einer "lecture rétrodictive" zu tappen. Was sich herausstellt, ist, dass die Juden das Phänomen zwar mit gesteigerter Sensibilität und aus den Mustern ihrer Religion und Geschichte wahrnahmen, dass sie aber zumindest in einer ersten Phase dem weit verbreiteten Missverständnis aufsaßen, dass Hitler es nicht so ernst meine, wie er es proklamierte: Aber "Hitler war eine Herausforderung an den gesunden Menschenverstand. Es dauerte bis spätestens 1935 und zu den Nürnberger Gesetzen, bis die schreckliche Erkenntnis reifte, dass nichts mehr so sein würde wie zuvor. In Kapitel 4 mit dem metaphorischen Titel 'Das Schloss und die Schlüssel' zeigt Guedj, wie die oftmals vom Messianismus durchdrungenen französisch-jüdischen Intellektuellen (Raymond Aron, Jean-Richard Bloch, Emmanuel Levinas) in den 1930er Jahren in der Lage waren, eine Analyse des Nationalsozialismus im Sinne einer Religion zu erstellen, die den Lauf der Geschichte umkehren und sich gegen die moderne europäische Zivilisation richten könnte. Der Autor zeigt also, dass die französischen Juden über den Schrecken und die Erschütterung hinaus die Bedrohung durch den Nationalsozialismus sehr ernst nahmen und begannen, 'Mein Kampf' und seine ideologischen Grundlagen zu studieren und zu diskutieren. Sie waren sich der Gefahr bewusst und führten in Frankreich den Kampf gegen die Infiltration durch die Nazis, die von 'Agenten' wie Darquier de Pellepoix, Louis-Ferdinand Céline oder Jean Boissel verkörpert wurde. Die Seiten über den Einfluss der Nazis sowohl in Nordafrika als auch im Elsass und die Reaktionen für das Engagement der jüdischen Autoren sind sehr instruktiv."Die Soziologin und Demografin Marie Ladier-Fouladi erzählt eine im Grunde noch zu kursorische Geschichte des Widerstands der Frauen im Iran gegen das Mullah-Regime. Aber eines macht sie klar: Dieser Widerstand begann noch vor der Instituierung der Islamischen Repubilik mit dem Dekret zum Verschleierungszwang vom 6. März 1979, gegen das die Frauen zum ersten Mal am 8. März 1979, am Tag der Frau also, protestierten. Ihr Slogan damals: "Die Freiheit gehört weder dem Westen noch dem Osten, sie ist universell." Seitdem gingen die Proteste mit Unterbrechungen weiter, bis hin zum Aufbäumen der gesamten iranischen Jugend unter dem Slogan "Frau, Leben, Freiheit". Dass dieser schönste Slogan, den eine Revolution je hatte, möglich wurde, ist laut Ladier-Fouladi auch einem stillen Protest zu verdanken, einer Art Gebärstreik der iranischen Frauen: "Die Kontrolle ihrer Fruchtbarkeit war ihr Mittel, sich den religiösen Anordnungen und dem traditionellen Familienmodell, das vom theokratischen Regime propagiert wurde, zu widersetzen. Die Verhütung führte zu einem raschen Rückgang der Fertilität von durchschnittlich 7 Kindern pro Frau am Vorabend der Revolution von 1979 auf 6,4 Kinder im Jahr 1986 und 1,6 Kinder im Jahr 2021. Der dramatischste Rückgang ereignete sich zwischen 1986 (6,4) und 2000 (2), was einem Rückgang von 70 Prozent innerhalb von 15 Jahren entspricht und den demografischen Übergang im Iran zu einem der rapidesten in der Geschichte macht. (...) Der Rückgang der Fertilität und die damit einhergehende Verkleinerung der Familiengröße haben überall die emotionalen Beziehungen zwischen Ehepartnern sowie zwischen Eltern und Kindern verändert. Dieser Wandel bedeutet auch eine Erschütterung der patriarchalischen Ordnung, die auf der Unterordnung der Frauen unter die Männer und der Jüngeren unter die Älteren beruhte. Die Familienbeziehungen basieren nun auf Dialog und gegenseitigem Respekt."
