Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
03.05.2007. In der Zeit bringt der Historiker Tony Judt  dem Kerneuropäer Jacques Chirac eine letzte Huldigung dar. Laut FAZ stolpern die Ungarn über Gunter Demnigs "Stolpersteine". In der Welt erinnert sich Wim Wenders an das Berlin vor zwanzig Jahren, dem er im "Himmel über Berlin" ein Denkmal setzte. Die SZ verteidigt den avantgardistischen Komponisten Brian Ferneyhough gegen die Ungebildeten unter seinen Nichtkennern. Dieter Bohlen verstopft die FR. Die NZZ fragt: Was wird nach der Abschaffung der Buchpreisbindung in der Schweiz? Spiegel Online zeigt an digg.com sehr schön, wie das Web 2.0 seine Erfinder frisst.

Zeit, 03.05.2007

Der in New York lehrende Historiker Tony Judt bekennt, dass er Frankreichs scheidenden Präsidenten Jacques Chirac vermissen wird. "Weder Sarkozy noch irgendeiner der anderen Kandidaten hat, wie Chirac, einen historischen Blick dafür, warum das europäische Haus so wichtig ist, was auf dem Spiel steht und warum diejenigen, die Europa spalten oder schwächen wollen, mit dem Feuer spielen. Einige der neuen EU-Mitglieder wollen beides haben - niedrige Steuern, abgesichert durch Zuwendungen der 'ineffizienten' Steuerzahler in Westeuropa. Polen und Tschechien kassieren Brüsseler Subventionen, ohne in der Frage der Stationierung von US-Abwehrsystemen ihre europäischen Nachbarn auch nur zu konsultieren. (...) Als Chirac den Osteuropäern, die den Irakkrieg unterstützten, erklärte, sie hätten besser den Mund halten sollen, regten sich viele Leute über seine ruppige Formulierung auf, die das Ansehen Frankreichs nicht gerade steigerte. Aber Chirac hatte recht."

Vor der Vergabe des Deutschen Filmpreises kann Katja Nicodemus der Deutschen Filmakademie kein sonderlich gutes Zeugnis ausstellen. Was habe man schon von ihr gehört - abgesehen von dem Pamphlet ihres Präsidenten Günther Rohrbach, mit dem er für den Film "Das Parfüm" und gegen die Kritikerzunft trommelte. "Stimmungsmache des Akademiepräsidenten, Fixierung auf Subventionsmillionen, das Fehlen einer Diskussions- geschweige denn Diskurskultur, fragwürdige Klauseln für Befangene - das alles erinnert ein bisschen an ein Kleinstädtchen, dessen Honorationen sich so sicher sind, fürs Gemeinwohl zu arbeiten, dass sie im Umgang mit öffentlichen Mitteln auch mal fünfe grade sein lassen."

Weitere Artikel: Abgedruckt ist die Rede, die der israelische Schriftsteller David Grossman auf dem New Yorker PEN-Festival "World Voices" hielt. Grossman spricht davon, wie ihn das Schreiben vom permanenten Kriegszustand befreit: "Wenn wir schreiben, spüren wir die Welt in Bewegung, flexibel, voller Möglichkeiten. Sie ist gewiss nicht erstarrt. Wo immer Menschen sind, gibt es keinen Status quo." In der Randspalte würdigt Peter Kümmel den wahrscheinlich bewohnbaren Planeten Gliese 581c und seinen Namenspatron Wilhelm Gliese. Nikolaus Bernau wägt die Qualitäten von Hermann Parzinger ab, der neuer Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz werden soll. Thomas E. Schmidt berichtet von seiner Dienstreise nach Manaus, die er machen durfte, um sich dort Schlingensiefs "Fliegenden Holländer" anzusehen. Eva Schweitzer meldet aus den USA gefährliche Zeiten für Komiker und Satiriker. Jan Ross schreibt zum achtzigsten Geburtstag des Philosophen Robert Spaemann, Claus Spahn zum Tod des Cellisten Mstislaw Rostopowitsch und Achatz von Müller zum Tod des Historikers Arno Borst.