The Ideas Letter (USA), 13.06.2024
HVG (Ungarn), 13.06.2024
Die Schriftstellerin und Publizistin Noémi Szécsi veröffentlichte vor sieben Jahren ihren letzten Roman. Seitdem erschienen regelmäßig ihre Kurzgeschichten, der Fokus ihrer Arbeit lag jedoch in Monografien zur ungarischen Frauengeschichte. In ihrem jüngsten Buch beschäftigt sich Szécsi mit der Erziehung und Rollenmöglichkeiten der Frauen in Ungarn um die Jahrhundertwende zum zwanzigsten Jahrhundert. Im Interview mit Dóra Matalin sagt sie über ihre Arbeit: "Obwohl ich als Romanautorin angefangen habe, habe ich seit sieben Jahren keinen Roman mehr veröffentlicht. Das liegt unter anderem an der angespannten Atmosphäre in der Branche, an der Überpolitisierung sowie an der Einseitigkeit der Förderung, vor allem, wenn man keinen fiktiven Roman, sondern eine Satire schreibt. Letztes Jahr habe ich 'Verrottete Tiere' veröffentlicht, eine Sammlung gesellschaftskritischer Tiergeschichten, aber meine größeren belletristischen Projekte habe ich vorerst auf Eis gelegt. (...) Die Lehre der Geschlechterforschung auf Universitätsebene wurde eingestellt. In anderen Ländern gibt es Forschungsinstitute für Frauengeschichte, in unserem Land gibt es dagegen unzählige Initiativen auf dem Gebiet der Geschichte, vom Habsburger Institut bis zum Institut für Ungarische Studien, aber für Gender Studies gibt es irgendwie kein staatliches Budget. Und sicherlich spielt es auch eine Rolle, wer über ein bestimmtes Thema schreiben will. Das jetzige Buch handelt auch von der Rolle des Protektionismus im späten 19. Jahrhundert, auf das Schicksal einer Poetin projiziert. Ungarn ist heute freilich auch keine Meritokratie oder Leistungsgesellschaft, und Belohnungen werden eben nicht unbedingt nach Verdienst verteilt. Die historische Untersuchung der Geschlechterrollen ist keineswegs unabhängig vom politischen Klima im heutigen Ungarn."New Eastern Europe (Polen), 18.06.2024
Der Politologe Alexandru Demianenco denkt über das gleichzeitig mit den Präsidentschaftswahlen in der Republik Moldau stattfindende Referendum über den EU-Beitritt des Landes nach. Es soll für eine konstitutionelle Verankerung dieses Ziels gestimmt werden, das damit nicht rückgängig gemacht werden kann und jeden derartigen Versuch verfassungswidrig machen würde. Moldau hat in den vergangenen Jahren viel für seinen "europäischen Weg" getan, 2023 sind sogar Beitrittsverhandlungen eingeleitet worden. Dennoch ist der Erfolg des Referendums alles andere als selbstverständlich, meint Demianenco besorgt: "Pro-russische Gruppierungen, die von Persönlichkeiten wie Ilan Shor angeführt werden, sind in der Lage, Einfluss auf Schlüsselregionen wie Gagausien, Baltien und den Bezirk Orhei zu nehmen. Ihr Einfluss könnte das Ergebnis des Referendums erheblich verfälschen und die Spannungen im Land eskalieren lassen. Der bedeutende Einfluss von Ilan Shor in der moldauischen Politik unterstreicht die Komplexität der Einmischung von außen und des regionalen Einflusses. Seine Fähigkeit, die Opposition in strategisch wichtigen Gebieten zu mobilisieren, gefährdet nicht nur den Erfolg des Referendums, sondern könnte auch die Zentralregierung destabilisieren, wenn das Referendum mit einer knappen Mehrheit angenommen wird und sich seine Vertreter in den Hochburgen nicht beteiligen. Ein solches Ergebnis könnte die regionalen Ungleichheiten verstärken und die Spannungen verschärfen und damit die nationale Einheit zu einem Zeitpunkt bedrohen, an dem der Zusammenhalt am dringendsten benötigt wird."London Review of Books (UK), 20.06.2024