Besprochen werden die Douglas-Gordon-Ausstellung im Kunstmuseum Wolfsburg, Björks neues Album "Volta", Michael Thalheimers Inszenierung der "Fledermaus" am Deutschen Theater in Berlin ("schwerer Fall von Belanglosigkeit", diagnostiziert Georg Diez), das Netrebko-Spektakel "Manon" an der Berliner Staatsoper und Neues aus der Diskothek.

Im Aufmacher des Literaturteils preist Evelyn Finger Werner Bräutigams erst jetzt erscheinenden DDR-Roman "Rummelplatz" als einen Höhepunkt der Nachkriegsliteratur.

FR, 03.05.2007

Heute verstopft ein meterlanges Interview mit Dieter Bohlen das Feuilleton, der Mark Obert unter anderem den Merksatz diktiert: "Es muss was rüberkommen, aber nicht das Falsche." (Ein Satz, den auch eine Feuilletonredaktion beherzigen sollte.)

Weiteres: Arno Widmann gratuliert dem NS-Historiker Götz Aly zum 60. Geburtstag: "In Fachkreisen ist er seit mehr als drei Jahrzehnten bekannt. Und gefürchtet. Das wird der Grund dafür sein, dass keine Universität ihn auf einen Lehrstuhl setzte. Dabei ist Götz Aly ein begnadeter Lehrer. Er ist ein autoritärer Stinkstiefel, aber kaum jemand versteht es so sehr, andere für seine Themen und Methoden zu begeistern." Judith von Sterneburg beschäftigt in der Kolumne Times Mager, wieso Russen so gut Blautöne unterscheiden können. Guido Fischer schreibt von den Wittener Tagen für neue Kammermusik.

Besprochen werden Ralf Westhoffs Spielfilmdebüt "Shoppen", Denis Dercourts Musikthriller "Das Mädchen, das die Seiten umblättert" (der Daniel Kothenschulte mit seiner "bezwingenden Perfektion" beeindruckt hat), Alex Gibneys Dokumentation "Taxi to the Dark Side" über die Folter in den amerikanischen Gefangenenlagern Bagram, Abu Ghraib und Guantanamo, zwei Wagner-Opern im Palau de les Arts Reina Sofia in Valencia, Burghart Klaußners Bochumer Inszenierung von Yasmina Rezas Wohnzimmerschlacht "Der Gott des Gemetzels", das neue Stück des Theatermachers Simon McBurney "A Disappearing Number" bei den Ruhrfestspielen und die "Manon" mit Anna Netrebko und Rolando Villazon in der Berliner Staatsoper.

Spiegel Online, 03.05.2007

Das Web 2.0 frisst seine Väter. Konrad Lischka berichtet in einer faszinierenden Geschichte von einer Revolte der Nutzer gegen die Gründer von digg.com. Es geht um den Code zum Knacken von HD-DVDs, der von Nutzern dieser usergenerierten Nachrichtenseite per Link immer wieder veröffentlicht wurde, während die Gründer der Website aus Angst vor juristischen Repressalien diese Links immer wieder entfernten. Vorgestern Abend "um neun, 24 Stunden nachdem der Kampf zwischen Digg-Moderatoren und Digg-Machern begann, meldet sich der Firmen-Gründer Kevin Rose zu Wort. Im Firmen-Blog schreibt er: 'Es war ein verrückter Tag.' Er erklärt noch einmal das Verhalten der Moderatoren, beschreibt die Sorge um die Zukunft der Seite und der Firma. Und dann kommt Rose zu diesem Schluss: Nicht er, sondern die Nutzer hätten über die Zukunft zu bestimmen. 'Jetzt, nach Hunderten von Geschichten und Tausenden von Kommentaren, habt ihr es klar gemacht: Ihr wollt Digg lieber kämpfend untergehen als vor einer größeren Firma einknicken sehen.' Und so soll es laut Rose sein: 'Wir werden ab sofort Geschichten und Kommentare mit dem Code nicht mehr löschen und uns mit allen möglichen Konsequenzen auseinandersetzen.'"
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Stichwörter: Konrad Lischka, Zukunft

TAZ, 03.05.2007

Frank Schäfer porträtiert den kroatischen Schriftsteller Edo Popovic, Hauptvertreter des kroatischen "Dirty Realism", dessen Roman "Abfahrt Zagreb-Süd" gerade auf Deutsch erschienen ist. Statt eines Treffens wechselten die zwei Emails. "'Dein Zagreb wirkt erstaunlich vertraut', maile ich ihm, 'überhaupt nicht exotisch. Ist das Leben in Künstler- und Intellektuellenkreisen mittlerweile überall gleich auf der Welt?' 'Ich weiß weder viel über das Leben von Künstler- und Intellektuellenzirkeln, noch interessieren sie mich', blafft er zurück. 'Aber wie auch immer, die Tatsache, dass man in jeder verdammten Ecke der Welt dieselbe Biersorte, dieselben Menüs im Restaurant bekommt, dieselben glänzenden Waren und Leute in denselben Klamotten sieht, pisst mich an. All das verdirbt einem den Spaß am Reisen.'"

Besprochen werden Denis Dercourts Musikfilm "Das Mädchen, das die Seiten umblättert", Ralf Westhoffs Debütfilm "Shoppen", eine Retrospektive mit Filmen des dänischen Stummfilmstar Asta Nielsen in der Frankfurter Kinothek und zwei Bücher über Computerspiele (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Und Tom.

FAZ, 03.05.2007

Gunter Demnigs backsteingroße "Stolpersteine" sind inzwischen in viele deutsche Fußwege eingelassen. Sie erinnern in unspektakulärer Weise an ermordete jüdische Bürger der Städte. In Polen sind Versuche des Künstlers, solche Steine zu verlegen, bisher gescheitert (wie übrigens auch in München). Nun wurden die ersten Steine in Budapest eingeweiht, berichtet Oliver Jungen: Allerdings dürften auch die vielen aus diesem Anlass erschienenen Besucher "nicht über die salonfähigen antisemitischen Vorbehalte in Ungarn hinwegtäuschen. Mehrfach bereits wurde das Schuh-Denkmal für die ermordeten und in die Donau geworfenen Juden Budapests angegriffen. Auch die Stolpersteine, so die kursierende düstere Warnung, würden nicht lange bestehen. Ein wenig Paranoia ist sicher im Spiel. Tatsächlich aber sagte der Oberbürgermeister der Stadt in letzter Sekunde seine Teilnahme ab, schickte auch keinen Vertreter. Schließlich ließen sogar einige Teilnehmer ihr Missfallen durchblicken: Die Juden, daran solle man einmal erinnern, hätten den Stalinismus gestützt. Die Traumata verstricken sich schnell in Ungarn."

Weitere Artikel: Im Aufmacher berichtet Jürgen Kaube von der gestrigen Sitzung der Islamkonferenz. Philipp Demandt betrachtet Gerhard Richters "Silikat"-Zyklus, in dem der Maler die mikroskopische Oberflächenstruktur eines Flügels des tropischen Schmetterlings Morpho sulkowskyi ins Monumentale steigert - der Zyklus wurde jetzt von der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf angekauft. Lorenz Jäger gratuliert dem Historiker Götz Aly zum Sechzigsten. Matthias Oppermann schildert Nicolas Sarkozy als modernen Bonapartisten. Jutta Sommerbauer erzählt, dass ein von deutschen Historikern in Sofia geplantes Symposion zum Thema "Feindbild Islam - Geschichte und Gegenwart antiislamischer Stereotype in Bulgarien am Beispiel des Mythos vom Massaker in Batak" für starke Irritation sorgte (unter anderem, weil das Massaker kein Mythos ist).

Auf der Medienseite berichtet Karen Krüger über einen Prozess am Bundesverfassungsgericht, in dem die öffentlich-rechtlichen Sender im Streit mit den Ländern nochmal ihr Trauma über die als unzureichend empfundene letzte Gebührenerhöhung verwinden wollen. Michael Hanfeld bespricht einen von "Reporter ohne Grenzen" herausgegebenen Band zum Tag der Pressefreiheit. Nur online erklärt Jürg Altwegg Sego zur Siegerin über Sarko im gestrigen Kandidatenduell (hier das Video) des französischen Fernsehens. Die Filmseite bringt aus Anlass der bevorstehenden Verleihung der Filmpreise ein Gespräch mit den Filmakademievorsitzenden Senta Berger und Günter Rohrbach. Auf der letzten Seite annonciert Lorenz Jäger einen großen Freimaurerkongress zum Thema "Europa bauen" Anfang Juni in Straßburg. Und Dirk Schümer porträtiert Ursula Bongaerts, die neue Leiterin der "Casa di Goethe" in Rom.