Thomas James Wise war einer der erfolgreichsten Fälscher literarischer Werke des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Gill Partington rekonstruiert sein Leben und Werk entlang einer neuen Buchveröffentlichung: "Wise fälschte nicht nur Bücher: Er stellte auch deren Provenienz her. Sie wurden sorgfältig gealtert und in den Markt für seltene Bücher eingespeist, sodass alle Zweifel an ihrem plötzlichen Auftauchen Jahrzehnte nach ihrer angeblichen Veröffentlichung zerstreut wurden. Jeder, der das Veröffentlichungsdatum eines seiner seltenen Pamphlete überprüfen wollte, musste lediglich die höchste bibliographische Autorität des British Library-Katalogs konsultieren, um sich von deren Echtheit zu überzeugen. (Er sorgte dafür, dass Kopien die Bibliothekare erreichten, zusammen mit seinen eigenen Anmerkungen zur Herkunft.) Manchmal überzeugte er sogar die Autoren selbst, dass Fälschungen ihrer Werke echt seien. In einem Schritt, der gleichermaßen Wagemut und Kaltschnäuzigkeit demonstriert, lies er sich Swinburne vorstellen, um den alternden Dichter auf eines seiner Werke aufmerksam zu machen. Es handelte sich um eine Pamphletausgabe von 'Cleopatra', einem Gedicht, das nur einmal, 1866, im Cornhill Magazine veröffentlicht worden war. Der verwunderte Swinburne ließ sich davon überzeugen, dass Wises Fassung das unerlaubte Werk seines Druckers gewesen war. Wise schenkte dem Dichter ein Exemplar dieser unerwarteten Erstausgabe und sorgte dafür, dass es eine schriftliche Korrespondenz gab, die deren Echtheit bestätigte."Novinky.cz (Tschechien), 17.06.2024
Elet es Irodalom (Ungarn), 14.06.2024
In ihrer Eröffnungsrede für die Buchwoche, gehalten im nord-ungarischen Miskolc, zeichnet die Dichterin Krisztina Tóth ein Stimmungsbild der ungarischen Autoren: "Ich weiß nicht genau, wann dieser Prozess in unserem Land begann, vielleicht in der Zeit der Wende, der zu einer literarischen Gemeinschaft geführt hat, in der fast alle unglücklich, frustriert und überarbeitet sind. Das hat natürlich auch mit dem kulturellen Leben im Allgemeinen und mit dem geistigen Zustand des Landes im Besonderen zu tun. Ich finde es erschreckend, dass weder die Newcomer, noch die mittlere Generation, noch die etablierten Schriftsteller mit ihrem Platz im literarischen Leben zufrieden sind (...) Die Stimmung der Schriftsteller wird durch die extreme politische Spaltung und die ungerechte, lächerlich fantasievolle Verteilung verschiedener staatlicher Preise, die zumeist die tatsächliche literarische Leistung ignorieren, noch verschlimmert. Kurz gesagt, diejenigen, die keine Preise und Auszeichnungen erhalten, sind verletzt und traurig, diejenigen, die sie erhalten, sind verärgert, entweder weil es inzwischen fast kompromittierend und peinlich ist, bestimmte Auszeichnungen zu erhalten, oder weil der Berufsstand sie immer noch zu leicht findet, egal wie viele bronzene, gusseiserne oder kristallene Schwergewichtspreise sie in beiden Jacketttaschen haben."New Yorker (USA), 17.06.2024
Daniel Noboa ist seit November 2023 Präsident Ecuadors, eines seiner erklärten Ziele ist die Bekämpfung der Drogenkartelle. Mit teils recht fantasievollen Ideen, wie Jon Lee Anderson im New Yorker berichtet. In Ecuador gibt es immer wieder Anschläge auf Politiker und eine Korruption, die hochrangigen Drogenbossen die Flucht aus den Gefängnissen ermöglicht. Erfolge der Ermittlungsbehörden werden sofort öffentlichkeitswirksam in Szene gesetzt, auch wenn sie noch so gering ausfallen: "Der Höhepunkt unserer Reise sollte eigentlich eine Drogenrazzia in einem ländlichen Ort sein, aber unser Erscheinen dort wurde in letzter Sekunde abgesagt. Noboa erzählte mir, die Verdächtigen seien durch ein Geheimdienstleck informiert worden, sodass das Erbeutete zu unwichtig wäre, um sich damit sehen zu lassen - er würde nicht erscheinen, um mit drei Leuten und einem Esel zu posieren, die mit ein paar Kilos erwischt wurden. Stattdessen fuhren wir nach Guayaquil, wo er sich zwei Tage freigenommen hat, um Verwandte zu besuchen(…). Während er beschäftigt war, habe ich die Erlaubnis erhalten, La Roca zu besuchen. Das sicherste Gefängnis Ecuadors befindet sich neben einer Autobahn an den Rändern der Stadt, ein Areal mit Autowerkstätten, Strommasten und heruntergekommenen Gebäuden. Die Zufahrtsstraße ist von Maschendrahtzaun umgeben, mit Unkraut überwuchert und von Müll gesäumt. Eine neue Wärterin, Martha Macías, wurde Anfang des Jahres eingestellt, nachdem einer ihrer Vorgänger beschuldigt worden war, eine Waffe in das Gefängnis geschmuggelt zu haben. (…) Macías erklärt, dass Noboa die Armee im Gefängnis stationiert hat, um den Rest des Personals zu kontrollieren. Das Militär hat im Grunde genommen keine Erfahrung darin, Gefängnisse zu leiten und die Atmosphäre war angespannt." Kritik an Noboas Führungsstil wird eher zögerlich geäußert: "Noboa hat sich gefragt, ob es möglich wäre, ein Gefängnis in einem Gebiet der Antarktis zu bauen, über das Ecuador die Kontrolle hat. 'Uns gehört ein Teil davon, also warum nicht?' fragt er, mit verschmitztem Lächeln. 'Ein Gefängnis nur für hundert Leute.' Ein Angestellter, der uns gegenüber sitzt, hustet nervös. 'Herr Präsident, es ist keine schlechte Idee, aber ich glaube, die Nationen, die Gebiete in der Antarktis verwalten, sind vertraglich gebunden, und ihre Präsenz dort ist limitiert auf wissenschaftliche Forschung und ähnliches', sagt er, 'aber ich werde mal nachforschen.' Nach einem Moment überlegte Noboa eine andere Möglichkeit. Wenn die Antarktis sich als zu kompliziert erweisen sollte, könnte er bedrohte Staatsanwälte und Richter von ecuadorianischen Botschaften aus agieren lassen? Könnten sie von da aus Prozesse führen und Urteile aussprechen? Mit zweifelndem Blick versprach der Angestellte, auch das zu überprüfen."Jay Fielden erzählt die Geschichte von John Lennons gestohlener Patek-Philippe-Uhr. Dhruv Khullar informiert über die Fortschritte der Nanotechnologie. Paige Williams beobachtet Glasaale. Jerome Groopman liest die Autobiografie Anthony Faucis, Adam Gopnik liest Charles Taylor. Amanda Petrusich hört Lizzy McAlpine. Justin Chang sah Annie Bakers "Janet Planet" im Kino. Und Roddy Doyle steuert eine Kurzgeschichte bei, "The Buggy".
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