Besprochen werden eine "Ring"-Inszenierung durch die katalanische Theatergruppe "La Fura dels Baus" in Valencia, Debbie Tucker Greens theatralische Aids-Parabel "Stoning Mary" in der Inszenierung Benedict Andrews' an der Berliner Schaubühne (laut Irene Beazinger eine "glasklare Choreografie des Untergangs"), Alexander Sokurows Inszenierung von Mussorgskis "Boris Godunow" in Moskau, Denis Dercourts Film "Das Mädchen, das die Seiten umblättert" und Achternbuschs "Weltmeister" im Wiener Volkstheater.

Welt, 03.05.2007

Auf der Kinoseite erinnert sich Wim Wenders an seinen vor zwanzig Jahren gedrehten Film "Der Himmel über Berlin", der wieder in die Kinos kommt: "Das Berlin vom 'Himmel' war noch die Frontstadt, die Insel, die wir inzwischen alle vergessen haben. Ein Universum für sich, auf beiden Seiten der Mauer. Merkwürdig grau und duster, aber von einer erstaunlichen Lebensfülle. Welch andere Stadt hat sich schon getraut, ihre Wunden so deutlich zu zeigen? Die Stadt, die sich heute unter dem Himmel von Berlin als eine einzige ausbreitet, hatte es lange schwer, ein Gefühl für sich zu entwickeln. In den Neunzigern fand ich Berlin oft zum Davonlaufen: griesgrämig und ewig schlecht gelaunt. Inzwischen ist Berlin in meinen Augen wieder zu großer Form aufgelaufen."

Weitere Artikel: Uwe Wittstock weist nach der Freigabe der Buchpreisbindung in der Schweiz darauf hin, dass der Reimport nach Deutschland verboten ist. Hendrik Werner fürchtet, dass das in Casting-Shows regierende Prinzip der Selektion in die Realität überschwappen könnte. Im Interview mit Alan Posener bestreitet der scheidende Direktor des Dresdener Hannah-Arendt-Instituts, Gerhard Besier, noch einmal, einen zu freundlichen Kurs gegenüber Scientology gesteuert zu haben. Dankwart Guratzsch berichtet von einem Berliner Symposion, das sich mit der Frage beschäftigte, wie viel "historische Tapete" das Berliner Stadtschloss in seinem Innern bekommen soll. Peter Dittmar stellt die neue Bonner Karikaturengalerie vor.

Besprochen werden der Ballettabend "Freudentänze" in Dresden und Ralf Westhoffs Speed-Dating-Film "Shoppen".

NZZ, 03.05.2007

Der Schweizer Bundesrat hat die Buchpreisbindung abgeschafft, informiert uns rbl. "Er folgt damit der Argumentation der Wettbewerbsbehörden, wonach keine Kausalität zwischen der Preisabsprache und den behaupteten kulturellen Effekten - Breite des Sortiments, Buchhandelsdichte - bestehe. In seinem Entscheid macht der Bundesrat geltend, dass die kulturpolitischen Interessen mit anderen Mitteln zweckmäßiger zu verwirklichen seien. Er zählt jedoch lediglich auf, welche Fördermaßnahmen bereits bestehen. Dass mit der Aufhebung der Preisbindung ein ordnungspolitisch zwar problematisches, aber wichtiges Instrument der Literaturförderung nun entfällt, erwähnt der Bundesrat hingegen mit keinem Wort. Ebenso unterlässt er es, alternative Fördermaßnahmen in Erwägung zu ziehen oder anzuregen."

Weiteres: Marc Zitzmann findet das Musee du President Jacques Chirac in Sarran wider Erwarten ganz interessant: Ausgestellt werden die Geschenke, die Chirac als Präsident erhalten hat (wir würden lieber die Geschenke sehen, die er als Bürgermeister von Paris erhalten hat).

Besprochen werden eine Ausstellung mit Werken des holländischen Malers Willem Kalf im Aachener Suermondt-Ludwig-Museum und Bücher, darunter zwei Bände mit Erzählungen von Herman Bang (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Auf der Filmseite resümiert Paul Jandl die große Josef-von-Sternberg-Retrospektive im Wiener Filmmuseum. Besprochen wird Chris Kraus' Gefängnis-Melodrama "Vier Minuten".

SZ, 03.05.2007

Reinhard J. Brembeck verteidigt die Verleihung des Siemenspreises an den Komponisten Brian Ferneyhough gegen imaginäre Kritiker. "Kritiker neuer Musik klingen häufig so, als würden sie durch deren Existenz furchtbar beleidigt werden. Das wirkt fast so, als würden sie sich insgeheim darüber ärgern, mit solcher Musik emotional nichts anfangen zu können. Denn es ist nur eine Frage der Lebenseinstellung, ob man sich beispielsweise von Ferneyhoughs 'La chute d'Icare' (1988) bezaubern lassen kann oder nicht. Schon der auf den Absturz des Ikaros weisende Titel gibt dem Hörer Hilfestellung, die ihm die oft extrem hohen Lagen und riskant virtuos geführte Solostimme erklären. So ist dieses kleine Klarinettenkonzert nicht komplizierter zu hören als Mozarts Klarinettenquintett - es ist nur ungewohnter, eigenwilliger."

Mit gesträubtem Haar hat der Rechtshistoriker Rainer Maria Kiesow einer Frankfurter Podiumsdikussion zugehört, auf der die Willensfreiheit praktisch schon abgeschafft war: Ein Mensch habe keinen eigenen Willen, folge demgemäß seinem biologischen Programm und sei mithin niemals schuldfähig, so das fast einstimmige Urteil der Teilnehmer. Nur Kiesow hat noch "eine Frage zum Schluss. Mörder, Pädophile, Vergewaltiger treten nicht massenhaft in Erscheinung. In Massen schließen wir Verträge. Kaufverträge, Mietverträge, Arbeitsverträge. Ein Vertrag besteht typischerweise aus zwei übereinstimmenden Willenserklärungen. Welche Auswirkungen hat die ultramoderne Hirnforschung eigentlich auf das, willensmäßig betrachtet, offenkundig ebenfalls völlig altmodische Zivilrecht?"

Weitere Artikel: Alexander Menden zeigt den zweihundersten Geburtstag des Londoner Garrick Clubs an, der in seiner Geschichte so illustre Mitglieder wie Sir Walther Scott und Henry James hatte, jedoch "193 Jahre lang wie selbstverständlich" keine Frauen. Roswitha Budeus-Budde schickt einen Bericht von der Internationalen Kinderbuchmesse Boulogna. Christiane Kohl berichet von Plänen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Jad Vashem für eine gemeinsame Ausstellung von klassischen Gemälden aus der Dresdner Sammlung "Alte Meister" und Kunstwerken von Holocaust-Opfern. Am Samstag werden im Internet zwei Atheisten mit zwei Christen über die Existenz Gottes streiten, informiert uns Christoph Kappes, der ob dieser aufregenden Nachricht glatt vergisst, uns den Namen der Website mitzuteilen. Fritz Göttler schreibt über das 22. Münchner Dokumentarfilmfest. Göttler und Susan Vahbzadeh berichten außerdem von der Kritik der Filmregisseure Andres Veiel, Fatih Akin und Hans Weingartner an der Auswahlpraxis für den Deutschen Filmpreis. Eine Meldung bestätigt die Abschaffung der Buchpreisbindung in der Schweiz. auf einer Seite wird das Cartoonprojekt "Kunst in der Stadt" mit Zeichnungen von David Shrigley fortgeführt.

Besprochen werden Ralf Westhoffs Beziehungskomödie "Shoppen" (es gibt auch ein Interview mit Westhoff), Cedric Kahns Comicverfilmung "L'avion - das Zauberflugzeug" (den Susan Vahabzadeh "für einen Erwachsenenfilm doch sehr auf eine Kinderwelt konzentriert" fand), ein New Yorker Kunstspektakel von Matthew Barney und Jonathan Meese, Debbie Tucker Greens Stück "Stoning Mary" an der Berliner Schaubühne, Martin Oelbermanns Uraufführung von Herbert Achternbuschs jüngster Bühnengroteske "Weltmeister" (in der ein zurückgekehrter Hitler seine Auswanderung nach Israel plant) im Führerzimmer des Wiener Volkstheaters und Henning Ahrens Roman "Tiertage" (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).